Moritz, Karl Philipp (Hrsg.): Gnothi sauton oder Magazin zur Erfahrungsseelenkunde. Bd. 6, St. 2. Berlin, 1788.
Nachdem er die Lufterscheinungen, die der Aberglaube in dortigen Gegenden für Vorzeichen halten wollte, als solche geläugnet hat, fährt er so fort: "Merkwürdiger sind unstreitig die Vorempfindungen, die sich an lebenden Geschöpfen zeigten. Nur der Mensch blieb von diesen Vorgefühlen frei; -- (aber alle, und ein jeder?--wer kann das bestimmen?) weder auf seinen Körper, noch auf die Heiterkeit seines Geistes hatte es den geringsten Einfluß; seine Empfindungsnerven wurden durch das, was in den Thieren die quälendste Unruhe veranlaßte, nicht gerührt; ein Beweis, wie weit schärfer das Perceptionsvermögen durch den äussern Sinn bei den Thieren als bei den Menschen ist. Aber auch bei den Thieren selbst nahm man hier eine große Verschiedenheit wahr. Bei einigen äusserte es sich früher, schneller und heftiger, bei andern später, langsamer und gelinder. Diese Begebenheiten sind zu sonderbar, als daß ich Jhnen nicht das, was ich davon zuverlässig weiß, mittheilen sollte. Die Fische im Meer schienen kurze Zeit vorher, und während der ganzen traurigen Periode, wie in einem Taumel zu leben, eilten unruhig im Wasser, häufiger als sonst, in die Netze der Fischer, und büßten ihre Vorempfindung durch einen frühen Tod.
Nachdem er die Lufterscheinungen, die der Aberglaube in dortigen Gegenden fuͤr Vorzeichen halten wollte, als solche gelaͤugnet hat, faͤhrt er so fort: »Merkwuͤrdiger sind unstreitig die Vorempfindungen, die sich an lebenden Geschoͤpfen zeigten. Nur der Mensch blieb von diesen Vorgefuͤhlen frei; — (aber alle, und ein jeder?—wer kann das bestimmen?) weder auf seinen Koͤrper, noch auf die Heiterkeit seines Geistes hatte es den geringsten Einfluß; seine Empfindungsnerven wurden durch das, was in den Thieren die quaͤlendste Unruhe veranlaßte, nicht geruͤhrt; ein Beweis, wie weit schaͤrfer das Perceptionsvermoͤgen durch den aͤussern Sinn bei den Thieren als bei den Menschen ist. Aber auch bei den Thieren selbst nahm man hier eine große Verschiedenheit wahr. Bei einigen aͤusserte es sich fruͤher, schneller und heftiger, bei andern spaͤter, langsamer und gelinder. Diese Begebenheiten sind zu sonderbar, als daß ich Jhnen nicht das, was ich davon zuverlaͤssig weiß, mittheilen sollte. Die Fische im Meer schienen kurze Zeit vorher, und waͤhrend der ganzen traurigen Periode, wie in einem Taumel zu leben, eilten unruhig im Wasser, haͤufiger als sonst, in die Netze der Fischer, und buͤßten ihre Vorempfindung durch einen fruͤhen Tod. <TEI> <text> <body> <div n="1"> <div n="2"> <div n="3"> <p><pb facs="#f0067" n="67"/><lb/> werden, die sich der Verfasser nicht erklaͤren kann, da sie doch sehr natuͤrlich in jenen Vorzeichen liegen konnte.</p> <p>Nachdem er die Lufterscheinungen, die der Aberglaube in dortigen Gegenden fuͤr Vorzeichen halten wollte, als solche gelaͤugnet hat, faͤhrt er so fort: »Merkwuͤrdiger sind unstreitig die Vorempfindungen, die sich an lebenden Geschoͤpfen zeigten. Nur der Mensch blieb von diesen Vorgefuͤhlen frei; — (aber alle, und ein jeder?—wer kann das bestimmen?) weder auf seinen Koͤrper, noch auf die Heiterkeit seines Geistes hatte es den geringsten Einfluß; seine Empfindungsnerven wurden durch das, was in den Thieren die quaͤlendste Unruhe veranlaßte, nicht geruͤhrt; ein Beweis, wie weit schaͤrfer das Perceptionsvermoͤgen durch den aͤussern Sinn bei den Thieren als bei den Menschen ist. Aber auch bei den Thieren selbst nahm man hier eine große Verschiedenheit wahr. Bei einigen aͤusserte es sich fruͤher, schneller und heftiger, bei andern spaͤter, langsamer und gelinder. Diese Begebenheiten sind zu sonderbar, als daß ich Jhnen nicht das, was ich davon zuverlaͤssig weiß, mittheilen sollte. Die Fische im Meer schienen kurze Zeit vorher, und waͤhrend der ganzen traurigen Periode, wie in einem Taumel zu leben, eilten unruhig im Wasser, haͤufiger als sonst, in die Netze der Fischer, und buͤßten ihre Vorempfindung durch einen fruͤhen Tod.<lb/></p> </div> </div> </div> </body> </text> </TEI> [67/0067]
werden, die sich der Verfasser nicht erklaͤren kann, da sie doch sehr natuͤrlich in jenen Vorzeichen liegen konnte.
Nachdem er die Lufterscheinungen, die der Aberglaube in dortigen Gegenden fuͤr Vorzeichen halten wollte, als solche gelaͤugnet hat, faͤhrt er so fort: »Merkwuͤrdiger sind unstreitig die Vorempfindungen, die sich an lebenden Geschoͤpfen zeigten. Nur der Mensch blieb von diesen Vorgefuͤhlen frei; — (aber alle, und ein jeder?—wer kann das bestimmen?) weder auf seinen Koͤrper, noch auf die Heiterkeit seines Geistes hatte es den geringsten Einfluß; seine Empfindungsnerven wurden durch das, was in den Thieren die quaͤlendste Unruhe veranlaßte, nicht geruͤhrt; ein Beweis, wie weit schaͤrfer das Perceptionsvermoͤgen durch den aͤussern Sinn bei den Thieren als bei den Menschen ist. Aber auch bei den Thieren selbst nahm man hier eine große Verschiedenheit wahr. Bei einigen aͤusserte es sich fruͤher, schneller und heftiger, bei andern spaͤter, langsamer und gelinder. Diese Begebenheiten sind zu sonderbar, als daß ich Jhnen nicht das, was ich davon zuverlaͤssig weiß, mittheilen sollte. Die Fische im Meer schienen kurze Zeit vorher, und waͤhrend der ganzen traurigen Periode, wie in einem Taumel zu leben, eilten unruhig im Wasser, haͤufiger als sonst, in die Netze der Fischer, und buͤßten ihre Vorempfindung durch einen fruͤhen Tod.
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| Zitationshilfe: | Moritz, Karl Philipp (Hrsg.): Gnothi sauton oder Magazin zur Erfahrungsseelenkunde. Bd. 6, St. 2. Berlin, 1788, S. 67. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/moritz_erfahrungsseelenkunde0602_1788/67>, abgerufen am 11.09.2024. |


