Moritz, Karl Philipp: Götterlehre oder mythologische Dichtungen der Alten. Berlin, 1791.lung unterscheiden. -- Urania zeichnet durch ihren Indeß sind alle diese Darstellungen bei den Die Einbildungskraft der Alten ließ sich hier- lung unterſcheiden. — Urania zeichnet durch ihren Indeß ſind alle dieſe Darſtellungen bei den Die Einbildungskraft der Alten ließ ſich hier- <TEI> <text> <body> <div n="1"> <div n="2"> <p><pb facs="#f0366" n="308"/> lung unterſcheiden. — Urania zeichnet durch ihren<lb/> gen Himmel erhobnen Blick ſich aus.</p><lb/> <p>Indeß ſind alle dieſe Darſtellungen bei den<lb/> Alten mehr willkuͤrlich geweſen. — Die vielfache<lb/> Zahl der Muſen bezeichnete die Harmonie der ſchoͤ-<lb/> nen Kuͤnſte, welche verſchwiſtert Hand in Hand<lb/> gehen, und nie zu ſcharf eine von der andern ab-<lb/> geſondert werden muͤſſen. So ſtellt auch in den<lb/> Abbildungen der Alten eine jede einzelne Muſe<lb/> gleichſam die uͤbrigen in ſich dar; und erſt in neu-<lb/> ern Zeiten hat man mit pedantiſcher Genauigkeit<lb/> einer jeden Muſe ihr eignes beſtimmtes Geſchaͤft<lb/> anzuweiſen geſucht.</p><lb/> <p>Die Einbildungskraft der Alten ließ ſich hier-<lb/> bei freien Spielraum. — Man ſieht auf alten<lb/> Marmorſaͤrgen die verſammleten Muſen auf mehr<lb/> als einerlei Art, und in abwechſelnden Stellungen<lb/> abgebildet. — Ein Gemaͤhlde in den Herkulani-<lb/> ſchen Alterthuͤmern, iſt das einzige, welches die neun<lb/> Muſen ganz genau voneinander unterſchieden dar-<lb/> ſtellt, weil unter der Abbildung einer jeden auch<lb/> ihr <hi rendition="#fr">Nahme</hi> befindlich iſt. — Es ſcheint aber, als<lb/> habe dieſer Kuͤnſtler eben deswegen zu der Unter-<lb/> ſchrift der Nahmen ſeine Zuflucht nehmen muͤſſen,<lb/> weil er ſelbſt die aͤußern Merkmale ſeiner Muſen,<lb/> auch nach den damaligen Begriffen, nicht genug<lb/> unterſcheidend und bezeichnend fand.</p><lb/> </div> </div> </body> </text> </TEI> [308/0366]
lung unterſcheiden. — Urania zeichnet durch ihren
gen Himmel erhobnen Blick ſich aus.
Indeß ſind alle dieſe Darſtellungen bei den
Alten mehr willkuͤrlich geweſen. — Die vielfache
Zahl der Muſen bezeichnete die Harmonie der ſchoͤ-
nen Kuͤnſte, welche verſchwiſtert Hand in Hand
gehen, und nie zu ſcharf eine von der andern ab-
geſondert werden muͤſſen. So ſtellt auch in den
Abbildungen der Alten eine jede einzelne Muſe
gleichſam die uͤbrigen in ſich dar; und erſt in neu-
ern Zeiten hat man mit pedantiſcher Genauigkeit
einer jeden Muſe ihr eignes beſtimmtes Geſchaͤft
anzuweiſen geſucht.
Die Einbildungskraft der Alten ließ ſich hier-
bei freien Spielraum. — Man ſieht auf alten
Marmorſaͤrgen die verſammleten Muſen auf mehr
als einerlei Art, und in abwechſelnden Stellungen
abgebildet. — Ein Gemaͤhlde in den Herkulani-
ſchen Alterthuͤmern, iſt das einzige, welches die neun
Muſen ganz genau voneinander unterſchieden dar-
ſtellt, weil unter der Abbildung einer jeden auch
ihr Nahme befindlich iſt. — Es ſcheint aber, als
habe dieſer Kuͤnſtler eben deswegen zu der Unter-
ſchrift der Nahmen ſeine Zuflucht nehmen muͤſſen,
weil er ſelbſt die aͤußern Merkmale ſeiner Muſen,
auch nach den damaligen Begriffen, nicht genug
unterſcheidend und bezeichnend fand.
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| Zitationshilfe: | Moritz, Karl Philipp: Götterlehre oder mythologische Dichtungen der Alten. Berlin, 1791, S. 308. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/moritz_goetterlehre_1791/366>, abgerufen am 11.09.2024. |


