Vergilius Maro, Publius: Eigentlicher Abriß Eines verständigen/ tapfferen und frommen Fürsten/ Von dem fürtrefflichsten Poeten Virgilius. Cölln (Spree), 1668.Das Vierdte Buch. Da werden sie stracks hin all ihre zuflucht nehmen/Da wil ich seyn zur hand/ und wenn du dich bequemen Nach meinen willen wirst/ und ist dein hertz darbey/ Wil ich sie binden fest mit ehegelobter treu. Hier sol die hochzeit seyn. Die Venus muste lachen/ Daß sie so artiglich kunt diesen anschlag machen; Sie wiederstrebt ihr nicht/ gab ihren willen drein/ Und ließ es/ wie es ihr der Juno düncket/ seyn. Der Tagfürst/ für den man sah seinen herold prangen/ Schien von den bergen her mit gold gestriemten spangen; Die edle manschafft macht sich fertig zu der jagt/ Dieweil es diesem printz und königin behagt. Man sieht die jägerpursch wie sie sich fort zurafen Bemühet seyn/ wie sie die netze/ garn und waffen Zu wagen bringen fort. Die schöne reiterey Der Libyer zeucht voran/ die winde lauffen bey. Die obersten des volcks stehn wartend vor dem schlosse Auff ihre königin/ die fast die lufft verdrosse Und in der kammer noch verzog aus liebs beschwerd/ Es stehet auff dem plan ihr schön geputztes pferd/ Das keuet das gebiß/ es brauset/ tobt/ und zittert/ Es stampffet auff die erd und seine brust erschüttert: Da kömmt die königin mit stattlichem geleit/ Trägt einen jägerrock mit gold verbrämet breit. Hat sich gerüstet aus mit köcher/ pfeil und bogen/ Das haar geflochten ein mit golde rings bezogen/ Das überkleid schnürt sie mit güldnen hefften ein. Die Troer wollen auch in dem geleite seyn. Der
Das Vierdte Buch. Da werden ſie ſtracks hin all ihre zuflucht nehmen/Da wil ich ſeyn zur hand/ und wenn du dich bequemen Nach meinen willen wirſt/ und iſt dein hertz darbey/ Wil ich ſie binden feſt mit ehegelobter treu. Hier ſol die hochzeit ſeyn. Die Venus muſte lachen/ Daß ſie ſo artiglich kunt dieſen anſchlag machen; Sie wiederſtrebt ihr nicht/ gab ihren willen drein/ Und ließ es/ wie es ihr der Juno duͤncket/ ſeyn. Der Tagfuͤrſt/ fuͤr den man ſah ſeinen herold prangen/ Schien von den bergen her mit gold geſtriemten ſpangẽ; Die edle manſchafft macht ſich fertig zu der jagt/ Dieweil es dieſem printz und koͤnigin behagt. Man ſieht die jaͤgerpurſch wie ſie ſich fort zurafen Bemuͤhet ſeyn/ wie ſie die netze/ garn und waffen Zu wagen bringen fort. Die ſchoͤne reiterey Der Libyer zeucht voran/ die winde lauffen bey. Die oberſten des volcks ſtehn wartend vor dem ſchloſſe Auff ihre koͤnigin/ die faſt die lufft verdroſſe Und in der kammer noch verzog aus liebs beſchwerd/ Es ſtehet auff dem plan ihr ſchoͤn geputztes pferd/ Das keuet das gebiß/ es brauſet/ tobt/ und zittert/ Es ſtampffet auff die erd und ſeine bruſt erſchuͤttert: Da koͤmmt die koͤnigin mit ſtattlichem geleit/ Traͤgt einen jaͤgerrock mit gold verbraͤmet breit. Hat ſich geruͤſtet aus mit koͤcher/ pfeil und bogen/ Das haar geflochten ein mit golde rings bezogen/ Das uͤberkleid ſchnuͤrt ſie mit guͤldnen hefften ein. Die Troer wollen auch in dem geleite ſeyn. Der
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Das Vierdte Buch.
Da werden ſie ſtracks hin all ihre zuflucht nehmen/
Da wil ich ſeyn zur hand/ und wenn du dich bequemen
Nach meinen willen wirſt/ und iſt dein hertz darbey/
Wil ich ſie binden feſt mit ehegelobter treu.
Hier ſol die hochzeit ſeyn. Die Venus muſte lachen/
Daß ſie ſo artiglich kunt dieſen anſchlag machen;
Sie wiederſtrebt ihr nicht/ gab ihren willen drein/
Und ließ es/ wie es ihr der Juno duͤncket/ ſeyn.
Der Tagfuͤrſt/ fuͤr den man ſah ſeinen herold prangen/
Schien von den bergen her mit gold geſtriemten ſpangẽ;
Die edle manſchafft macht ſich fertig zu der jagt/
Dieweil es dieſem printz und koͤnigin behagt.
Man ſieht die jaͤgerpurſch wie ſie ſich fort zurafen
Bemuͤhet ſeyn/ wie ſie die netze/ garn und waffen
Zu wagen bringen fort. Die ſchoͤne reiterey
Der Libyer zeucht voran/ die winde lauffen bey.
Die oberſten des volcks ſtehn wartend vor dem ſchloſſe
Auff ihre koͤnigin/ die faſt die lufft verdroſſe
Und in der kammer noch verzog aus liebs beſchwerd/
Es ſtehet auff dem plan ihr ſchoͤn geputztes pferd/
Das keuet das gebiß/ es brauſet/ tobt/ und zittert/
Es ſtampffet auff die erd und ſeine bruſt erſchuͤttert:
Da koͤmmt die koͤnigin mit ſtattlichem geleit/
Traͤgt einen jaͤgerrock mit gold verbraͤmet breit.
Hat ſich geruͤſtet aus mit koͤcher/ pfeil und bogen/
Das haar geflochten ein mit golde rings bezogen/
Das uͤberkleid ſchnuͤrt ſie mit guͤldnen hefften ein.
Die Troer wollen auch in dem geleite ſeyn.
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| Zitationshilfe: | Vergilius Maro, Publius: Eigentlicher Abriß Eines verständigen/ tapfferen und frommen Fürsten/ Von dem fürtrefflichsten Poeten Virgilius. Cölln (Spree), 1668, S. 164. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/maro_abriss_1668/186>, abgerufen am 06.08.2024. |


