Gott, welchen Dank bin ich dir dafür schuldig, daß ich unter Menschen lebe, die dich auf eine ver- nünftige und anständige Weise und nach der Vor- schrift deines Sohnes Jesu verehren! Wie glücklich bin ich, daß auch mir diese vortreffliche, erhabene Re- ligion durch deine gütige Veranstaltung bekannt ge- macht wird! Hier werde ich von deinem heiligen Wil- len unterrichtet. Hier werde ich zu allem Guten er- muntert und in allem Guten gestärkt. Hier lerne ich mich besonders von der Nothwendigkeit und den Vor- theilen einer frühzeitigen Frömmigkeit überzeugen.
Ja mein Gott und Vater, du verlangst eben so wohl gute und fromme Kinder, als du die Tugend von erwachsenen Personen forderst. So bald ich dich als meinen Schöpfer, Erhalter und Versorger kenne, so bald ich mir die Bestimmung des Menschen den- ken, so bald ich Gutes und Böses unterscheiden kann, so bald bin ich auch zur Beobachtung deiner Gebote verpflichtet, die du mir nicht deinetwegen und blos aus Willkühr, sondern aus Liebe und zu meinem eige- nen Besten gegeben hast. Dein Wille ist so leicht zu verstehen, deine Vorschriften sind so leicht zu fassen
und
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Die frühzeitige Frömmigkeit.
IV. Die frühzeitige Frömmigkeit.
Gott, welchen Dank bin ich dir dafür ſchuldig, daß ich unter Menſchen lebe, die dich auf eine ver- nünftige und anſtändige Weiſe und nach der Vor- ſchrift deines Sohnes Jeſu verehren! Wie glücklich bin ich, daß auch mir dieſe vortreffliche, erhabene Re- ligion durch deine gütige Veranſtaltung bekannt ge- macht wird! Hier werde ich von deinem heiligen Wil- len unterrichtet. Hier werde ich zu allem Guten er- muntert und in allem Guten geſtärkt. Hier lerne ich mich beſonders von der Nothwendigkeit und den Vor- theilen einer frühzeitigen Frömmigkeit überzeugen.
Ja mein Gott und Vater, du verlangſt eben ſo wohl gute und fromme Kinder, als du die Tugend von erwachſenen Perſonen forderſt. So bald ich dich als meinen Schöpfer, Erhalter und Verſorger kenne, ſo bald ich mir die Beſtimmung des Menſchen den- ken, ſo bald ich Gutes und Böſes unterſcheiden kann, ſo bald bin ich auch zur Beobachtung deiner Gebote verpflichtet, die du mir nicht deinetwegen und blos aus Willkühr, ſondern aus Liebe und zu meinem eige- nen Beſten gegeben haſt. Dein Wille iſt ſo leicht zu verſtehen, deine Vorſchriften ſind ſo leicht zu faſſen
und
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Die frühzeitige Frömmigkeit.
IV.
Die frühzeitige Frömmigkeit.
Gott, welchen Dank bin ich dir dafür ſchuldig, daß
ich unter Menſchen lebe, die dich auf eine ver-
nünftige und anſtändige Weiſe und nach der Vor-
ſchrift deines Sohnes Jeſu verehren! Wie glücklich
bin ich, daß auch mir dieſe vortreffliche, erhabene Re-
ligion durch deine gütige Veranſtaltung bekannt ge-
macht wird! Hier werde ich von deinem heiligen Wil-
len unterrichtet. Hier werde ich zu allem Guten er-
muntert und in allem Guten geſtärkt. Hier lerne ich
mich beſonders von der Nothwendigkeit und den Vor-
theilen einer frühzeitigen Frömmigkeit überzeugen.
Ja mein Gott und Vater, du verlangſt eben
ſo wohl gute und fromme Kinder, als du die Tugend
von erwachſenen Perſonen forderſt. So bald ich dich
als meinen Schöpfer, Erhalter und Verſorger kenne,
ſo bald ich mir die Beſtimmung des Menſchen den-
ken, ſo bald ich Gutes und Böſes unterſcheiden kann,
ſo bald bin ich auch zur Beobachtung deiner Gebote
verpflichtet, die du mir nicht deinetwegen und blos
aus Willkühr, ſondern aus Liebe und zu meinem eige-
nen Beſten gegeben haſt. Dein Wille iſt ſo leicht zu
verſtehen, deine Vorſchriften ſind ſo leicht zu faſſen
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Matthias Boenig, Yannic Bracke, Benjamin Fiechter, Susanne Haaf, Linda Kirsten, Xi Zhang:
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Marezoll, Johann Gottlob: Andachtsbuch für das weibliche Geschlecht vorzüglich für den aufgeklärten Theil desselben. Bd. 2. Leipzig, 1788, S. 19. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/marezoll_andachtsbuch02_1788/31>, abgerufen am 25.09.2024.
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