Meyer, Leonhardt: Theatrum Historicvm [...] Erzehlung der fürnemsten und nuzlichsten Historien und Geschichten. Schaffhausen, 1665.bruch/ Mord/ Zauberey/ und fragt hierauf was hinfort diß fals zu thun sej. Darauff dann Trajanus ihm antwortet: Man solle hinfort keine scharffe Inquisition oder nach forschung nach den Christen anstellen: Aber dennoch wenn man sie antreffe so solle man sie straffen. Welcher anwort unbilligkeit Tertullianus in seiner Apologia merklich straffet/ und sezt under andern auch diese wort: Man verdamme und straffe an den armen Christen nur den blossen Nammen/ und sonst ganz und gar kein laster oder übelthat / sondern es müßte diesen frommen unschuldigen Leüthen ihr unschuldiger nam für ein laster und übelthat angezogen werden/ damit sie etlicher massen mit einem schein des rechtens möchten gestrafft werden. Wie aber man dazumal die langwierigkeit der verfolgung/ und die grosse menge deß unschuldigen vergossenen Christlichen Bluts/ darumb die Christliche Religion nicht ärger oder schlimmer/ noch die Heidnische Abgötterey besser gemacht hat: Also wird auch zu unsern zeiten/ von wegen der verfolgung das Evangelium nicht schlimmer/ oder deß Antichrists Menschen Sazungen besser. Denn in der ganzen welt kein Religion zu finden ist / die gewiß und warhafftig sej/ dann allein die Christliche Religion. Und hat Gott darumm nicht unrecht gethan/ daß er solch Creuz über seine gläubigen hat ergehen lassen Denn er durch das Blut der unschuldigen martyrer/ den wahren Glauben in allen Landen vermehret/ also daß auch die alten als in einem sprüchwort gesagt haben: Daß Blut der Martyrer were der fette edle mist deß Akers der Christlichen Kirchen. Lasset uns derwegen auch zu unsern zeiten nicht kleinmüthig werden/ sondern vielmehr auch mitten in der verfolgung und blutvergiessung/ einen muth im Herrn fassen/ und also getrost und unverzagt sein. Denn der Gott der dazumal gelebt und regieret hat/ lebet und regieret noch/ und wird in Ewigkeit leben und regieren/ ja mitten under seinen feinden herrschen/ und endlich nach erhaltenem Sieg über sie triumphiren. Hadrianus. Jahr Christi 120. AElius Adrianus kame auff Trajanum zum Käiserthum/ ein gelehrter und kunstreicher Käiser/ und darbej sehr kurzweilig. Diser hat endlich den Juden den garaus gemacht/ die Statt Jerusalem vom grund außgereütet/ und ein andere Statt darneben ge- bruch/ Mord/ Zauberey/ und fragt hierauf was hinfort diß fals zu thun sej. Darauff dann Trajanus ihm antwortet: Man solle hinfort keine scharffe Inquisition oder nach forschung nach den Christen anstellen: Aber dennoch wenn man sie antreffe so solle man sie straffen. Welcher anwort unbilligkeit Tertullianus in seiner Apologia merklich straffet/ und sezt under andern auch diese wort: Man verdamme und straffe an den armen Christen nur den blossen Nam̃en/ und sonst ganz und gar kein laster oder übelthat / sondern es müßte diesen frommen unschuldigen Leüthen ihr unschuldiger nam für ein laster und übelthat angezogen werden/ damit sie etlicher massen mit einem schein des rechtens möchten gestrafft werden. Wie aber man dazumal die langwierigkeit der verfolgung/ und die grosse menge deß unschuldigen vergossenen Christlichen Bluts/ darumb die Christliche Religion nicht ärger oder schlimmer/ noch die Heidnische Abgötterey besser gemacht hat: Also wird auch zu unsern zeiten/ von wegen der verfolgung das Evangelium nicht schlimmer/ oder deß Antichrists Menschen Sazungen besser. Denn in der ganzen welt kein Religion zu finden ist / die gewiß und warhafftig sej/ dann allein die Christliche Religion. Und hat Gott darum̃ nicht unrecht gethan/ daß er solch Creuz über seine gläubigen hat ergehen lassen Denn er durch das Blut der unschuldigen martyrer/ den wahren Glauben in allen Landen vermehret/ also daß auch die alten als in einem sprüchwort gesagt haben: Daß Blut der Martyrer were der fette edle mist deß Akers der Christlichen Kirchen. Lasset uns derwegen auch zu unsern zeiten nicht kleinmüthig werden/ sondern vielmehr auch mitten in der verfolgung und blutvergiessung/ einen muth im Herrn fassen/ und also getrost und unverzagt sein. Denn der Gott der dazumal gelebt und regieret hat/ lebet und regieret noch/ und wird in Ewigkeit leben und regieren/ ja mitten under seinen feinden herrschen/ und endlich nach erhaltenem Sieg über sie triumphiren. Hadrianus. Jahr Christi 120. AElius Adrianus kame auff Trajanum zum Käiserthum/ ein gelehrter und kunstreicher Käiser/ und darbej sehr kurzweilig. Diser hat endlich den Juden den garaus gemacht/ die Statt Jerusalem vom grund außgereütet/ und ein andere Statt darneben ge- <TEI> <text> <body> <div> <p><pb facs="#f0201" n="172"/> bruch/ Mord/ Zauberey/ und fragt hierauf was hinfort diß fals zu thun sej.</p> <p>Darauff dann Trajanus ihm antwortet: Man solle hinfort keine scharffe Inquisition oder nach forschung nach den Christen anstellen: Aber dennoch wenn man sie antreffe so solle man sie straffen. Welcher anwort unbilligkeit Tertullianus in seiner Apologia merklich straffet/ und sezt under andern auch diese wort: Man verdamme und straffe an den armen Christen nur den blossen Nam̃en/ und sonst ganz und gar kein laster oder übelthat / sondern es müßte diesen frommen unschuldigen Leüthen ihr unschuldiger nam für ein laster und übelthat angezogen werden/ damit sie etlicher massen mit einem schein des rechtens möchten gestrafft werden.</p> <p>Wie aber man dazumal die langwierigkeit der verfolgung/ und die grosse menge deß unschuldigen vergossenen Christlichen Bluts/ darumb die Christliche Religion nicht ärger oder schlimmer/ noch die Heidnische Abgötterey besser gemacht hat: Also wird auch zu unsern zeiten/ von wegen der verfolgung das Evangelium nicht schlimmer/ oder deß Antichrists Menschen Sazungen besser. Denn in der ganzen welt kein Religion zu finden ist / die gewiß und warhafftig sej/ dann allein die Christliche Religion. Und hat Gott darum̃ nicht unrecht gethan/ daß er solch Creuz über seine gläubigen hat ergehen lassen Denn er durch das Blut der unschuldigen martyrer/ den wahren Glauben in allen Landen vermehret/ also daß auch die alten als in einem sprüchwort gesagt haben: Daß Blut der Martyrer were der fette edle mist deß Akers der Christlichen Kirchen.</p> <p>Lasset uns derwegen auch zu unsern zeiten nicht kleinmüthig werden/ sondern vielmehr auch mitten in der verfolgung und blutvergiessung/ einen muth im Herrn fassen/ und also getrost und unverzagt sein. Denn der Gott der dazumal gelebt und regieret hat/ lebet und regieret noch/ und wird in Ewigkeit leben und regieren/ ja mitten under seinen feinden herrschen/ und endlich nach erhaltenem Sieg über sie triumphiren.</p> <p><note place="right">Hadrianus. Jahr Christi 120.</note> AElius Adrianus kame auff Trajanum zum Käiserthum/ ein gelehrter und kunstreicher Käiser/ und darbej sehr kurzweilig. Diser hat endlich den Juden den garaus gemacht/ die Statt Jerusalem vom grund außgereütet/ und ein andere Statt darneben ge- </p> </div> </body> </text> </TEI> [172/0201]
bruch/ Mord/ Zauberey/ und fragt hierauf was hinfort diß fals zu thun sej.
Darauff dann Trajanus ihm antwortet: Man solle hinfort keine scharffe Inquisition oder nach forschung nach den Christen anstellen: Aber dennoch wenn man sie antreffe so solle man sie straffen. Welcher anwort unbilligkeit Tertullianus in seiner Apologia merklich straffet/ und sezt under andern auch diese wort: Man verdamme und straffe an den armen Christen nur den blossen Nam̃en/ und sonst ganz und gar kein laster oder übelthat / sondern es müßte diesen frommen unschuldigen Leüthen ihr unschuldiger nam für ein laster und übelthat angezogen werden/ damit sie etlicher massen mit einem schein des rechtens möchten gestrafft werden.
Wie aber man dazumal die langwierigkeit der verfolgung/ und die grosse menge deß unschuldigen vergossenen Christlichen Bluts/ darumb die Christliche Religion nicht ärger oder schlimmer/ noch die Heidnische Abgötterey besser gemacht hat: Also wird auch zu unsern zeiten/ von wegen der verfolgung das Evangelium nicht schlimmer/ oder deß Antichrists Menschen Sazungen besser. Denn in der ganzen welt kein Religion zu finden ist / die gewiß und warhafftig sej/ dann allein die Christliche Religion. Und hat Gott darum̃ nicht unrecht gethan/ daß er solch Creuz über seine gläubigen hat ergehen lassen Denn er durch das Blut der unschuldigen martyrer/ den wahren Glauben in allen Landen vermehret/ also daß auch die alten als in einem sprüchwort gesagt haben: Daß Blut der Martyrer were der fette edle mist deß Akers der Christlichen Kirchen.
Lasset uns derwegen auch zu unsern zeiten nicht kleinmüthig werden/ sondern vielmehr auch mitten in der verfolgung und blutvergiessung/ einen muth im Herrn fassen/ und also getrost und unverzagt sein. Denn der Gott der dazumal gelebt und regieret hat/ lebet und regieret noch/ und wird in Ewigkeit leben und regieren/ ja mitten under seinen feinden herrschen/ und endlich nach erhaltenem Sieg über sie triumphiren.
AElius Adrianus kame auff Trajanum zum Käiserthum/ ein gelehrter und kunstreicher Käiser/ und darbej sehr kurzweilig. Diser hat endlich den Juden den garaus gemacht/ die Statt Jerusalem vom grund außgereütet/ und ein andere Statt darneben ge-
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| Zitationshilfe: | Meyer, Leonhardt: Theatrum Historicvm [...] Erzehlung der fürnemsten und nuzlichsten Historien und Geschichten. Schaffhausen, 1665, S. 172. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/meyer_theatrum_1665/201>, abgerufen am 06.08.2024. |


