Vergilius Maro, Publius: Eigentlicher Abriß Eines verständigen/ tapfferen und frommen Fürsten/ Von dem fürtrefflichsten Poeten Virgilius. Cölln (Spree), 1668.Das Vierdte Buch. Sie kan für unlust nicht und eingebildtem grauenMehr ans gestirnte hauß des hohen himmels schauen; Damit sie nun ihr thun zu wercke vollend richt/ Und weils ihr nicht beliebt/ verlaß dis lebens liecht; Da sieht sie (welches gar erschrecklich ist zu sagen) Als sie wil zum altar ihr opffer gabe tragen/ Wie der geweyhte quell erschwartzt abscheuliglich/ Und der geheilgte wein in blut verkehre sich; Diß wunderzeichen wil sie keinem offenbahren/ Es muß die schwester auch dasselbe nicht erfahren/ Es stund auch in der burg ein Tempel (wie man traut) Von ihrem vorgen mann aus marmor auffgebaut. In selbten gieng sie offt mit heiliger begierde/ Denselben schmückte sie mit sonderbahrer zierde Mit weissen opffer vieh/ mit meyen/ laub und graß/ Da ließ sie düncken sich zu hören/ weiß nicht was/ Als ruffte sie ihr mann zur zeit/ da finstre schatten Der erden halbes rund bedeckt gantz düster hatten: Es ließ sich über das die nachteul hören offt/ Die auff dem giebeln sitzt/ erschrecklich heult und rufft: Ein vogel/ der sich nicht den andern zu gesellet/ Des heulen und gesang mit böser deutung fället Den sterblichen ins ohr und schrecket ihren sinn; Die sprüche machen sie auch furchtsam/ die vorhin Die priester stelleten und schrecklich vorhersagten Auch ihre träume sie und pfantaseyen plagten/ Da ihr Eneas kam in tieffem schlaffe für/ Und sie/ die für sich war mit rasender begier Er-
Das Vierdte Buch. Sie kan fuͤr unluſt nicht und eingebildtem grauenMehr ans geſtirnte hauß des hohen himmels ſchauen; Damit ſie nun ihr thun zu wercke vollend richt/ Und weils ihr nicht beliebt/ verlaß dis lebens liecht; Da ſieht ſie (welches gar erſchrecklich iſt zu ſagen) Als ſie wil zum altar ihr opffer gabe tragen/ Wie der geweyhte quell erſchwartzt abſcheuliglich/ Und der geheilgte wein in blut verkehre ſich; Diß wunderzeichen wil ſie keinem offenbahren/ Es muß die ſchweſter auch daſſelbe nicht erfahren/ Es ſtund auch in der burg ein Tempel (wie man traut) Von ihrem vorgen mann aus marmor auffgebaut. In ſelbten gieng ſie offt mit heiliger begierde/ Denſelben ſchmuͤckte ſie mit ſonderbahrer zierde Mit weiſſen opffer vieh/ mit meyen/ laub und graß/ Da ließ ſie duͤncken ſich zu hoͤren/ weiß nicht was/ Als ruffte ſie ihr mann zur zeit/ da finſtre ſchatten Der erden halbes rund bedeckt gantz duͤſter hatten: Es ließ ſich uͤber das die nachteul hoͤren offt/ Die auff dem giebeln ſitzt/ erſchrecklich heult und rufft: Ein vogel/ der ſich nicht den andern zu geſellet/ Des heulen und geſang mit boͤſer deutung faͤllet Den ſterblichen ins ohr und ſchrecket ihren ſinn; Die ſpruͤche machen ſie auch furchtſam/ die vorhin Die prieſter ſtelleten und ſchrecklich vorherſagten Auch ihre traͤume ſie und pfantaſeyen plagten/ Da ihr Eneas kam in tieffem ſchlaffe fuͤr/ Und ſie/ die fuͤr ſich war mit raſender begier Er-
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Das Vierdte Buch.
Sie kan fuͤr unluſt nicht und eingebildtem grauen
Mehr ans geſtirnte hauß des hohen himmels ſchauen;
Damit ſie nun ihr thun zu wercke vollend richt/
Und weils ihr nicht beliebt/ verlaß dis lebens liecht;
Da ſieht ſie (welches gar erſchrecklich iſt zu ſagen)
Als ſie wil zum altar ihr opffer gabe tragen/
Wie der geweyhte quell erſchwartzt abſcheuliglich/
Und der geheilgte wein in blut verkehre ſich;
Diß wunderzeichen wil ſie keinem offenbahren/
Es muß die ſchweſter auch daſſelbe nicht erfahren/
Es ſtund auch in der burg ein Tempel (wie man traut)
Von ihrem vorgen mann aus marmor auffgebaut.
In ſelbten gieng ſie offt mit heiliger begierde/
Denſelben ſchmuͤckte ſie mit ſonderbahrer zierde
Mit weiſſen opffer vieh/ mit meyen/ laub und graß/
Da ließ ſie duͤncken ſich zu hoͤren/ weiß nicht was/
Als ruffte ſie ihr mann zur zeit/ da finſtre ſchatten
Der erden halbes rund bedeckt gantz duͤſter hatten:
Es ließ ſich uͤber das die nachteul hoͤren offt/
Die auff dem giebeln ſitzt/ erſchrecklich heult und rufft:
Ein vogel/ der ſich nicht den andern zu geſellet/
Des heulen und geſang mit boͤſer deutung faͤllet
Den ſterblichen ins ohr und ſchrecket ihren ſinn;
Die ſpruͤche machen ſie auch furchtſam/ die vorhin
Die prieſter ſtelleten und ſchrecklich vorherſagten
Auch ihre traͤume ſie und pfantaſeyen plagten/
Da ihr Eneas kam in tieffem ſchlaffe fuͤr/
Und ſie/ die fuͤr ſich war mit raſender begier
Er-
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