Meyer, Leonhardt: Theatrum Historicvm [...] Erzehlung der fürnemsten und nuzlichsten Historien und Geschichten. Schaffhausen, 1665.Feur vom Himmel herab fallend/ oder mit einem andern Zeichen solches bekräfftiget. Worüber der Brudermörder für Gottes Richterstul citiert und erfordert/ und das Urtheil über ihne gefellt/ er auch mit einem gewüssen Zeichen bezeichnet worden. Die Rabbiner Cains Zeichen. sagen/ es seje ein Horn gewesen/ andere ein stätiges zittern/ andere reden anderst hiervon. Dar auf ist der elende Mensch/ als flüchtig vön Gottes angesicht/ und aller frommer Leuthen Gesellschaft/ fortgewandert / hat ein wildes/ viehisches und gottloses leben geführt/ und zu mehrer seiner und seines bösen Gewüssens versicherung/ oder mehrere Gewalthätigkeit zuüben/ sieng er an ein Statt zubauen/ die er nach seines erstgebornen Sohns Hanochs namen nennete/ und gleichsam hiermit/ als etwas neues in der welt einweihete. Philo der Jud schreibet/ daß Cain 730. Jahr gelebt habe/ darvon aber Gottes Wort nichts hat. Cains Nachkommenschafft.Von deß Cains Nachkommenschaft redet der H. Geist nicht viel/ als welcher mehr wil der Kirchen Saamen/ Ursprung und fortgang / durch seine H. Diener aufzeichnen lassen/ dann viel meldung thun von deß Sathans Thron / Synagog und Rott; Aussert dem daß der Cain seines gleichen Kinder gezeugt/ dem geiz / geilheit und Wollust/ und was darzu anreizet/ der gewalthätigkeit und blutdurstigkeit / und was darzu dienstlich/ ergeben/ wie an seinen Enkeln von Lamech gebohren/ dem Jabal / Jubal/ und Tubal Cain zuersehen ware/ von welches leztern nammen der Heidenn Abgott Vulcanus also genennet sejn solle. Cluv. Epit. p. 3. Wober die Ersten menschen gewußt/ daß sie opfern sollen/ und welcher dazumal ihr Gottesdienst/ und Religiösübung gewesen. Es fragt sich aber hier bej anlas der bäiden ungleichen Brüderen Opfer/ woher die Leuth in der ersten Welt gewußt haben/ daß sie opfern müssen/ und welches ins gemein in derselben gleichsam noch zarten Kindheit der Kirchen/ die art deß Gottesdiensts und Religionsübung gewesen seje! Was das opfern betrifft/ so haben Adam und die ersten Menschen zeweifels frej aus Gottes ohnmittelbarem geheiß und befehl/ strak nach dem leidigen Sündenfall gegeben/ ihre Opfer verricht. Dann weil durch den Gottesdienst Gott allein soll geehret werden/ als kan er auch allein denselben sammt seiner weis und manier dem Menschen vorschreiben und anbefehlen. Aller selbst erwehnter/ und in der Menschen hirn erspintisierter dienst / dardurch man begehrt Gott zuverehren und anzubätten/ ist schlechtlich GOtt dem Herrn ein greuel/ laut dem was Christus der Herr aus dem Pro- Feur vom Himmel herab fallend/ oder mit einem andern Zeichen solches bekräfftiget. Worüber der Brudermörder für Gottes Richterstul citiert und erfordert/ und das Urtheil über ihne gefellt/ er auch mit einem gewüssen Zeichen bezeichnet worden. Die Rabbiner Cains Zeichen. sagen/ es seje ein Horn gewesen/ andere ein stätiges zittern/ andere reden anderst hiervon. Dar auf ist der elende Mensch/ als flüchtig vön Gottes angesicht/ und aller frommer Leuthen Gesellschaft/ fortgewandert / hat ein wildes/ viehisches und gottloses leben geführt/ und zu mehrer seiner und seines bösen Gewüssens versicherung/ oder mehrere Gewalthätigkeit zuüben/ sieng er an ein Statt zubauen/ die er nach seines erstgebornen Sohns Hanochs namen neñete/ und gleichsam hiermit/ als etwas neues in der welt einweihete. Philo der Jud schreibet/ daß Cain 730. Jahr gelebt habe/ darvon aber Gottes Wort nichts hat. Cains Nachkommenschafft.Von deß Cains Nachkommenschaft redet der H. Geist nicht viel/ als welcher mehr wil der Kirchen Saamen/ Ursprung und fortgang / durch seine H. Diener aufzeichnen lassen/ dann viel meldung thun von deß Sathans Thron / Synagog und Rott; Aussert dem daß der Cain seines gleichen Kinder gezeugt/ dem geiz / geilheit und Wollust/ und was darzu anreizet/ der gewalthätigkeit und blutdurstigkeit / und was darzu dienstlich/ ergeben/ wie an seinen Enkeln von Lamech gebohren/ dem Jabal / Jubal/ und Tubal Cain zuersehen ware/ von welches leztern nammen der Heidenn Abgott Vulcanus also genennet sejn solle. Cluv. Epit. p. 3. Wober die Ersten menschen gewußt/ daß sie opfern sollen/ und welcher dazumal ihr Gottesdienst/ und Religiösübung gewesen. Es fragt sich aber hier bej anlas der bäiden ungleichen Brüderen Opfer/ woher die Leuth in der ersten Welt gewußt haben/ daß sie opfern müssen/ und welches ins gemein in derselben gleichsam noch zarten Kindheit der Kirchen/ die art deß Gottesdiensts und Religionsübung gewesen seje! Was das opfern betrifft/ so haben Adam und die ersten Menschen zeweifels frej aus Gottes ohnmittelbarem geheiß und befehl/ strak nach dem leidigen Sündenfall gegeben/ ihre Opfer verricht. Dann weil durch den Gottesdienst Gott allein soll geehret werden/ als kan er auch allein denselben sam̃t seiner weis und manier dem Menschen vorschreiben und anbefehlen. Aller selbst erwehnter/ und in der Menschen hirn erspintisierter dienst / dardurch man begehrt Gott zuverehren und anzubätten/ ist schlechtlich GOtt dem Herrn ein greuel/ laut dem was Christus der Herr aus dem Pro- <TEI> <text> <body> <div> <p><pb facs="#f0038" n="8"/> Feur vom Himmel herab fallend/ oder mit einem andern Zeichen solches bekräfftiget. Worüber der Brudermörder für Gottes Richterstul citiert und erfordert/ und das Urtheil über ihne gefellt/ er auch mit einem gewüssen Zeichen bezeichnet worden. Die Rabbiner <note place="left">Cains Zeichen.</note> sagen/ es seje ein Horn gewesen/ andere ein stätiges zittern/ andere reden anderst hiervon. Dar auf ist der elende Mensch/ als flüchtig vön Gottes angesicht/ und aller frommer Leuthen Gesellschaft/ fortgewandert / hat ein wildes/ viehisches und gottloses leben geführt/ und zu mehrer seiner und seines bösen Gewüssens versicherung/ oder mehrere Gewalthätigkeit zuüben/ sieng er an ein Statt zubauen/ die er nach seines erstgebornen Sohns Hanochs namen neñete/ und gleichsam hiermit/ als etwas neues in der welt einweihete. Philo der Jud schreibet/ daß Cain 730. Jahr gelebt habe/ darvon aber Gottes Wort nichts hat.</p> <p><note place="left">Cains Nachkommenschafft.</note>Von deß Cains Nachkommenschaft redet der H. Geist nicht viel/ als welcher mehr wil der Kirchen Saamen/ Ursprung und fortgang / durch seine H. Diener aufzeichnen lassen/ dann viel meldung thun von deß Sathans Thron / Synagog und Rott; Aussert dem daß der Cain seines gleichen Kinder gezeugt/ dem geiz / geilheit und Wollust/ und was darzu anreizet/ der gewalthätigkeit und blutdurstigkeit / und was darzu dienstlich/ ergeben/ wie an seinen Enkeln von Lamech gebohren/ dem Jabal / Jubal/ und Tubal Cain zuersehen ware/ von welches leztern nammen der Heidenn Abgott Vulcanus also genennet sejn solle. Cluv. Epit. p. 3.</p> <p><note place="left">Wober die Ersten menschen gewußt/ daß sie opfern sollen/ und welcher dazumal ihr Gottesdienst/ und Religiösübung gewesen.</note> Es fragt sich aber hier bej anlas der bäiden ungleichen Brüderen Opfer/ woher die Leuth in der ersten Welt gewußt haben/ daß sie opfern müssen/ und welches ins gemein in derselben gleichsam noch zarten Kindheit der Kirchen/ die art deß Gottesdiensts und Religionsübung gewesen seje! Was das opfern betrifft/ so haben Adam und die ersten Menschen zeweifels frej aus Gottes ohnmittelbarem geheiß und befehl/ strak nach dem leidigen Sündenfall gegeben/ ihre Opfer verricht. Dann weil durch den Gottesdienst Gott allein soll geehret werden/ als kan er auch allein denselben sam̃t seiner weis und manier dem Menschen vorschreiben und anbefehlen. Aller selbst erwehnter/ und in der Menschen hirn erspintisierter dienst / dardurch man begehrt Gott zuverehren und anzubätten/ ist schlechtlich GOtt dem Herrn ein greuel/ laut dem was Christus der Herr aus dem Pro- </p> </div> </body> </text> </TEI> [8/0038]
Feur vom Himmel herab fallend/ oder mit einem andern Zeichen solches bekräfftiget. Worüber der Brudermörder für Gottes Richterstul citiert und erfordert/ und das Urtheil über ihne gefellt/ er auch mit einem gewüssen Zeichen bezeichnet worden. Die Rabbiner sagen/ es seje ein Horn gewesen/ andere ein stätiges zittern/ andere reden anderst hiervon. Dar auf ist der elende Mensch/ als flüchtig vön Gottes angesicht/ und aller frommer Leuthen Gesellschaft/ fortgewandert / hat ein wildes/ viehisches und gottloses leben geführt/ und zu mehrer seiner und seines bösen Gewüssens versicherung/ oder mehrere Gewalthätigkeit zuüben/ sieng er an ein Statt zubauen/ die er nach seines erstgebornen Sohns Hanochs namen neñete/ und gleichsam hiermit/ als etwas neues in der welt einweihete. Philo der Jud schreibet/ daß Cain 730. Jahr gelebt habe/ darvon aber Gottes Wort nichts hat.
Cains Zeichen. Von deß Cains Nachkommenschaft redet der H. Geist nicht viel/ als welcher mehr wil der Kirchen Saamen/ Ursprung und fortgang / durch seine H. Diener aufzeichnen lassen/ dann viel meldung thun von deß Sathans Thron / Synagog und Rott; Aussert dem daß der Cain seines gleichen Kinder gezeugt/ dem geiz / geilheit und Wollust/ und was darzu anreizet/ der gewalthätigkeit und blutdurstigkeit / und was darzu dienstlich/ ergeben/ wie an seinen Enkeln von Lamech gebohren/ dem Jabal / Jubal/ und Tubal Cain zuersehen ware/ von welches leztern nammen der Heidenn Abgott Vulcanus also genennet sejn solle. Cluv. Epit. p. 3.
Cains Nachkommenschafft. Es fragt sich aber hier bej anlas der bäiden ungleichen Brüderen Opfer/ woher die Leuth in der ersten Welt gewußt haben/ daß sie opfern müssen/ und welches ins gemein in derselben gleichsam noch zarten Kindheit der Kirchen/ die art deß Gottesdiensts und Religionsübung gewesen seje! Was das opfern betrifft/ so haben Adam und die ersten Menschen zeweifels frej aus Gottes ohnmittelbarem geheiß und befehl/ strak nach dem leidigen Sündenfall gegeben/ ihre Opfer verricht. Dann weil durch den Gottesdienst Gott allein soll geehret werden/ als kan er auch allein denselben sam̃t seiner weis und manier dem Menschen vorschreiben und anbefehlen. Aller selbst erwehnter/ und in der Menschen hirn erspintisierter dienst / dardurch man begehrt Gott zuverehren und anzubätten/ ist schlechtlich GOtt dem Herrn ein greuel/ laut dem was Christus der Herr aus dem Pro-
Wober die Ersten menschen gewußt/ daß sie opfern sollen/ und welcher dazumal ihr Gottesdienst/ und Religiösübung gewesen.
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| Zitationshilfe: | Meyer, Leonhardt: Theatrum Historicvm [...] Erzehlung der fürnemsten und nuzlichsten Historien und Geschichten. Schaffhausen, 1665, S. 8. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/meyer_theatrum_1665/38>, abgerufen am 06.08.2024. |


