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Mörike, Eduard: Gedichte. Stuttgart, 1838.

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Jung Volkers Lied.
Und die mich trug in Mutterleib,
Und die mich schwang im Kissen,
Die war ein schön frech braunes Weib,
Wollte nichts vom Mannsvolk wissen.
Sie scherzte nur und lachte laut,
Und ließ die Freier stehen:
Möcht' lieber seyn des Windes Braut,
Denn in die Ehe gehen!
Da kam der Wind, da nahm der Wind
Als Buhle sie gefangen:
Von dem hat sie ein lustig Kind
In ihren Schoos empfangen.

Jung Volkers Lied.
Und die mich trug in Mutterleib,
Und die mich ſchwang im Kiſſen,
Die war ein ſchoͤn frech braunes Weib,
Wollte nichts vom Mannsvolk wiſſen.
Sie ſcherzte nur und lachte laut,
Und ließ die Freier ſtehen:
Moͤcht' lieber ſeyn des Windes Braut,
Denn in die Ehe gehen!
Da kam der Wind, da nahm der Wind
Als Buhle ſie gefangen:
Von dem hat ſie ein luſtig Kind
In ihren Schoos empfangen.

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[60/0076] Jung Volkers Lied. Und die mich trug in Mutterleib, Und die mich ſchwang im Kiſſen, Die war ein ſchoͤn frech braunes Weib, Wollte nichts vom Mannsvolk wiſſen. Sie ſcherzte nur und lachte laut, Und ließ die Freier ſtehen: Moͤcht' lieber ſeyn des Windes Braut, Denn in die Ehe gehen! Da kam der Wind, da nahm der Wind Als Buhle ſie gefangen: Von dem hat ſie ein luſtig Kind In ihren Schoos empfangen.

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Zitationshilfe: Mörike, Eduard: Gedichte. Stuttgart, 1838, S. 60. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/moerike_gedichte_1838/76>, abgerufen am 26.05.2022.