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Allgemeine Zeitung, Nr. 43, 24. Oktober 1914.

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[Spaltenumbruch] Während der Belagerung griffen auch unsere größten Haubitzen
ein, die zweimal mit der Feldbahn an bedrohte Punkte gebracht
wurden. In Reserve standen ferner 18 Zentimeter-Haubitzen, die
bei dem erwähnten russischen Ueberfall auf das Fort Siedlicka in
der Nacht mit einer rasch erbauten Feldbahn herangebracht wurden.
Die russischen Reserven wurden aus der Deckung beschossen und
fast völlig vernichtet. Besonders bewährten sich unser Mörser. Eine
Ballonabteilung der Festung konnte einmal beobachten, daß von
den anstürmenden russischen Kompagnien nur 7 Mann übrig
blieben. Der Artilleriestab der russischen Belagerungsarmee wurde
durch einen Mörserschuß, obwohl dieser 50 Meter zu kurz war,
zu Staub zermalmt. Die Russen stellten hinter ihren eigenen stür-
menden Truppen Maschinengewehre auf und knallten die eigenen
Mannschaften nieder, wenn sie zurückweichen wollten. Die Obduk-
tion der russischen Leichen ergab, daß unter der Belagerungsarmee
Nahrungsmangel herrschte.
Der Berichterstatter der "Reichspost" schildert das Totenfeld
vor Przemysl folgendermaßen: Es ist ungeheuer, wie viele Tote
die Russen vor Przemysl gelassen haben. Ich sah dort Massen-
gräber von riesiger Ausdehnung. Trotzdem liegen noch Tausende
ungeborgener Leichen auf den Feldern. Weithin hat der Tod
Vernichtung gesät, so weit wir sahen. Wir haben geschanzt, was
wir konnten, aber für Tausende von Armen gab es dort noch
Arbeit, um die breiten Spuren des tausendfachen Todes zu be-
seitigen.
Die Stürme der Russen sind schon vor den ersten Verhauen
Przemysls zusammengebrochen. Achtmal setzten die neuerlichen
Angriffe an, achtmal erstarb der Sturm in dem vernichtenden Feuer,
das sie empfing. Auf dem Felde fanden wir weithin im Umkreise
die Abzeichen des 127. russischen Infanterie-Regiments, das zu-
grunde gegangen ist.
Uebereinstimmend melden die Kriegsberichterstatter, daß die
Russen jeden Versuch der Verteidiger, die russischen Leichen auf
dem Festungsglacis zu begraben, durch heftiges Schrapnellfeuer
verhinderten, augenscheinlich um eine Verpestung der Luft herbei-
zuführen und den Aufenthalt in der Festung dadurch unmöglich
zu machen.

Serbien gibt natürlich den kulturlichen Taten unserer belgi-
schen, französischen und englischen Feinde in nichts nach, scheinen
sie ja geradezu das Vorbild für sie abgegeben zu haben. Eine
dafür bezeichnende Meldung verbreitet das Wolffsche Bureau aus
Sofia unterm 16. d. M.:

Das Organ Geschows, "Mir", veröffentlicht eine Korrespondenz
aus Nisch, wonach die dortigen österreichischen Gefangenen durch-
weg Slawen seien. Ein serbischer Offizier habe auf die Frage
eines Korrespondenten ausgeführt, die nichtslawischen Gefangenen,
Magyaren und Deutschen, seien auf dem Wege nach Nisch er-
schossen worden. Unter den österreichischen Verwundeten in Nisch
befinden sich zahlreiche Sanitätssoldaten.

Feldzeugmeister Potiorek fühlte sich durch serbische Lügen-
meldungen zu nachstehender amtlichen Feststellung veranlaßt:

Die serbische Presse verbreitet in den letzten Tagen eine Reihe
von Siegesnachrichten, die vielleicht im Bereich ihrer Wünsche ge-
legen sind, die aber mit den tatsächlichen Verhältnissen in völligem
Widerspruch stehen und auf nachstehendes reduziert werden müssen:

1. Der angebliche Sieg bei Wurjacica war eine durch das
Hochwasser der Drina bedingte, nicht aber durch einen serbischen
Angriff erzwungene Räumung eines überschwemmten kleinen
Brückenkopfes, dem an und für sich keine ernstliche Bedeutung zu-
kam. 2. Am Gucevo-Rücken spielen sich infolge der großen Nähe
der dort befindlichen Kampflinien fast täglich Kämpfe ab, in denen
bald die Serben und bald die eigenen Truppen die Angreifenden
sind. Eine sonderliche Bedeutung kommt diesen Kämpfen nicht zu.
Daher sind auch die serbischen Nachrichten von großen Erfolgen
am Gucevo-Rücken Entstellungen der Tatsachen. Dagegen ver-
schweigt aber der Gegner, daß am selben Tage, an welchem der
"glänzende Sieg" am Gucevo-Rücken errungen wurde, weiter süd-
lich ein viel ernsterer, durch Artillerie unterstützter serbischer Angriff
blutig abgewiesen wurde. 3. Auf dem Romanjo Planina setzt die
von den Serben angeblich geschlagene Division eben die Säuberungs-
aktion fort. Teile derselben haben am 13. Oktober in bravourösen
Kämpfen drei bis vier serbische Bataillone zersprengt und zahl-
reiche in den Wäldern herumirrende Soldaten und Offiziere ge-
fangen.

[Spaltenumbruch]

Dadurch ist die serbische Kriegsberichterstattung zur Genüge
charakterisiert und bedarf keines weiteren Kommentars.


Ueber die Ereignisse in der Adria wurde dem österreichischen
Armee-Kommandeur gemeldet: Am Morgen des 17. d. M. fand
seewärts von der Spitze von Ostro ein Scharmützel zwischen ein-
zelnen Torpedo- und Unterseebooten nebst einem Luftfahrzeug und
dem französischen Kreuzer "Waldeck Rousseau" statt. Trotzdem
der Kreuzer unsere angreifenden Schiffe beschoß, rückten sie unver-
sehrt ein. Die Leuchtfeuer von Ostro wurden von dem französischen
Kreuzer ebenfalls beschossen, doch nur leicht beschädigt. Die wei-
teren seewärts beobachteten französischen Schiffe verließen nach
Sichtung der Unterseeboote schleunigst unsere Gewässer. Die eigenen
Torpedofahrzeuge unternahmen früh morgens einen Raid auf den
Hafen von Antivari und zerstörten aus nächster Nähe einige
Magazine und beladene Waggone durch Geschützfeuer.

Die französische Flotte vor Antivari.

"Giornale d'Italia" meldet aus Antivari: Am 17. Oktober
vormittags traf vor Antivari der französische Dampfer "Liamone"
mit Munition für schwere Artillerie und Aeroplanen ein. Als man
an die Ausschiffung ging, kam ein österreichischer Aeroplan, der
zwei Bomben schleuderte, die keinen Schaden anrichteten. Gegen
Sonnenuntergang, als die "Liamone" auf die hohe See fuhr,
warf ein österreichischer Aeroplan zwei weitere Bomben und eine
Büchse mit Dynamit, aber auch diese verursachten keinen Schaden.

Am 18. Oktober vormittags fand ein Unternehmen statt, das
in Anbetracht der Nähe der französischen Flotte in der Tat sehr
bemerkenswert ist und kühn war. Um 3.35 Uhr in der Früh ver-
ließen zwei österreichische Schiffe die Bucht von Cattaro, drangen
mit ausgelöschten Lichtern in den Hafen von Antivari ein und bom-
bardierten ihn heftig, in der Absicht, die Speicher des Hafens zu
zerstören. Dann entfernten sie sich unbeschädigt nach Punta Dostro.


Der Prozeß Princip beweist immer mehr, daß die
Wurzeln der Mordtat in Serajewo in Serbien liegen, was ja
insofern nichts neues ist, als schon das österreichische Ultimatum
an Serbien das gleiche Ergebnis der Voruntersuchung verwertet
hat. Nun wird aus Serajewo vom 16. d. M. weiter gemeldet:

In dem weiteren Verhöre gab der Angeklagte Vaso Cubrilo-
vic an, er habe von einer persönlichen Beteiligung an dem An-
schlag, bei dem auch ihm eine bestimmte Rolle zugewiesen war,
wegen der Anwesenheit der Herzogin von Hohenberg, die er nicht
töten wollte, abgesehen. Der Angeklagte Cojetko Popovic, Hörer
einer Lehrervorbereitungsanstalt, gibt an, von Cubrilovic zur
Teilnahme an dem Attentat aufgefordert worden zu sein und von
Illio den Revolver erhalten zu haben. Im entscheidenden Augen-
blick fehlte ihm jedoch der Mut.

Nach den genauen Angaben der Angeklagten steht die Teil-
nahme der Belgrader amtlichen Kreise an der revolutionären Pro-
paganda in Bosnien unwiderleglich fest, ebenso die Herkunft der
Bomben und Waffen aus serbischer Quelle.

Die österreichischen Motorbatterien.

Neben den Kruppschen 42-cm-Mörsern waren die österreichischen
Motormörser-Batterien die wichtigste artilleristische Ueberraschung, die
der Krieg mit sich gebracht hat. Ueber die Konstruktion und Verwen-
dung dieser Motorbatterien teilt die Wiener offiziöse "Korrespondenz
Wilhelm" eine Reihe von Einzelheiten mit, von denen wir folgende
hervorheben:

"Auf den voraussichtlichen Kriegsschauplätzen, welche für Oester-
reich-Ungarn in Betracht kommen, ist das Eisenbahnnetz sehr schütter
und die für einen Angriff in Betracht kommenden Festungen liegen
meist weit im Feindesland, so daß man sich entschließen mußte, An-
griffsgeschütze zu bauen, welche ganz unabhängig von den Eisenbah-
nen auf jeder Straße fortbewegt werden können. Man entschloß sich
deshalb zum Motorzug, zur Fortbewegung dieser schweren Geschütze
durch automobile Zugwagen. Auf Grund der durchgeführten Unter-
suchungen ergab sich, daß ein Rohr von 30.5 Zentimeter das maximale
Kaliber darstellt, welches für die gegebenen Bedingungen in Betracht
gezogen werden kann, und so entstand der 30.5 Zentimeter-Mörser
der Heeresverwaltung, welcher von den Skoda-Werken, A.-G. in
Seite 620. Allgemeine Zeitung 23. Oktober 1914.


[Spaltenumbruch] Während der Belagerung griffen auch unſere größten Haubitzen
ein, die zweimal mit der Feldbahn an bedrohte Punkte gebracht
wurden. In Reſerve ſtanden ferner 18 Zentimeter-Haubitzen, die
bei dem erwähnten ruſſiſchen Ueberfall auf das Fort Siedlicka in
der Nacht mit einer raſch erbauten Feldbahn herangebracht wurden.
Die ruſſiſchen Reſerven wurden aus der Deckung beſchoſſen und
faſt völlig vernichtet. Beſonders bewährten ſich unſer Mörſer. Eine
Ballonabteilung der Feſtung konnte einmal beobachten, daß von
den anſtürmenden ruſſiſchen Kompagnien nur 7 Mann übrig
blieben. Der Artillerieſtab der ruſſiſchen Belagerungsarmee wurde
durch einen Mörſerſchuß, obwohl dieſer 50 Meter zu kurz war,
zu Staub zermalmt. Die Ruſſen ſtellten hinter ihren eigenen ſtür-
menden Truppen Maſchinengewehre auf und knallten die eigenen
Mannſchaften nieder, wenn ſie zurückweichen wollten. Die Obduk-
tion der ruſſiſchen Leichen ergab, daß unter der Belagerungsarmee
Nahrungsmangel herrſchte.
Der Berichterſtatter der „Reichspoſt“ ſchildert das Totenfeld
vor Przemysl folgendermaßen: Es iſt ungeheuer, wie viele Tote
die Ruſſen vor Przemysl gelaſſen haben. Ich ſah dort Maſſen-
gräber von rieſiger Ausdehnung. Trotzdem liegen noch Tauſende
ungeborgener Leichen auf den Feldern. Weithin hat der Tod
Vernichtung geſät, ſo weit wir ſahen. Wir haben geſchanzt, was
wir konnten, aber für Tauſende von Armen gab es dort noch
Arbeit, um die breiten Spuren des tauſendfachen Todes zu be-
ſeitigen.
Die Stürme der Ruſſen ſind ſchon vor den erſten Verhauen
Przemysls zuſammengebrochen. Achtmal ſetzten die neuerlichen
Angriffe an, achtmal erſtarb der Sturm in dem vernichtenden Feuer,
das ſie empfing. Auf dem Felde fanden wir weithin im Umkreiſe
die Abzeichen des 127. ruſſiſchen Infanterie-Regiments, das zu-
grunde gegangen iſt.
Uebereinſtimmend melden die Kriegsberichterſtatter, daß die
Ruſſen jeden Verſuch der Verteidiger, die ruſſiſchen Leichen auf
dem Feſtungsglacis zu begraben, durch heftiges Schrapnellfeuer
verhinderten, augenſcheinlich um eine Verpeſtung der Luft herbei-
zuführen und den Aufenthalt in der Feſtung dadurch unmöglich
zu machen.

Serbien gibt natürlich den kulturlichen Taten unſerer belgi-
ſchen, franzöſiſchen und engliſchen Feinde in nichts nach, ſcheinen
ſie ja geradezu das Vorbild für ſie abgegeben zu haben. Eine
dafür bezeichnende Meldung verbreitet das Wolffſche Bureau aus
Sofia unterm 16. d. M.:

Das Organ Geſchows, „Mir“, veröffentlicht eine Korreſpondenz
aus Niſch, wonach die dortigen öſterreichiſchen Gefangenen durch-
weg Slawen ſeien. Ein ſerbiſcher Offizier habe auf die Frage
eines Korreſpondenten ausgeführt, die nichtſlawiſchen Gefangenen,
Magyaren und Deutſchen, ſeien auf dem Wege nach Niſch er-
ſchoſſen worden. Unter den öſterreichiſchen Verwundeten in Niſch
befinden ſich zahlreiche Sanitätsſoldaten.

Feldzeugmeiſter Potiorek fühlte ſich durch ſerbiſche Lügen-
meldungen zu nachſtehender amtlichen Feſtſtellung veranlaßt:

Die ſerbiſche Preſſe verbreitet in den letzten Tagen eine Reihe
von Siegesnachrichten, die vielleicht im Bereich ihrer Wünſche ge-
legen ſind, die aber mit den tatſächlichen Verhältniſſen in völligem
Widerſpruch ſtehen und auf nachſtehendes reduziert werden müſſen:

1. Der angebliche Sieg bei Wurjacica war eine durch das
Hochwaſſer der Drina bedingte, nicht aber durch einen ſerbiſchen
Angriff erzwungene Räumung eines überſchwemmten kleinen
Brückenkopfes, dem an und für ſich keine ernſtliche Bedeutung zu-
kam. 2. Am Gucevo-Rücken ſpielen ſich infolge der großen Nähe
der dort befindlichen Kampflinien faſt täglich Kämpfe ab, in denen
bald die Serben und bald die eigenen Truppen die Angreifenden
ſind. Eine ſonderliche Bedeutung kommt dieſen Kämpfen nicht zu.
Daher ſind auch die ſerbiſchen Nachrichten von großen Erfolgen
am Gucevo-Rücken Entſtellungen der Tatſachen. Dagegen ver-
ſchweigt aber der Gegner, daß am ſelben Tage, an welchem der
„glänzende Sieg“ am Gucevo-Rücken errungen wurde, weiter ſüd-
lich ein viel ernſterer, durch Artillerie unterſtützter ſerbiſcher Angriff
blutig abgewieſen wurde. 3. Auf dem Romanjo Planina ſetzt die
von den Serben angeblich geſchlagene Diviſion eben die Säuberungs-
aktion fort. Teile derſelben haben am 13. Oktober in bravouröſen
Kämpfen drei bis vier ſerbiſche Bataillone zerſprengt und zahl-
reiche in den Wäldern herumirrende Soldaten und Offiziere ge-
fangen.

[Spaltenumbruch]

Dadurch iſt die ſerbiſche Kriegsberichterſtattung zur Genüge
charakteriſiert und bedarf keines weiteren Kommentars.


Ueber die Ereigniſſe in der Adria wurde dem öſterreichiſchen
Armee-Kommandeur gemeldet: Am Morgen des 17. d. M. fand
ſeewärts von der Spitze von Oſtro ein Scharmützel zwiſchen ein-
zelnen Torpedo- und Unterſeebooten nebſt einem Luftfahrzeug und
dem franzöſiſchen Kreuzer „Waldeck Rouſſeau“ ſtatt. Trotzdem
der Kreuzer unſere angreifenden Schiffe beſchoß, rückten ſie unver-
ſehrt ein. Die Leuchtfeuer von Oſtro wurden von dem franzöſiſchen
Kreuzer ebenfalls beſchoſſen, doch nur leicht beſchädigt. Die wei-
teren ſeewärts beobachteten franzöſiſchen Schiffe verließen nach
Sichtung der Unterſeeboote ſchleunigſt unſere Gewäſſer. Die eigenen
Torpedofahrzeuge unternahmen früh morgens einen Raid auf den
Hafen von Antivari und zerſtörten aus nächſter Nähe einige
Magazine und beladene Waggone durch Geſchützfeuer.

Die franzöſiſche Flotte vor Antivari.

„Giornale d’Italia“ meldet aus Antivari: Am 17. Oktober
vormittags traf vor Antivari der franzöſiſche Dampfer „Liamone“
mit Munition für ſchwere Artillerie und Aeroplanen ein. Als man
an die Ausſchiffung ging, kam ein öſterreichiſcher Aeroplan, der
zwei Bomben ſchleuderte, die keinen Schaden anrichteten. Gegen
Sonnenuntergang, als die „Liamone“ auf die hohe See fuhr,
warf ein öſterreichiſcher Aeroplan zwei weitere Bomben und eine
Büchſe mit Dynamit, aber auch dieſe verurſachten keinen Schaden.

Am 18. Oktober vormittags fand ein Unternehmen ſtatt, das
in Anbetracht der Nähe der franzöſiſchen Flotte in der Tat ſehr
bemerkenswert iſt und kühn war. Um 3.35 Uhr in der Früh ver-
ließen zwei öſterreichiſche Schiffe die Bucht von Cattaro, drangen
mit ausgelöſchten Lichtern in den Hafen von Antivari ein und bom-
bardierten ihn heftig, in der Abſicht, die Speicher des Hafens zu
zerſtören. Dann entfernten ſie ſich unbeſchädigt nach Punta Doſtro.


Der Prozeß Princip beweiſt immer mehr, daß die
Wurzeln der Mordtat in Serajewo in Serbien liegen, was ja
inſofern nichts neues iſt, als ſchon das öſterreichiſche Ultimatum
an Serbien das gleiche Ergebnis der Vorunterſuchung verwertet
hat. Nun wird aus Serajewo vom 16. d. M. weiter gemeldet:

In dem weiteren Verhöre gab der Angeklagte Vaſo Cubrilo-
vic an, er habe von einer perſönlichen Beteiligung an dem An-
ſchlag, bei dem auch ihm eine beſtimmte Rolle zugewieſen war,
wegen der Anweſenheit der Herzogin von Hohenberg, die er nicht
töten wollte, abgeſehen. Der Angeklagte Cojetko Popovic, Hörer
einer Lehrervorbereitungsanſtalt, gibt an, von Cubrilovic zur
Teilnahme an dem Attentat aufgefordert worden zu ſein und von
Illio den Revolver erhalten zu haben. Im entſcheidenden Augen-
blick fehlte ihm jedoch der Mut.

Nach den genauen Angaben der Angeklagten ſteht die Teil-
nahme der Belgrader amtlichen Kreiſe an der revolutionären Pro-
paganda in Bosnien unwiderleglich feſt, ebenſo die Herkunft der
Bomben und Waffen aus ſerbiſcher Quelle.

Die öſterreichiſchen Motorbatterien.

Neben den Kruppſchen 42-cm-Mörſern waren die öſterreichiſchen
Motormörſer-Batterien die wichtigſte artilleriſtiſche Ueberraſchung, die
der Krieg mit ſich gebracht hat. Ueber die Konſtruktion und Verwen-
dung dieſer Motorbatterien teilt die Wiener offiziöſe „Korreſpondenz
Wilhelm“ eine Reihe von Einzelheiten mit, von denen wir folgende
hervorheben:

„Auf den vorausſichtlichen Kriegsſchauplätzen, welche für Oeſter-
reich-Ungarn in Betracht kommen, iſt das Eiſenbahnnetz ſehr ſchütter
und die für einen Angriff in Betracht kommenden Feſtungen liegen
meiſt weit im Feindesland, ſo daß man ſich entſchließen mußte, An-
griffsgeſchütze zu bauen, welche ganz unabhängig von den Eiſenbah-
nen auf jeder Straße fortbewegt werden können. Man entſchloß ſich
deshalb zum Motorzug, zur Fortbewegung dieſer ſchweren Geſchütze
durch automobile Zugwagen. Auf Grund der durchgeführten Unter-
ſuchungen ergab ſich, daß ein Rohr von 30.5 Zentimeter das maximale
Kaliber darſtellt, welches für die gegebenen Bedingungen in Betracht
gezogen werden kann, und ſo entſtand der 30.5 Zentimeter-Mörſer
der Heeresverwaltung, welcher von den Skoda-Werken, A.-G. in
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[620/0004] Seite 620. Allgemeine Zeitung 23. Oktober 1914. Während der Belagerung griffen auch unſere größten Haubitzen ein, die zweimal mit der Feldbahn an bedrohte Punkte gebracht wurden. In Reſerve ſtanden ferner 18 Zentimeter-Haubitzen, die bei dem erwähnten ruſſiſchen Ueberfall auf das Fort Siedlicka in der Nacht mit einer raſch erbauten Feldbahn herangebracht wurden. Die ruſſiſchen Reſerven wurden aus der Deckung beſchoſſen und faſt völlig vernichtet. Beſonders bewährten ſich unſer Mörſer. Eine Ballonabteilung der Feſtung konnte einmal beobachten, daß von den anſtürmenden ruſſiſchen Kompagnien nur 7 Mann übrig blieben. Der Artillerieſtab der ruſſiſchen Belagerungsarmee wurde durch einen Mörſerſchuß, obwohl dieſer 50 Meter zu kurz war, zu Staub zermalmt. Die Ruſſen ſtellten hinter ihren eigenen ſtür- menden Truppen Maſchinengewehre auf und knallten die eigenen Mannſchaften nieder, wenn ſie zurückweichen wollten. Die Obduk- tion der ruſſiſchen Leichen ergab, daß unter der Belagerungsarmee Nahrungsmangel herrſchte. Der Berichterſtatter der „Reichspoſt“ ſchildert das Totenfeld vor Przemysl folgendermaßen: Es iſt ungeheuer, wie viele Tote die Ruſſen vor Przemysl gelaſſen haben. Ich ſah dort Maſſen- gräber von rieſiger Ausdehnung. Trotzdem liegen noch Tauſende ungeborgener Leichen auf den Feldern. Weithin hat der Tod Vernichtung geſät, ſo weit wir ſahen. Wir haben geſchanzt, was wir konnten, aber für Tauſende von Armen gab es dort noch Arbeit, um die breiten Spuren des tauſendfachen Todes zu be- ſeitigen. Die Stürme der Ruſſen ſind ſchon vor den erſten Verhauen Przemysls zuſammengebrochen. Achtmal ſetzten die neuerlichen Angriffe an, achtmal erſtarb der Sturm in dem vernichtenden Feuer, das ſie empfing. Auf dem Felde fanden wir weithin im Umkreiſe die Abzeichen des 127. ruſſiſchen Infanterie-Regiments, das zu- grunde gegangen iſt. Uebereinſtimmend melden die Kriegsberichterſtatter, daß die Ruſſen jeden Verſuch der Verteidiger, die ruſſiſchen Leichen auf dem Feſtungsglacis zu begraben, durch heftiges Schrapnellfeuer verhinderten, augenſcheinlich um eine Verpeſtung der Luft herbei- zuführen und den Aufenthalt in der Feſtung dadurch unmöglich zu machen. Serbien gibt natürlich den kulturlichen Taten unſerer belgi- ſchen, franzöſiſchen und engliſchen Feinde in nichts nach, ſcheinen ſie ja geradezu das Vorbild für ſie abgegeben zu haben. Eine dafür bezeichnende Meldung verbreitet das Wolffſche Bureau aus Sofia unterm 16. d. M.: Das Organ Geſchows, „Mir“, veröffentlicht eine Korreſpondenz aus Niſch, wonach die dortigen öſterreichiſchen Gefangenen durch- weg Slawen ſeien. Ein ſerbiſcher Offizier habe auf die Frage eines Korreſpondenten ausgeführt, die nichtſlawiſchen Gefangenen, Magyaren und Deutſchen, ſeien auf dem Wege nach Niſch er- ſchoſſen worden. Unter den öſterreichiſchen Verwundeten in Niſch befinden ſich zahlreiche Sanitätsſoldaten. Feldzeugmeiſter Potiorek fühlte ſich durch ſerbiſche Lügen- meldungen zu nachſtehender amtlichen Feſtſtellung veranlaßt: Die ſerbiſche Preſſe verbreitet in den letzten Tagen eine Reihe von Siegesnachrichten, die vielleicht im Bereich ihrer Wünſche ge- legen ſind, die aber mit den tatſächlichen Verhältniſſen in völligem Widerſpruch ſtehen und auf nachſtehendes reduziert werden müſſen: 1. Der angebliche Sieg bei Wurjacica war eine durch das Hochwaſſer der Drina bedingte, nicht aber durch einen ſerbiſchen Angriff erzwungene Räumung eines überſchwemmten kleinen Brückenkopfes, dem an und für ſich keine ernſtliche Bedeutung zu- kam. 2. Am Gucevo-Rücken ſpielen ſich infolge der großen Nähe der dort befindlichen Kampflinien faſt täglich Kämpfe ab, in denen bald die Serben und bald die eigenen Truppen die Angreifenden ſind. Eine ſonderliche Bedeutung kommt dieſen Kämpfen nicht zu. Daher ſind auch die ſerbiſchen Nachrichten von großen Erfolgen am Gucevo-Rücken Entſtellungen der Tatſachen. Dagegen ver- ſchweigt aber der Gegner, daß am ſelben Tage, an welchem der „glänzende Sieg“ am Gucevo-Rücken errungen wurde, weiter ſüd- lich ein viel ernſterer, durch Artillerie unterſtützter ſerbiſcher Angriff blutig abgewieſen wurde. 3. Auf dem Romanjo Planina ſetzt die von den Serben angeblich geſchlagene Diviſion eben die Säuberungs- aktion fort. Teile derſelben haben am 13. Oktober in bravouröſen Kämpfen drei bis vier ſerbiſche Bataillone zerſprengt und zahl- reiche in den Wäldern herumirrende Soldaten und Offiziere ge- fangen. Dadurch iſt die ſerbiſche Kriegsberichterſtattung zur Genüge charakteriſiert und bedarf keines weiteren Kommentars. Ueber die Ereigniſſe in der Adria wurde dem öſterreichiſchen Armee-Kommandeur gemeldet: Am Morgen des 17. d. M. fand ſeewärts von der Spitze von Oſtro ein Scharmützel zwiſchen ein- zelnen Torpedo- und Unterſeebooten nebſt einem Luftfahrzeug und dem franzöſiſchen Kreuzer „Waldeck Rouſſeau“ ſtatt. Trotzdem der Kreuzer unſere angreifenden Schiffe beſchoß, rückten ſie unver- ſehrt ein. Die Leuchtfeuer von Oſtro wurden von dem franzöſiſchen Kreuzer ebenfalls beſchoſſen, doch nur leicht beſchädigt. Die wei- teren ſeewärts beobachteten franzöſiſchen Schiffe verließen nach Sichtung der Unterſeeboote ſchleunigſt unſere Gewäſſer. Die eigenen Torpedofahrzeuge unternahmen früh morgens einen Raid auf den Hafen von Antivari und zerſtörten aus nächſter Nähe einige Magazine und beladene Waggone durch Geſchützfeuer. Die franzöſiſche Flotte vor Antivari. „Giornale d’Italia“ meldet aus Antivari: Am 17. Oktober vormittags traf vor Antivari der franzöſiſche Dampfer „Liamone“ mit Munition für ſchwere Artillerie und Aeroplanen ein. Als man an die Ausſchiffung ging, kam ein öſterreichiſcher Aeroplan, der zwei Bomben ſchleuderte, die keinen Schaden anrichteten. Gegen Sonnenuntergang, als die „Liamone“ auf die hohe See fuhr, warf ein öſterreichiſcher Aeroplan zwei weitere Bomben und eine Büchſe mit Dynamit, aber auch dieſe verurſachten keinen Schaden. Am 18. Oktober vormittags fand ein Unternehmen ſtatt, das in Anbetracht der Nähe der franzöſiſchen Flotte in der Tat ſehr bemerkenswert iſt und kühn war. Um 3.35 Uhr in der Früh ver- ließen zwei öſterreichiſche Schiffe die Bucht von Cattaro, drangen mit ausgelöſchten Lichtern in den Hafen von Antivari ein und bom- bardierten ihn heftig, in der Abſicht, die Speicher des Hafens zu zerſtören. Dann entfernten ſie ſich unbeſchädigt nach Punta Doſtro. Der Prozeß Princip beweiſt immer mehr, daß die Wurzeln der Mordtat in Serajewo in Serbien liegen, was ja inſofern nichts neues iſt, als ſchon das öſterreichiſche Ultimatum an Serbien das gleiche Ergebnis der Vorunterſuchung verwertet hat. Nun wird aus Serajewo vom 16. d. M. weiter gemeldet: In dem weiteren Verhöre gab der Angeklagte Vaſo Cubrilo- vic an, er habe von einer perſönlichen Beteiligung an dem An- ſchlag, bei dem auch ihm eine beſtimmte Rolle zugewieſen war, wegen der Anweſenheit der Herzogin von Hohenberg, die er nicht töten wollte, abgeſehen. Der Angeklagte Cojetko Popovic, Hörer einer Lehrervorbereitungsanſtalt, gibt an, von Cubrilovic zur Teilnahme an dem Attentat aufgefordert worden zu ſein und von Illio den Revolver erhalten zu haben. Im entſcheidenden Augen- blick fehlte ihm jedoch der Mut. Nach den genauen Angaben der Angeklagten ſteht die Teil- nahme der Belgrader amtlichen Kreiſe an der revolutionären Pro- paganda in Bosnien unwiderleglich feſt, ebenſo die Herkunft der Bomben und Waffen aus ſerbiſcher Quelle. Die öſterreichiſchen Motorbatterien. Neben den Kruppſchen 42-cm-Mörſern waren die öſterreichiſchen Motormörſer-Batterien die wichtigſte artilleriſtiſche Ueberraſchung, die der Krieg mit ſich gebracht hat. Ueber die Konſtruktion und Verwen- dung dieſer Motorbatterien teilt die Wiener offiziöſe „Korreſpondenz Wilhelm“ eine Reihe von Einzelheiten mit, von denen wir folgende hervorheben: „Auf den vorausſichtlichen Kriegsſchauplätzen, welche für Oeſter- reich-Ungarn in Betracht kommen, iſt das Eiſenbahnnetz ſehr ſchütter und die für einen Angriff in Betracht kommenden Feſtungen liegen meiſt weit im Feindesland, ſo daß man ſich entſchließen mußte, An- griffsgeſchütze zu bauen, welche ganz unabhängig von den Eiſenbah- nen auf jeder Straße fortbewegt werden können. Man entſchloß ſich deshalb zum Motorzug, zur Fortbewegung dieſer ſchweren Geſchütze durch automobile Zugwagen. Auf Grund der durchgeführten Unter- ſuchungen ergab ſich, daß ein Rohr von 30.5 Zentimeter das maximale Kaliber darſtellt, welches für die gegebenen Bedingungen in Betracht gezogen werden kann, und ſo entſtand der 30.5 Zentimeter-Mörſer der Heeresverwaltung, welcher von den Skoda-Werken, A.-G. in

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Britt-Marie Schuster, Alexander Geyken, Susanne Haaf, Christopher Georgi, Frauke Thielert, t.evo: Die Evolution von komplexen Textmustern: Aufbau eines Korpus historischer Zeitungen zur Untersuchung der Mehrdimensionalität des Textmusterwandels

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Zitationshilfe: Allgemeine Zeitung, Nr. 43, 24. Oktober 1914, S. 620. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/nn_allgemeine43_1914/4>, abgerufen am 20.04.2024.