und Jesu nur in denen Verläugnungen ähnlich werden will, die Gott von mir fordert, die meiner eignen Ge- müthsruhe nothwendig sind, und die in gar keine Vergleichung mit denen gestellt werden können, die er zu meinem Heil auf sich nehmen mußte. -- Und so soll mir sein Beyspiel, wenn ich mich mit ihm verglei- che, tiefe Beschämung über die Schwäche, und, wenn ich überdenke, wie viel der Mensch durch Gott ver- mag, frohe Erhebung der Seele über die Kräfte der Natur seyn, die mir zu Theil geworden ist.
Die Hirten.
Nicht viel irdische und stolze Weise, nicht viel Mächtige -- was gering, einfältiges Sinnes und gut ist, das, das hat Gott erwählt! -- Das bestätigt sich durch alle Zeiten so, wie die Geschichte der Geburt Jesu ein sehr sprechendes Beyspiel davon ist. Die ersten Personen, die von der wichtigsten aller Begebenheiten die erste Nachricht bekommen, die er- sten Zeugen, daß die Hoffnung Israels geboren ist, die ersten Theilnehmer an der Freude, (wie dunkel und gemischt sie auch noch seyn mochte,) lauter Personen aus den geringern Ständen; deren Adel
ihre
und Jeſu nur in denen Verläugnungen ähnlich werden will, die Gott von mir fordert, die meiner eignen Ge- müthsruhe nothwendig ſind, und die in gar keine Vergleichung mit denen geſtellt werden können, die er zu meinem Heil auf ſich nehmen mußte. — Und ſo ſoll mir ſein Beyſpiel, wenn ich mich mit ihm verglei- che, tiefe Beſchämung über die Schwäche, und, wenn ich überdenke, wie viel der Menſch durch Gott ver- mag, frohe Erhebung der Seele über die Kräfte der Natur ſeyn, die mir zu Theil geworden iſt.
Die Hirten.
Nicht viel irdiſche und ſtolze Weiſe, nicht viel Mächtige — was gering, einfältiges Sinnes und gut iſt, das, das hat Gott erwählt! — Das beſtätigt ſich durch alle Zeiten ſo, wie die Geſchichte der Geburt Jeſu ein ſehr ſprechendes Beyſpiel davon iſt. Die erſten Perſonen, die von der wichtigſten aller Begebenheiten die erſte Nachricht bekommen, die er- ſten Zeugen, daß die Hoffnung Iſraels geboren iſt, die erſten Theilnehmer an der Freude, (wie dunkel und gemiſcht ſie auch noch ſeyn mochte,) lauter Perſonen aus den geringern Ständen; deren Adel
ihre
<TEI><text><body><divn="1"><divn="2"><p><pbfacs="#f0106"n="90[102]"/>
und Jeſu nur in denen Verläugnungen ähnlich werden<lb/>
will, die Gott von mir fordert, die meiner eignen Ge-<lb/>
müthsruhe nothwendig ſind, und die in gar keine<lb/>
Vergleichung mit denen geſtellt werden können, die er<lb/>
zu meinem Heil auf ſich nehmen mußte. — Und ſo<lb/>ſoll mir ſein Beyſpiel, wenn ich mich mit ihm verglei-<lb/>
che, tiefe Beſchämung über die Schwäche, und, wenn<lb/>
ich überdenke, wie viel der Menſch durch Gott ver-<lb/>
mag, frohe Erhebung der Seele über die Kräfte der<lb/>
Natur ſeyn, die mir zu Theil geworden iſt.</p></div><lb/><milestonerendition="#hr"unit="section"/><lb/><divn="2"><head><hirendition="#g">Die Hirten.</hi></head><lb/><p><hirendition="#in">N</hi>icht viel irdiſche und ſtolze Weiſe, nicht viel<lb/>
Mächtige — was gering, einfältiges Sinnes<lb/>
und gut iſt, das, das hat Gott erwählt! — Das<lb/>
beſtätigt ſich durch alle Zeiten ſo, wie die Geſchichte<lb/>
der Geburt Jeſu ein ſehr ſprechendes Beyſpiel davon<lb/>
iſt. Die erſten Perſonen, die von der wichtigſten aller<lb/>
Begebenheiten die erſte Nachricht bekommen, die er-<lb/>ſten Zeugen, daß die Hoffnung Iſraels geboren iſt,<lb/>
die erſten Theilnehmer an der Freude, (wie dunkel<lb/>
und gemiſcht ſie auch noch ſeyn mochte,) lauter<lb/>
Perſonen aus den geringern Ständen; deren Adel<lb/><fwplace="bottom"type="catch">ihre</fw><lb/></p></div></div></body></text></TEI>
[90[102]/0106]
und Jeſu nur in denen Verläugnungen ähnlich werden
will, die Gott von mir fordert, die meiner eignen Ge-
müthsruhe nothwendig ſind, und die in gar keine
Vergleichung mit denen geſtellt werden können, die er
zu meinem Heil auf ſich nehmen mußte. — Und ſo
ſoll mir ſein Beyſpiel, wenn ich mich mit ihm verglei-
che, tiefe Beſchämung über die Schwäche, und, wenn
ich überdenke, wie viel der Menſch durch Gott ver-
mag, frohe Erhebung der Seele über die Kräfte der
Natur ſeyn, die mir zu Theil geworden iſt.
Die Hirten.
Nicht viel irdiſche und ſtolze Weiſe, nicht viel
Mächtige — was gering, einfältiges Sinnes
und gut iſt, das, das hat Gott erwählt! — Das
beſtätigt ſich durch alle Zeiten ſo, wie die Geſchichte
der Geburt Jeſu ein ſehr ſprechendes Beyſpiel davon
iſt. Die erſten Perſonen, die von der wichtigſten aller
Begebenheiten die erſte Nachricht bekommen, die er-
ſten Zeugen, daß die Hoffnung Iſraels geboren iſt,
die erſten Theilnehmer an der Freude, (wie dunkel
und gemiſcht ſie auch noch ſeyn mochte,) lauter
Perſonen aus den geringern Ständen; deren Adel
ihre
Informationen zur CAB-Ansicht
Diese Ansicht bietet Ihnen die Darstellung des Textes in normalisierter Orthographie.
Diese Textvariante wird vollautomatisch erstellt und kann aufgrund dessen auch Fehler enthalten.
Alle veränderten Wortformen sind grau hinterlegt. Als fremdsprachliches Material erkannte
Textteile sind ausgegraut dargestellt.
Sie haben einen Fehler gefunden?
Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform
DTAQ melden.
Kommentar zur DTA-Ausgabe
Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert.
Weitere Informationen …
Matthias Boenig, Yannic Bracke, Benjamin Fiechter, Susanne Haaf, Linda Kirsten, Xi Zhang:
Arbeitsschritte im Digitalisierungsworkflow: Vorbereitung der Bildvorlagen für die Textdigitalisierung; Bearbeitung, Konvertierung und ggf. Nachstrukturierung der durch die Grepect GmbH bereitgestellten Texttranskription
Niemeyer, August Hermann: Timotheus. Bd. 1. 2. Aufl. Frankfurt (Main) u.a., 1790, S. 90[102]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/niemeyer_timotheus01_1790/106>, abgerufen am 23.09.2024.
Alle Inhalte dieser Seite unterstehen, soweit nicht anders gekennzeichnet, einer
Creative-Commons-Lizenz.
Die Rechte an den angezeigten Bilddigitalisaten, soweit nicht anders gekennzeichnet, liegen bei den besitzenden Bibliotheken.
Weitere Informationen finden Sie in den DTA-Nutzungsbedingungen.
Insbesondere im Hinblick auf die §§ 86a StGB und 130 StGB wird festgestellt, dass die auf
diesen Seiten abgebildeten Inhalte weder in irgendeiner Form propagandistischen Zwecken
dienen, oder Werbung für verbotene Organisationen oder Vereinigungen darstellen, oder
nationalsozialistische Verbrechen leugnen oder verharmlosen, noch zum Zwecke der
Herabwürdigung der Menschenwürde gezeigt werden.
Die auf diesen Seiten abgebildeten Inhalte (in Wort und Bild) dienen im Sinne des
§ 86 StGB Abs. 3 ausschließlich historischen, sozial- oder kulturwissenschaftlichen
Forschungszwecken. Ihre Veröffentlichung erfolgt in der Absicht, Wissen zur Anregung
der intellektuellen Selbstständigkeit und Verantwortungsbereitschaft des Staatsbürgers zu
vermitteln und damit der Förderung seiner Mündigkeit zu dienen.
Zitierempfehlung: Deutsches Textarchiv. Grundlage für ein Referenzkorpus der neuhochdeutschen Sprache. Herausgegeben von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Berlin 2024. URL: https://www.deutschestextarchiv.de/.