Vergilius Maro, Publius: Eigentlicher Abriß Eines verständigen/ tapfferen und frommen Fürsten/ Von dem fürtrefflichsten Poeten Virgilius. Cölln (Spree), 1668.Das Vierdte Buch. Eneas wachet auff vom plötzlichem gesichte/Wird sehr bestürtzt hierob und hälts für kein getichte/ Nafft sich stracks aus dem bett/ und schreyet was er kan Erwecket seine pursch und mahnt sie freudig an: Wacht auf/ ihr pursch/ es läßt sich hier nicht länger schlaf- Wir müssen in der eil verlassen diesen haven; (fen/ Ein jeder füge sich an seine stell und orth/ Und last die segel ab stoßt flugs ab von dem port. Schaut! der postilion der Götter schwingt sich wieder Von himmelsthron herab mit güldenem gesieder/ Und treibt uns an/ die flucht zu nehmen in der eil/ Und hauen rüstig ab die grossen anckerseil. Du magst seyn wer du bist/ du heiliger der Götter/ Wir folgen deinem trieb: Denn du bist unser retter Und könig: Dein gebot verrichten wir mit lust Und freuden/ steh uns bey mit deinem sanfften trost/ Und laß das wetter doch nach unserm wuntsch gelücken. Nach diesem sah man ihn den blancken degen zücken/ Er hewt mit scharffen hieb das seil am ufer ab/ Es folgt ihm männiglich und sich in eil begab Zu segel/ raffen mit geschwinde/ was sie können/ Und über halß und kopff hin nach den schiffen rennen: Sie machen sich zum strand mit allem zeug und heer/ Sie rudern/ daß es schäumt und streichen durch das meer. Die morgen röthe war nun wieder auffgegangen/ Und bracht ihr lebens liecht den menschen nach verlangen. Als nun die königin von hoher warte sieht/ Wie diese schiff-armad mit vollem segel flieht Und
Das Vierdte Buch. Eneas wachet auff vom ploͤtzlichem geſichte/Wird ſehr beſtuͤrtzt hierob und haͤlts fuͤr kein getichte/ Nafft ſich ſtracks aus dem bett/ und ſchreyet was er kan Erwecket ſeine purſch und mahnt ſie freudig an: Wacht auf/ ihr purſch/ es laͤßt ſich hier nicht laͤnger ſchlaf- Wir muͤſſen in der eil verlaſſen dieſen haven; (fen/ Ein jeder fuͤge ſich an ſeine ſtell und orth/ Und laſt die ſegel ab ſtoßt flugs ab von dem port. Schaut! der poſtilion der Goͤtter ſchwingt ſich wieder Von himmelsthron herab mit guͤldenem geſieder/ Und treibt uns an/ die flucht zu nehmen in der eil/ Und hauen ruͤſtig ab die groſſen anckerſeil. Du magſt ſeyn wer du biſt/ du heiliger der Goͤtter/ Wir folgen deinem trieb: Denn du biſt unſer retter Und koͤnig: Dein gebot verrichten wir mit luſt Und freuden/ ſteh uns bey mit deinem ſanfften troſt/ Und laß das wetter doch nach unſerm wuntſch geluͤcken. Nach dieſem ſah man ihn den blancken degen zuͤcken/ Er hewt mit ſcharffen hieb das ſeil am ufer ab/ Es folgt ihm maͤnniglich und ſich in eil begab Zu ſegel/ raffen mit geſchwinde/ was ſie koͤnnen/ Und uͤber halß und kopff hin nach den ſchiffen rennen: Sie machen ſich zum ſtrand mit allem zeug und heer/ Sie ꝛudeꝛn/ daß es ſchaͤumt und ſtꝛeichen durch das meer. Die morgen roͤthe war nun wieder auffgegangen/ Und bracht ihr lebens liecht den menſchen nach verlangẽ. Als nun die koͤnigin von hoher warte ſieht/ Wie dieſe ſchiff-armad mit vollem ſegel flieht Und
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Das Vierdte Buch.
Eneas wachet auff vom ploͤtzlichem geſichte/
Wird ſehr beſtuͤrtzt hierob und haͤlts fuͤr kein getichte/
Nafft ſich ſtracks aus dem bett/ und ſchreyet was er kan
Erwecket ſeine purſch und mahnt ſie freudig an:
Wacht auf/ ihr purſch/ es laͤßt ſich hier nicht laͤnger ſchlaf-
Wir muͤſſen in der eil verlaſſen dieſen haven; (fen/
Ein jeder fuͤge ſich an ſeine ſtell und orth/
Und laſt die ſegel ab ſtoßt flugs ab von dem port.
Schaut! der poſtilion der Goͤtter ſchwingt ſich wieder
Von himmelsthron herab mit guͤldenem geſieder/
Und treibt uns an/ die flucht zu nehmen in der eil/
Und hauen ruͤſtig ab die groſſen anckerſeil.
Du magſt ſeyn wer du biſt/ du heiliger der Goͤtter/
Wir folgen deinem trieb: Denn du biſt unſer retter
Und koͤnig: Dein gebot verrichten wir mit luſt
Und freuden/ ſteh uns bey mit deinem ſanfften troſt/
Und laß das wetter doch nach unſerm wuntſch geluͤcken.
Nach dieſem ſah man ihn den blancken degen zuͤcken/
Er hewt mit ſcharffen hieb das ſeil am ufer ab/
Es folgt ihm maͤnniglich und ſich in eil begab
Zu ſegel/ raffen mit geſchwinde/ was ſie koͤnnen/
Und uͤber halß und kopff hin nach den ſchiffen rennen:
Sie machen ſich zum ſtrand mit allem zeug und heer/
Sie ꝛudeꝛn/ daß es ſchaͤumt und ſtꝛeichen durch das meer.
Die morgen roͤthe war nun wieder auffgegangen/
Und bracht ihr lebens liecht den menſchen nach verlangẽ.
Als nun die koͤnigin von hoher warte ſieht/
Wie dieſe ſchiff-armad mit vollem ſegel flieht
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