die Eroberungen der Arbeit, die durch Theilung, Maschinen und Concurrenz erlangt wurden, zusammenhält. -- Auf der andern Seite ist aber das Monopol ein Unglück für die Arbeit. Wenn das Monopol den Herstellungspreis der Waare berechnet, indem es den Preis des Roh-Erzeugnisses, den Arbeitslohn und den Zins des Capitals zusammenzählt, so will es das Mehr des Werthes, wofür es die Waare verkauft, den Netto-Ertrag, als seinen reinen Gewinn ziehen. Um diesen Netto-Ertrag bezahlt der Arbeiter die Waare zu theuer; das Monopol lebt von der Plünderung der Lohnarbeit. Der Fortschritt im Wohlstande schlägt abermals für den Arbeiter in einen fortwährenden Fortschritt des Elends um. Das Monopol dehnt seine Eroberungen in steigender Reihe aus; seine Arme umfassen den Ackerbau so gut, wie den Handel und den Gewerbfleiß, und alle Arten von Erzeugnissen. Es hat sich eingebildet, daß das Capital, wie der Boden, in sich selbst eine eigenthümliche Thätigkeit habe, die den Capitalisten ent- bände, etwas Anderes in den Tausch zu bringen, und irgend einen Antheil an den Arbeiten der Werkstatt zu nehmen.
Nachdem das Monopol den Tagelöhner ausgesogen hat, läßt die Gesellschaft dem Monopolisten sein Vorrecht unter der Bedingung, daß es ihn besteuert. Vom Boden, von dem Gewerb- fleiß und vom Handel nimmt der Staat einen Theil des Gewinns für sich. Die Jugendbildung, die Aemter im Heer, in den Ge- richten und in der Kirche übergiebt der Staat dem Proletariate, um sie von den Männern des Monopols bezahlen zu lassen. Die Steuer ist nichts Anderes, als ein Versuch, den Reichthum mit dem Proletariat zu vermitteln; sie ist grundsätzlich gegen den Reichen gerichtet, -- hält dies jedoch in der Anwendung nicht fest. Die mittelbare Steuer z. B., welche eine Steuer aufs Er- zeugniß ist, fällt dem Verbraucher zur Last, und das Monopol ist gerettet; es schlägt die Steuer auf die Erzeugungskosten, und Alles trifft daher wieder den Proletarier. Die Steuer bekommt von den Armen am meisten, weil sie die zahlreichsten sind. Lurus- Gegenstände, sagt man, sollen nicht besteuert werden; denn weil der Luxus der Fortschritt des Gewerbfleißes ist, so muß er geför- dert werden. So werden Steuern auf die Sachen der Nothwen- digkeit, auf Brod, Fleisch, Salz gelegt. Sobald aber die Steuer
die Eroberungen der Arbeit, die durch Theilung, Maſchinen und Concurrenz erlangt wurden, zuſammenhält. — Auf der andern Seite iſt aber das Monopol ein Unglück für die Arbeit. Wenn das Monopol den Herſtellungspreis der Waare berechnet, indem es den Preis des Roh-Erzeugniſſes, den Arbeitslohn und den Zins des Capitals zuſammenzählt, ſo will es das Mehr des Werthes, wofür es die Waare verkauft, den Netto-Ertrag, als ſeinen reinen Gewinn ziehen. Um dieſen Netto-Ertrag bezahlt der Arbeiter die Waare zu theuer; das Monopol lebt von der Plünderung der Lohnarbeit. Der Fortſchritt im Wohlſtande ſchlägt abermals für den Arbeiter in einen fortwährenden Fortſchritt des Elends um. Das Monopol dehnt ſeine Eroberungen in ſteigender Reihe aus; ſeine Arme umfaſſen den Ackerbau ſo gut, wie den Handel und den Gewerbfleiß, und alle Arten von Erzeugniſſen. Es hat ſich eingebildet, daß das Capital, wie der Boden, in ſich ſelbſt eine eigenthümliche Thätigkeit habe, die den Capitaliſten ent- bände, etwas Anderes in den Tauſch zu bringen, und irgend einen Antheil an den Arbeiten der Werkſtatt zu nehmen.
Nachdem das Monopol den Tagelöhner ausgeſogen hat, läßt die Geſellſchaft dem Monopoliſten ſein Vorrecht unter der Bedingung, daß es ihn beſteuert. Vom Boden, von dem Gewerb- fleiß und vom Handel nimmt der Staat einen Theil des Gewinns für ſich. Die Jugendbildung, die Aemter im Heer, in den Ge- richten und in der Kirche übergiebt der Staat dem Proletariate, um ſie von den Männern des Monopols bezahlen zu laſſen. Die Steuer iſt nichts Anderes, als ein Verſuch, den Reichthum mit dem Proletariat zu vermitteln; ſie iſt grundſätzlich gegen den Reichen gerichtet, — hält dies jedoch in der Anwendung nicht feſt. Die mittelbare Steuer z. B., welche eine Steuer aufs Er- zeugniß iſt, fällt dem Verbraucher zur Laſt, und das Monopol iſt gerettet; es ſchlägt die Steuer auf die Erzeugungskoſten, und Alles trifft daher wieder den Proletarier. Die Steuer bekommt von den Armen am meiſten, weil ſie die zahlreichſten ſind. Lurus- Gegenſtände, ſagt man, ſollen nicht beſteuert werden; denn weil der Luxus der Fortſchritt des Gewerbfleißes iſt, ſo muß er geför- dert werden. So werden Steuern auf die Sachen der Nothwen- digkeit, auf Brod, Fleiſch, Salz gelegt. Sobald aber die Steuer
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die Eroberungen der Arbeit, die durch Theilung, Maſchinen und
Concurrenz erlangt wurden, zuſammenhält. — Auf der andern
Seite iſt aber das Monopol ein Unglück für die Arbeit. Wenn
das Monopol den Herſtellungspreis der Waare berechnet, indem
es den Preis des Roh-Erzeugniſſes, den Arbeitslohn und den
Zins des Capitals zuſammenzählt, ſo will es das Mehr des
Werthes, wofür es die Waare verkauft, den Netto-Ertrag, als
ſeinen reinen Gewinn ziehen. Um dieſen Netto-Ertrag bezahlt
der Arbeiter die Waare zu theuer; das Monopol lebt von der
Plünderung der Lohnarbeit. Der Fortſchritt im Wohlſtande ſchlägt
abermals für den Arbeiter in einen fortwährenden Fortſchritt des
Elends um. Das Monopol dehnt ſeine Eroberungen in ſteigender
Reihe aus; ſeine Arme umfaſſen den Ackerbau ſo gut, wie den
Handel und den Gewerbfleiß, und alle Arten von Erzeugniſſen.
Es hat ſich eingebildet, daß das Capital, wie der Boden, in ſich
ſelbſt eine eigenthümliche Thätigkeit habe, die den Capitaliſten ent-
bände, etwas Anderes in den Tauſch zu bringen, und irgend
einen Antheil an den Arbeiten der Werkſtatt zu nehmen.
Nachdem das Monopol den Tagelöhner ausgeſogen hat,
läßt die Geſellſchaft dem Monopoliſten ſein Vorrecht unter der
Bedingung, daß es ihn beſteuert. Vom Boden, von dem Gewerb-
fleiß und vom Handel nimmt der Staat einen Theil des Gewinns
für ſich. Die Jugendbildung, die Aemter im Heer, in den Ge-
richten und in der Kirche übergiebt der Staat dem Proletariate,
um ſie von den Männern des Monopols bezahlen zu laſſen. Die
Steuer iſt nichts Anderes, als ein Verſuch, den Reichthum mit
dem Proletariat zu vermitteln; ſie iſt grundſätzlich gegen den
Reichen gerichtet, — hält dies jedoch in der Anwendung nicht
feſt. Die mittelbare Steuer z. B., welche eine Steuer aufs Er-
zeugniß iſt, fällt dem Verbraucher zur Laſt, und das Monopol
iſt gerettet; es ſchlägt die Steuer auf die Erzeugungskoſten, und
Alles trifft daher wieder den Proletarier. Die Steuer bekommt
von den Armen am meiſten, weil ſie die zahlreichſten ſind. Lurus-
Gegenſtände, ſagt man, ſollen nicht beſteuert werden; denn weil
der Luxus der Fortſchritt des Gewerbfleißes iſt, ſo muß er geför-
dert werden. So werden Steuern auf die Sachen der Nothwen-
digkeit, auf Brod, Fleiſch, Salz gelegt. Sobald aber die Steuer
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Michelet, Karl Ludwig: Die Lösung der gesellschaftlichen Frage. Frankfurt (Oder) u. a., 1849, S. 54. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/michelet_loesung_1849/64>, abgerufen am 23.09.2024.
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