Moritz, Karl Philipp (Hrsg.): Gnothi sauton oder Magazin zur Erfahrungsseelenkunde. Bd. 4, St. 1. Berlin, 1786.
So wenig ich meiner Angst oft widerstehen konnte, mich wieder in die Stube zum Vater zu begeben, sobald brachte mich doch die Anrede des Vaters: Was willst du denn wieder? zum Bewustseyn. Jch sagte nie die Ursache, weil ich fürchtete ausgelacht zu werden, da ich mich gar nicht über meine Erscheinungen erklären konnte, sondern gab gewöhnlich vor zu dursten, und nachdem ich getrunken, begab ich mich traurig wieder an den Ort des Schreckens. Jch weiß nicht, ob in den nemlichen Jahren oder vielleicht etwas früher hatte ich eine ziemliche Anlage zum Nachtwandeln. Jch stand einsmahls um Mitternacht auf, kleidete mich etwas an, ging zum Zimmer, das ich aufschloß, hinaus, nahm auf dem Vorsaal ein Körbchen mit Kraute, und eilte zum Saale damit hinaus, um im Hofe meine Kaninchen, die ich hielt, zu füttern. Der Schall von der Klingel der Saalthüre hatte Jemanden erweckt, der mir nachlief, mich nach vielem Widersprechen zurück, und zum Bewustseyn brachte, wo ich beschämt wieder zu Bette schlich. --
So wenig ich meiner Angst oft widerstehen konnte, mich wieder in die Stube zum Vater zu begeben, sobald brachte mich doch die Anrede des Vaters: Was willst du denn wieder? zum Bewustseyn. Jch sagte nie die Ursache, weil ich fuͤrchtete ausgelacht zu werden, da ich mich gar nicht uͤber meine Erscheinungen erklaͤren konnte, sondern gab gewoͤhnlich vor zu dursten, und nachdem ich getrunken, begab ich mich traurig wieder an den Ort des Schreckens. Jch weiß nicht, ob in den nemlichen Jahren oder vielleicht etwas fruͤher hatte ich eine ziemliche Anlage zum Nachtwandeln. Jch stand einsmahls um Mitternacht auf, kleidete mich etwas an, ging zum Zimmer, das ich aufschloß, hinaus, nahm auf dem Vorsaal ein Koͤrbchen mit Kraute, und eilte zum Saale damit hinaus, um im Hofe meine Kaninchen, die ich hielt, zu fuͤttern. Der Schall von der Klingel der Saalthuͤre hatte Jemanden erweckt, der mir nachlief, mich nach vielem Widersprechen zuruͤck, und zum Bewustseyn brachte, wo ich beschaͤmt wieder zu Bette schlich. — <TEI> <text> <body> <div n="1"> <div n="2"> <p><pb facs="#f0075" n="73"/><lb/> ich nichts zu befuͤrchten: so bald mich aber in einem Halbschlummer dieses verlies, kam der vorige Feind wieder, den ich oͤfters nachher dadurch zu verbannen wuste, wenn ich mich nur schnell im Bette aufrichtete, dann zum Besinnen kam, und einsah, daß meine Angst eitel war. </p> <p>So wenig ich meiner Angst oft widerstehen konnte, mich wieder in die Stube zum Vater zu begeben, sobald brachte mich doch die Anrede des Vaters: <hi rendition="#b">Was willst du denn wieder?</hi> zum Bewustseyn. </p> <p>Jch sagte nie die Ursache, weil ich fuͤrchtete ausgelacht zu werden, da ich mich gar nicht uͤber meine Erscheinungen erklaͤren konnte, sondern gab gewoͤhnlich vor zu dursten, und nachdem ich getrunken, begab ich mich traurig wieder an den Ort des Schreckens. </p> <p>Jch weiß nicht, ob in den nemlichen Jahren oder vielleicht etwas fruͤher hatte ich eine ziemliche Anlage zum Nachtwandeln. Jch stand einsmahls um Mitternacht auf, kleidete mich etwas an, ging zum Zimmer, das ich aufschloß, hinaus, nahm auf dem Vorsaal ein Koͤrbchen mit Kraute, und eilte zum Saale damit hinaus, um im Hofe meine Kaninchen, die ich hielt, zu fuͤttern. Der Schall von der Klingel der Saalthuͤre hatte Jemanden erweckt, der mir nachlief, mich nach vielem Widersprechen zuruͤck, und zum Bewustseyn brachte, wo ich beschaͤmt wieder zu Bette schlich. — </p><lb/> </div> </div> </body> </text> </TEI> [73/0075]
ich nichts zu befuͤrchten: so bald mich aber in einem Halbschlummer dieses verlies, kam der vorige Feind wieder, den ich oͤfters nachher dadurch zu verbannen wuste, wenn ich mich nur schnell im Bette aufrichtete, dann zum Besinnen kam, und einsah, daß meine Angst eitel war.
So wenig ich meiner Angst oft widerstehen konnte, mich wieder in die Stube zum Vater zu begeben, sobald brachte mich doch die Anrede des Vaters: Was willst du denn wieder? zum Bewustseyn.
Jch sagte nie die Ursache, weil ich fuͤrchtete ausgelacht zu werden, da ich mich gar nicht uͤber meine Erscheinungen erklaͤren konnte, sondern gab gewoͤhnlich vor zu dursten, und nachdem ich getrunken, begab ich mich traurig wieder an den Ort des Schreckens.
Jch weiß nicht, ob in den nemlichen Jahren oder vielleicht etwas fruͤher hatte ich eine ziemliche Anlage zum Nachtwandeln. Jch stand einsmahls um Mitternacht auf, kleidete mich etwas an, ging zum Zimmer, das ich aufschloß, hinaus, nahm auf dem Vorsaal ein Koͤrbchen mit Kraute, und eilte zum Saale damit hinaus, um im Hofe meine Kaninchen, die ich hielt, zu fuͤttern. Der Schall von der Klingel der Saalthuͤre hatte Jemanden erweckt, der mir nachlief, mich nach vielem Widersprechen zuruͤck, und zum Bewustseyn brachte, wo ich beschaͤmt wieder zu Bette schlich. —
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| Zitationshilfe: | Moritz, Karl Philipp (Hrsg.): Gnothi sauton oder Magazin zur Erfahrungsseelenkunde. Bd. 4, St. 1. Berlin, 1786, S. 73. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/moritz_erfahrungsseelenkunde0401_1786/75>, abgerufen am 11.09.2024. |


