Miller, Johann Martin: Siegwart. Bd. 2. Leipzig, 1776.viel mit dem jungen Buchhändler umgegangen war, der unserm Siegwart und Kronhelm die Bücher zugeschickt hatte. Durch seinen Umgang, und in seinem Laden war er mit unsern besten protestanti- schen Schriftstellern, und besonders Dichtern be- kannt geworden, und hatte auch die meisten mit nach Jngolstadt gebracht. Als er bey Gutfried von Kronhelm und Siegwart, und ihrer Liebe zu den schönen Wissenschaften hörte, so war er nach ih- rer Bekanntschaft sehr begierig; denn sie waren unter den Studenten die einzigen, die in diesem Stücke aufgeklärt dachten. Alle andre Studenten waren roh und unwissend, und gröstentheils im tiefsten Aberglauben versunken, worinn die meisten Professors, und die Jesuiten am vorzüglichsten, sie zu erhalten sich bestrebten. Er hatte viele Bücher, die Siegwart und Kronhelm nicht hatten. Also konnten sie hierinn einander aushelfen. Er hatte auch sonst so viel Gutes an sich, und war so gesittet und tugendhaft, daß unsre vier Jünglinge sehr bald Freunde wurden, und eine wöchentliche Zusammen- kunft ausmachten, wovon hauptsächlich die schönen Wissenschaften der Gegenstand waren. Sein Zim- mer lag sehr angenehm, gegen die Donau hinaus. Er bewirthete seine Gesellschaft dießmal mit Wein, viel mit dem jungen Buchhaͤndler umgegangen war, der unſerm Siegwart und Kronhelm die Buͤcher zugeſchickt hatte. Durch ſeinen Umgang, und in ſeinem Laden war er mit unſern beſten proteſtanti- ſchen Schriftſtellern, und beſonders Dichtern be- kannt geworden, und hatte auch die meiſten mit nach Jngolſtadt gebracht. Als er bey Gutfried von Kronhelm und Siegwart, und ihrer Liebe zu den ſchoͤnen Wiſſenſchaften hoͤrte, ſo war er nach ih- rer Bekanntſchaft ſehr begierig; denn ſie waren unter den Studenten die einzigen, die in dieſem Stuͤcke aufgeklaͤrt dachten. Alle andre Studenten waren roh und unwiſſend, und groͤſtentheils im tiefſten Aberglauben verſunken, worinn die meiſten Profeſſors, und die Jeſuiten am vorzuͤglichſten, ſie zu erhalten ſich beſtrebten. Er hatte viele Buͤcher, die Siegwart und Kronhelm nicht hatten. Alſo konnten ſie hierinn einander aushelfen. Er hatte auch ſonſt ſo viel Gutes an ſich, und war ſo geſittet und tugendhaft, daß unſre vier Juͤnglinge ſehr bald Freunde wurden, und eine woͤchentliche Zuſammen- kunft ausmachten, wovon hauptſaͤchlich die ſchoͤnen Wiſſenſchaften der Gegenſtand waren. Sein Zim- mer lag ſehr angenehm, gegen die Donau hinaus. Er bewirthete ſeine Geſellſchaft dießmal mit Wein, <TEI> <text> <body> <div n="1"> <p><pb facs="#f0180" n="600"/><milestone rendition="#hr" unit="section"/><lb/> viel mit dem jungen Buchhaͤndler umgegangen war,<lb/> der unſerm Siegwart und Kronhelm die Buͤcher<lb/> zugeſchickt hatte. Durch ſeinen Umgang, und in<lb/> ſeinem Laden war er mit unſern beſten proteſtanti-<lb/> ſchen Schriftſtellern, und beſonders Dichtern be-<lb/> kannt geworden, und hatte auch die meiſten mit<lb/> nach <hi rendition="#fr">Jngolſtadt</hi> gebracht. Als er bey Gutfried<lb/> von Kronhelm und Siegwart, und ihrer Liebe zu<lb/> den ſchoͤnen Wiſſenſchaften hoͤrte, ſo war er nach ih-<lb/> rer Bekanntſchaft ſehr begierig; denn ſie waren<lb/> unter den Studenten die einzigen, die in dieſem<lb/> Stuͤcke aufgeklaͤrt dachten. Alle andre Studenten<lb/> waren roh und unwiſſend, und groͤſtentheils im<lb/> tiefſten Aberglauben verſunken, worinn die meiſten<lb/> Profeſſors, und die Jeſuiten am vorzuͤglichſten, ſie<lb/> zu erhalten ſich beſtrebten. Er hatte viele Buͤcher,<lb/> die Siegwart und Kronhelm nicht hatten. Alſo<lb/> konnten ſie hierinn einander aushelfen. Er hatte<lb/> auch ſonſt ſo viel Gutes an ſich, und war ſo geſittet<lb/> und tugendhaft, daß unſre vier Juͤnglinge ſehr bald<lb/> Freunde wurden, und eine woͤchentliche Zuſammen-<lb/> kunft ausmachten, wovon hauptſaͤchlich die ſchoͤnen<lb/> Wiſſenſchaften der Gegenſtand waren. Sein Zim-<lb/> mer lag ſehr angenehm, gegen die Donau hinaus.<lb/> Er bewirthete ſeine Geſellſchaft dießmal mit Wein,<lb/></p> </div> </body> </text> </TEI> [600/0180]
viel mit dem jungen Buchhaͤndler umgegangen war,
der unſerm Siegwart und Kronhelm die Buͤcher
zugeſchickt hatte. Durch ſeinen Umgang, und in
ſeinem Laden war er mit unſern beſten proteſtanti-
ſchen Schriftſtellern, und beſonders Dichtern be-
kannt geworden, und hatte auch die meiſten mit
nach Jngolſtadt gebracht. Als er bey Gutfried
von Kronhelm und Siegwart, und ihrer Liebe zu
den ſchoͤnen Wiſſenſchaften hoͤrte, ſo war er nach ih-
rer Bekanntſchaft ſehr begierig; denn ſie waren
unter den Studenten die einzigen, die in dieſem
Stuͤcke aufgeklaͤrt dachten. Alle andre Studenten
waren roh und unwiſſend, und groͤſtentheils im
tiefſten Aberglauben verſunken, worinn die meiſten
Profeſſors, und die Jeſuiten am vorzuͤglichſten, ſie
zu erhalten ſich beſtrebten. Er hatte viele Buͤcher,
die Siegwart und Kronhelm nicht hatten. Alſo
konnten ſie hierinn einander aushelfen. Er hatte
auch ſonſt ſo viel Gutes an ſich, und war ſo geſittet
und tugendhaft, daß unſre vier Juͤnglinge ſehr bald
Freunde wurden, und eine woͤchentliche Zuſammen-
kunft ausmachten, wovon hauptſaͤchlich die ſchoͤnen
Wiſſenſchaften der Gegenſtand waren. Sein Zim-
mer lag ſehr angenehm, gegen die Donau hinaus.
Er bewirthete ſeine Geſellſchaft dießmal mit Wein,
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| Zitationshilfe: | Miller, Johann Martin: Siegwart. Bd. 2. Leipzig, 1776, S. 600. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/miller_siegwart02_1776/180>, abgerufen am 15.09.2024. |


