Meyer, Leonhardt: Theatrum Historicvm [...] Erzehlung der fürnemsten und nuzlichsten Historien und Geschichten. Schaffhausen, 1665.brünnen der grossen tieffen/ und thaten sich auff die fenster deß Himmels/ und kam ein Regen auff Erden 40. Tag und Nacht/ vom 17. Wan die süntfluß angangen. Tag an deß anderen monats (welcher sein soll unser April/ biß an den 23. May) ergeüste sich das wasser häufftig/ und grausam von oben/ und unden/ alles was ein lebendigen ahtem hatte/ und aussert der Arch / gienge jämerlich zu grund/ niemand könte beschüzen die höchsten Berge/ Bäüme/ gipfel der gebäuen/ so daß auch das wasser 15. Ellen hoch über die höchsten Berge/ in der ganzen weiten Welt überloffen/ und dis geschach im 600. jahr deß alters Noah: in dem jahr von erschaffung der Welt 1656. Josephus der Jüdische geschicht schreiber hat sich etwann geirret.Josephus der Jüdische geschicht schreiber/ aufferzogen in der synagog, deren vertrawet war Gottes wort/ Rom. II. hat etwan in abzehlung der Tagen/ zeiten/ und anderen/ hier und dort/ sich geirret. Er gedenkt aber erwelcher Heidnischen Scribenten, die deß Ziecht Heidnische Historicos an wegen der Arch. Sündflusses meldung gethan/ und grobe irrige meinung von einem Berg/ der noch herfür gangen/ hatten. Die Heidnische Poeten Horatius, Ovidius, und andere Historienschreiber/ Mela, Solinus, Plinius, haben auch von disem erschrokenlichen gericht Gottes gewußt. Die Americaner/ wie auß derselben histori bekant/ konten auch etwas hiervon reden/ zweiffels frej von ihren vorfahren her/ da hat etwan der satan/ die Göttliche wahrheit/ zu verdunklen/ oder suspect zu machen/ oder etwas nachzuäffien/ sein spil wunderlich gehabt. Als nun im anfang unsers Monatz Decembr. das gewitter Cluver p. 4 Wann Noah auß dem kasten sangen. gestillet/ der ungeheüre häuffige Regen auffhörte / die wellen sich allgemächlich legten/ das Gewässer nach und nach abnemmend wider verloffen/ und die spizen der bergensich wider erzeigten/ da sich die Arch auff dem gebirge Ararat nider gelassen/ ließ Noah einen raben fliegen/ auß den fenster/ oder tagloch/ welches die Arch einzig hatte/ der nit mehr zu ihme kam/ sonder hin und her geschwebt/ bis er sich sezenkönte. Darnach ließ er eine taube fahren/ die kam wider weil sie nirgends ruhstatt finden könte. Widerumb schitte Noah ein tauben aus/ welche mit erfreüung/ und trost der Menschen um Vesperzeit wider kame/ in dem schnabel ein ölblat haltend/ zu merklicher bedeütsamkeit. Darum auff Gottes geheis/ bej angehendem 1657. jahr von erschaffung der welt/ gieng Noah brünnen der grossen tieffen/ und thaten sich auff die fenster deß Himmels/ und kam ein Regen auff Erden 40. Tag und Nacht/ vom 17. Wan die süntfluß angangen. Tag an deß anderen monats (welcher sein soll unser April/ biß an den 23. May) ergeüste sich das wasser häufftig/ und grausam von oben/ und unden/ alles was ein lebendigen ahtem hatte/ und aussert der Arch / gienge jämerlich zu grund/ niemand könte beschüzen die höchsten Berge/ Bäüme/ gipfel der gebäuen/ so daß auch das wasser 15. Ellen hoch über die höchsten Berge/ in der ganzen weiten Welt überloffen/ und dis geschach im 600. jahr deß alters Noah: in dem jahr von erschaffung der Welt 1656. Josephus der Jüdische geschicht schreiber hat sich etwann geirret.Josephus der Jüdische geschicht schreiber/ aufferzogen in der synagog, deren vertrawet war Gottes wort/ Rom. II. hat etwan in abzehlung der Tagen/ zeiten/ und anderen/ hier und dort/ sich geirret. Er gedenkt aber erwelcher Heidnischen Scribenten, die deß Ziecht Heidnische Historicos an wegen der Arch. Sündflusses meldung gethan/ und grobe irrige meinung von einem Berg/ der noch herfür gangen/ hatten. Die Heidnische Poeten Horatius, Ovidius, und andere Historienschreiber/ Mela, Solinus, Plinius, haben auch von disem erschrokenlichen gericht Gottes gewußt. Die Americaner/ wie auß derselben histori bekant/ konten auch etwas hiervon reden/ zweiffels frej von ihren vorfahren her/ da hat etwan der satan/ die Göttliche wahrheit/ zu verdunklen/ oder suspect zu machen/ oder etwas nachzuäffien/ sein spil wunderlich gehabt. Als nun im anfang unsers Monatz Decembr. das gewitter Cluver p. 4 Wann Noah auß dem kasten sangen. gestillet/ der ungeheüre häuffige Regen auffhörte / die wellen sich allgemächlich legten/ das Gewässer nach und nach abnemmend wider verloffen/ und die spizen der bergensich wider erzeigten/ da sich die Arch auff dem gebirge Ararat nider gelassen/ ließ Noah einen raben fliegen/ auß den fenster/ oder tagloch/ welches die Arch einzig hatte/ der nit mehr zu ihme kam/ sonder hin und her geschwebt/ bis er sich sezenkönte. Darnach ließ er eine taube fahren/ die kam wider weil sie nirgends ruhstatt finden könte. Widerumb schitte Noah ein tauben aus/ welche mit erfreüung/ und trost der Menschen um Vesperzeit wider kame/ in dem schnabel ein ölblat haltend/ zu merklicher bedeütsamkeit. 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Ellen hoch über die höchsten Berge/ in der ganzen weiten Welt überloffen/ und dis geschach im 600. jahr deß alters Noah: in dem jahr von erschaffung der Welt 1656.</p> <p><note place="left">Josephus der Jüdische geschicht schreiber hat sich etwann geirret.</note>Josephus der Jüdische geschicht schreiber/ aufferzogen in der synagog, deren vertrawet war Gottes wort/ Rom. II. hat etwan in abzehlung der Tagen/ zeiten/ und anderen/ hier und dort/ sich geirret. Er gedenkt aber erwelcher Heidnischen Scribenten, die deß <note place="left">Ziecht Heidnische Historicos an wegen der Arch.</note> Sündflusses meldung gethan/ und grobe irrige meinung von einem Berg/ der noch herfür gangen/ hatten.</p> <p>Die Heidnische Poeten Horatius, Ovidius, und andere Historienschreiber/ Mela, Solinus, Plinius, haben auch von disem erschrokenlichen gericht Gottes gewußt. Die Americaner/ wie auß derselben histori bekant/ konten auch etwas hiervon reden/ zweiffels frej von ihren vorfahren her/ da hat etwan der satan/ die Göttliche wahrheit/ zu verdunklen/ oder suspect zu machen/ oder etwas nachzuäffien/ sein spil wunderlich gehabt.</p> <p>Als nun im anfang unsers Monatz Decembr. das gewitter <note place="left">Cluver p. 4 Wann Noah auß dem kasten sangen.</note> gestillet/ der ungeheüre häuffige Regen auffhörte / die wellen sich allgemächlich legten/ das Gewässer nach und nach abnemmend wider verloffen/ und die spizen der bergensich wider erzeigten/ da sich die Arch auff dem gebirge Ararat nider gelassen/ ließ Noah einen raben fliegen/ auß den fenster/ oder tagloch/ welches die Arch einzig hatte/ der nit mehr zu ihme kam/ sonder hin und her geschwebt/ bis er sich sezenkönte. Darnach ließ er eine taube fahren/ die kam wider weil sie nirgends ruhstatt finden könte. Widerumb schitte Noah ein tauben aus/ welche mit erfreüung/ und trost der Menschen um Vesperzeit wider kame/ in dem schnabel ein ölblat haltend/ zu merklicher bedeütsamkeit. Darum auff Gottes geheis/ bej angehendem 1657. jahr von erschaffung der welt/ gieng Noah </p> </div> </body> </text> </TEI> [16/0046]
brünnen der grossen tieffen/ und thaten sich auff die fenster deß Himmels/ und kam ein Regen auff Erden 40. Tag und Nacht/ vom 17. Tag an deß anderen monats (welcher sein soll unser April/ biß an den 23. May) ergeüste sich das wasser häufftig/ und grausam von oben/ und unden/ alles was ein lebendigen ahtem hatte/ und aussert der Arch / gienge jämerlich zu grund/ niemand könte beschüzen die höchsten Berge/ Bäüme/ gipfel der gebäuen/ so daß auch das wasser 15. Ellen hoch über die höchsten Berge/ in der ganzen weiten Welt überloffen/ und dis geschach im 600. jahr deß alters Noah: in dem jahr von erschaffung der Welt 1656.
Wan die süntfluß angangen. Josephus der Jüdische geschicht schreiber/ aufferzogen in der synagog, deren vertrawet war Gottes wort/ Rom. II. hat etwan in abzehlung der Tagen/ zeiten/ und anderen/ hier und dort/ sich geirret. Er gedenkt aber erwelcher Heidnischen Scribenten, die deß Sündflusses meldung gethan/ und grobe irrige meinung von einem Berg/ der noch herfür gangen/ hatten.
Josephus der Jüdische geschicht schreiber hat sich etwann geirret.
Ziecht Heidnische Historicos an wegen der Arch. Die Heidnische Poeten Horatius, Ovidius, und andere Historienschreiber/ Mela, Solinus, Plinius, haben auch von disem erschrokenlichen gericht Gottes gewußt. Die Americaner/ wie auß derselben histori bekant/ konten auch etwas hiervon reden/ zweiffels frej von ihren vorfahren her/ da hat etwan der satan/ die Göttliche wahrheit/ zu verdunklen/ oder suspect zu machen/ oder etwas nachzuäffien/ sein spil wunderlich gehabt.
Als nun im anfang unsers Monatz Decembr. das gewitter gestillet/ der ungeheüre häuffige Regen auffhörte / die wellen sich allgemächlich legten/ das Gewässer nach und nach abnemmend wider verloffen/ und die spizen der bergensich wider erzeigten/ da sich die Arch auff dem gebirge Ararat nider gelassen/ ließ Noah einen raben fliegen/ auß den fenster/ oder tagloch/ welches die Arch einzig hatte/ der nit mehr zu ihme kam/ sonder hin und her geschwebt/ bis er sich sezenkönte. Darnach ließ er eine taube fahren/ die kam wider weil sie nirgends ruhstatt finden könte. Widerumb schitte Noah ein tauben aus/ welche mit erfreüung/ und trost der Menschen um Vesperzeit wider kame/ in dem schnabel ein ölblat haltend/ zu merklicher bedeütsamkeit. Darum auff Gottes geheis/ bej angehendem 1657. jahr von erschaffung der welt/ gieng Noah
Cluver p. 4 Wann Noah auß dem kasten sangen.
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| Zitationshilfe: | Meyer, Leonhardt: Theatrum Historicvm [...] Erzehlung der fürnemsten und nuzlichsten Historien und Geschichten. Schaffhausen, 1665, S. 16. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/meyer_theatrum_1665/46>, abgerufen am 06.08.2024. |


