bis auf das Kleinste ist seine große Stärke, er detaillirt den Menschen sehr gut, in den besten dazu gewählten deutschen Ausdrücken, er verräth große Menschenkenntniß und Studium derselben, sein Vortrag ist Plan und daher beliebt. Meiner Meinung ist auch diese Popularität im Reden das Schwerste, und man kann sich leichter an das Erhabene gewöhnen, und es fällt einem nicht so schwer, ich weiß dieß aus Erfahrung; ich hinke auch gern zu diesen kleinen Fehler hin, ich gestehe es Dir frei, ich liebe das Pathetische im Ausdruck, und es wird mir auch nicht sauer den hohen Ausdruck zu finden, eher als den regulären und eben so verständlichen und nicht mehr sagenden Ausdruck.
Ach! laß mich so noch ein bischen mit Dir schwatzen, wir haben ja lange nicht mit einander geschwatzt.
Noch gestern bin ich mit in der Probe zur Oper: die Eifersucht des Bauren etc. gewesen, die am Dienstag gegeben werden soll. Kömmt der Bischof von Osnabrück, der itzt zu Hannover ist, so wird hier eine große Oper im Opernhause auf dem Hagemarkte gegeben. Die wünschte ich wirklich zu sehen, und der zu gefallen, käme ich denn wahrlich von H.. einen Abend wieder herüber. --
Jetzt schlägt es neun Uhr, und ich will A.. in der Schloßkapelle hören. Nun, er hat gere-
bis auf das Kleinste ist seine große Staͤrke, er detaillirt den Menschen sehr gut, in den besten dazu gewaͤhlten deutschen Ausdruͤcken, er verraͤth große Menschenkenntniß und Studium derselben, sein Vortrag ist Plan und daher beliebt. Meiner Meinung ist auch diese Popularitaͤt im Reden das Schwerste, und man kann sich leichter an das Erhabene gewoͤhnen, und es faͤllt einem nicht so schwer, ich weiß dieß aus Erfahrung; ich hinke auch gern zu diesen kleinen Fehler hin, ich gestehe es Dir frei, ich liebe das Pathetische im Ausdruck, und es wird mir auch nicht sauer den hohen Ausdruck zu finden, eher als den regulaͤren und eben so verstaͤndlichen und nicht mehr sagenden Ausdruck.
Ach! laß mich so noch ein bischen mit Dir schwatzen, wir haben ja lange nicht mit einander geschwatzt.
Noch gestern bin ich mit in der Probe zur Oper: die Eifersucht des Bauren etc. gewesen, die am Dienstag gegeben werden soll. Koͤmmt der Bischof von Osnabruͤck, der itzt zu Hannover ist, so wird hier eine große Oper im Opernhause auf dem Hagemarkte gegeben. Die wuͤnschte ich wirklich zu sehen, und der zu gefallen, kaͤme ich denn wahrlich von H.. einen Abend wieder heruͤber. —
Jetzt schlaͤgt es neun Uhr, und ich will A.. in der Schloßkapelle hoͤren. Nun, er hat gere-
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bis auf das Kleinste ist seine große Staͤrke, er detaillirt den Menschen sehr gut, in den besten dazu gewaͤhlten deutschen Ausdruͤcken, er verraͤth große Menschenkenntniß und Studium derselben, sein Vortrag ist Plan und daher beliebt. Meiner Meinung ist auch diese Popularitaͤt im Reden das Schwerste, und man kann sich leichter an das Erhabene gewoͤhnen, und es faͤllt einem nicht so schwer, ich weiß dieß aus Erfahrung; ich hinke auch gern zu diesen kleinen Fehler hin, ich gestehe es Dir frei, ich liebe das Pathetische im Ausdruck, und es wird mir auch nicht sauer den hohen Ausdruck zu finden, eher als den regulaͤren und eben so verstaͤndlichen und nicht mehr sagenden Ausdruck. </p><p>Ach! laß mich so noch ein bischen mit Dir schwatzen, wir haben ja lange nicht mit einander geschwatzt. </p><p>Noch gestern bin ich mit in der Probe zur Oper: <hirendition="#b">die Eifersucht des Bauren</hi> etc. gewesen, die am Dienstag gegeben werden soll. Koͤmmt der Bischof von Osnabruͤck, der itzt zu Hannover ist, so wird hier eine große Oper im Opernhause auf dem Hagemarkte gegeben. Die wuͤnschte ich wirklich zu sehen, und der zu gefallen, kaͤme ich denn wahrlich von H.. einen Abend wieder heruͤber. —</p><p>Jetzt schlaͤgt es neun Uhr, und ich will A.. in der <hirendition="#b">Schloßkapelle</hi> hoͤren. Nun, er hat gere-<lb/></p></div></div></body></text></TEI>
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bis auf das Kleinste ist seine große Staͤrke, er detaillirt den Menschen sehr gut, in den besten dazu gewaͤhlten deutschen Ausdruͤcken, er verraͤth große Menschenkenntniß und Studium derselben, sein Vortrag ist Plan und daher beliebt. Meiner Meinung ist auch diese Popularitaͤt im Reden das Schwerste, und man kann sich leichter an das Erhabene gewoͤhnen, und es faͤllt einem nicht so schwer, ich weiß dieß aus Erfahrung; ich hinke auch gern zu diesen kleinen Fehler hin, ich gestehe es Dir frei, ich liebe das Pathetische im Ausdruck, und es wird mir auch nicht sauer den hohen Ausdruck zu finden, eher als den regulaͤren und eben so verstaͤndlichen und nicht mehr sagenden Ausdruck.
Ach! laß mich so noch ein bischen mit Dir schwatzen, wir haben ja lange nicht mit einander geschwatzt.
Noch gestern bin ich mit in der Probe zur Oper: die Eifersucht des Bauren etc. gewesen, die am Dienstag gegeben werden soll. Koͤmmt der Bischof von Osnabruͤck, der itzt zu Hannover ist, so wird hier eine große Oper im Opernhause auf dem Hagemarkte gegeben. Die wuͤnschte ich wirklich zu sehen, und der zu gefallen, kaͤme ich denn wahrlich von H.. einen Abend wieder heruͤber. —
Jetzt schlaͤgt es neun Uhr, und ich will A.. in der Schloßkapelle hoͤren. Nun, er hat gere-
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Matthias Boenig, Deutsches Textarchiv, Berlin-Brandenburgische Akademie zu Berlin: Konvertierung nach DTA-Basisformat
(2015-06-09T11:00:00Z)
UB Uni-Bielefeld: Bereitstellung der Bilddigitalisate
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Moritz, Karl Philipp (Hrsg.): Gnothi sauton oder Magazin zur Erfahrungsseelenkunde. Bd. 4, St. 1. Berlin, 1786, S. 107. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/moritz_erfahrungsseelenkunde0401_1786/109>, abgerufen am 11.09.2024.
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