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Mörike, Eduard: Gedichte. Stuttgart, 1838.

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Heimweh.
Anders wird die Welt mit jedem Schritt,
Den ich weiter von der Liebsten mache;
Mein Herz, das will nicht weiter mit!
Hier scheint die Sonne kalt in's Land,
Hier däucht mir Alles unbekannt,
Sogar die Blumen am Bache!
Hat jede Sache
So fremd eine Miene, so falsch ein Gesicht.
Das Bächlein murmelt wohl und spricht:
Armer Knabe, komm' bei mir vorüber,
Siehst auch hier Vergißmeinnicht!
-- Ja, die sind schön an jedem Ort,
Aber nicht wie dort!
Fort, nur fort!
Die Augen gehn mir über!

Heimweh.
Anders wird die Welt mit jedem Schritt,
Den ich weiter von der Liebſten mache;
Mein Herz, das will nicht weiter mit!
Hier ſcheint die Sonne kalt in's Land,
Hier daͤucht mir Alles unbekannt,
Sogar die Blumen am Bache!
Hat jede Sache
So fremd eine Miene, ſo falſch ein Geſicht.
Das Baͤchlein murmelt wohl und ſpricht:
Armer Knabe, komm' bei mir voruͤber,
Siehſt auch hier Vergißmeinnicht!
— Ja, die ſind ſchoͤn an jedem Ort,
Aber nicht wie dort!
Fort, nur fort!
Die Augen gehn mir uͤber!

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[68/0084] Heimweh. Anders wird die Welt mit jedem Schritt, Den ich weiter von der Liebſten mache; Mein Herz, das will nicht weiter mit! Hier ſcheint die Sonne kalt in's Land, Hier daͤucht mir Alles unbekannt, Sogar die Blumen am Bache! Hat jede Sache So fremd eine Miene, ſo falſch ein Geſicht. Das Baͤchlein murmelt wohl und ſpricht: Armer Knabe, komm' bei mir voruͤber, Siehſt auch hier Vergißmeinnicht! — Ja, die ſind ſchoͤn an jedem Ort, Aber nicht wie dort! Fort, nur fort! Die Augen gehn mir uͤber!

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Zitationshilfe: Mörike, Eduard: Gedichte. Stuttgart, 1838, S. 68. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/moerike_gedichte_1838/84>, abgerufen am 27.05.2022.