Moritz, Karl Philipp (Hrsg.): Gnothi sauton oder Magazin zur Erfahrungsseelenkunde. Bd. 4, St. 1. Berlin, 1786.Eine Krankheit meines Mannes machte es nothwendig nachher mit mir ins Bad zu gehn. Dort trift man, wie Sie wissen, der Gesellschaft viel. Ein Land-Cavalier hatte sich zur Lust, jemanden zu überraschen, im Predigerrock versteckt. Der Scherz glückte; der Mann, dem es galt, verkannte ihn. Jch aber sagte: spotten Sie nicht mit dem schwarzen Rock, vielleicht kommt noch unter vierundzwanzig Stunden ein Bothe, und meldet Jhnen etwas, wo sie wirklich nachher einen tragen müssen. Wann es aber geschiehet, so bedeutet es eine reiche Erbschaft; auch liegt der Kranke Jhrem Herzen nicht nahe, wohl aber der Frau Gemahlin, gehen Sie zu dieser, um sie zu trösten. Wirklich sagte ich dies, um seine Lust zu dämpfen, er nimmt es auch so; nachdem er ins Haus tritt, findet er schon den Bothen. Sein Schwager wird gemeldet, verlangte ihn zu sprechen, wenige Stunden seines Lebens wären nur übrig. Der Cavalier reist, der Schwager stirbt, die Frau erbt ansehnlich, die die Schwester des Todten war. Jch gestehe, mir war dieß, wie manches andere, unbegreiflich. Eben der Art sind manche Dinge vorgefallen, die ich nicht hersetzen kann, um nicht zu weitläuftig zu werden. Eine Krankheit meines Mannes machte es nothwendig nachher mit mir ins Bad zu gehn. Dort trift man, wie Sie wissen, der Gesellschaft viel. Ein Land-Cavalier hatte sich zur Lust, jemanden zu uͤberraschen, im Predigerrock versteckt. Der Scherz gluͤckte; der Mann, dem es galt, verkannte ihn. Jch aber sagte: spotten Sie nicht mit dem schwarzen Rock, vielleicht kommt noch unter vierundzwanzig Stunden ein Bothe, und meldet Jhnen etwas, wo sie wirklich nachher einen tragen muͤssen. Wann es aber geschiehet, so bedeutet es eine reiche Erbschaft; auch liegt der Kranke Jhrem Herzen nicht nahe, wohl aber der Frau Gemahlin, gehen Sie zu dieser, um sie zu troͤsten. Wirklich sagte ich dies, um seine Lust zu daͤmpfen, er nimmt es auch so; nachdem er ins Haus tritt, findet er schon den Bothen. Sein Schwager wird gemeldet, verlangte ihn zu sprechen, wenige Stunden seines Lebens waͤren nur uͤbrig. Der Cavalier reist, der Schwager stirbt, die Frau erbt ansehnlich, die die Schwester des Todten war. Jch gestehe, mir war dieß, wie manches andere, unbegreiflich. Eben der Art sind manche Dinge vorgefallen, die ich nicht hersetzen kann, um nicht zu weitlaͤuftig zu werden. <TEI> <text> <body> <div n="1"> <div n="2"> <pb facs="#f0113" n="111"/><lb/> <p>Eine Krankheit meines Mannes machte es nothwendig nachher mit mir ins Bad zu gehn. Dort trift man, wie Sie wissen, der Gesellschaft viel. </p> <p>Ein Land-Cavalier hatte sich zur Lust, jemanden zu uͤberraschen, im Predigerrock versteckt. </p> <p>Der Scherz gluͤckte; der Mann, dem es galt, verkannte ihn. Jch aber sagte: spotten Sie nicht mit dem schwarzen Rock, vielleicht kommt noch unter vierundzwanzig Stunden ein Bothe, und meldet Jhnen etwas, wo sie wirklich nachher einen tragen muͤssen. Wann es aber geschiehet, so bedeutet es eine reiche Erbschaft; auch liegt der Kranke Jhrem Herzen nicht nahe, wohl aber der Frau Gemahlin, gehen Sie zu dieser, um sie zu troͤsten. </p> <p>Wirklich sagte ich dies, um seine Lust zu daͤmpfen, er nimmt es auch so; nachdem er ins Haus tritt, findet er schon den Bothen. </p> <p>Sein Schwager wird gemeldet, verlangte ihn zu sprechen, wenige Stunden seines Lebens waͤren nur uͤbrig. </p> <p>Der Cavalier reist, der Schwager stirbt, die Frau erbt ansehnlich, die die Schwester des Todten war. </p> <p>Jch gestehe, mir war dieß, wie manches andere, unbegreiflich. </p> <p>Eben der Art sind manche Dinge vorgefallen, die ich nicht hersetzen kann, um nicht zu weitlaͤuftig zu werden. </p><lb/> </div> </div> </body> </text> </TEI> [111/0113]
Eine Krankheit meines Mannes machte es nothwendig nachher mit mir ins Bad zu gehn. Dort trift man, wie Sie wissen, der Gesellschaft viel.
Ein Land-Cavalier hatte sich zur Lust, jemanden zu uͤberraschen, im Predigerrock versteckt.
Der Scherz gluͤckte; der Mann, dem es galt, verkannte ihn. Jch aber sagte: spotten Sie nicht mit dem schwarzen Rock, vielleicht kommt noch unter vierundzwanzig Stunden ein Bothe, und meldet Jhnen etwas, wo sie wirklich nachher einen tragen muͤssen. Wann es aber geschiehet, so bedeutet es eine reiche Erbschaft; auch liegt der Kranke Jhrem Herzen nicht nahe, wohl aber der Frau Gemahlin, gehen Sie zu dieser, um sie zu troͤsten.
Wirklich sagte ich dies, um seine Lust zu daͤmpfen, er nimmt es auch so; nachdem er ins Haus tritt, findet er schon den Bothen.
Sein Schwager wird gemeldet, verlangte ihn zu sprechen, wenige Stunden seines Lebens waͤren nur uͤbrig.
Der Cavalier reist, der Schwager stirbt, die Frau erbt ansehnlich, die die Schwester des Todten war.
Jch gestehe, mir war dieß, wie manches andere, unbegreiflich.
Eben der Art sind manche Dinge vorgefallen, die ich nicht hersetzen kann, um nicht zu weitlaͤuftig zu werden.
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| Zitationshilfe: | Moritz, Karl Philipp (Hrsg.): Gnothi sauton oder Magazin zur Erfahrungsseelenkunde. Bd. 4, St. 1. Berlin, 1786, S. 111. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/moritz_erfahrungsseelenkunde0401_1786/113>, abgerufen am 11.09.2024. |


