Meißner, Alfred: Die Prinzessin von Portugal. Breslau u. a., 1882.Graf Albrecht, dem das Essen und der Wein trefflich mundeten, führte, auf's Beste aufgeräumt, fast immer das Wort, indem er aus dem reichen Schatze seiner Erlebnisse bald eine ernste bald eine lustige Geschichte erzählte und auf das nimmergestillte Verlangen seiner gefesselten Zuhörer hin immer weiter fortfahren mußte. Wie sehr er aber auch bei der Sache war, seinen Blicken entgingen nicht die vielen schönen Damen an der Tafel, am allerwenigsten die Prinzessin, die auf ihn den Eindruck des schönsten Weibes machte, das er je im Leben zu Gesicht bekommen. Und als die Prinzessin, die erst schüchtern und wie verstohlen zugehört hatte, seinen Erzählungen immer offener Aufmerksamkeit schenkte, fühlte auch er sich ermuthigt, sie öfter anzusehen, und ihm war endlich, wie wenn ihre ausdrucksvollen, feurig schwarzen Augen wie aus geheimen Schlupfwinkeln seinen Blicken zuweilen entgegenführen. Da fühlte er plötzlich seine Brust so süß bewegt, seinen Athem stocken, und er hatte Mühe, die Zerstreutheit, die ihn überfiel, vor seinen Zuhörern zu verbergen. Als die Tafel aufgehoben war und die Gesellschaft sich in den weiten, schattigen Räumen des königlichen Graf Albrecht, dem das Essen und der Wein trefflich mundeten, führte, auf’s Beste aufgeräumt, fast immer das Wort, indem er aus dem reichen Schatze seiner Erlebnisse bald eine ernste bald eine lustige Geschichte erzählte und auf das nimmergestillte Verlangen seiner gefesselten Zuhörer hin immer weiter fortfahren mußte. Wie sehr er aber auch bei der Sache war, seinen Blicken entgingen nicht die vielen schönen Damen an der Tafel, am allerwenigsten die Prinzessin, die auf ihn den Eindruck des schönsten Weibes machte, das er je im Leben zu Gesicht bekommen. Und als die Prinzessin, die erst schüchtern und wie verstohlen zugehört hatte, seinen Erzählungen immer offener Aufmerksamkeit schenkte, fühlte auch er sich ermuthigt, sie öfter anzusehen, und ihm war endlich, wie wenn ihre ausdrucksvollen, feurig schwarzen Augen wie aus geheimen Schlupfwinkeln seinen Blicken zuweilen entgegenführen. Da fühlte er plötzlich seine Brust so süß bewegt, seinen Athem stocken, und er hatte Mühe, die Zerstreutheit, die ihn überfiel, vor seinen Zuhörern zu verbergen. Als die Tafel aufgehoben war und die Gesellschaft sich in den weiten, schattigen Räumen des königlichen <TEI> <text> <body> <div n="2"> <pb facs="#f0069" n="61"/> <p>Graf Albrecht, dem das Essen und der Wein trefflich mundeten, führte, auf’s Beste aufgeräumt, fast immer das Wort, indem er aus dem reichen Schatze seiner Erlebnisse bald eine ernste bald eine lustige Geschichte erzählte und auf das nimmergestillte Verlangen seiner gefesselten Zuhörer hin immer weiter fortfahren mußte. Wie sehr er aber auch bei der Sache war, seinen Blicken entgingen nicht die vielen schönen Damen an der Tafel, am allerwenigsten die Prinzessin, die auf ihn den Eindruck des schönsten Weibes machte, das er je im Leben zu Gesicht bekommen. Und als die Prinzessin, die erst schüchtern und wie verstohlen zugehört hatte, seinen Erzählungen immer offener Aufmerksamkeit schenkte, fühlte auch er sich ermuthigt, sie öfter anzusehen, und ihm war endlich, wie wenn ihre ausdrucksvollen, feurig schwarzen Augen wie aus geheimen Schlupfwinkeln seinen Blicken zuweilen entgegenführen. Da fühlte er plötzlich seine Brust so süß bewegt, seinen Athem stocken, und er hatte Mühe, die Zerstreutheit, die ihn überfiel, vor seinen Zuhörern zu verbergen.</p> <p>Als die Tafel aufgehoben war und die Gesellschaft sich in den weiten, schattigen Räumen des königlichen </p> </div> </body> </text> </TEI> [61/0069]
Graf Albrecht, dem das Essen und der Wein trefflich mundeten, führte, auf’s Beste aufgeräumt, fast immer das Wort, indem er aus dem reichen Schatze seiner Erlebnisse bald eine ernste bald eine lustige Geschichte erzählte und auf das nimmergestillte Verlangen seiner gefesselten Zuhörer hin immer weiter fortfahren mußte. Wie sehr er aber auch bei der Sache war, seinen Blicken entgingen nicht die vielen schönen Damen an der Tafel, am allerwenigsten die Prinzessin, die auf ihn den Eindruck des schönsten Weibes machte, das er je im Leben zu Gesicht bekommen. Und als die Prinzessin, die erst schüchtern und wie verstohlen zugehört hatte, seinen Erzählungen immer offener Aufmerksamkeit schenkte, fühlte auch er sich ermuthigt, sie öfter anzusehen, und ihm war endlich, wie wenn ihre ausdrucksvollen, feurig schwarzen Augen wie aus geheimen Schlupfwinkeln seinen Blicken zuweilen entgegenführen. Da fühlte er plötzlich seine Brust so süß bewegt, seinen Athem stocken, und er hatte Mühe, die Zerstreutheit, die ihn überfiel, vor seinen Zuhörern zu verbergen.
Als die Tafel aufgehoben war und die Gesellschaft sich in den weiten, schattigen Räumen des königlichen
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| Zitationshilfe: | Meißner, Alfred: Die Prinzessin von Portugal. Breslau u. a., 1882, S. 61. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/meissner_prinzessin_1882/69>, abgerufen am 25.09.2024. |


