lieren hat, er ist allein frei und ausgenommen von allem Gesetz. Denn er ist schon gerichtet; er darf Flüche für sie alle auf sich laden, denn er hat kein Mitleiden mehr zu hoffen und will keins. Er ist die Hand des Rächers und darf alle Thaten thun. Ja! -- Giebt es nicht auch zwei Kräfte in der Natur, eine, die erzeugt und hegt und pflegt, und die andere, die zerstört und aufreibt? Und so, Mensch, entweder pflanz Bäume und zieh Kohl in deinem Garten, und iß ihn ruhigen Sinnes mit deinem Weibe und deinen Kindern: oder, wenn du diesen deinen ruhigen Sinn verloren hast, wenn dir ekelt vor dem Kreis deiner stillen Glückseeligkeit, so schlag nieder, verdirb mit der nämlichen Natur, mit der du vorhin aufbautest!
Nur ein leeres Leben ist ein klägliches Leben. Wo kein Genuß ist, und keine Thaten, was ist da das Leben? Besteht es nicht aus einem Stücke Zeit? und die Zeit ist ja nur eine Folge von Begebenheiten. -- Auf! Auf! mich durchfleußt ein neuer Odem, ich trinke die Luft höherer Sphären! Offenbarung hat sich in meine Seele gesenkt -- ich frage nicht wohin? nicht warum? Jn diesem Wollen liegt die Antwort auf alles. Glücklich mag die Turteltaube seyn: mir geziemts alle Glückseeligkeit zu verachten, und zu zertreten. Jch bin nur heiße Gier und Raub und Aufschwung sonnenwärts! --
lieren hat, er ist allein frei und ausgenommen von allem Gesetz. Denn er ist schon gerichtet; er darf Fluͤche fuͤr sie alle auf sich laden, denn er hat kein Mitleiden mehr zu hoffen und will keins. Er ist die Hand des Raͤchers und darf alle Thaten thun. Ja! — Giebt es nicht auch zwei Kraͤfte in der Natur, eine, die erzeugt und hegt und pflegt, und die andere, die zerstoͤrt und aufreibt? Und so, Mensch, entweder pflanz Baͤume und zieh Kohl in deinem Garten, und iß ihn ruhigen Sinnes mit deinem Weibe und deinen Kindern: oder, wenn du diesen deinen ruhigen Sinn verloren hast, wenn dir ekelt vor dem Kreis deiner stillen Gluͤckseeligkeit, so schlag nieder, verdirb mit der naͤmlichen Natur, mit der du vorhin aufbautest!
Nur ein leeres Leben ist ein klaͤgliches Leben. Wo kein Genuß ist, und keine Thaten, was ist da das Leben? Besteht es nicht aus einem Stuͤcke Zeit? und die Zeit ist ja nur eine Folge von Begebenheiten. — Auf! Auf! mich durchfleußt ein neuer Odem, ich trinke die Luft hoͤherer Sphaͤren! Offenbarung hat sich in meine Seele gesenkt — ich frage nicht wohin? nicht warum? Jn diesem Wollen liegt die Antwort auf alles. Gluͤcklich mag die Turteltaube seyn: mir geziemts alle Gluͤckseeligkeit zu verachten, und zu zertreten. Jch bin nur heiße Gier und Raub und Aufschwung sonnenwaͤrts! —
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lieren hat, er ist allein frei und ausgenommen von allem Gesetz. Denn er ist schon gerichtet; er darf Fluͤche fuͤr sie alle auf sich laden, denn er hat kein Mitleiden mehr zu hoffen und will keins. Er ist die Hand des Raͤchers und darf alle Thaten thun. Ja! — Giebt es nicht auch zwei Kraͤfte in der Natur, eine, die erzeugt und hegt und pflegt, und die andere, die zerstoͤrt und aufreibt? Und so, Mensch, entweder pflanz Baͤume und zieh Kohl in deinem Garten, und iß ihn ruhigen Sinnes mit deinem Weibe und deinen Kindern: oder, wenn du diesen deinen ruhigen Sinn verloren hast, wenn dir ekelt vor dem Kreis deiner stillen Gluͤckseeligkeit, so schlag nieder, verdirb mit der naͤmlichen Natur, mit der du vorhin aufbautest!</p><p>Nur ein leeres Leben ist ein klaͤgliches Leben. Wo kein Genuß ist, und keine Thaten, was ist da das Leben? Besteht es nicht aus einem Stuͤcke Zeit? und die Zeit ist ja nur eine Folge von Begebenheiten. — Auf! Auf! mich durchfleußt ein neuer Odem, ich trinke die Luft hoͤherer Sphaͤren! Offenbarung hat sich in meine Seele gesenkt — ich frage nicht wohin? nicht warum? Jn diesem Wollen liegt die Antwort auf alles. Gluͤcklich mag die Turteltaube seyn: mir geziemts alle Gluͤckseeligkeit zu verachten, und zu zertreten. Jch bin nur heiße Gier und Raub und Aufschwung sonnenwaͤrts! —</p></div><milestonerendition="#hr"unit="section"/><lb/></div></div></body></text></TEI>
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lieren hat, er ist allein frei und ausgenommen von allem Gesetz. Denn er ist schon gerichtet; er darf Fluͤche fuͤr sie alle auf sich laden, denn er hat kein Mitleiden mehr zu hoffen und will keins. Er ist die Hand des Raͤchers und darf alle Thaten thun. Ja! — Giebt es nicht auch zwei Kraͤfte in der Natur, eine, die erzeugt und hegt und pflegt, und die andere, die zerstoͤrt und aufreibt? Und so, Mensch, entweder pflanz Baͤume und zieh Kohl in deinem Garten, und iß ihn ruhigen Sinnes mit deinem Weibe und deinen Kindern: oder, wenn du diesen deinen ruhigen Sinn verloren hast, wenn dir ekelt vor dem Kreis deiner stillen Gluͤckseeligkeit, so schlag nieder, verdirb mit der naͤmlichen Natur, mit der du vorhin aufbautest!
Nur ein leeres Leben ist ein klaͤgliches Leben. Wo kein Genuß ist, und keine Thaten, was ist da das Leben? Besteht es nicht aus einem Stuͤcke Zeit? und die Zeit ist ja nur eine Folge von Begebenheiten. — Auf! Auf! mich durchfleußt ein neuer Odem, ich trinke die Luft hoͤherer Sphaͤren! Offenbarung hat sich in meine Seele gesenkt — ich frage nicht wohin? nicht warum? Jn diesem Wollen liegt die Antwort auf alles. Gluͤcklich mag die Turteltaube seyn: mir geziemts alle Gluͤckseeligkeit zu verachten, und zu zertreten. Jch bin nur heiße Gier und Raub und Aufschwung sonnenwaͤrts! —
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(2015-06-09T11:00:00Z)
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Matthias Boenig, Deutsches Textarchiv, Berlin-Brandenburgische Akademie zu Berlin: Konvertierung nach DTA-Basisformat
(2015-06-09T11:00:00Z)
UB Uni-Bielefeld: Bereitstellung der Bilddigitalisate
(2015-06-09T11:00:00Z)
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Moritz, Karl Philipp (Hrsg.): Gnothi sauton oder Magazin zur Erfahrungsseelenkunde. Bd. 10, St. 1. Berlin, 1793, S. 79. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/moritz_erfahrungsseelenkunde01001_1793/81>, abgerufen am 11.09.2024.
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