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Nestroy, Johann: Der böse Geist Lumpacivagabundus, oder: Das liederliche Kleeblatt. Wien, 1835.

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Und jetzt richt a so a Vagabund
Uns die Welt bei Butz und Stingel z'Grund;
Aber laß'n ma das wie's oben steht,
Auch unt sieht man, daß's auf'n Ruin los geht.
Abends traut man in's zehnte G'wölb sich nicht hinein
Vor Glanz, denn sie richten's wie d'Fee'ntempel ein;
Der Zauberer Luxus schaut blendend hervor,
Die böse Fee Crida sperrt nacher 's G'wölb zur.
Da wird einem halt angst und bang,
Die Welt steht auf kein Fall mehr lang.

Am Himmel is die Sonn jetzt voll Kapriz,
Mitten in die Hundstag gibt's kein Hitz;
Und der Mond geht auf so roth auf Ehr',
Nicht anderster, als wann er b'soffen wär.
Die Millichstraßen die verliert ihr'n Glanz,
Die Milliweiber ob'n verpantschens ganz;
Aber laß'n ma das, herunt geht's z'bunt,
Herunt schon sieht man's klar, die Welt geht z'Grund.
Welche hätt' so ein g'schecketen Wickler einst mög'n,
A Harlekin is ja g'rad nur a Spitzbub dageg'n;
Im Sommer trag'ns Stiefeln, ajour-Strümpf im
Schnee,
Und statt Haub'n hab'ns gar Backenbärt von tull
anglais.
Da wird einem halt angst und bang,
J sag' d'Welt steht auf kein Fall mehr lang.

Und jetzt richt a ſo a Vagabund
Uns die Welt bei Butz und Stingel z’Grund;
Aber laß’n ma das wie’s oben ſteht,
Auch unt ſieht man, daß’s auf’n Ruin los geht.
Abends traut man in’s zehnte G’wölb ſich nicht hinein
Vor Glanz, denn ſie richten’s wie d’Fee’ntempel ein;
Der Zauberer Luxus ſchaut blendend hervor,
Die böſe Fee Crida ſperrt nacher ’s G’wölb zur.
Da wird einem halt angſt und bang,
Die Welt ſteht auf kein Fall mehr lang.

Am Himmel is die Sonn jetzt voll Kapriz,
Mitten in die Hundstag gibt’s kein Hitz;
Und der Mond geht auf ſo roth auf Ehr’,
Nicht anderſter, als wann er b’ſoffen wär.
Die Millichſtraßen die verliert ihr’n Glanz,
Die Milliweiber ob’n verpantſchens ganz;
Aber laß’n ma das, herunt geht’s z’bunt,
Herunt ſchon ſieht man’s klar, die Welt geht z’Grund.
Welche hätt’ ſo ein g’ſchecketen Wickler einſt mög’n,
A Harlekin is ja g’rad nur a Spitzbub dageg’n;
Im Sommer trag’ns Stiefeln, àjour-Strümpf im
Schnee,
Und ſtatt Haub’n hab’ns gar Backenbärt von tull
anglais.
Da wird einem halt angſt und bang,
J ſag’ d’Welt ſteht auf kein Fall mehr lang.
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[108/0114] Und jetzt richt a ſo a Vagabund Uns die Welt bei Butz und Stingel z’Grund; Aber laß’n ma das wie’s oben ſteht, Auch unt ſieht man, daß’s auf’n Ruin los geht. Abends traut man in’s zehnte G’wölb ſich nicht hinein Vor Glanz, denn ſie richten’s wie d’Fee’ntempel ein; Der Zauberer Luxus ſchaut blendend hervor, Die böſe Fee Crida ſperrt nacher ’s G’wölb zur. Da wird einem halt angſt und bang, Die Welt ſteht auf kein Fall mehr lang. Am Himmel is die Sonn jetzt voll Kapriz, Mitten in die Hundstag gibt’s kein Hitz; Und der Mond geht auf ſo roth auf Ehr’, Nicht anderſter, als wann er b’ſoffen wär. Die Millichſtraßen die verliert ihr’n Glanz, Die Milliweiber ob’n verpantſchens ganz; Aber laß’n ma das, herunt geht’s z’bunt, Herunt ſchon ſieht man’s klar, die Welt geht z’Grund. Welche hätt’ ſo ein g’ſchecketen Wickler einſt mög’n, A Harlekin is ja g’rad nur a Spitzbub dageg’n; Im Sommer trag’ns Stiefeln, àjour-Strümpf im Schnee, Und ſtatt Haub’n hab’ns gar Backenbärt von tull anglais. Da wird einem halt angſt und bang, J ſag’ d’Welt ſteht auf kein Fall mehr lang.

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Zitationshilfe: Nestroy, Johann: Der böse Geist Lumpacivagabundus, oder: Das liederliche Kleeblatt. Wien, 1835, S. 108. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/nestroy_lumpacivagabundus_1835/114>, abgerufen am 19.04.2021.