Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Möser, Justus: Patriotische Phantasien. Bd. 3. 2. Aufl. Berlin, 1778.

Bild:
<< vorherige Seite

Ueber die verfeinerten Begriffe.
hat, wieder einführen möge. Diesen hat die Natur
Landbesitzern angewiesen, und die Hypothekenbücher, wel-
che die banco vertreten, schicken sich nicht einmahl für
den Concursproceß, sondern sind für den Aeusserproceß
gemacht. Dieser allein kann die Landbesitzer erhalten,
und die Verschreibungen zur lebhaften Circulation bringen.
Aber der Concursproceß ist für Krämer.



LVIII.
Ueber die verfeinerten Begriffe.

Mein Müller spielte mir gestern einen recht artigen
Streich, indem er zu mir ins Zimmer kam, und
sagte: es müssen vier Stück metallene Nüsse in die [P]oller
und Pollerstücke gegen die Kruke gemacht werden, auch
haben alle Scheiben, Büchsen, Bolten und Splinten
eine Verbesserung nöthig, der eine eiserne Pfalhacke mit der
Hinterfeder ist nicht mehr zu gebrauchen und das Krey-
tau
-- So spreche er doch deutsch mein Freund! ich höre
wohl daß von einer Windmühle die Rede ist, aber ich bin
kein Mühlenbaumeister, der die tausend Kleinigkeiten, so
zu einer Mühle gehören, mit Namen kennet. Hier fieng
der Schalk an zu lachen und sagte mit einer recht witzigen
Geberde: machte es doch unser Herr Pfarrer am Sonntage
eben so, er redete in lauter Kunstwörtern, wobey uns ar-
men Leuten Hören und Sehen vergieng; ich däch[t]e er thäte
besser, wenn er wie ich seiner Gemeine gutes Mehl lieferte
und die Kunstwörter für die Bauverständigen sparte.

Wie, mein Freund! fieng der Pfarrer lächelnd an,
der, ohne daß ihn der Müller gesehen hatte, im Fenster
stand, -- aber dieser machte sich geschwind aus dem
Staube -- und so gieng die Rede unter unsbeyden an

wor-

Ueber die verfeinerten Begriffe.
hat, wieder einfuͤhren moͤge. Dieſen hat die Natur
Landbeſitzern angewieſen, und die Hypothekenbuͤcher, wel-
che die banco vertreten, ſchicken ſich nicht einmahl fuͤr
den Concursproceß, ſondern ſind fuͤr den Aeuſſerproceß
gemacht. Dieſer allein kann die Landbeſitzer erhalten,
und die Verſchreibungen zur lebhaften Circulation bringen.
Aber der Concursproceß iſt fuͤr Kraͤmer.



LVIII.
Ueber die verfeinerten Begriffe.

Mein Muͤller ſpielte mir geſtern einen recht artigen
Streich, indem er zu mir ins Zimmer kam, und
ſagte: es muͤſſen vier Stuͤck metallene Nuͤſſe in die [P]oller
und Pollerſtuͤcke gegen die Kruke gemacht werden, auch
haben alle Scheiben, Buͤchſen, Bolten und Splinten
eine Verbeſſerung noͤthig, der eine eiſerne Pfalhacke mit der
Hinterfeder iſt nicht mehr zu gebrauchen und das Krey-
tau
— So ſpreche er doch deutſch mein Freund! ich hoͤre
wohl daß von einer Windmuͤhle die Rede iſt, aber ich bin
kein Muͤhlenbaumeiſter, der die tauſend Kleinigkeiten, ſo
zu einer Muͤhle gehoͤren, mit Namen kennet. Hier fieng
der Schalk an zu lachen und ſagte mit einer recht witzigen
Geberde: machte es doch unſer Herr Pfarrer am Sonntage
eben ſo, er redete in lauter Kunſtwoͤrtern, wobey uns ar-
men Leuten Hoͤren und Sehen vergieng; ich daͤch[t]e er thaͤte
beſſer, wenn er wie ich ſeiner Gemeine gutes Mehl lieferte
und die Kunſtwoͤrter fuͤr die Bauverſtaͤndigen ſparte.

Wie, mein Freund! fieng der Pfarrer laͤchelnd an,
der, ohne daß ihn der Muͤller geſehen hatte, im Fenſter
ſtand, — aber dieſer machte ſich geſchwind aus dem
Staube — und ſo gieng die Rede unter unsbeyden an

wor-
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <p><pb facs="#f0270" n="256"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">Ueber die verfeinerten Begriffe.</hi></fw><lb/>
hat, wieder einfu&#x0364;hren mo&#x0364;ge. Die&#x017F;en hat die Natur<lb/>
Landbe&#x017F;itzern angewie&#x017F;en, und die Hypothekenbu&#x0364;cher, wel-<lb/>
che die <hi rendition="#aq">banco</hi> vertreten, &#x017F;chicken &#x017F;ich nicht einmahl fu&#x0364;r<lb/>
den Concursproceß, &#x017F;ondern &#x017F;ind fu&#x0364;r den Aeu&#x017F;&#x017F;erproceß<lb/>
gemacht. Die&#x017F;er allein kann die Landbe&#x017F;itzer erhalten,<lb/>
und die Ver&#x017F;chreibungen zur lebhaften Circulation bringen.<lb/>
Aber der Concursproceß i&#x017F;t fu&#x0364;r Kra&#x0364;mer.</p>
      </div><lb/>
      <milestone rendition="#hr" unit="section"/><lb/>
      <div n="1">
        <head> <hi rendition="#b"><hi rendition="#aq">LVIII.</hi><lb/>
Ueber die verfeinerten Begriffe.</hi> </head><lb/>
        <p>Mein Mu&#x0364;ller &#x017F;pielte mir ge&#x017F;tern einen recht artigen<lb/>
Streich, indem er zu mir ins Zimmer kam, und<lb/>
&#x017F;agte: es mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en vier Stu&#x0364;ck metallene <hi rendition="#fr">Nu&#x0364;&#x017F;&#x017F;e in die <supplied>P</supplied>oller</hi><lb/>
und <hi rendition="#fr">Poller&#x017F;tu&#x0364;cke</hi> gegen die <hi rendition="#fr">Kruke</hi> gemacht werden, auch<lb/>
haben alle <hi rendition="#fr">Scheiben, Bu&#x0364;ch&#x017F;en, Bolten</hi> und <hi rendition="#fr">Splinten</hi><lb/>
eine Verbe&#x017F;&#x017F;erung no&#x0364;thig, der eine ei&#x017F;erne <hi rendition="#fr">Pfalhacke</hi> mit der<lb/><hi rendition="#fr">Hinterfeder</hi> i&#x017F;t nicht mehr zu gebrauchen und das <hi rendition="#fr">Krey-<lb/>
tau</hi> &#x2014; So &#x017F;preche er doch deut&#x017F;ch mein Freund! ich ho&#x0364;re<lb/>
wohl daß von einer Windmu&#x0364;hle die Rede i&#x017F;t, aber ich bin<lb/>
kein Mu&#x0364;hlenbaumei&#x017F;ter, der die tau&#x017F;end Kleinigkeiten, &#x017F;o<lb/>
zu einer Mu&#x0364;hle geho&#x0364;ren, mit Namen kennet. Hier fieng<lb/>
der Schalk an zu lachen und &#x017F;agte mit einer recht witzigen<lb/>
Geberde: machte es doch un&#x017F;er Herr Pfarrer am Sonntage<lb/>
eben &#x017F;o, er redete in lauter Kun&#x017F;two&#x0364;rtern, wobey uns ar-<lb/>
men Leuten Ho&#x0364;ren und Sehen vergieng; ich da&#x0364;ch<supplied>t</supplied>e er tha&#x0364;te<lb/>
be&#x017F;&#x017F;er, wenn er wie ich &#x017F;einer Gemeine gutes Mehl lieferte<lb/>
und die Kun&#x017F;two&#x0364;rter fu&#x0364;r die Bauver&#x017F;ta&#x0364;ndigen &#x017F;parte.</p><lb/>
        <p>Wie, mein Freund! fieng der Pfarrer la&#x0364;chelnd an,<lb/>
der, ohne daß ihn der Mu&#x0364;ller ge&#x017F;ehen hatte, im Fen&#x017F;ter<lb/>
&#x017F;tand, &#x2014; aber die&#x017F;er machte &#x017F;ich ge&#x017F;chwind aus dem<lb/>
Staube &#x2014; und &#x017F;o gieng die Rede unter unsbeyden an<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">wor-</fw><lb/></p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[256/0270] Ueber die verfeinerten Begriffe. hat, wieder einfuͤhren moͤge. Dieſen hat die Natur Landbeſitzern angewieſen, und die Hypothekenbuͤcher, wel- che die banco vertreten, ſchicken ſich nicht einmahl fuͤr den Concursproceß, ſondern ſind fuͤr den Aeuſſerproceß gemacht. Dieſer allein kann die Landbeſitzer erhalten, und die Verſchreibungen zur lebhaften Circulation bringen. Aber der Concursproceß iſt fuͤr Kraͤmer. LVIII. Ueber die verfeinerten Begriffe. Mein Muͤller ſpielte mir geſtern einen recht artigen Streich, indem er zu mir ins Zimmer kam, und ſagte: es muͤſſen vier Stuͤck metallene Nuͤſſe in die Poller und Pollerſtuͤcke gegen die Kruke gemacht werden, auch haben alle Scheiben, Buͤchſen, Bolten und Splinten eine Verbeſſerung noͤthig, der eine eiſerne Pfalhacke mit der Hinterfeder iſt nicht mehr zu gebrauchen und das Krey- tau — So ſpreche er doch deutſch mein Freund! ich hoͤre wohl daß von einer Windmuͤhle die Rede iſt, aber ich bin kein Muͤhlenbaumeiſter, der die tauſend Kleinigkeiten, ſo zu einer Muͤhle gehoͤren, mit Namen kennet. Hier fieng der Schalk an zu lachen und ſagte mit einer recht witzigen Geberde: machte es doch unſer Herr Pfarrer am Sonntage eben ſo, er redete in lauter Kunſtwoͤrtern, wobey uns ar- men Leuten Hoͤren und Sehen vergieng; ich daͤchte er thaͤte beſſer, wenn er wie ich ſeiner Gemeine gutes Mehl lieferte und die Kunſtwoͤrter fuͤr die Bauverſtaͤndigen ſparte. Wie, mein Freund! fieng der Pfarrer laͤchelnd an, der, ohne daß ihn der Muͤller geſehen hatte, im Fenſter ſtand, — aber dieſer machte ſich geſchwind aus dem Staube — und ſo gieng die Rede unter unsbeyden an wor-

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Für das DTA wurde die „Neue verbesserte und verme… [mehr]

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/moeser_phantasien03_1778
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/moeser_phantasien03_1778/270
Zitationshilfe: Möser, Justus: Patriotische Phantasien. Bd. 3. 2. Aufl. Berlin, 1778, S. 256. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/moeser_phantasien03_1778/270>, abgerufen am 10.04.2021.