Moritz, Karl Philipp (Hrsg.): Gnothi sauton oder Magazin zur Erfahrungsseelenkunde. Bd. 4, St. 1. Berlin, 1786.
Wie könnte ich böse auf Dich seyn! oder wie könnte gar Dein kurzes Stillschweigen dieß verursachen. Nein, Du schreibst nun recht oft an mich, und dann sollst Du auch bald wieder etwas von mir, und recht viel hören. Ja, ich kenne Dich -- glaube Dich ganz zu kennen. Jch weiß auch, woran Dein langes Stillschweigen gelegen hat. Anhaltende Arbeiten, dachte ich gleich, müssen daran schuld seyn, und Dein Brief bestätigte mir dieses. Nun schreib, wie Du auch mir versprichst, recht oft. Schreib mir Deine glücklichen (und auch, wenn sich dergleichen zuweilen äußern) Deine minder glücklichen Schicksaale, keiner wird an beiden mehr Antheil nehmen, als Dein lieber Freund und treuer Bruder. Ach! noch sind wir fern, noch von einander getrennt, gewiß noch einige Jahre, langer Zeitraum! ach! möchte uns doch einmal die Göttin Fortuna zusammen an Einen Ort führen, gern, gern wollte ich ihr einen Kranz winden. Denn dies wäre so mein Lieblingsgedanke. Wir beide an Einem Ort (und das an dem Ort, wo Du itzt bist,) zu B., soll ich noch mehr wünschen, an Einem Jnstitute, gemeinschaftliche Arbeiter für die Jugend, oder doch beide Redner für das Volk, und dann doch Ein Geschäfte! o Wonne-
Wie koͤnnte ich boͤse auf Dich seyn! oder wie koͤnnte gar Dein kurzes Stillschweigen dieß verursachen. Nein, Du schreibst nun recht oft an mich, und dann sollst Du auch bald wieder etwas von mir, und recht viel hoͤren. Ja, ich kenne Dich — glaube Dich ganz zu kennen. Jch weiß auch, woran Dein langes Stillschweigen gelegen hat. Anhaltende Arbeiten, dachte ich gleich, muͤssen daran schuld seyn, und Dein Brief bestaͤtigte mir dieses. Nun schreib, wie Du auch mir versprichst, recht oft. Schreib mir Deine gluͤcklichen (und auch, wenn sich dergleichen zuweilen aͤußern) Deine minder gluͤcklichen Schicksaale, keiner wird an beiden mehr Antheil nehmen, als Dein lieber Freund und treuer Bruder. Ach! noch sind wir fern, noch von einander getrennt, gewiß noch einige Jahre, langer Zeitraum! ach! moͤchte uns doch einmal die Goͤttin Fortuna zusammen an Einen Ort fuͤhren, gern, gern wollte ich ihr einen Kranz winden. Denn dies waͤre so mein Lieblingsgedanke. Wir beide an Einem Ort (und das an dem Ort, wo Du itzt bist,) zu B., soll ich noch mehr wuͤnschen, an Einem Jnstitute, gemeinschaftliche Arbeiter fuͤr die Jugend, oder doch beide Redner fuͤr das Volk, und dann doch Ein Geschaͤfte! o Wonne- <TEI> <text> <body> <div n="1"> <div n="2"> <p><pb facs="#f0102" n="100"/><lb/> ken kann ich freilich nicht immer an Dich; aber Dich auch vergessen — kann ich nie. </p> <p>Wie koͤnnte ich boͤse auf Dich seyn! oder wie koͤnnte gar Dein kurzes Stillschweigen dieß verursachen. Nein, Du schreibst nun recht oft an mich, und dann sollst Du auch bald wieder etwas von mir, und recht viel hoͤren. </p> <p>Ja, ich <hi rendition="#b">kenne</hi> Dich — glaube Dich <hi rendition="#b">ganz zu kennen.</hi> Jch weiß auch, woran Dein langes Stillschweigen gelegen hat. Anhaltende Arbeiten, dachte ich gleich, muͤssen daran schuld seyn, und Dein Brief bestaͤtigte mir dieses. </p> <p>Nun schreib, wie Du auch mir versprichst, recht oft. Schreib mir Deine gluͤcklichen (und auch, wenn sich dergleichen zuweilen aͤußern) Deine minder gluͤcklichen Schicksaale, keiner wird an beiden mehr Antheil nehmen, als Dein lieber Freund und treuer Bruder. </p> <p>Ach! noch sind wir fern, noch von einander getrennt, gewiß noch einige Jahre, langer Zeitraum! ach! moͤchte uns doch einmal die Goͤttin Fortuna zusammen an Einen Ort fuͤhren, gern, gern wollte ich ihr einen Kranz winden. Denn dies waͤre so mein Lieblingsgedanke. </p> <p>Wir beide an Einem Ort (und das an dem Ort, wo Du itzt bist,) zu B., soll ich noch mehr wuͤnschen, an Einem Jnstitute, gemeinschaftliche Arbeiter fuͤr die Jugend, oder doch beide Redner fuͤr das Volk, und dann doch Ein Geschaͤfte! o Wonne-<lb/></p> </div> </div> </body> </text> </TEI> [100/0102]
ken kann ich freilich nicht immer an Dich; aber Dich auch vergessen — kann ich nie.
Wie koͤnnte ich boͤse auf Dich seyn! oder wie koͤnnte gar Dein kurzes Stillschweigen dieß verursachen. Nein, Du schreibst nun recht oft an mich, und dann sollst Du auch bald wieder etwas von mir, und recht viel hoͤren.
Ja, ich kenne Dich — glaube Dich ganz zu kennen. Jch weiß auch, woran Dein langes Stillschweigen gelegen hat. Anhaltende Arbeiten, dachte ich gleich, muͤssen daran schuld seyn, und Dein Brief bestaͤtigte mir dieses.
Nun schreib, wie Du auch mir versprichst, recht oft. Schreib mir Deine gluͤcklichen (und auch, wenn sich dergleichen zuweilen aͤußern) Deine minder gluͤcklichen Schicksaale, keiner wird an beiden mehr Antheil nehmen, als Dein lieber Freund und treuer Bruder.
Ach! noch sind wir fern, noch von einander getrennt, gewiß noch einige Jahre, langer Zeitraum! ach! moͤchte uns doch einmal die Goͤttin Fortuna zusammen an Einen Ort fuͤhren, gern, gern wollte ich ihr einen Kranz winden. Denn dies waͤre so mein Lieblingsgedanke.
Wir beide an Einem Ort (und das an dem Ort, wo Du itzt bist,) zu B., soll ich noch mehr wuͤnschen, an Einem Jnstitute, gemeinschaftliche Arbeiter fuͤr die Jugend, oder doch beide Redner fuͤr das Volk, und dann doch Ein Geschaͤfte! o Wonne-
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| Zitationshilfe: | Moritz, Karl Philipp (Hrsg.): Gnothi sauton oder Magazin zur Erfahrungsseelenkunde. Bd. 4, St. 1. Berlin, 1786, S. 100. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/moritz_erfahrungsseelenkunde0401_1786/102>, abgerufen am 11.09.2024. |


