derbare und unerwartete Wirkungen in der menschlichen Seele hervorbringt, schlich sich Amor in ihr Herz. Sie vergaß ihren himmlischen Bräutigam, dem sie ewige Liebe geschworen hatte; wurde durch die Mühe, die sich ihr irdischer Bräutigam, um ihr zu gefallen, gab, gerührt, und fühlte von dem Augenblick an, daß er ihr nicht mehr wie sonst gleichgültig war. Sie schlich, ohne von ihm bemerkt zu werden, aus dem Wäldchen nach Hause; der nun völlig adonisirte Liebhaber langte auch bald darauf an, und erhielt dießmahl -- leichter, als ers geglaubt hatte, das Jawort. Seine liebe Gattin konnte ihm keine frohere Stunde machen, als wenn sie ihn nachher an diese Scene erinnerte; ein heiteres Lächeln verbreitete sich denn allemahl über seine Stirne, und er schien noch im siebenzigsten Jahre ganz das zu fühlen, was er in dem Wäldchen gedacht und empfunden hatte. --
Schack Fluur war das achte Kind aus dieser Ehe, und einer der lebhaftesten Jungen, die je auf einem Steckenpferde geritten haben. Da seine Mutter ein öfteres Wochenbette, so oft sie sich auch dazu bequemen mußte, ärger als den Tod scheute: so pflegte sie auch ihre Kinder gewöhnlich lange zu stillen. Schack hatte bereits schon das zweite Jahr erreicht, und fast alle seine zweiund-
derbare und unerwartete Wirkungen in der menschlichen Seele hervorbringt, schlich sich Amor in ihr Herz. Sie vergaß ihren himmlischen Braͤutigam, dem sie ewige Liebe geschworen hatte; wurde durch die Muͤhe, die sich ihr irdischer Braͤutigam, um ihr zu gefallen, gab, geruͤhrt, und fuͤhlte von dem Augenblick an, daß er ihr nicht mehr wie sonst gleichguͤltig war. Sie schlich, ohne von ihm bemerkt zu werden, aus dem Waͤldchen nach Hause; der nun voͤllig adonisirte Liebhaber langte auch bald darauf an, und erhielt dießmahl — leichter, als ers geglaubt hatte, das Jawort. Seine liebe Gattin konnte ihm keine frohere Stunde machen, als wenn sie ihn nachher an diese Scene erinnerte; ein heiteres Laͤcheln verbreitete sich denn allemahl uͤber seine Stirne, und er schien noch im siebenzigsten Jahre ganz das zu fuͤhlen, was er in dem Waͤldchen gedacht und empfunden hatte. —
Schack Fluur war das achte Kind aus dieser Ehe, und einer der lebhaftesten Jungen, die je auf einem Steckenpferde geritten haben. Da seine Mutter ein oͤfteres Wochenbette, so oft sie sich auch dazu bequemen mußte, aͤrger als den Tod scheute: so pflegte sie auch ihre Kinder gewoͤhnlich lange zu stillen. Schack hatte bereits schon das zweite Jahr erreicht, und fast alle seine zweiund-
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derbare und unerwartete Wirkungen in der menschlichen Seele hervorbringt, schlich sich Amor in ihr Herz. Sie vergaß ihren himmlischen Braͤutigam, dem sie ewige Liebe geschworen hatte; wurde durch die Muͤhe, die sich ihr irdischer Braͤutigam, um ihr zu gefallen, gab, geruͤhrt, und fuͤhlte von dem Augenblick an, daß er ihr nicht mehr wie sonst gleichguͤltig war. Sie schlich, ohne von ihm bemerkt zu werden, aus dem Waͤldchen nach Hause; der nun voͤllig adonisirte Liebhaber langte auch bald darauf an, und erhielt dießmahl — leichter, als ers geglaubt hatte, das Jawort. Seine liebe Gattin konnte ihm keine frohere Stunde machen, als wenn sie ihn nachher an diese Scene erinnerte; ein heiteres Laͤcheln verbreitete sich denn allemahl uͤber seine Stirne, und er schien noch im siebenzigsten Jahre ganz das zu fuͤhlen, was er in dem Waͤldchen gedacht und empfunden hatte. —</p><milestonerendition="#hr"unit="section"/><p>Schack Fluur war das achte Kind aus dieser Ehe, und einer der lebhaftesten Jungen, die je auf einem Steckenpferde geritten haben. Da seine Mutter ein oͤfteres Wochenbette, so oft sie sich auch dazu bequemen mußte, aͤrger als den Tod scheute: so pflegte sie auch ihre Kinder gewoͤhnlich lange zu stillen. Schack hatte bereits schon das zweite Jahr erreicht, und fast alle seine zweiund-<lb/></p></div></div></div></div></body></text></TEI>
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derbare und unerwartete Wirkungen in der menschlichen Seele hervorbringt, schlich sich Amor in ihr Herz. Sie vergaß ihren himmlischen Braͤutigam, dem sie ewige Liebe geschworen hatte; wurde durch die Muͤhe, die sich ihr irdischer Braͤutigam, um ihr zu gefallen, gab, geruͤhrt, und fuͤhlte von dem Augenblick an, daß er ihr nicht mehr wie sonst gleichguͤltig war. Sie schlich, ohne von ihm bemerkt zu werden, aus dem Waͤldchen nach Hause; der nun voͤllig adonisirte Liebhaber langte auch bald darauf an, und erhielt dießmahl — leichter, als ers geglaubt hatte, das Jawort. Seine liebe Gattin konnte ihm keine frohere Stunde machen, als wenn sie ihn nachher an diese Scene erinnerte; ein heiteres Laͤcheln verbreitete sich denn allemahl uͤber seine Stirne, und er schien noch im siebenzigsten Jahre ganz das zu fuͤhlen, was er in dem Waͤldchen gedacht und empfunden hatte. —
Schack Fluur war das achte Kind aus dieser Ehe, und einer der lebhaftesten Jungen, die je auf einem Steckenpferde geritten haben. Da seine Mutter ein oͤfteres Wochenbette, so oft sie sich auch dazu bequemen mußte, aͤrger als den Tod scheute: so pflegte sie auch ihre Kinder gewoͤhnlich lange zu stillen. Schack hatte bereits schon das zweite Jahr erreicht, und fast alle seine zweiund-
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Matthias Boenig, Deutsches Textarchiv, Berlin-Brandenburgische Akademie zu Berlin: Konvertierung nach DTA-Basisformat
(2015-06-09T11:00:00Z)
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(2015-06-09T11:00:00Z)
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Moritz, Karl Philipp (Hrsg.): Gnothi sauton oder Magazin zur Erfahrungsseelenkunde. Bd. 4, St. 2. Berlin, 1786, S. 104. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/moritz_erfahrungsseelenkunde0402_1786/104>, abgerufen am 11.09.2024.
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