Moritz, Karl Philipp (Hrsg.): Gnothi sauton oder Magazin zur Erfahrungsseelenkunde. Bd. 6, St. 3. Berlin, 1788.
So tafelten wir unter geselligen Gesprächen und Scherzen fast die Hälfte des Nachmittags hinweg. Nach Tische wurden bekannte Volkslieder gesungen, wo Franz den Flügel spielte, und mit seiner vollen Akademischen Jovialität vorsang. Er regalirte uns überdies mit einigen herzigen Liedern, die er auf der Universität, und zu Ende seiner Krankheit gemacht, und in Musik gesezt hatte. Der Pfarrer, meine Hausehre, ich, die Jünglinge, alles jauchzte und sang zusammen, und der gute
So tafelten wir unter geselligen Gespraͤchen und Scherzen fast die Haͤlfte des Nachmittags hinweg. Nach Tische wurden bekannte Volkslieder gesungen, wo Franz den Fluͤgel spielte, und mit seiner vollen Akademischen Jovialitaͤt vorsang. Er regalirte uns uͤberdies mit einigen herzigen Liedern, die er auf der Universitaͤt, und zu Ende seiner Krankheit gemacht, und in Musik gesezt hatte. Der Pfarrer, meine Hausehre, ich, die Juͤnglinge, alles jauchzte und sang zusammen, und der gute <TEI> <text> <body> <div n="1"> <div n="2"> <div n="3"> <p><pb facs="#f0114" n="114"/><lb/> ließ meinen Dezem zirkuliren, und trug nicht wenig Dank davon. Se. Hochwuͤrden selbst, denen bereits das Wohlbehagen von der Stirne leuchtete, gaben uns manches ehrsame Universitaͤtsstraͤußchen zum Besten, und holten den Stachel des Schnakens dann immer gar possierlich aus dem blinkenden Glase. — Franz ermangelte nicht, beinah jede Schnurre, aus welchem Gebiet sie auch seyn mochte, mit einer aͤhnlichen zu erwiedern, und trug besonders ein paar trefliche Anekdoten, die sich waͤhrend seiner Anwesenheit zu T.* unter dem dasigen gelehrten Senat ereignet hatten, mit so viel Witz und Laune vor, daß der brave Schwarzrok seine Amtsgravitaͤt ganz aus dem Gesichte verlohr, und sich den Bauch vor Lachen halten mußte. Mit unter kreißte eine Gesundheit nach der andern, und ich konnt es nicht wehren, daß Franz nicht einmal ums andre in edlem Rheinwein Bescheid that.</p> <p>So tafelten wir unter geselligen Gespraͤchen und Scherzen fast die Haͤlfte des Nachmittags hinweg. Nach Tische wurden bekannte Volkslieder gesungen, wo Franz den Fluͤgel spielte, und mit seiner vollen Akademischen Jovialitaͤt vorsang. Er regalirte uns uͤberdies mit einigen herzigen Liedern, die er auf der Universitaͤt, und zu Ende seiner Krankheit gemacht, und in Musik gesezt hatte. Der Pfarrer, meine Hausehre, ich, die Juͤnglinge, alles jauchzte und sang zusammen, und der gute<lb/></p> </div> </div> </div> </body> </text> </TEI> [114/0114]
ließ meinen Dezem zirkuliren, und trug nicht wenig Dank davon. Se. Hochwuͤrden selbst, denen bereits das Wohlbehagen von der Stirne leuchtete, gaben uns manches ehrsame Universitaͤtsstraͤußchen zum Besten, und holten den Stachel des Schnakens dann immer gar possierlich aus dem blinkenden Glase. — Franz ermangelte nicht, beinah jede Schnurre, aus welchem Gebiet sie auch seyn mochte, mit einer aͤhnlichen zu erwiedern, und trug besonders ein paar trefliche Anekdoten, die sich waͤhrend seiner Anwesenheit zu T.* unter dem dasigen gelehrten Senat ereignet hatten, mit so viel Witz und Laune vor, daß der brave Schwarzrok seine Amtsgravitaͤt ganz aus dem Gesichte verlohr, und sich den Bauch vor Lachen halten mußte. Mit unter kreißte eine Gesundheit nach der andern, und ich konnt es nicht wehren, daß Franz nicht einmal ums andre in edlem Rheinwein Bescheid that.
So tafelten wir unter geselligen Gespraͤchen und Scherzen fast die Haͤlfte des Nachmittags hinweg. Nach Tische wurden bekannte Volkslieder gesungen, wo Franz den Fluͤgel spielte, und mit seiner vollen Akademischen Jovialitaͤt vorsang. Er regalirte uns uͤberdies mit einigen herzigen Liedern, die er auf der Universitaͤt, und zu Ende seiner Krankheit gemacht, und in Musik gesezt hatte. Der Pfarrer, meine Hausehre, ich, die Juͤnglinge, alles jauchzte und sang zusammen, und der gute
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| Zitationshilfe: | Moritz, Karl Philipp (Hrsg.): Gnothi sauton oder Magazin zur Erfahrungsseelenkunde. Bd. 6, St. 3. Berlin, 1788, S. 114. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/moritz_erfahrungsseelenkunde0603_1788/114>, abgerufen am 11.09.2024. |


