Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Müller, Karl Otfried: Die Dorier. Vier Bücher. Bd. 1. Breslau, 1824.

Bild:
<< vorherige Seite
2.

Der Diskos des Iphitos, auf welchem
im Kreise herum die Ankündigungsformel des Eleischen
Gottesfriedens geschrieben, und Iphitos und Lykurgos
als die Gründer genannt waren 1. Man hat keinen
Grund, an der von Aristoteles anerkannten Aechtheit
zu zweifeln, und das Alterthum betrachtete darum die
Begebenheit selbst als Thatsache 2. -- Zweitens die von
Koröbos anfangenden ununterbrochenen 3 Aufzeichnun-
gen der Olympischen Sieger,
welche immer we-
nigstens den Sieger im Lauf, aber wohl meist auch
die andern nannten 4. Ursprünglich waren sie wohl
auf einzelne Säulen geschrieben, dann aber unter Auf-
sicht der Hellanodiken gesammelt worden 5. -- Solche
Aufzeichnungen von Siegern in Spielen waren wohl
ziemlich häufig, auch außer den vier großen, meist
aber nur auf abgesonderte Stelen, die dem Geschichts-
forscher wenig Licht gewähren konnten 6. Zusammen-
hängend waren die Namen der Sieger in den Kar-
neen
zu Sparta verzeichnet, so daß Hellanikos dar-
aus ein Werk Karneonikai zusammensetzen konnte. --
Die anagraphe zu Sikyon nannte die Priesterin-
nen der Hera zu Argos, und die Dichter und Musiker
der Spiele 7. Nur war auch fabelhaftes darin auf-
genommen, wie von Amphions Erfindung der Kitha-

1 Paus. 5, 20, 1. nach Clavier. Plutarch Lykurg 1.
2 Lu-
kourgos upo panton sumphonos istoreitai meta tou Iphi-
tou tou Eleiou ten proten arithmetheisan ton Olumpion the-
sin diatheinai. Athen. 14, 635 f.
3 Paus. 5, 8, 3. ex ou
gar to sunekhes tais mnemais epi tais Olumpiasin esti --
4 grammata Eleion es tous Olumpionikas. Paus. 5, 21, 5. 6,
2, 1.
5 S. Aristodem bei Synkell Chron. S. 196 c. vgl.
Göller de situ Syrac. S. 198.
6 Pind. O. 7, 86. en Mega-
roisin t oukh eteron lithina psaphos ekhei logon. vgl. Böckh.
Explic.
7 Plutarch von der Musik 3. 8.
2.

Der Diskos des Iphitos, auf welchem
im Kreiſe herum die Ankuͤndigungsformel des Eleiſchen
Gottesfriedens geſchrieben, und Iphitos und Lykurgos
als die Gruͤnder genannt waren 1. Man hat keinen
Grund, an der von Ariſtoteles anerkannten Aechtheit
zu zweifeln, und das Alterthum betrachtete darum die
Begebenheit ſelbſt als Thatſache 2. — Zweitens die von
Koroͤbos anfangenden ununterbrochenen 3 Aufzeichnun-
gen der Olympiſchen Sieger,
welche immer we-
nigſtens den Sieger im Lauf, aber wohl meiſt auch
die andern nannten 4. Urſpruͤnglich waren ſie wohl
auf einzelne Saͤulen geſchrieben, dann aber unter Auf-
ſicht der Hellanodiken geſammelt worden 5. — Solche
Aufzeichnungen von Siegern in Spielen waren wohl
ziemlich haͤufig, auch außer den vier großen, meiſt
aber nur auf abgeſonderte Stelen, die dem Geſchichts-
forſcher wenig Licht gewaͤhren konnten 6. Zuſammen-
haͤngend waren die Namen der Sieger in den Kar-
neen
zu Sparta verzeichnet, ſo daß Hellanikos dar-
aus ein Werk Καρνεονῖκαι zuſammenſetzen konnte. —
Die ἀναγϱαφὴ zu Sikyon nannte die Prieſterin-
nen der Hera zu Argos, und die Dichter und Muſiker
der Spiele 7. Nur war auch fabelhaftes darin auf-
genommen, wie von Amphions Erfindung der Kitha-

1 Pauſ. 5, 20, 1. nach Clavier. Plutarch Lykurg 1.
2 Λυ-
κοῦϱγος ὑπὸ πάντων συμφώνως ἱστοϱεῖται μετὰ τοῦ Ἰφί-
του τοῦ Ἠλείου τὴν πϱώτην ἀϱιϑμηϑεῖσαν τῶν Ολυμπίων ϑέ-
σιν διαϑεῖναι. Athen. 14, 635 f.
3 Pauſ. 5, 8, 3. ἐξ οὑ
γὰϱ τὸ συνεχὲς ταῖς μνήμαις ἐπὶ ταῖς Ολυμπιάσιν ἐστὶ —
4 γϱάμματα Ἠλείων ἐς τοὺς Ὀλυμπιονίκας. Pauſ. 5, 21, 5. 6,
2, 1.
5 S. Ariſtodem bei Synkell Chron. S. 196 c. vgl.
Goͤller de situ Syrac. S. 198.
6 Pind. O. 7, 86. ἐν Μεγά-
ϱοισίν τ̛ οὐχ ἕτεϱον λιϑίνα ψᾶφος ἔχει λόγον. vgl. Boͤckh.
Explic.
7 Plutarch von der Muſik 3. 8.
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <pb facs="#f0160" n="130"/>
          <div n="3">
            <head>2.</head><lb/>
            <p>Der <hi rendition="#g">Diskos des Iphitos,</hi> auf welchem<lb/>
im Krei&#x017F;e herum die Anku&#x0364;ndigungsformel des Elei&#x017F;chen<lb/>
Gottesfriedens ge&#x017F;chrieben, und Iphitos und Lykurgos<lb/>
als die Gru&#x0364;nder genannt waren <note place="foot" n="1">Pau&#x017F;. 5, 20, 1. nach Clavier. Plutarch Lykurg 1.</note>. Man hat keinen<lb/>
Grund, an der von Ari&#x017F;toteles anerkannten Aechtheit<lb/>
zu zweifeln, und das Alterthum betrachtete darum die<lb/>
Begebenheit &#x017F;elb&#x017F;t als That&#x017F;ache <note place="foot" n="2">&#x039B;&#x03C5;-<lb/>
&#x03BA;&#x03BF;&#x1FE6;&#x03F1;&#x03B3;&#x03BF;&#x03C2; &#x1F51;&#x03C0;&#x1F78; <hi rendition="#g">&#x03C0;&#x03AC;&#x03BD;&#x03C4;&#x03C9;&#x03BD; &#x03C3;&#x03C5;&#x03BC;&#x03C6;&#x03CE;&#x03BD;&#x03C9;&#x03C2;</hi> &#x1F31;&#x03C3;&#x03C4;&#x03BF;&#x03F1;&#x03B5;&#x1FD6;&#x03C4;&#x03B1;&#x03B9; &#x03BC;&#x03B5;&#x03C4;&#x1F70; &#x03C4;&#x03BF;&#x1FE6; &#x1F38;&#x03C6;&#x03AF;-<lb/>
&#x03C4;&#x03BF;&#x03C5; &#x03C4;&#x03BF;&#x1FE6; &#x1F28;&#x03BB;&#x03B5;&#x03AF;&#x03BF;&#x03C5; &#x03C4;&#x1F74;&#x03BD; &#x03C0;&#x03F1;&#x03CE;&#x03C4;&#x03B7;&#x03BD; &#x1F00;&#x03F1;&#x03B9;&#x03D1;&#x03BC;&#x03B7;&#x03D1;&#x03B5;&#x1FD6;&#x03C3;&#x03B1;&#x03BD; &#x03C4;&#x1FF6;&#x03BD; &#x039F;&#x03BB;&#x03C5;&#x03BC;&#x03C0;&#x03AF;&#x03C9;&#x03BD; &#x03D1;&#x03AD;-<lb/>
&#x03C3;&#x03B9;&#x03BD; &#x03B4;&#x03B9;&#x03B1;&#x03D1;&#x03B5;&#x1FD6;&#x03BD;&#x03B1;&#x03B9;. Athen. 14, 635 f.</note>. &#x2014; Zweitens die von<lb/>
Koro&#x0364;bos anfangenden ununterbrochenen <note place="foot" n="3">Pau&#x017F;. 5, 8, 3. &#x1F10;&#x03BE; &#x03BF;&#x1F51;<lb/>
&#x03B3;&#x1F70;&#x03F1; <hi rendition="#g">&#x03C4;&#x1F78; &#x03C3;&#x03C5;&#x03BD;&#x03B5;&#x03C7;&#x1F72;&#x03C2;</hi> &#x03C4;&#x03B1;&#x1FD6;&#x03C2; &#x03BC;&#x03BD;&#x03AE;&#x03BC;&#x03B1;&#x03B9;&#x03C2; &#x1F10;&#x03C0;&#x1F76; &#x03C4;&#x03B1;&#x1FD6;&#x03C2; &#x039F;&#x03BB;&#x03C5;&#x03BC;&#x03C0;&#x03B9;&#x03AC;&#x03C3;&#x03B9;&#x03BD; &#x1F10;&#x03C3;&#x03C4;&#x1F76; &#x2014;</note> <hi rendition="#g">Aufzeichnun-<lb/>
gen der Olympi&#x017F;chen Sieger,</hi> welche immer we-<lb/>
nig&#x017F;tens den Sieger im Lauf, aber wohl mei&#x017F;t auch<lb/>
die andern nannten <note place="foot" n="4">&#x03B3;&#x03F1;&#x03AC;&#x03BC;&#x03BC;&#x03B1;&#x03C4;&#x03B1; &#x1F28;&#x03BB;&#x03B5;&#x03AF;&#x03C9;&#x03BD; &#x1F10;&#x03C2; &#x03C4;&#x03BF;&#x1F7A;&#x03C2; &#x1F48;&#x03BB;&#x03C5;&#x03BC;&#x03C0;&#x03B9;&#x03BF;&#x03BD;&#x03AF;&#x03BA;&#x03B1;&#x03C2;. Pau&#x017F;. 5, 21, 5. 6,<lb/>
2, 1.</note>. Ur&#x017F;pru&#x0364;nglich waren &#x017F;ie wohl<lb/>
auf einzelne Sa&#x0364;ulen ge&#x017F;chrieben, dann aber unter Auf-<lb/>
&#x017F;icht der Hellanodiken ge&#x017F;ammelt worden <note place="foot" n="5">S. Ari&#x017F;todem bei Synkell Chron. S. 196 <hi rendition="#aq">c.</hi> vgl.<lb/>
Go&#x0364;ller <hi rendition="#aq">de situ Syrac.</hi> S. 198.</note>. &#x2014; Solche<lb/>
Aufzeichnungen von Siegern in Spielen waren wohl<lb/>
ziemlich ha&#x0364;ufig, auch außer den vier großen, mei&#x017F;t<lb/>
aber nur auf abge&#x017F;onderte Stelen, die dem Ge&#x017F;chichts-<lb/>
for&#x017F;cher wenig Licht gewa&#x0364;hren konnten <note place="foot" n="6">Pind. O. 7, 86. &#x1F10;&#x03BD; &#x039C;&#x03B5;&#x03B3;&#x03AC;-<lb/>
&#x03F1;&#x03BF;&#x03B9;&#x03C3;&#x03AF;&#x03BD; &#x03C4;&#x031B; &#x03BF;&#x1F50;&#x03C7; &#x1F15;&#x03C4;&#x03B5;&#x03F1;&#x03BF;&#x03BD; &#x03BB;&#x03B9;&#x03D1;&#x03AF;&#x03BD;&#x03B1; &#x03C8;&#x1FB6;&#x03C6;&#x03BF;&#x03C2; &#x1F14;&#x03C7;&#x03B5;&#x03B9; &#x03BB;&#x03CC;&#x03B3;&#x03BF;&#x03BD;. vgl. Bo&#x0364;ckh.<lb/><hi rendition="#aq">Explic.</hi></note>. Zu&#x017F;ammen-<lb/>
ha&#x0364;ngend waren die Namen der Sieger in den <hi rendition="#g">Kar-<lb/>
neen</hi> zu Sparta verzeichnet, &#x017F;o daß Hellanikos dar-<lb/>
aus ein Werk &#x039A;&#x03B1;&#x03C1;&#x03BD;&#x03B5;&#x03BF;&#x03BD;&#x1FD6;&#x03BA;&#x03B1;&#x03B9; zu&#x017F;ammen&#x017F;etzen konnte. &#x2014;<lb/>
Die <hi rendition="#g">&#x1F00;&#x03BD;&#x03B1;&#x03B3;&#x03F1;&#x03B1;&#x03C6;&#x1F74; zu Sikyon</hi> nannte die Prie&#x017F;terin-<lb/>
nen der Hera zu Argos, und die Dichter und Mu&#x017F;iker<lb/>
der Spiele <note place="foot" n="7">Plutarch von der Mu&#x017F;ik 3. 8.</note>. Nur war auch fabelhaftes darin auf-<lb/>
genommen, wie von Amphions Erfindung der Kitha-<lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[130/0160] 2. Der Diskos des Iphitos, auf welchem im Kreiſe herum die Ankuͤndigungsformel des Eleiſchen Gottesfriedens geſchrieben, und Iphitos und Lykurgos als die Gruͤnder genannt waren 1. Man hat keinen Grund, an der von Ariſtoteles anerkannten Aechtheit zu zweifeln, und das Alterthum betrachtete darum die Begebenheit ſelbſt als Thatſache 2. — Zweitens die von Koroͤbos anfangenden ununterbrochenen 3 Aufzeichnun- gen der Olympiſchen Sieger, welche immer we- nigſtens den Sieger im Lauf, aber wohl meiſt auch die andern nannten 4. Urſpruͤnglich waren ſie wohl auf einzelne Saͤulen geſchrieben, dann aber unter Auf- ſicht der Hellanodiken geſammelt worden 5. — Solche Aufzeichnungen von Siegern in Spielen waren wohl ziemlich haͤufig, auch außer den vier großen, meiſt aber nur auf abgeſonderte Stelen, die dem Geſchichts- forſcher wenig Licht gewaͤhren konnten 6. Zuſammen- haͤngend waren die Namen der Sieger in den Kar- neen zu Sparta verzeichnet, ſo daß Hellanikos dar- aus ein Werk Καρνεονῖκαι zuſammenſetzen konnte. — Die ἀναγϱαφὴ zu Sikyon nannte die Prieſterin- nen der Hera zu Argos, und die Dichter und Muſiker der Spiele 7. Nur war auch fabelhaftes darin auf- genommen, wie von Amphions Erfindung der Kitha- 1 Pauſ. 5, 20, 1. nach Clavier. Plutarch Lykurg 1. 2 Λυ- κοῦϱγος ὑπὸ πάντων συμφώνως ἱστοϱεῖται μετὰ τοῦ Ἰφί- του τοῦ Ἠλείου τὴν πϱώτην ἀϱιϑμηϑεῖσαν τῶν Ολυμπίων ϑέ- σιν διαϑεῖναι. Athen. 14, 635 f. 3 Pauſ. 5, 8, 3. ἐξ οὑ γὰϱ τὸ συνεχὲς ταῖς μνήμαις ἐπὶ ταῖς Ολυμπιάσιν ἐστὶ — 4 γϱάμματα Ἠλείων ἐς τοὺς Ὀλυμπιονίκας. Pauſ. 5, 21, 5. 6, 2, 1. 5 S. Ariſtodem bei Synkell Chron. S. 196 c. vgl. Goͤller de situ Syrac. S. 198. 6 Pind. O. 7, 86. ἐν Μεγά- ϱοισίν τ̛ οὐχ ἕτεϱον λιϑίνα ψᾶφος ἔχει λόγον. vgl. Boͤckh. Explic. 7 Plutarch von der Muſik 3. 8.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/mueller_hellenische02_1824
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/mueller_hellenische02_1824/160
Zitationshilfe: Müller, Karl Otfried: Die Dorier. Vier Bücher. Bd. 1. Breslau, 1824, S. 130. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/mueller_hellenische02_1824/160>, abgerufen am 22.07.2024.