Moritz, Karl Philipp (Hrsg.): Gnothi sauton oder Magazin zur Erfahrungsseelenkunde. Bd. 4, St. 1. Berlin, 1786.
Acht Tage vor dem großen Geraischen Brande kamen Sprützen fünf Stunden weit von Gera dahin, weil in der Ferne ihnen Gera in Brand zu stehen geschienen hatte. Nach der Hand legte man dieses als eine Vorbedeutung des bald darauf erfolgten Brandes aus. Allein die Sonne, welche an jenem Tage einen über der Stadt befindlichen Nebel niedergedrückt hatte, mochte die Gestalt des mit Feuer vermischten Dampfes in der Ferne gebildet haben, und hatte noch mehrere Menschen getäuscht. Aber sonderbar gnug ists, daß man noch mehrere Geschichten der Art erzählt und wirklich in unsrer Gegend weiß, wo auf die nehmliche Weise vor einem Brande die Erscheinung des in Flammen stehenden Gebäudes vorhergegangen. Mehrere Anzeigen des Geraischen Brandes, welche theils vorher schon auf ein bevorstehendes Unglück gedeu-
Acht Tage vor dem großen Geraischen Brande kamen Spruͤtzen fuͤnf Stunden weit von Gera dahin, weil in der Ferne ihnen Gera in Brand zu stehen geschienen hatte. Nach der Hand legte man dieses als eine Vorbedeutung des bald darauf erfolgten Brandes aus. Allein die Sonne, welche an jenem Tage einen uͤber der Stadt befindlichen Nebel niedergedruͤckt hatte, mochte die Gestalt des mit Feuer vermischten Dampfes in der Ferne gebildet haben, und hatte noch mehrere Menschen getaͤuscht. Aber sonderbar gnug ists, daß man noch mehrere Geschichten der Art erzaͤhlt und wirklich in unsrer Gegend weiß, wo auf die nehmliche Weise vor einem Brande die Erscheinung des in Flammen stehenden Gebaͤudes vorhergegangen. Mehrere Anzeigen des Geraischen Brandes, welche theils vorher schon auf ein bevorstehendes Ungluͤck gedeu- <TEI> <text> <body> <div n="1"> <div n="2"> <p><pb facs="#f0079" n="77"/><lb/> Knecht entlassen. Bald darauf kam er zuruͤck, und da wir mit ihm noch im Vorhaus sprechen, entsteht ein Feuerlerm. Wir fahren schnell in die Stube, und sehen schon die ganze Gasse von Feuer erleuchtet. Es war in eines Kaufmanns Hobelspaͤnkammer durch Verwahrlosung einer mit dem Licht hineingehenden Magd ausgekommen, und brannte das Trockenhaus ab. Ein Gluͤck war es, daß so viele Menschen und Spritzen schon zum Loͤschen bereit da waren! — Man zog den Boͤttiger gefaͤnglich ein, konnte aber durch alles Ausfragen nichts sicheres von ihm erfahren, woher er seine Kunst habe? </p> <p>Acht Tage vor dem großen Geraischen Brande kamen Spruͤtzen fuͤnf Stunden weit von Gera dahin, weil in der Ferne ihnen Gera in Brand zu stehen geschienen hatte. Nach der Hand legte man dieses als eine Vorbedeutung des bald darauf erfolgten Brandes aus. Allein die Sonne, welche an jenem Tage einen uͤber der Stadt befindlichen Nebel niedergedruͤckt hatte, mochte die Gestalt des mit Feuer vermischten Dampfes in der Ferne gebildet haben, und hatte noch mehrere Menschen getaͤuscht. Aber sonderbar gnug ists, daß man noch mehrere Geschichten der Art erzaͤhlt und wirklich in unsrer Gegend weiß, wo auf die nehmliche Weise vor einem Brande die Erscheinung des in Flammen stehenden Gebaͤudes vorhergegangen. Mehrere Anzeigen des Geraischen Brandes, welche theils vorher schon auf ein bevorstehendes Ungluͤck gedeu-<lb/></p> </div> </div> </body> </text> </TEI> [77/0079]
Knecht entlassen. Bald darauf kam er zuruͤck, und da wir mit ihm noch im Vorhaus sprechen, entsteht ein Feuerlerm. Wir fahren schnell in die Stube, und sehen schon die ganze Gasse von Feuer erleuchtet. Es war in eines Kaufmanns Hobelspaͤnkammer durch Verwahrlosung einer mit dem Licht hineingehenden Magd ausgekommen, und brannte das Trockenhaus ab. Ein Gluͤck war es, daß so viele Menschen und Spritzen schon zum Loͤschen bereit da waren! — Man zog den Boͤttiger gefaͤnglich ein, konnte aber durch alles Ausfragen nichts sicheres von ihm erfahren, woher er seine Kunst habe?
Acht Tage vor dem großen Geraischen Brande kamen Spruͤtzen fuͤnf Stunden weit von Gera dahin, weil in der Ferne ihnen Gera in Brand zu stehen geschienen hatte. Nach der Hand legte man dieses als eine Vorbedeutung des bald darauf erfolgten Brandes aus. Allein die Sonne, welche an jenem Tage einen uͤber der Stadt befindlichen Nebel niedergedruͤckt hatte, mochte die Gestalt des mit Feuer vermischten Dampfes in der Ferne gebildet haben, und hatte noch mehrere Menschen getaͤuscht. Aber sonderbar gnug ists, daß man noch mehrere Geschichten der Art erzaͤhlt und wirklich in unsrer Gegend weiß, wo auf die nehmliche Weise vor einem Brande die Erscheinung des in Flammen stehenden Gebaͤudes vorhergegangen. Mehrere Anzeigen des Geraischen Brandes, welche theils vorher schon auf ein bevorstehendes Ungluͤck gedeu-
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| Zitationshilfe: | Moritz, Karl Philipp (Hrsg.): Gnothi sauton oder Magazin zur Erfahrungsseelenkunde. Bd. 4, St. 1. Berlin, 1786, S. 77. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/moritz_erfahrungsseelenkunde0401_1786/79>, abgerufen am 11.09.2024. |


