zu bezeichnen, welche es nicht ist, wenn sie wie verdorben ist, oder ihrer Bestimmung nicht gemäß ist. Ein Baum ohne Frucht, ist kein Baum, wenn der Baum Frucht tragen soll; und wenn Cicero sagt, in der Regierung des Gabinius und Piso wären keine Consuln gewesen: so legte er den Begriff zum Grunde, worzu ein Consul da wäre, was man von ihm erwartete; und den fand er nicht an diesen schlechten Menschen. Wenn er sagte, es sind keine Gerichte: so meynt er, keine ordentliche, gerechte, unpartheiische Gerichte; denn so sollen sie seyn, deswegen sind sie. Die Republik ist weg, spricht dieser Republikaner, es ist kein Staat mehr, seit dem Siege des Cäsar: nemlich, ein freyer Staat, wie ihn der Römer dachte, haben wollte, gehabt hatte. Mit einem Worte: Unsre Seele will alles ganz vollständig haben; es ist der Vollkommenheits-Trieb. Ja, wird man sagen, bei solchen Worten, denen die Emphase etwas Gutes, eine Vollkommenheit, Rechtmässigkeit beilegt; Aber wo der Nebenbegriff sich auf das schlechte, böse lenkt, wie bei den Worten Zeug, Thier, Wahn, Vorurtheil! Und wie manche Worte sind so nach und nach gleichsam ausgeartet, oder verschwärzt worden: Jm Lateinischen fur welches erst so viel hieß, als Mensch, aus dem Griechischen Phios, Phutos; dafür auch Phor war, wie honos und honor, colos und color, hernach ein Leibeigner (wie im neuern Lateine
zu bezeichnen, welche es nicht ist, wenn sie wie verdorben ist, oder ihrer Bestimmung nicht gemaͤß ist. Ein Baum ohne Frucht, ist kein Baum, wenn der Baum Frucht tragen soll; und wenn Cicero sagt, in der Regierung des Gabinius und Piso waͤren keine Consuln gewesen: so legte er den Begriff zum Grunde, worzu ein Consul da waͤre, was man von ihm erwartete; und den fand er nicht an diesen schlechten Menschen. Wenn er sagte, es sind keine Gerichte: so meynt er, keine ordentliche, gerechte, unpartheiische Gerichte; denn so sollen sie seyn, deswegen sind sie. Die Republik ist weg, spricht dieser Republikaner, es ist kein Staat mehr, seit dem Siege des Caͤsar: nemlich, ein freyer Staat, wie ihn der Roͤmer dachte, haben wollte, gehabt hatte. Mit einem Worte: Unsre Seele will alles ganz vollstaͤndig haben; es ist der Vollkommenheits-Trieb. Ja, wird man sagen, bei solchen Worten, denen die Emphase etwas Gutes, eine Vollkommenheit, Rechtmaͤssigkeit beilegt; Aber wo der Nebenbegriff sich auf das schlechte, boͤse lenkt, wie bei den Worten Zeug, Thier, Wahn, Vorurtheil! Und wie manche Worte sind so nach und nach gleichsam ausgeartet, oder verschwaͤrzt worden: Jm Lateinischen fur welches erst so viel hieß, als Mensch, aus dem Griechischen Φίος, Φῦτος; dafuͤr auch Φὼρ war, wie honos und honor, colos und color, hernach ein Leibeigner (wie im neuern Lateine
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zu bezeichnen, welche es nicht ist, wenn sie wie verdorben ist, oder ihrer Bestimmung nicht gemaͤß ist. Ein Baum ohne Frucht, ist kein Baum, wenn der Baum Frucht tragen soll; und wenn Cicero sagt, in der Regierung des Gabinius und Piso waͤren keine Consuln gewesen: so legte er den Begriff zum Grunde, worzu ein Consul da waͤre, was man von ihm erwartete; und den fand er nicht an diesen schlechten Menschen. Wenn er sagte, es sind keine Gerichte: so meynt er, keine ordentliche, gerechte, unpartheiische Gerichte; denn so sollen sie seyn, deswegen sind sie. Die Republik ist weg, spricht dieser Republikaner, es ist kein Staat mehr, seit dem Siege des Caͤsar: nemlich, ein freyer Staat, wie ihn der Roͤmer dachte, haben wollte, gehabt hatte. Mit einem Worte: Unsre Seele will alles ganz vollstaͤndig haben; es ist der Vollkommenheits-Trieb. Ja, wird man sagen, bei solchen Worten, denen die Emphase etwas Gutes, eine Vollkommenheit, Rechtmaͤssigkeit beilegt; Aber wo der Nebenbegriff sich auf das schlechte, boͤse lenkt, wie bei den Worten Zeug, Thier, Wahn, Vorurtheil! Und wie manche Worte sind so nach und nach gleichsam ausgeartet, oder verschwaͤrzt worden: Jm Lateinischen fur welches erst so viel hieß, als Mensch, aus dem Griechischen Φίος, Φῦτος; dafuͤr auch Φὼρ war, wie honos und honor, colos und color, hernach ein Leibeigner (wie im neuern Lateine
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(2015-06-09T11:00:00Z)
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Matthias Boenig, Deutsches Textarchiv, Berlin-Brandenburgische Akademie zu Berlin: Konvertierung nach DTA-Basisformat
(2015-06-09T11:00:00Z)
UB Uni-Bielefeld: Bereitstellung der Bilddigitalisate
(2015-06-09T11:00:00Z)
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Moritz, Karl Philipp (Hrsg.): Gnothi sauton oder Magazin zur Erfahrungsseelenkunde. Bd. 4, St. 1. Berlin, 1786, S. 64. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/moritz_erfahrungsseelenkunde0401_1786/66>, abgerufen am 11.09.2024.
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