Vergilius Maro, Publius: Eigentlicher Abriß Eines verständigen/ tapfferen und frommen Fürsten/ Von dem fürtrefflichsten Poeten Virgilius. Cölln (Spree), 1668.Das Neunde Buch. So wilst du/ Nise/ denn mich diesen hohen sachen/Der ich bin dein gesell nicht auch theilhafftig machen? Wilt du den anschlag/ der von hoher wichtigkeit Allein verüben aus/ und gehen in den streit? Sol ich dich lassen ziehn durch so viel fährligkeiten/ Und mitten durch den feind nicht deinen gang begleiten? So hat mein vater mich ein tapffrer kriegesmann Opheltes nicht gelehrt/ der mich von jugend an In mancher krieges-noht/ da uns die Griechen machten Viel schrecken und gefahr/ und unserm Troja brachten Den letzten untergang/ erzogen löblich hat/ Und meinen schnellen sinn regiert mit weisem raht: Auch hab ich nebenst dir gehandelt nicht dergleichen/ Und hat mich niemand je gesehn für furcht erbleichen/ Da ich Eneen zog dem grossen fürsten nach Durch euserste gefahr und manches ungemach. Es ist in diesem leib ein hertze noch zufinden/ Das alle liebe kan des lebens überwinden/ Und das/ wornach du strebst/ umb solche zier und kron Das leben gäbe hin gar gern zu danck und lohn. Der Nisus sagte drauff: Ich trage solche sorgen Und argwohn nicht zu dir/ das sey dir unverborgen; Es wär auch nicht gemäß der pflicht und billigkeit/ So wahr der grosse gott mich bringet aus dem streit Mit freuden wiederumb/ und der sonst von den göttern/ Als die gehäßig sind den ungerechten spöttern/ Dis gnädig siehet an; Dis sag ich/ so es käm/ Daß mir Gott oder fall des glücks mein leben nähm (Gestalt
Das Neunde Buch. So wilſt du/ Niſe/ denn mich dieſen hohen ſachen/Der ich bin dein geſell nicht auch theilhafftig machen? Wilt du den anſchlag/ der von hoher wichtigkeit Allein veruͤben aus/ und gehen in den ſtreit? Sol ich dich laſſen ziehn durch ſo viel faͤhrligkeiten/ Und mitten durch den feind nicht deinen gang begleiten? So hat mein vater mich ein tapffrer kriegesmann Opheltes nicht gelehrt/ der mich von jugend an In mancher krieges-noht/ da uns die Griechen machten Viel ſchrecken und gefahr/ und unſerm Troja brachten Den letzten untergang/ erzogen loͤblich hat/ Und meinen ſchnellen ſinn regiert mit weiſem raht: Auch hab ich nebenſt dir gehandelt nicht dergleichen/ Und hat mich niemand je geſehn fuͤr furcht erbleichen/ Da ich Eneen zog dem groſſen fuͤrſten nach Durch euſerſte gefahr und manches ungemach. Es iſt in dieſem leib ein hertze noch zufinden/ Das alle liebe kan des lebens uͤberwinden/ Und das/ wornach du ſtrebſt/ umb ſolche zier und kron Das leben gaͤbe hin gar gern zu danck und lohn. Der Niſus ſagte drauff: Ich trage ſolche ſorgen Und argwohn nicht zu dir/ das ſey dir unverborgen; Es waͤr auch nicht gemaͤß der pflicht und billigkeit/ So wahr der groſſe gott mich bringet aus dem ſtreit Mit freuden wiederumb/ und der ſonſt von den goͤttern/ Als die gehaͤßig ſind den ungerechten ſpoͤttern/ Dis gnaͤdig ſiehet an; Dis ſag ich/ ſo es kaͤm/ Daß mir Gott oder fall des gluͤcks mein leben naͤhm (Geſtalt
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Das Neunde Buch.
So wilſt du/ Niſe/ denn mich dieſen hohen ſachen/
Der ich bin dein geſell nicht auch theilhafftig machen?
Wilt du den anſchlag/ der von hoher wichtigkeit
Allein veruͤben aus/ und gehen in den ſtreit?
Sol ich dich laſſen ziehn durch ſo viel faͤhrligkeiten/
Und mitten durch den feind nicht deinen gang begleiten?
So hat mein vater mich ein tapffrer kriegesmann
Opheltes nicht gelehrt/ der mich von jugend an
In mancher krieges-noht/ da uns die Griechen machten
Viel ſchrecken und gefahr/ und unſerm Troja brachten
Den letzten untergang/ erzogen loͤblich hat/
Und meinen ſchnellen ſinn regiert mit weiſem raht:
Auch hab ich nebenſt dir gehandelt nicht dergleichen/
Und hat mich niemand je geſehn fuͤr furcht erbleichen/
Da ich Eneen zog dem groſſen fuͤrſten nach
Durch euſerſte gefahr und manches ungemach.
Es iſt in dieſem leib ein hertze noch zufinden/
Das alle liebe kan des lebens uͤberwinden/
Und das/ wornach du ſtrebſt/ umb ſolche zier und kron
Das leben gaͤbe hin gar gern zu danck und lohn.
Der Niſus ſagte drauff: Ich trage ſolche ſorgen
Und argwohn nicht zu dir/ das ſey dir unverborgen;
Es waͤr auch nicht gemaͤß der pflicht und billigkeit/
So wahr der groſſe gott mich bringet aus dem ſtreit
Mit freuden wiederumb/ und der ſonſt von den goͤttern/
Als die gehaͤßig ſind den ungerechten ſpoͤttern/
Dis gnaͤdig ſiehet an; Dis ſag ich/ ſo es kaͤm/
Daß mir Gott oder fall des gluͤcks mein leben naͤhm
(Geſtalt
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