mystischen Träume ein. Jch bat, ich beschwur ihn bey Gott und seinem Leben, davon abzulassen, weil dieß eben der Weg sey, wodurch er sich seine Krankheit zugezogen, und weil er unvermeidlich den Tod wagte, wenn er ihnen weiter nachhienge. So macht ich nach und nach die Furcht vor dem Tode zum Gegengift seiner verirrten Grübeleien. So oft sich sein Blik in Apokaliptische Gesichte verlor, so oft er über die Nachtgestalten seiner Fantasey zu rasen begann, erhob ich meine Stimme noch mächtiger als er, droht' ich ihm, meine Hand ganz von ihm abzuziehen, und ihn dem Tode zu überlassen, wenn er den Unsinn nicht fahren liesse. Auch seinen Wärter wies ich an, eben so gegen ihn zu verfahren, und ihm sogar mit Schlägen zu drohen, wenn er von den scheußlichen Bildern nicht abliesse. Außerdem entfernt ich von ihm jede physische, und moralische Ursache, die in ihm Furcht, Schreken, Aufwallungen, oder andere violente Empfindnisse, und Leidenschaften hätte erregen können. Seinen Blutsfreunden, besonders seinem Vater verbot ich es, so sehr er in mich drang, ihn zu besuchen, weil ich bemerkt hatte, daß, obgleich seine Gegenwart anfangs heilsame Würkungen bey ihm zu haben schien, am Ende doch immer ein Anfall erfolgte, der all das Gute vereitelte, was ich bei ihm mit viel Mühe und Zeitaufwand hervorgebracht hatte.
mystischen Traͤume ein. Jch bat, ich beschwur ihn bey Gott und seinem Leben, davon abzulassen, weil dieß eben der Weg sey, wodurch er sich seine Krankheit zugezogen, und weil er unvermeidlich den Tod wagte, wenn er ihnen weiter nachhienge. So macht ich nach und nach die Furcht vor dem Tode zum Gegengift seiner verirrten Gruͤbeleien. So oft sich sein Blik in Apokaliptische Gesichte verlor, so oft er uͤber die Nachtgestalten seiner Fantasey zu rasen begann, erhob ich meine Stimme noch maͤchtiger als er, droht' ich ihm, meine Hand ganz von ihm abzuziehen, und ihn dem Tode zu uͤberlassen, wenn er den Unsinn nicht fahren liesse. Auch seinen Waͤrter wies ich an, eben so gegen ihn zu verfahren, und ihm sogar mit Schlaͤgen zu drohen, wenn er von den scheußlichen Bildern nicht abliesse. Außerdem entfernt ich von ihm jede physische, und moralische Ursache, die in ihm Furcht, Schreken, Aufwallungen, oder andere violente Empfindnisse, und Leidenschaften haͤtte erregen koͤnnen. Seinen Blutsfreunden, besonders seinem Vater verbot ich es, so sehr er in mich drang, ihn zu besuchen, weil ich bemerkt hatte, daß, obgleich seine Gegenwart anfangs heilsame Wuͤrkungen bey ihm zu haben schien, am Ende doch immer ein Anfall erfolgte, der all das Gute vereitelte, was ich bei ihm mit viel Muͤhe und Zeitaufwand hervorgebracht hatte.
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mystischen Traͤume ein. Jch bat, ich beschwur ihn bey Gott und seinem Leben, davon abzulassen, weil dieß eben der Weg sey, wodurch er sich seine Krankheit zugezogen, und weil er unvermeidlich den Tod wagte, wenn er ihnen weiter nachhienge. So macht ich nach und nach die <hirendition="#b">Furcht vor dem Tode</hi> zum Gegengift seiner verirrten Gruͤbeleien. So oft sich sein Blik in Apokaliptische Gesichte verlor, so oft er uͤber die Nachtgestalten seiner Fantasey zu rasen begann, erhob ich meine Stimme noch maͤchtiger als er, droht' ich ihm, meine Hand ganz von ihm abzuziehen, und ihn dem Tode zu uͤberlassen, wenn er den Unsinn nicht fahren liesse. Auch seinen Waͤrter wies ich an, eben so gegen ihn zu verfahren, und ihm sogar mit Schlaͤgen zu drohen, wenn er von den scheußlichen Bildern nicht abliesse. Außerdem entfernt ich von ihm jede physische, und moralische Ursache, die in ihm Furcht, Schreken, Aufwallungen, oder andere violente Empfindnisse, und Leidenschaften haͤtte erregen koͤnnen. Seinen Blutsfreunden, besonders seinem Vater verbot ich es, so sehr er in mich drang, ihn zu besuchen, weil ich bemerkt hatte, daß, obgleich seine Gegenwart anfangs heilsame Wuͤrkungen bey ihm zu haben schien, am Ende doch immer ein Anfall erfolgte, der all das Gute vereitelte, was ich bei ihm mit viel Muͤhe und Zeitaufwand hervorgebracht hatte.</p><lb/></div></div></div></body></text></TEI>
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mystischen Traͤume ein. Jch bat, ich beschwur ihn bey Gott und seinem Leben, davon abzulassen, weil dieß eben der Weg sey, wodurch er sich seine Krankheit zugezogen, und weil er unvermeidlich den Tod wagte, wenn er ihnen weiter nachhienge. So macht ich nach und nach die Furcht vor dem Tode zum Gegengift seiner verirrten Gruͤbeleien. So oft sich sein Blik in Apokaliptische Gesichte verlor, so oft er uͤber die Nachtgestalten seiner Fantasey zu rasen begann, erhob ich meine Stimme noch maͤchtiger als er, droht' ich ihm, meine Hand ganz von ihm abzuziehen, und ihn dem Tode zu uͤberlassen, wenn er den Unsinn nicht fahren liesse. Auch seinen Waͤrter wies ich an, eben so gegen ihn zu verfahren, und ihm sogar mit Schlaͤgen zu drohen, wenn er von den scheußlichen Bildern nicht abliesse. Außerdem entfernt ich von ihm jede physische, und moralische Ursache, die in ihm Furcht, Schreken, Aufwallungen, oder andere violente Empfindnisse, und Leidenschaften haͤtte erregen koͤnnen. Seinen Blutsfreunden, besonders seinem Vater verbot ich es, so sehr er in mich drang, ihn zu besuchen, weil ich bemerkt hatte, daß, obgleich seine Gegenwart anfangs heilsame Wuͤrkungen bey ihm zu haben schien, am Ende doch immer ein Anfall erfolgte, der all das Gute vereitelte, was ich bei ihm mit viel Muͤhe und Zeitaufwand hervorgebracht hatte.
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Matthias Boenig, Deutsches Textarchiv, Berlin-Brandenburgische Akademie zu Berlin: Konvertierung nach DTA-Basisformat
(2015-06-09T11:00:00Z)
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Moritz, Karl Philipp (Hrsg.): Gnothi sauton oder Magazin zur Erfahrungsseelenkunde. Bd. 6, St. 3. Berlin, 1788, S. 108. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/moritz_erfahrungsseelenkunde0603_1788/108>, abgerufen am 11.09.2024.
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