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Mörike, Eduard: Gedichte. Stuttgart, 1838.

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Akme und Septimius.

Nach Catull.

Akme, seine Geliebte, auf dem Schoose
Haltend, sagte Septimius: "Meine Akme!
Uebermäßig hab' ich dich lieb und will auch
Jahr für Jahr dich beständig also lieben,
So arg wie nur ein Mensch jemals im Stand ist;
Sieh, sonst mag mir's geschehn, daß ich, ganz einsam,
Sey's in Libyen, sey's im heißen Inder-
Land, dem tödtlichen Blick des Leu'n begegne!"
Wie er dieses gesagt, nies't Amor, herzlich
Es bekräftigend (sonst war er ihm abhold).
Akme, rückwärts ihr Köpfchen leicht gebogen,
Und die trunkenen Augen ihres süßen
Knaben küssend mit jenem Purpurmunde,
Sprach: "Mein Leben! o du mein Septiminchen!
künftig dienen wir diesem Herrn alleine,
Ich, wie du, -- so gewiß als mir noch weit ein
Heißer Feuer im zarten Marke glühet!"
Wie sie dieses gesagt, nies't Amor, herzlich
Es bekräftigend (sonst war er ihr abhold).
Auf so günstige Zeichen nunmehr bauend
Tauschen Beide von Herzen Lieb' um Liebe.
Nur in Akme allein lebt noch Septimius,
Akme und Septimius.

Nach Catull.

Akme, ſeine Geliebte, auf dem Schooſe
Haltend, ſagte Septimius: „Meine Akme!
Uebermaͤßig hab' ich dich lieb und will auch
Jahr fuͤr Jahr dich beſtaͤndig alſo lieben,
So arg wie nur ein Menſch jemals im Stand iſt;
Sieh, ſonſt mag mir's geſchehn, daß ich, ganz einſam,
Sey's in Libyen, ſey's im heißen Inder-
Land, dem toͤdtlichen Blick des Leu'n begegne!“
Wie er dieſes geſagt, nieſ't Amor, herzlich
Es bekraͤftigend (ſonſt war er ihm abhold).
Akme, ruͤckwaͤrts ihr Koͤpfchen leicht gebogen,
Und die trunkenen Augen ihres ſuͤßen
Knaben kuͤſſend mit jenem Purpurmunde,
Sprach: „Mein Leben! o du mein Septiminchen!
kuͤnftig dienen wir dieſem Herrn alleine,
Ich, wie du, — ſo gewiß als mir noch weit ein
Heißer Feuer im zarten Marke gluͤhet!“
Wie ſie dieſes geſagt, nieſ't Amor, herzlich
Es bekraͤftigend (ſonſt war er ihr abhold).
Auf ſo guͤnſtige Zeichen nunmehr bauend
Tauſchen Beide von Herzen Lieb' um Liebe.
Nur in Akme allein lebt noch Septimius,
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[101/0117] Akme und Septimius. Nach Catull. Akme, ſeine Geliebte, auf dem Schooſe Haltend, ſagte Septimius: „Meine Akme! Uebermaͤßig hab' ich dich lieb und will auch Jahr fuͤr Jahr dich beſtaͤndig alſo lieben, So arg wie nur ein Menſch jemals im Stand iſt; Sieh, ſonſt mag mir's geſchehn, daß ich, ganz einſam, Sey's in Libyen, ſey's im heißen Inder- Land, dem toͤdtlichen Blick des Leu'n begegne!“ Wie er dieſes geſagt, nieſ't Amor, herzlich Es bekraͤftigend (ſonſt war er ihm abhold). Akme, ruͤckwaͤrts ihr Koͤpfchen leicht gebogen, Und die trunkenen Augen ihres ſuͤßen Knaben kuͤſſend mit jenem Purpurmunde, Sprach: „Mein Leben! o du mein Septiminchen! kuͤnftig dienen wir dieſem Herrn alleine, Ich, wie du, — ſo gewiß als mir noch weit ein Heißer Feuer im zarten Marke gluͤhet!“ Wie ſie dieſes geſagt, nieſ't Amor, herzlich Es bekraͤftigend (ſonſt war er ihr abhold). Auf ſo guͤnſtige Zeichen nunmehr bauend Tauſchen Beide von Herzen Lieb' um Liebe. Nur in Akme allein lebt noch Septimius,

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Zitationshilfe: Mörike, Eduard: Gedichte. Stuttgart, 1838, S. 101. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/moerike_gedichte_1838/117>, abgerufen am 26.05.2022.