gebens blickst du so bebend zurück, du wirst keinen Rückweg finden! -- Aber still armes Kind, bald erscheint dir eine andere wohlthätige Gottheit. Du wirst ängstlich vor ihr zurückschauern, aber zage nicht, in diesem Lande der Träume ist alles anders wie es scheint. Trotz des Entsetzens, das sie umgiebt, ist sie doch die einzige, die dich fortan nicht verläßt, die dir Stärke und Muth giebt, die mit dir weint und mit dir lacht, die deine Klagen anhört und deine Fragen beantwortet: denn das ist ihr Amt auf Erden. Als Gott bei der Schöpfung das Elend werden ließ, da fragte sie vorwitzig: warum? und sie wurde mit dem schrecklichen Geheimnisse in die düstern Thäler des Lasters verbannt, mit dem Berufe jedem Sterblichen, der sich dahin verirrt, seine Fragen aufzulösen.
Ja, Verzweiflung, ich fühls, ich fühls, alles hat mich verlassen, nur du bist noch um mich! Du bist meine Lehrerin, deine Stimme allein ist es, die ich noch höre.
am 11ten Aprill.
Geziemts mir wohl zu trauern? -- Aber warlich ich traure auch nicht. Traure! und worüber? daß mich mit ihm nun die letzte menschliche Hülfe verlassen hat? -- So schwach kann ich nicht seyn. Jch darf verworfen seyn, aber nicht schwach, an meinen Grimm nagen, aber nicht trauern. --
gebens blickst du so bebend zuruͤck, du wirst keinen Ruͤckweg finden! — Aber still armes Kind, bald erscheint dir eine andere wohlthaͤtige Gottheit. Du wirst aͤngstlich vor ihr zuruͤckschauern, aber zage nicht, in diesem Lande der Traͤume ist alles anders wie es scheint. Trotz des Entsetzens, das sie umgiebt, ist sie doch die einzige, die dich fortan nicht verlaͤßt, die dir Staͤrke und Muth giebt, die mit dir weint und mit dir lacht, die deine Klagen anhoͤrt und deine Fragen beantwortet: denn das ist ihr Amt auf Erden. Als Gott bei der Schoͤpfung das Elend werden ließ, da fragte sie vorwitzig: warum? und sie wurde mit dem schrecklichen Geheimnisse in die duͤstern Thaͤler des Lasters verbannt, mit dem Berufe jedem Sterblichen, der sich dahin verirrt, seine Fragen aufzuloͤsen.
Ja, Verzweiflung, ich fuͤhls, ich fuͤhls, alles hat mich verlassen, nur du bist noch um mich! Du bist meine Lehrerin, deine Stimme allein ist es, die ich noch hoͤre.
am 11ten Aprill.
Geziemts mir wohl zu trauern? — Aber warlich ich traure auch nicht. Traure! und woruͤber? daß mich mit ihm nun die letzte menschliche Huͤlfe verlassen hat? — So schwach kann ich nicht seyn. Jch darf verworfen seyn, aber nicht schwach, an meinen Grimm nagen, aber nicht trauern. —
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gebens blickst du so bebend zuruͤck, du wirst keinen Ruͤckweg finden! — Aber still armes Kind, bald erscheint dir eine andere wohlthaͤtige Gottheit. Du wirst aͤngstlich vor ihr zuruͤckschauern, aber zage nicht, in diesem Lande der Traͤume ist alles anders wie es scheint. Trotz des Entsetzens, das sie umgiebt, ist sie doch die einzige, die dich fortan nicht verlaͤßt, die dir Staͤrke und Muth giebt, die mit dir weint und mit dir lacht, die deine Klagen anhoͤrt und deine Fragen beantwortet: denn das ist ihr Amt auf Erden. Als Gott bei der Schoͤpfung das Elend werden ließ, da fragte sie vorwitzig: warum? und sie wurde mit dem schrecklichen Geheimnisse in die duͤstern Thaͤler des Lasters verbannt, mit dem Berufe jedem Sterblichen, der sich dahin verirrt, seine Fragen aufzuloͤsen.</p><p>Ja, Verzweiflung, ich fuͤhls, ich fuͤhls, alles hat mich verlassen, nur du bist noch um mich! Du bist meine Lehrerin, deine Stimme allein ist es, die ich noch hoͤre.</p></div><milestonerendition="#hr"unit="section"/><divn="3"><opener><dateline><hirendition="#right"> am 11ten Aprill.</hi></dateline></opener><p>Geziemts mir wohl zu trauern? — Aber warlich ich traure auch nicht. Traure! und woruͤber? daß mich mit ihm nun die letzte menschliche Huͤlfe verlassen hat? — So schwach kann ich nicht seyn. Jch darf verworfen seyn, aber nicht schwach, an meinen Grimm nagen, aber nicht trauern. —</p><lb/></div></div></div></body></text></TEI>
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gebens blickst du so bebend zuruͤck, du wirst keinen Ruͤckweg finden! — Aber still armes Kind, bald erscheint dir eine andere wohlthaͤtige Gottheit. Du wirst aͤngstlich vor ihr zuruͤckschauern, aber zage nicht, in diesem Lande der Traͤume ist alles anders wie es scheint. Trotz des Entsetzens, das sie umgiebt, ist sie doch die einzige, die dich fortan nicht verlaͤßt, die dir Staͤrke und Muth giebt, die mit dir weint und mit dir lacht, die deine Klagen anhoͤrt und deine Fragen beantwortet: denn das ist ihr Amt auf Erden. Als Gott bei der Schoͤpfung das Elend werden ließ, da fragte sie vorwitzig: warum? und sie wurde mit dem schrecklichen Geheimnisse in die duͤstern Thaͤler des Lasters verbannt, mit dem Berufe jedem Sterblichen, der sich dahin verirrt, seine Fragen aufzuloͤsen.
Ja, Verzweiflung, ich fuͤhls, ich fuͤhls, alles hat mich verlassen, nur du bist noch um mich! Du bist meine Lehrerin, deine Stimme allein ist es, die ich noch hoͤre.
am 11ten Aprill. Geziemts mir wohl zu trauern? — Aber warlich ich traure auch nicht. Traure! und woruͤber? daß mich mit ihm nun die letzte menschliche Huͤlfe verlassen hat? — So schwach kann ich nicht seyn. Jch darf verworfen seyn, aber nicht schwach, an meinen Grimm nagen, aber nicht trauern. —
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(2015-06-09T11:00:00Z)
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Matthias Boenig, Deutsches Textarchiv, Berlin-Brandenburgische Akademie zu Berlin: Konvertierung nach DTA-Basisformat
(2015-06-09T11:00:00Z)
UB Uni-Bielefeld: Bereitstellung der Bilddigitalisate
(2015-06-09T11:00:00Z)
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Moritz, Karl Philipp (Hrsg.): Gnothi sauton oder Magazin zur Erfahrungsseelenkunde. Bd. 10, St. 1. Berlin, 1793, S. 72. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/moritz_erfahrungsseelenkunde01001_1793/74>, abgerufen am 11.09.2024.
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