Mörike, Eduard: Gedichte. Stuttgart, 1838.Singe du so heut wie gestern Von des Meeres Lustrevier, Von dem Haus der sieben Schwestern, Und vom Königssohne mir. "Zwischen grünen Wasserwänden Sizt der Sieben-Nixen-Chor; Wasserrosen in den Händen, Lauschen sie zum Licht empor. Und wenn oftmals auf der Höhe Schiffe fahren, schattengleich, Steigt ein siebenfaches Wehe Aus dem stillen Wasserreich. Dann, beim Spiel von Zauberglocken, Drehn die Schwestern sich im Tanz, Schütteln wild die grünen Locken Und verlieren Gurt und Kranz. Und das Meer beginnt zu schwanken, Well' auf Welle steigt und springt, Alle Elemente zanken Um das Schiff, bis es versinkt." Also sang in Zaubertönen Süß der Magier Drakone Zu der lieblichen Prinzessin; Und zuweilen, im Gesange, Neiget er der Lippen Milde 11 *
Singe du ſo heut wie geſtern Von des Meeres Luſtrevier, Von dem Haus der ſieben Schweſtern, Und vom Koͤnigsſohne mir. „Zwiſchen gruͤnen Waſſerwaͤnden Sizt der Sieben-Nixen-Chor; Waſſerroſen in den Haͤnden, Lauſchen ſie zum Licht empor. Und wenn oftmals auf der Hoͤhe Schiffe fahren, ſchattengleich, Steigt ein ſiebenfaches Wehe Aus dem ſtillen Waſſerreich. Dann, beim Spiel von Zauberglocken, Drehn die Schweſtern ſich im Tanz, Schuͤtteln wild die gruͤnen Locken Und verlieren Gurt und Kranz. Und das Meer beginnt zu ſchwanken, Well' auf Welle ſteigt und ſpringt, Alle Elemente zanken Um das Schiff, bis es verſinkt.“ Alſo ſang in Zaubertoͤnen Suͤß der Magier Drakone Zu der lieblichen Prinzeſſin; Und zuweilen, im Geſange, Neiget er der Lippen Milde 11 *
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Singe du ſo heut wie geſtern
Von des Meeres Luſtrevier,
Von dem Haus der ſieben Schweſtern,
Und vom Koͤnigsſohne mir.
„Zwiſchen gruͤnen Waſſerwaͤnden
Sizt der Sieben-Nixen-Chor;
Waſſerroſen in den Haͤnden,
Lauſchen ſie zum Licht empor.
Und wenn oftmals auf der Hoͤhe
Schiffe fahren, ſchattengleich,
Steigt ein ſiebenfaches Wehe
Aus dem ſtillen Waſſerreich.
Dann, beim Spiel von Zauberglocken,
Drehn die Schweſtern ſich im Tanz,
Schuͤtteln wild die gruͤnen Locken
Und verlieren Gurt und Kranz.
Und das Meer beginnt zu ſchwanken,
Well' auf Welle ſteigt und ſpringt,
Alle Elemente zanken
Um das Schiff, bis es verſinkt.“
Alſo ſang in Zaubertoͤnen
Suͤß der Magier Drakone
Zu der lieblichen Prinzeſſin;
Und zuweilen, im Geſange,
Neiget er der Lippen Milde
11 *
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| Zitationshilfe: | Mörike, Eduard: Gedichte. Stuttgart, 1838, S. 163. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/moerike_gedichte_1838/179>, abgerufen am 10.08.2024. |


