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Allgemeine Zeitung, Nr. 33, 15. August 1914.

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Allgemeine Zeitung 15. August 1914.
[Spaltenumbruch] entgegen zu sehen. Wir verteidigen nicht nur die Würde und
Ehre unseres Landes, sondern wir kämpfen auch für unsere sla-
wischen Brüder, unsere Glaubensgenossen und Blutsverwandten.
In diesem Augenblicke sehe ich auch mit Freuden, wie die Einigung
der Slawen mit Rußland stark und unauflöslich sich vollzieht. Ich
bin überzeugt, daß jeder an seinem Platze sein wird, um mir die
Prüfung ertragen zu helfen und daß alle, bei mir selbst angefangen,
ihre Pflicht tun werden. Der Gott des russischen Landes ist groß.

Ein Hurra beantwortete die Rede des Zaren.

In der Sitzung der Reichsduma sprach der Minister des
Aeußern Ssasonow über den Ausbruch des Krieges. Nachdem
Ssasonow festgestellt hatte, daß Rußland die kecke Herausforde-
rung (!) angenommen hätte, bemerkte er, daß nach den aufrichtigen
Bemühungen Rußlands, den Frieden zu erhalten, es den Feinden
nicht gelingen werde, die Verantwortung für den gegenwärtigen
Weltbrand auf Rußland abzuwälzen. (!) Es sei nicht Rußlands
Diplomatie, welche den Frieden Europas bedrohte.

Dennoch erbitterte die friedliche Machtstellung Rußlands seine
Feinde (!), ganz besonders Oesterreich-Ungarn, dieses Oesterreich-
Ungarn, das unablässig Rußlands geschichtliche Stellung am Bal-
kan zu erschüttern suchte. Oesterreich-Ungarn ist es, das den inneren
Krieg mit den Slawen heraufbeschwor, eine Bewegung, welche,
Gott sei Dank!, dennoch das Werk der Einigung der Slawen nicht
hindern wird. Man kennt den Vorwand (!) zum gegenwärtigen
Kriege. (So spricht der Minister des Zaren vom Fürstenmord in
Serajewo!) Zerrissen von inneren Wirren, (!) beschloß Oesterreich-
Ungarn, aus ihnen herauszukommen durch einen Schlag, der Ruß-
land erniedrigen und Serbien zu seinem Vasallen machen sollte.
Rußland konnte Serbien seinen Schutz nicht verweigern; weder
Rußland, noch Frankreich, noch England konnten das zulassen.
Dennoch machten Rußland und seine Verbündeten große Anstren-
gungen, um den Frieden zu erhalten, und die Feinde Rußlands
täuschten sich, wenn sie diese Friedensarbeit für ein Zeichen der
Schwäche nahmen. Selbst nach der Herausforderung (!) gab Ruß-
land die Versuche nicht auf, den Frieden zu retten, indem es die
Bemühungen in dieser Richtung und diejenigen seiner Freunde ehr-
lich bis zum Ende durchführte. Als Rußland mit Rücksicht auf die
österreichische Mobilisierung eine ähnliche Maßnahme traf, ver-
sicherte der Zar mit seinem kaiserlichen Worte Kaiser Wilhelm, daß
Rußland keine Gewalt anwenden werde, solange die Hoffnung be-
stehe, den Konflikt auf freundschaftliche Weise beizulegen. Seine
Stimme ist nicht gehört worden, Deutschland erklärte an Rußland
den Krieg! In der Folge begann Frankreich diesen Krieg infolge
der Verletzung von Neutralitätsverträgen, die es selbst unterzeich-
net hat. Im gegenwärtigen Krieg kämpft Rußland für sein Land
und seine Großmachtstellung. Rußland und seine Verbündeten
können nicht zugeben, daß Europa von Deutschland und seinen
Verbündeten beherrscht werde!



Wie ernst und würdig nehmen sich dagegen die Aeußerungen
unserer kompetenten Militärbehörden über unsere bisherigen Er-
folge aus, sie schließen eine Mahnung und Beruhigung in sich. Durch
das Wolffsche Telegraphenbureau lassen sie nachstehendes ver-
breiten:

Wie Major Nicolai, der Leiter der Presseabteilung des Großen
Generalstabs, in einer Besprechung mit den Vertretern der Presse
betonte, kann der Generalstab dem Heißhunger nach neuen, mög-
lichst ausführlichen Mitteilungen über die Vorgänge auf dem Kriegs-
schauplatz einstweilen aus zwingenden militärischen Gründen noch
keine Rechnung tragen. Auch unsere Befehlshaber im Felde geben
Meldungen erst, wenn alles vollkommen in Ordnung ist. Erst
stellen sie fest, was geschehen ist, dann wird Meldung erstattet, und
die Meldung wird in allen Fällen echt und wahr sein.

Eine Konkurrenz mit der Lügenfabrikation des Auslandes
nimmt unsere Heeresleitung nicht auf. Sie wird die Welt über-
zeugen, daß auf unserer Seite die Wahrheit ist, daß wir weder
Lügennachrichten verbreiten, noch auch nur Schönfärberei treiben.
Diese Erkenntnis wird sich schließlich durchsetzen. Ein französisches
Ehrenkreuz für Lüttich, das man schon bereit hielt, Ehrenpforten
für die Franzosen, die angeblich im Elsaß gebaut werden -- mit
solchen Mätzchen wollen wir uns nicht beflecken. Ausländische Nach-
richten, woher sie auch immer kommen, dürfen so lange als falsch
zurückgewiesen werden, als sie nicht von der deutschen Heeres-
leitung als richtig bestätigt werden. Wir werden hoffentlich schon
in kurzer Zeit beweisen können, wie viel vom Ausland bisher gegen
die Wahrheit gesündigt wurde.

[Spaltenumbruch]

Man machte sogar den Versuch, das Armeekommando durch
ein gefälschtes Telegramm an eine angebliche Landung eines eng-
lischen Expeditionskorps glauben zu machen. Als Absender des
Telegramms war ein Oberpräsidium bezeichnet. Daß die beabsich-
tigte Irreführung sofort erkannt wurde, ist einem Zufall zu ver-
danken.

Ueber Lüttich und die Kämpfe, welche die Eroberung dieser
Feste herbeiführten, ist man in Berlin noch nicht völlig unterrichtet.
Hätte der Feind sofort erfahren, wie schwach die Kräfte waren, die
die Festung im Sturm nahmen, er hätte wohl gewußt, was er zu
tun hatte. Jetzt haben wir Lüttich fest in unserer Hand.

Was haben wir bisher erreicht? Der gefürchtete russische
Kavallerie-Einfall zerschellte an unserer Grenzschutztruppe; sogar
die Landwehr reichte in einzelnen Fällen aus, um die Eindringlinge
zurückzuweisen. Wo sind die Zerstörungen wichtiger Bahnanlagen
geblieben? Nichts ist passiert! Nichts hat den mit maschinenmäßiger
Genauigkeit fortschreitenden Aufmarsch unserer Truppen auch nur
im geringsten aufhalten oder verwirren können. Wie es bei dem
Feinde aussieht, darüber ließe sich vielleicht manches sagen, aber
es ist unnötig. Genug! Bei uns klappt alles wunderbar und da-
mit können wir zufrieden sein.

Dann die Verluste! Die erste Liste ist erschienen. Man findet
sie vielleicht schon erheblich. Aber was erkauften wir damit? Den
Schutz unserer preußischen Provinzen! Wenn die Russen ins Land
gekommen wären, wie viel Verluste an Gut und Blut hätten wir
da gehabt. Und Lüttich? Mit den Verlusten, die der Sturm kostete,
errangen wir einen militärischen Erfolg, dessen Bedeutung noch gar
nicht abschätzbar ist. Wäre eine Belagerung notwendig geworden,
wir wären nicht so leichten Kaufes davon gekommen.


Unser österreichischer Bundesgenosse.

Unsere Trupen an der russischen Grenze haben bereits mit den
an der galizisch-russischen Grenze kämpfenden österreichischen Trup-
pen Fühlung gewonnen:

Das in Krakau eingetroffene Lokalblatt von Czenstochau
"Gonik Czenstochowski" vom 3. August gibt eine Schilderung
der Einnahme von Czenstochau durch die deutschen Truppen.
Es heißt darin:

Die Nacht vom 2. zum 3. August war für die Bewohner
fürchterlich. Von weitem dröhnte Gewehr- und Geschützfeuer.
Gegen 2 Uhr nachts kam der Alarm näher. Gegen 4 Uhr
früh begann der Rückzug der russischen Truppen. Die Stadt
passierten nacheinander kleine Trupps von Soldaten verschie-
dener Waffengattungen. Gleichzeitig wurden die Brücken
und Viadukte gesprengt. Um 5 Uhr früh war der letzte Bahn-
zug mit russischen Behörden und Militär nach Warschau ab-
gegangen. Die Bürgerwehr hielt nachdem Ruhe und Ord-
nung in der Stadt. Um 7 Uhr früh zog unter dem Kom-
mando eines Oberleutnants die Vorhut der Deutschen in die
Stadt ein. Der Kommandant der Bürgerwehr erstattete Rap-
port, worauf ihm unter persönlicher Verantwortung die
Sorge um Ruhe und Ordnung in der Stadt anvertraut wurde.
Im "Gonik Czenstochowski" ließ der Kommandant der einge-
rückten Truppen der Bevölkerung mitteilen, daß in der Stadt
alles in der bisherigen Form unter völliger Sicherung der
Rechte der Einwohnerschaft belassen werde, bei feindseligen
Vorkommnissen jedoch die ganze Stadt die Verantwortung zu
tragen hätte. Um 10 Uhr vormittags erschien ein Infanterie-
hauptmann in der Magistratur der Stadt, wo er beim Präsi-
denten des Stadtrates und beim Kommandanten der Bürger-
wehr die obigen Anordnungen wiederholte mit dem Hinzu-
fügen, daß russisches Papiergeld als Zahlung bei Strafe an-
genommen werden müsse.

Der "Czas" meldet nach dem Bericht einiger aus Czen-
stochau eingetroffenen Reisenden: Mit einem Atemzuge der
Erleichterung wurde die preußische Kavallerie in Czenstochau
begrüßt. Die preußischen Ulanen, unter denen ein großer
Prozentsatz Polen war, wurden mit Zigarren, Brot und
Wasser versorgt. Es wurden ihnen auch Mitteilungen über die
Richtung gemacht, in der die russische Reiterei sich entfernt
hatte. Die Ulanen nahmen dann auch die Verfolgung auf.



Auch vom österreichisch-russischen Kriegsschauplatz hört man
nur Erfreuliches. Das Wolffsche Telegraphenbureau summiert die
Ereignisse unterm 10. ds. in nachstehendem Telegramm: An der

Allgemeine Zeitung 15. Auguſt 1914.
[Spaltenumbruch] entgegen zu ſehen. Wir verteidigen nicht nur die Würde und
Ehre unſeres Landes, ſondern wir kämpfen auch für unſere ſla-
wiſchen Brüder, unſere Glaubensgenoſſen und Blutsverwandten.
In dieſem Augenblicke ſehe ich auch mit Freuden, wie die Einigung
der Slawen mit Rußland ſtark und unauflöslich ſich vollzieht. Ich
bin überzeugt, daß jeder an ſeinem Platze ſein wird, um mir die
Prüfung ertragen zu helfen und daß alle, bei mir ſelbſt angefangen,
ihre Pflicht tun werden. Der Gott des ruſſiſchen Landes iſt groß.

Ein Hurra beantwortete die Rede des Zaren.

In der Sitzung der Reichsduma ſprach der Miniſter des
Aeußern Sſaſonow über den Ausbruch des Krieges. Nachdem
Sſaſonow feſtgeſtellt hatte, daß Rußland die kecke Herausforde-
rung (!) angenommen hätte, bemerkte er, daß nach den aufrichtigen
Bemühungen Rußlands, den Frieden zu erhalten, es den Feinden
nicht gelingen werde, die Verantwortung für den gegenwärtigen
Weltbrand auf Rußland abzuwälzen. (!) Es ſei nicht Rußlands
Diplomatie, welche den Frieden Europas bedrohte.

Dennoch erbitterte die friedliche Machtſtellung Rußlands ſeine
Feinde (!), ganz beſonders Oeſterreich-Ungarn, dieſes Oeſterreich-
Ungarn, das unabläſſig Rußlands geſchichtliche Stellung am Bal-
kan zu erſchüttern ſuchte. Oeſterreich-Ungarn iſt es, das den inneren
Krieg mit den Slawen heraufbeſchwor, eine Bewegung, welche,
Gott ſei Dank!, dennoch das Werk der Einigung der Slawen nicht
hindern wird. Man kennt den Vorwand (!) zum gegenwärtigen
Kriege. (So ſpricht der Miniſter des Zaren vom Fürſtenmord in
Serajewo!) Zerriſſen von inneren Wirren, (!) beſchloß Oeſterreich-
Ungarn, aus ihnen herauszukommen durch einen Schlag, der Ruß-
land erniedrigen und Serbien zu ſeinem Vaſallen machen ſollte.
Rußland konnte Serbien ſeinen Schutz nicht verweigern; weder
Rußland, noch Frankreich, noch England konnten das zulaſſen.
Dennoch machten Rußland und ſeine Verbündeten große Anſtren-
gungen, um den Frieden zu erhalten, und die Feinde Rußlands
täuſchten ſich, wenn ſie dieſe Friedensarbeit für ein Zeichen der
Schwäche nahmen. Selbſt nach der Herausforderung (!) gab Ruß-
land die Verſuche nicht auf, den Frieden zu retten, indem es die
Bemühungen in dieſer Richtung und diejenigen ſeiner Freunde ehr-
lich bis zum Ende durchführte. Als Rußland mit Rückſicht auf die
öſterreichiſche Mobiliſierung eine ähnliche Maßnahme traf, ver-
ſicherte der Zar mit ſeinem kaiſerlichen Worte Kaiſer Wilhelm, daß
Rußland keine Gewalt anwenden werde, ſolange die Hoffnung be-
ſtehe, den Konflikt auf freundſchaftliche Weiſe beizulegen. Seine
Stimme iſt nicht gehört worden, Deutſchland erklärte an Rußland
den Krieg! In der Folge begann Frankreich dieſen Krieg infolge
der Verletzung von Neutralitätsverträgen, die es ſelbſt unterzeich-
net hat. Im gegenwärtigen Krieg kämpft Rußland für ſein Land
und ſeine Großmachtſtellung. Rußland und ſeine Verbündeten
können nicht zugeben, daß Europa von Deutſchland und ſeinen
Verbündeten beherrſcht werde!



Wie ernſt und würdig nehmen ſich dagegen die Aeußerungen
unſerer kompetenten Militärbehörden über unſere bisherigen Er-
folge aus, ſie ſchließen eine Mahnung und Beruhigung in ſich. Durch
das Wolffſche Telegraphenbureau laſſen ſie nachſtehendes ver-
breiten:

Wie Major Nicolai, der Leiter der Preſſeabteilung des Großen
Generalſtabs, in einer Beſprechung mit den Vertretern der Preſſe
betonte, kann der Generalſtab dem Heißhunger nach neuen, mög-
lichſt ausführlichen Mitteilungen über die Vorgänge auf dem Kriegs-
ſchauplatz einſtweilen aus zwingenden militäriſchen Gründen noch
keine Rechnung tragen. Auch unſere Befehlshaber im Felde geben
Meldungen erſt, wenn alles vollkommen in Ordnung iſt. Erſt
ſtellen ſie feſt, was geſchehen iſt, dann wird Meldung erſtattet, und
die Meldung wird in allen Fällen echt und wahr ſein.

Eine Konkurrenz mit der Lügenfabrikation des Auslandes
nimmt unſere Heeresleitung nicht auf. Sie wird die Welt über-
zeugen, daß auf unſerer Seite die Wahrheit iſt, daß wir weder
Lügennachrichten verbreiten, noch auch nur Schönfärberei treiben.
Dieſe Erkenntnis wird ſich ſchließlich durchſetzen. Ein franzöſiſches
Ehrenkreuz für Lüttich, das man ſchon bereit hielt, Ehrenpforten
für die Franzoſen, die angeblich im Elſaß gebaut werden — mit
ſolchen Mätzchen wollen wir uns nicht beflecken. Ausländiſche Nach-
richten, woher ſie auch immer kommen, dürfen ſo lange als falſch
zurückgewieſen werden, als ſie nicht von der deutſchen Heeres-
leitung als richtig beſtätigt werden. Wir werden hoffentlich ſchon
in kurzer Zeit beweiſen können, wie viel vom Ausland bisher gegen
die Wahrheit geſündigt wurde.

[Spaltenumbruch]

Man machte ſogar den Verſuch, das Armeekommando durch
ein gefälſchtes Telegramm an eine angebliche Landung eines eng-
liſchen Expeditionskorps glauben zu machen. Als Abſender des
Telegramms war ein Oberpräſidium bezeichnet. Daß die beabſich-
tigte Irreführung ſofort erkannt wurde, iſt einem Zufall zu ver-
danken.

Ueber Lüttich und die Kämpfe, welche die Eroberung dieſer
Feſte herbeiführten, iſt man in Berlin noch nicht völlig unterrichtet.
Hätte der Feind ſofort erfahren, wie ſchwach die Kräfte waren, die
die Feſtung im Sturm nahmen, er hätte wohl gewußt, was er zu
tun hatte. Jetzt haben wir Lüttich feſt in unſerer Hand.

Was haben wir bisher erreicht? Der gefürchtete ruſſiſche
Kavallerie-Einfall zerſchellte an unſerer Grenzſchutztruppe; ſogar
die Landwehr reichte in einzelnen Fällen aus, um die Eindringlinge
zurückzuweiſen. Wo ſind die Zerſtörungen wichtiger Bahnanlagen
geblieben? Nichts iſt paſſiert! Nichts hat den mit maſchinenmäßiger
Genauigkeit fortſchreitenden Aufmarſch unſerer Truppen auch nur
im geringſten aufhalten oder verwirren können. Wie es bei dem
Feinde ausſieht, darüber ließe ſich vielleicht manches ſagen, aber
es iſt unnötig. Genug! Bei uns klappt alles wunderbar und da-
mit können wir zufrieden ſein.

Dann die Verluſte! Die erſte Liſte iſt erſchienen. Man findet
ſie vielleicht ſchon erheblich. Aber was erkauften wir damit? Den
Schutz unſerer preußiſchen Provinzen! Wenn die Ruſſen ins Land
gekommen wären, wie viel Verluſte an Gut und Blut hätten wir
da gehabt. Und Lüttich? Mit den Verluſten, die der Sturm koſtete,
errangen wir einen militäriſchen Erfolg, deſſen Bedeutung noch gar
nicht abſchätzbar iſt. Wäre eine Belagerung notwendig geworden,
wir wären nicht ſo leichten Kaufes davon gekommen.


Unſer öſterreichiſcher Bundesgenoſſe.

Unſere Trupen an der ruſſiſchen Grenze haben bereits mit den
an der galiziſch-ruſſiſchen Grenze kämpfenden öſterreichiſchen Trup-
pen Fühlung gewonnen:

Das in Krakau eingetroffene Lokalblatt von Czenſtochau
„Gonik Czenſtochowſki“ vom 3. Auguſt gibt eine Schilderung
der Einnahme von Czenſtochau durch die deutſchen Truppen.
Es heißt darin:

Die Nacht vom 2. zum 3. Auguſt war für die Bewohner
fürchterlich. Von weitem dröhnte Gewehr- und Geſchützfeuer.
Gegen 2 Uhr nachts kam der Alarm näher. Gegen 4 Uhr
früh begann der Rückzug der ruſſiſchen Truppen. Die Stadt
paſſierten nacheinander kleine Trupps von Soldaten verſchie-
dener Waffengattungen. Gleichzeitig wurden die Brücken
und Viadukte geſprengt. Um 5 Uhr früh war der letzte Bahn-
zug mit ruſſiſchen Behörden und Militär nach Warſchau ab-
gegangen. Die Bürgerwehr hielt nachdem Ruhe und Ord-
nung in der Stadt. Um 7 Uhr früh zog unter dem Kom-
mando eines Oberleutnants die Vorhut der Deutſchen in die
Stadt ein. Der Kommandant der Bürgerwehr erſtattete Rap-
port, worauf ihm unter perſönlicher Verantwortung die
Sorge um Ruhe und Ordnung in der Stadt anvertraut wurde.
Im „Gonik Czenſtochowſki“ ließ der Kommandant der einge-
rückten Truppen der Bevölkerung mitteilen, daß in der Stadt
alles in der bisherigen Form unter völliger Sicherung der
Rechte der Einwohnerſchaft belaſſen werde, bei feindſeligen
Vorkommniſſen jedoch die ganze Stadt die Verantwortung zu
tragen hätte. Um 10 Uhr vormittags erſchien ein Infanterie-
hauptmann in der Magiſtratur der Stadt, wo er beim Präſi-
denten des Stadtrates und beim Kommandanten der Bürger-
wehr die obigen Anordnungen wiederholte mit dem Hinzu-
fügen, daß ruſſiſches Papiergeld als Zahlung bei Strafe an-
genommen werden müſſe.

Der „Czas“ meldet nach dem Bericht einiger aus Czen-
ſtochau eingetroffenen Reiſenden: Mit einem Atemzuge der
Erleichterung wurde die preußiſche Kavallerie in Czenſtochau
begrüßt. Die preußiſchen Ulanen, unter denen ein großer
Prozentſatz Polen war, wurden mit Zigarren, Brot und
Waſſer verſorgt. Es wurden ihnen auch Mitteilungen über die
Richtung gemacht, in der die ruſſiſche Reiterei ſich entfernt
hatte. Die Ulanen nahmen dann auch die Verfolgung auf.



Auch vom öſterreichiſch-ruſſiſchen Kriegsſchauplatz hört man
nur Erfreuliches. Das Wolffſche Telegraphenbureau ſummiert die
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[512/0006] Allgemeine Zeitung 15. Auguſt 1914. entgegen zu ſehen. Wir verteidigen nicht nur die Würde und Ehre unſeres Landes, ſondern wir kämpfen auch für unſere ſla- wiſchen Brüder, unſere Glaubensgenoſſen und Blutsverwandten. In dieſem Augenblicke ſehe ich auch mit Freuden, wie die Einigung der Slawen mit Rußland ſtark und unauflöslich ſich vollzieht. Ich bin überzeugt, daß jeder an ſeinem Platze ſein wird, um mir die Prüfung ertragen zu helfen und daß alle, bei mir ſelbſt angefangen, ihre Pflicht tun werden. Der Gott des ruſſiſchen Landes iſt groß. Ein Hurra beantwortete die Rede des Zaren. In der Sitzung der Reichsduma ſprach der Miniſter des Aeußern Sſaſonow über den Ausbruch des Krieges. Nachdem Sſaſonow feſtgeſtellt hatte, daß Rußland die kecke Herausforde- rung (!) angenommen hätte, bemerkte er, daß nach den aufrichtigen Bemühungen Rußlands, den Frieden zu erhalten, es den Feinden nicht gelingen werde, die Verantwortung für den gegenwärtigen Weltbrand auf Rußland abzuwälzen. (!) Es ſei nicht Rußlands Diplomatie, welche den Frieden Europas bedrohte. Dennoch erbitterte die friedliche Machtſtellung Rußlands ſeine Feinde (!), ganz beſonders Oeſterreich-Ungarn, dieſes Oeſterreich- Ungarn, das unabläſſig Rußlands geſchichtliche Stellung am Bal- kan zu erſchüttern ſuchte. Oeſterreich-Ungarn iſt es, das den inneren Krieg mit den Slawen heraufbeſchwor, eine Bewegung, welche, Gott ſei Dank!, dennoch das Werk der Einigung der Slawen nicht hindern wird. Man kennt den Vorwand (!) zum gegenwärtigen Kriege. (So ſpricht der Miniſter des Zaren vom Fürſtenmord in Serajewo!) Zerriſſen von inneren Wirren, (!) beſchloß Oeſterreich- Ungarn, aus ihnen herauszukommen durch einen Schlag, der Ruß- land erniedrigen und Serbien zu ſeinem Vaſallen machen ſollte. Rußland konnte Serbien ſeinen Schutz nicht verweigern; weder Rußland, noch Frankreich, noch England konnten das zulaſſen. Dennoch machten Rußland und ſeine Verbündeten große Anſtren- gungen, um den Frieden zu erhalten, und die Feinde Rußlands täuſchten ſich, wenn ſie dieſe Friedensarbeit für ein Zeichen der Schwäche nahmen. Selbſt nach der Herausforderung (!) gab Ruß- land die Verſuche nicht auf, den Frieden zu retten, indem es die Bemühungen in dieſer Richtung und diejenigen ſeiner Freunde ehr- lich bis zum Ende durchführte. Als Rußland mit Rückſicht auf die öſterreichiſche Mobiliſierung eine ähnliche Maßnahme traf, ver- ſicherte der Zar mit ſeinem kaiſerlichen Worte Kaiſer Wilhelm, daß Rußland keine Gewalt anwenden werde, ſolange die Hoffnung be- ſtehe, den Konflikt auf freundſchaftliche Weiſe beizulegen. Seine Stimme iſt nicht gehört worden, Deutſchland erklärte an Rußland den Krieg! In der Folge begann Frankreich dieſen Krieg infolge der Verletzung von Neutralitätsverträgen, die es ſelbſt unterzeich- net hat. Im gegenwärtigen Krieg kämpft Rußland für ſein Land und ſeine Großmachtſtellung. Rußland und ſeine Verbündeten können nicht zugeben, daß Europa von Deutſchland und ſeinen Verbündeten beherrſcht werde! Wie ernſt und würdig nehmen ſich dagegen die Aeußerungen unſerer kompetenten Militärbehörden über unſere bisherigen Er- folge aus, ſie ſchließen eine Mahnung und Beruhigung in ſich. Durch das Wolffſche Telegraphenbureau laſſen ſie nachſtehendes ver- breiten: Wie Major Nicolai, der Leiter der Preſſeabteilung des Großen Generalſtabs, in einer Beſprechung mit den Vertretern der Preſſe betonte, kann der Generalſtab dem Heißhunger nach neuen, mög- lichſt ausführlichen Mitteilungen über die Vorgänge auf dem Kriegs- ſchauplatz einſtweilen aus zwingenden militäriſchen Gründen noch keine Rechnung tragen. Auch unſere Befehlshaber im Felde geben Meldungen erſt, wenn alles vollkommen in Ordnung iſt. Erſt ſtellen ſie feſt, was geſchehen iſt, dann wird Meldung erſtattet, und die Meldung wird in allen Fällen echt und wahr ſein. Eine Konkurrenz mit der Lügenfabrikation des Auslandes nimmt unſere Heeresleitung nicht auf. Sie wird die Welt über- zeugen, daß auf unſerer Seite die Wahrheit iſt, daß wir weder Lügennachrichten verbreiten, noch auch nur Schönfärberei treiben. Dieſe Erkenntnis wird ſich ſchließlich durchſetzen. Ein franzöſiſches Ehrenkreuz für Lüttich, das man ſchon bereit hielt, Ehrenpforten für die Franzoſen, die angeblich im Elſaß gebaut werden — mit ſolchen Mätzchen wollen wir uns nicht beflecken. Ausländiſche Nach- richten, woher ſie auch immer kommen, dürfen ſo lange als falſch zurückgewieſen werden, als ſie nicht von der deutſchen Heeres- leitung als richtig beſtätigt werden. Wir werden hoffentlich ſchon in kurzer Zeit beweiſen können, wie viel vom Ausland bisher gegen die Wahrheit geſündigt wurde. Man machte ſogar den Verſuch, das Armeekommando durch ein gefälſchtes Telegramm an eine angebliche Landung eines eng- liſchen Expeditionskorps glauben zu machen. Als Abſender des Telegramms war ein Oberpräſidium bezeichnet. Daß die beabſich- tigte Irreführung ſofort erkannt wurde, iſt einem Zufall zu ver- danken. Ueber Lüttich und die Kämpfe, welche die Eroberung dieſer Feſte herbeiführten, iſt man in Berlin noch nicht völlig unterrichtet. Hätte der Feind ſofort erfahren, wie ſchwach die Kräfte waren, die die Feſtung im Sturm nahmen, er hätte wohl gewußt, was er zu tun hatte. Jetzt haben wir Lüttich feſt in unſerer Hand. Was haben wir bisher erreicht? Der gefürchtete ruſſiſche Kavallerie-Einfall zerſchellte an unſerer Grenzſchutztruppe; ſogar die Landwehr reichte in einzelnen Fällen aus, um die Eindringlinge zurückzuweiſen. Wo ſind die Zerſtörungen wichtiger Bahnanlagen geblieben? Nichts iſt paſſiert! Nichts hat den mit maſchinenmäßiger Genauigkeit fortſchreitenden Aufmarſch unſerer Truppen auch nur im geringſten aufhalten oder verwirren können. Wie es bei dem Feinde ausſieht, darüber ließe ſich vielleicht manches ſagen, aber es iſt unnötig. Genug! Bei uns klappt alles wunderbar und da- mit können wir zufrieden ſein. Dann die Verluſte! Die erſte Liſte iſt erſchienen. Man findet ſie vielleicht ſchon erheblich. Aber was erkauften wir damit? Den Schutz unſerer preußiſchen Provinzen! Wenn die Ruſſen ins Land gekommen wären, wie viel Verluſte an Gut und Blut hätten wir da gehabt. Und Lüttich? Mit den Verluſten, die der Sturm koſtete, errangen wir einen militäriſchen Erfolg, deſſen Bedeutung noch gar nicht abſchätzbar iſt. Wäre eine Belagerung notwendig geworden, wir wären nicht ſo leichten Kaufes davon gekommen. Unſer öſterreichiſcher Bundesgenoſſe. Unſere Trupen an der ruſſiſchen Grenze haben bereits mit den an der galiziſch-ruſſiſchen Grenze kämpfenden öſterreichiſchen Trup- pen Fühlung gewonnen: Das in Krakau eingetroffene Lokalblatt von Czenſtochau „Gonik Czenſtochowſki“ vom 3. Auguſt gibt eine Schilderung der Einnahme von Czenſtochau durch die deutſchen Truppen. Es heißt darin: Die Nacht vom 2. zum 3. Auguſt war für die Bewohner fürchterlich. Von weitem dröhnte Gewehr- und Geſchützfeuer. Gegen 2 Uhr nachts kam der Alarm näher. Gegen 4 Uhr früh begann der Rückzug der ruſſiſchen Truppen. Die Stadt paſſierten nacheinander kleine Trupps von Soldaten verſchie- dener Waffengattungen. Gleichzeitig wurden die Brücken und Viadukte geſprengt. Um 5 Uhr früh war der letzte Bahn- zug mit ruſſiſchen Behörden und Militär nach Warſchau ab- gegangen. Die Bürgerwehr hielt nachdem Ruhe und Ord- nung in der Stadt. Um 7 Uhr früh zog unter dem Kom- mando eines Oberleutnants die Vorhut der Deutſchen in die Stadt ein. Der Kommandant der Bürgerwehr erſtattete Rap- port, worauf ihm unter perſönlicher Verantwortung die Sorge um Ruhe und Ordnung in der Stadt anvertraut wurde. Im „Gonik Czenſtochowſki“ ließ der Kommandant der einge- rückten Truppen der Bevölkerung mitteilen, daß in der Stadt alles in der bisherigen Form unter völliger Sicherung der Rechte der Einwohnerſchaft belaſſen werde, bei feindſeligen Vorkommniſſen jedoch die ganze Stadt die Verantwortung zu tragen hätte. Um 10 Uhr vormittags erſchien ein Infanterie- hauptmann in der Magiſtratur der Stadt, wo er beim Präſi- denten des Stadtrates und beim Kommandanten der Bürger- wehr die obigen Anordnungen wiederholte mit dem Hinzu- fügen, daß ruſſiſches Papiergeld als Zahlung bei Strafe an- genommen werden müſſe. Der „Czas“ meldet nach dem Bericht einiger aus Czen- ſtochau eingetroffenen Reiſenden: Mit einem Atemzuge der Erleichterung wurde die preußiſche Kavallerie in Czenſtochau begrüßt. Die preußiſchen Ulanen, unter denen ein großer Prozentſatz Polen war, wurden mit Zigarren, Brot und Waſſer verſorgt. Es wurden ihnen auch Mitteilungen über die Richtung gemacht, in der die ruſſiſche Reiterei ſich entfernt hatte. Die Ulanen nahmen dann auch die Verfolgung auf. Auch vom öſterreichiſch-ruſſiſchen Kriegsſchauplatz hört man nur Erfreuliches. Das Wolffſche Telegraphenbureau ſummiert die Ereigniſſe unterm 10. ds. in nachſtehendem Telegramm: An der

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Christopher Georgi, Susanne Haaf, Manuel Wille, Jurek von Lingen: Bearbeitung und strukturelle Auszeichnung der durch die Grepect GmbH bereitgestellten Texttranskription. (2022-04-08T12:00:00Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Britt-Marie Schuster, Alexander Geyken, Susanne Haaf, Christopher Georgi, Frauke Thielert, Linda Kirsten, t.evo: Die Evolution von komplexen Textmustern: Aufbau eines Korpus historischer Zeitungen zur Untersuchung der Mehrdimensionalität des Textmusterwandels

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Zitationshilfe: Allgemeine Zeitung, Nr. 33, 15. August 1914, S. 512. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/nn_allgemeine33_1914/6>, abgerufen am 16.04.2024.