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Moser, Friedrich Carl von: Politische Wahrheiten. Bd. 2. Zürich, 1796.

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parenteloe vergessen, und den metum reveren-
tialem
nie beyseitsetzen, so kann dagegen ein
an Verstand erwachsenes Volk von seinem
Fürsten verlangen, nicht als Kinder und Buben
behandelt zu werden. Wenn die Fürsten Vä-
ter
ihres Landes seyn wollen, so müssen sie
sich auch als solche bezeugen, und das Vermö-
gen ihrer Kinder nicht verprassen, verschulden,
verjagen, verjubeln, verspielen, vertrommeln
u. s. w.

39.
Geist des Zeitalters.

"Kein antidespotischeres Zeitalter, als das
unsrige, und keines, wo der Despotismus all-
gemeiner, despotischer und spottender mit der
menschlichen Freyheit herrscht", sagt Lava-
ter
*) so fest als wahr; und wer ist kühn und
dreist genug, es läugnen zu wollen?

40.
Die Töpfe und die Felsen.

"Ach Herre Gott, es ist ein ungleich Streiten,
wenn die alten Töpfe wollen mit den Felsen
streiten; denn es gerathe, wie es wolle, so
geht's über die Töpfe. Fallen sie an die Fel-

*) In dem Monaths-Blatt für Freunde 1794. 4. Stück S. 15.

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tialem
nie beyseitsetzen, so kann dagegen ein
an Verstand erwachsenes Volk von seinem
Fürsten verlangen, nicht als Kinder und Buben
behandelt zu werden. Wenn die Fürsten Vä-
ter
ihres Landes seyn wollen, so müssen sie
sich auch als solche bezeugen, und das Vermö-
gen ihrer Kinder nicht verprassen, verschulden,
verjagen, verjubeln, verspielen, vertrommeln
u. s. w.

39.
Geist des Zeitalters.

„Kein antidespotischeres Zeitalter, als das
unsrige, und keines, wo der Despotismus all-
gemeiner, despotischer und spottender mit der
menschlichen Freyheit herrscht„, sagt Lava-
ter
*) so fest als wahr; und wer ist kühn und
dreist genug, es läugnen zu wollen?

40.
Die Töpfe und die Felsen.

„Ach Herre Gott, es ist ein ungleich Streiten,
wenn die alten Töpfe wollen mit den Felsen
streiten; denn es gerathe, wie es wolle, so
geht’s über die Töpfe. Fallen sie an die Fel-

*) In dem Monaths-Blatt für Freunde 1794. 4. Stück S. 15.
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[277/0283] parentelœ vergessen, und den metum reveren- tialem nie beyseitsetzen, so kann dagegen ein an Verstand erwachsenes Volk von seinem Fürsten verlangen, nicht als Kinder und Buben behandelt zu werden. Wenn die Fürsten Vä- ter ihres Landes seyn wollen, so müssen sie sich auch als solche bezeugen, und das Vermö- gen ihrer Kinder nicht verprassen, verschulden, verjagen, verjubeln, verspielen, vertrommeln u. s. w. 39. Geist des Zeitalters. „Kein antidespotischeres Zeitalter, als das unsrige, und keines, wo der Despotismus all- gemeiner, despotischer und spottender mit der menschlichen Freyheit herrscht„, sagt Lava- ter *) so fest als wahr; und wer ist kühn und dreist genug, es läugnen zu wollen? 40. Die Töpfe und die Felsen. „Ach Herre Gott, es ist ein ungleich Streiten, wenn die alten Töpfe wollen mit den Felsen streiten; denn es gerathe, wie es wolle, so geht’s über die Töpfe. Fallen sie an die Fel- *) In dem Monaths-Blatt für Freunde 1794. 4. Stück S. 15.

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Zitationshilfe: Moser, Friedrich Carl von: Politische Wahrheiten. Bd. 2. Zürich, 1796, S. 277. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/moser_politische02_1796/283>, abgerufen am 06.02.2023.