Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Müller, Karl Otfried: Die Dorier. Vier Bücher. Bd. 1. Breslau, 1824.

Bild:
<< vorherige Seite

Auch ist wahrscheinlich, daß der als Perrhäbisch ge-
nannte Ort Kyphos unter Dorischer Herrschaft stand,
weil sie in ihren zweiten Niederlassungen ein davon be-
nanntes Akyphas bewohnten 1. Es ist auffallend, daß
sich von keiner Dorischen Stadt in dieser Gegend eine
direkte und bestimmte Angabe erhalten hat: der Grund
dieses Mangels liegt in dem Verlust des Hesiodischen
Epos Aegimios.

8.

Dieses Epos im Hesiodischen Ton, wenn auch der
Verfasser etwa gegen Olymp. 30 in den letzten Zeiten des
epischen Gesanges lebte 2, besang die ältesten Begeben-
heiten des Dorischen Stammes. Namentlich, wie Ae-
gimios, der Dorierfürst, im schweren und gefährlichen
Kriege mit den Lapithen den wandernden Herakles her-
beiruft, und durch das Versprechen, den dritten Theil des
Gebiets ihm abzutreten, seine Bundesgenossenschaft er-
wirbt, durch welche die Feinde geschlagen, ihr Fürst
getödtet, das streitige Land erobert wird 3. Daß dies
der Hauptinhalt des Gedichts gewesen sei, besagt der
Name desselben 4. Wahrscheinlich wurden auch die Hel-
den von Jolkos und die Phthioten als Bundesgenossen
der Lapithen vorgeführt, wenigstens kamen Phrixos und
Achilleus Schicksale darin vor

5.

Das zweite Buch

1 Hemsterhuis hält mit Unrecht beide für einerlei. a. O. S. 116.
2 Athen. 11. S. 553 d. kai o ton Aigimion poiesas, eith' Esio-
dos estin e Kerkops o Milesios. Ihn geradezu Kerkops zu nen-
nen, möchte vielleicht unkritischer sein, als den weitschichtigen Na-
men Hesiod zu respektiren.
3 Wessel. zu Diod. 4, 37. p. 282.
4 S. Valcken. ad Eurip. Phoen. p. 735.
5 Schol. Apoll.
3, 584 -- 4, 816. Groddek Bibliothek der alten Litter. u. Kunst
Th. 2. S. 89. schließt wohl zu schnell, daß der Argonautenzug
darin enthalten gewesen, wie Weichert über Apollonios S. 139.
n. 176. mit Recht bemerkt. -- Daß im Aegimios der Zug der
Dorier und ihre Colonien bis auf Kyrene erzählt worden wären,

Auch iſt wahrſcheinlich, daß der als Perrhaͤbiſch ge-
nannte Ort Kyphos unter Doriſcher Herrſchaft ſtand,
weil ſie in ihren zweiten Niederlaſſungen ein davon be-
nanntes Akyphas bewohnten 1. Es iſt auffallend, daß
ſich von keiner Doriſchen Stadt in dieſer Gegend eine
direkte und beſtimmte Angabe erhalten hat: der Grund
dieſes Mangels liegt in dem Verluſt des Heſiodiſchen
Epos Aegimios.

8.

Dieſes Epos im Heſiodiſchen Ton, wenn auch der
Verfaſſer etwa gegen Olymp. 30 in den letzten Zeiten des
epiſchen Geſanges lebte 2, beſang die aͤlteſten Begeben-
heiten des Doriſchen Stammes. Namentlich, wie Ae-
gimios, der Dorierfuͤrſt, im ſchweren und gefaͤhrlichen
Kriege mit den Lapithen den wandernden Herakles her-
beiruft, und durch das Verſprechen, den dritten Theil des
Gebiets ihm abzutreten, ſeine Bundesgenoſſenſchaft er-
wirbt, durch welche die Feinde geſchlagen, ihr Fuͤrſt
getoͤdtet, das ſtreitige Land erobert wird 3. Daß dies
der Hauptinhalt des Gedichts geweſen ſei, beſagt der
Name deſſelben 4. Wahrſcheinlich wurden auch die Hel-
den von Jolkos und die Phthioten als Bundesgenoſſen
der Lapithen vorgefuͤhrt, wenigſtens kamen Phrixos und
Achilleus Schickſale darin vor

5.

Das zweite Buch

1 Hemſterhuis haͤlt mit Unrecht beide fuͤr einerlei. a. O. S. 116.
2 Athen. 11. S. 553 d. καὶ ὁ τὸν Αἰγίμιον ποιήσας, εἴϑ᾿ Ἡσίο-
δός ἐστιν ἢ Κέϱκωψ ὁ Μιλήσιος. Ihn geradezu Kerkops zu nen-
nen, moͤchte vielleicht unkritiſcher ſein, als den weitſchichtigen Na-
men Heſiod zu reſpektiren.
3 Weſſel. zu Diod. 4, 37. p. 282.
4 S. Valcken. ad Eurip. Phoen. p. 735.
5 Schol. Apoll.
3, 584 — 4, 816. Groddek Bibliothek der alten Litter. u. Kunſt
Th. 2. S. 89. ſchließt wohl zu ſchnell, daß der Argonautenzug
darin enthalten geweſen, wie Weichert uͤber Apollonios S. 139.
n. 176. mit Recht bemerkt. — Daß im Aegimios der Zug der
Dorier und ihre Colonien bis auf Kyrene erzaͤhlt worden waͤren,
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0058" n="28"/>
Auch i&#x017F;t wahr&#x017F;cheinlich, daß der als Perrha&#x0364;bi&#x017F;ch ge-<lb/>
nannte Ort Kyphos unter Dori&#x017F;cher Herr&#x017F;chaft &#x017F;tand,<lb/>
weil &#x017F;ie in ihren zweiten Niederla&#x017F;&#x017F;ungen ein davon be-<lb/>
nanntes Akyphas bewohnten <note place="foot" n="1">Hem&#x017F;terhuis ha&#x0364;lt mit Unrecht beide fu&#x0364;r einerlei. a. O. S. 116.</note>. Es i&#x017F;t auffallend, daß<lb/>
&#x017F;ich von keiner Dori&#x017F;chen Stadt in die&#x017F;er Gegend eine<lb/>
direkte und be&#x017F;timmte Angabe erhalten hat: der Grund<lb/>
die&#x017F;es Mangels liegt in dem Verlu&#x017F;t des He&#x017F;iodi&#x017F;chen<lb/>
Epos <hi rendition="#g">Aegimios</hi>.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head>8.</head><lb/>
            <p>Die&#x017F;es Epos im He&#x017F;iodi&#x017F;chen Ton, wenn auch der<lb/>
Verfa&#x017F;&#x017F;er etwa gegen Olymp. 30 in den letzten Zeiten des<lb/>
epi&#x017F;chen Ge&#x017F;anges lebte <note place="foot" n="2">Athen. 11. S. 553 <hi rendition="#aq">d.</hi> &#x03BA;&#x03B1;&#x1F76; &#x1F41; &#x03C4;&#x1F78;&#x03BD; &#x0391;&#x1F30;&#x03B3;&#x03AF;&#x03BC;&#x03B9;&#x03BF;&#x03BD; &#x03C0;&#x03BF;&#x03B9;&#x03AE;&#x03C3;&#x03B1;&#x03C2;, &#x03B5;&#x1F34;&#x03D1;&#x1FBF; &#x1F29;&#x03C3;&#x03AF;&#x03BF;-<lb/>
&#x03B4;&#x03CC;&#x03C2; &#x1F10;&#x03C3;&#x03C4;&#x03B9;&#x03BD; &#x1F22; &#x039A;&#x03AD;&#x03F1;&#x03BA;&#x03C9;&#x03C8; &#x1F41; &#x039C;&#x03B9;&#x03BB;&#x03AE;&#x03C3;&#x03B9;&#x03BF;&#x03C2;. Ihn geradezu Kerkops zu nen-<lb/>
nen, mo&#x0364;chte vielleicht unkriti&#x017F;cher &#x017F;ein, als den weit&#x017F;chichtigen Na-<lb/>
men He&#x017F;iod zu re&#x017F;pektiren.</note>, be&#x017F;ang die a&#x0364;lte&#x017F;ten Begeben-<lb/>
heiten des Dori&#x017F;chen Stammes. Namentlich, wie Ae-<lb/>
gimios, der Dorierfu&#x0364;r&#x017F;t, im &#x017F;chweren und gefa&#x0364;hrlichen<lb/>
Kriege mit den Lapithen den wandernden Herakles her-<lb/>
beiruft, und durch das Ver&#x017F;prechen, den dritten Theil des<lb/>
Gebiets ihm abzutreten, &#x017F;eine Bundesgeno&#x017F;&#x017F;en&#x017F;chaft er-<lb/>
wirbt, durch welche die Feinde ge&#x017F;chlagen, ihr Fu&#x0364;r&#x017F;t<lb/>
geto&#x0364;dtet, das &#x017F;treitige Land erobert wird <note place="foot" n="3">We&#x017F;&#x017F;el. zu Diod. 4, 37. <hi rendition="#aq">p.</hi> 282.</note>. Daß dies<lb/>
der Hauptinhalt des Gedichts gewe&#x017F;en &#x017F;ei, be&#x017F;agt der<lb/>
Name de&#x017F;&#x017F;elben <note place="foot" n="4">S. Valcken. <hi rendition="#aq">ad Eurip. Phoen. p.</hi> 735.</note>. Wahr&#x017F;cheinlich wurden auch die Hel-<lb/>
den von Jolkos und die Phthioten als Bundesgeno&#x017F;&#x017F;en<lb/>
der Lapithen vorgefu&#x0364;hrt, wenig&#x017F;tens kamen Phrixos und<lb/>
Achilleus Schick&#x017F;ale darin vor</p>
            <p><note xml:id="seg2pn_2_1" next="#seg2pn_2_2" place="foot" n="5">Schol. Apoll.<lb/>
3, 584 &#x2014; 4, 816. Groddek Bibliothek der alten Litter. u. Kun&#x017F;t<lb/>
Th. 2. S. 89. &#x017F;chließt wohl zu &#x017F;chnell, daß der Argonautenzug<lb/>
darin enthalten gewe&#x017F;en, wie Weichert u&#x0364;ber Apollonios S. 139.<lb/><hi rendition="#aq">n.</hi> 176. mit Recht bemerkt. &#x2014; Daß im Aegimios der Zug der<lb/>
Dorier und ihre Colonien bis auf Kyrene erza&#x0364;hlt worden wa&#x0364;ren,</note>.</p>
            <p>Das zweite Buch<lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[28/0058] Auch iſt wahrſcheinlich, daß der als Perrhaͤbiſch ge- nannte Ort Kyphos unter Doriſcher Herrſchaft ſtand, weil ſie in ihren zweiten Niederlaſſungen ein davon be- nanntes Akyphas bewohnten 1. Es iſt auffallend, daß ſich von keiner Doriſchen Stadt in dieſer Gegend eine direkte und beſtimmte Angabe erhalten hat: der Grund dieſes Mangels liegt in dem Verluſt des Heſiodiſchen Epos Aegimios. 8. Dieſes Epos im Heſiodiſchen Ton, wenn auch der Verfaſſer etwa gegen Olymp. 30 in den letzten Zeiten des epiſchen Geſanges lebte 2, beſang die aͤlteſten Begeben- heiten des Doriſchen Stammes. Namentlich, wie Ae- gimios, der Dorierfuͤrſt, im ſchweren und gefaͤhrlichen Kriege mit den Lapithen den wandernden Herakles her- beiruft, und durch das Verſprechen, den dritten Theil des Gebiets ihm abzutreten, ſeine Bundesgenoſſenſchaft er- wirbt, durch welche die Feinde geſchlagen, ihr Fuͤrſt getoͤdtet, das ſtreitige Land erobert wird 3. Daß dies der Hauptinhalt des Gedichts geweſen ſei, beſagt der Name deſſelben 4. Wahrſcheinlich wurden auch die Hel- den von Jolkos und die Phthioten als Bundesgenoſſen der Lapithen vorgefuͤhrt, wenigſtens kamen Phrixos und Achilleus Schickſale darin vor 5. Das zweite Buch 1 Hemſterhuis haͤlt mit Unrecht beide fuͤr einerlei. a. O. S. 116. 2 Athen. 11. S. 553 d. καὶ ὁ τὸν Αἰγίμιον ποιήσας, εἴϑ᾿ Ἡσίο- δός ἐστιν ἢ Κέϱκωψ ὁ Μιλήσιος. Ihn geradezu Kerkops zu nen- nen, moͤchte vielleicht unkritiſcher ſein, als den weitſchichtigen Na- men Heſiod zu reſpektiren. 3 Weſſel. zu Diod. 4, 37. p. 282. 4 S. Valcken. ad Eurip. Phoen. p. 735. 5 Schol. Apoll. 3, 584 — 4, 816. Groddek Bibliothek der alten Litter. u. Kunſt Th. 2. S. 89. ſchließt wohl zu ſchnell, daß der Argonautenzug darin enthalten geweſen, wie Weichert uͤber Apollonios S. 139. n. 176. mit Recht bemerkt. — Daß im Aegimios der Zug der Dorier und ihre Colonien bis auf Kyrene erzaͤhlt worden waͤren,

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/mueller_hellenische02_1824
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/mueller_hellenische02_1824/58
Zitationshilfe: Müller, Karl Otfried: Die Dorier. Vier Bücher. Bd. 1. Breslau, 1824, S. 28. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/mueller_hellenische02_1824/58>, abgerufen am 18.07.2024.