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Allgemeine Zeitung, Nr. 43, 24. Oktober 1914.

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24. Oktober 1914. Allgemeine Zeitung Seite 623.


[Spaltenumbruch] des Aeußern unter dem Ministerpräsidenten Luzzati. Schon da-
mals äußerte sich seine dreibundfreundliche Politik in den Unter-
redungen mit dem Reichskanzler von Bethmann Hollweg und
mit Graf Aehrental. Als am 27. März 1911 Giolitti abermals das
Ministerium übernahm, behielt di San Giuliano das Aeußere.
In der Tripolisfrage, die ja damals aktuell war, war es wohl auch
zum großen Teil di San Giuliano zu verdanken, daß Italien von
der Türkei erreichte, was es wollte, und daß trotzdem nach dem
Friedensschluß (zu Ouchy 18. Oktober 1912) die Beziehungen wieder
sich freundschaftlich gestalteten.

Am 21. Oktober 1912 hatte di San Giuliano eine Zusammen-
kunft mit Graf Berchtold in Pisa, in der eine vollständige Ueber-
einstimmung hinsichtlich der Balkankrise festgestellt wurde.

Nach der Beendigung der Balkankriege beschäftigte sich die
italienische Kammer viel mit dem Gleichgewicht im Mittelmeer.
Der Minister äußerte sich hierzu in einer großen Rede, die er am
22. Februar 1913 in der Kammer hielt. Er legte dar, daß das
Gleichgewicht in der Adria durch das innige Zusammenarbeiten
mit Oesterreich und durch die freundschaftliche Politik Deutschlands
hergestellt worden sei; daß das Mittelmeer als solches die Vor-
herrschaft einer einzelnen Macht in unseren Tagen nicht mehr
brauchen könne, da es ein Durchgangsmeer des Weltverkehrs ge-
worden sei. Diese Rede wurde vielfach als Zurechtweisung Frank-
reichs gedeutet, das gerade damals auf eine überragende Stellung
im Mittelmeer auszugehen schien.

Was uns Deutsche aber vor allem interessiert, ist die Stellung-
nahme di San Giulianos zum Dreibund. Schon bei der vor-
zeitigen Erneuerung des Dreibundes verteidigte er diese in einer
großen Rede in der Kammer am 18. Oktober 1912. Und am
16. Dezember 1913 äußerte er sich wörtlich: "Der eminent fried-
liche, defensive und ohne jede Aenderung erneuerte Dreibund bildet
die solide und sichere Grundlage unserer ganzen auswärtigen
Politik. Unsere Beziehungen mit Deutschland sind so intim und
herzlich, wie man nur wünschen kann. Unsere Beziehungen mit
Oesterreich-Ungarn waren ebenfalls während der ganzen Balkan-
krisis intim und sind es heute noch, und das Verhalten der beiden
Mächte war immer von dem Geiste gegenseitigen Vertrauens und
gegenseitiger Loyalität beseelt. Diese Beziehungen noch intimer
zu machen und sie Schritt für Schritt auf der Grundlage wachsender
Sympathie der Völker zu stärken, ist eines der wichtigsten Ziele."

Die letzten Nachrichten.
Aus dem Westen.

Großes Hauptquartier, 22. Oktober:

Die Kämpfe am Yserkanal dauern noch fort. Elf englische
Kriegsschiffe unterstützen die feindliche Artillerie. Oestlich
Dixmude wurde der Feind zurückgeworfen. Auch in
Richtung Ypern drangen unsere Truppen erfolgreich vor. Die
Kämpfe nordwestlich und westlich von Lille waren sehr erbittert,
der Feind wich aber auf der ganzen Front langsam zurück. Heftige
Angriffe aus Richtung Toul gegen die Höhen südlich Thiaucourt
wurden unter schwersten Verlusten für die Franzosen zurück-
geworfen.

Es ist einwandfrei festgestellt, daß der englische Admiral.
der das Geschwader vor Ostende befehligt, nur mit Mühe von der
Absicht, Ostende zu beschießen, durch die belgischen Behörden
abgebracht wurde.

Paris, 22. Oktober. Die Minister Briand und Sarraut,
die von der Regierung mit besonderem Auftrage nach den Ost-
Departements entsandt wurden, besuchten gestern das Große
Hauptquartier. Sie trafen gestern vormittags in Verdun ein
und begannen die Besichtigu g der während der letzten Kämpfe in
dem dortigen Gebiete von den Deutschen zerstörten Ortschaften.

Aus dem Osten.

22. Oktober:

Auf dem nordöstlichen Kriegsschauplatz folgen Teile unserer
Truppen dem weichenden Gegner in Richtung Ossowiec.
Mehrere hundert Gefangene und Maschinengewehre fielen in
unsere Hände.

Bei Warschau in Polen wurde gestern nach dem unent-
schiedenen Ringen der letzten Tage nicht gekämpft. Die Verhält-
nisse befinden sich dort noch in der Entwicklung.

[Spaltenumbruch]

Wien, 22. Oktober. Amtlich wird verlautbart: In der
Schlacht beiderseits des Strwiaz gelang es uns nun auch, in dem
Raum südlich dieses Flusses unseren Angriff vorwärts zu tragen.
Auf der beherrschenden trigonometrischen Höhe 668 südlich Stary
Sambor wurden zwei hintereinander liegende Verteidigungsstellun-
gen des Feindes genommen. Nordwestlich des genannten Ortes
gelangte unsere Gefechtslinie näher an die Chaussee von Starasol
heran.

Nach den bisherigen Meldungen wurden in den letzten Kämp-
fen 3400 Russen, darunter 25 Offiziere, gefangen genommen und
15 Maschinengewehre erbeutet. In Czernowitz sind unsere Vor-
truppen eingerückt.

Wien, 22. Oktober. Der Kriegskorrespondent der "Neuen
Freien Presse" meldet: Die Kämpfe bei Przemysl und Her-
manowice
dauern in ungeminderter Heftigkeit fort. Die Russen
bekamen anscheinend von Lemberg Verstärkungen und machten
verzweifelte, aber vergebliche Versuche, sich der Höhe von Magiera,
die ihnen am 17. Oktober entrissen worden war, zu bemächtigen.

In der vergangenen Nacht und heute um 6 und 8 Uhr morgens
griffen unsere Artilleriegruppen ein. Auch die schweren Geschütze
der südöstlichen Zwischenbatterinen feuerten heftig. Die Bozener
Landesschützen stürmten mit einer Bravour ohnegleichen und lösten
allein die Aufgabe, die drei Regimentern gestellt war. Man sieht
dem Ende der Kämpfe zuversichtlich entgegen.

Budapest, 22. Oktober. Nach Blättermeldungen sind die
österreichisch-ungarischen Truppen, nachdem sie die Russen aus
Sereth vertrieben hatten, gegen Czernowitz vorgedrungen. Die
Russen haben Czernowitz verlassen und sind in nordwestlicher Rich-
tung abgezogen.

Wien, 21. Oktober. Amtlich wird verlautbart: 21. Oktober,
mittags. In schweren, hartnäckigen Angriffen auf die verstärkten
Stellungen des Feindes von Felsztyn bis an die Chaussee östlich
von Medyka gewannen wir an mehreren Stellen Terrain, wäh-
rend die russischen Gegenangriffe nirgends durchzudringen ver-
mochten. In der vergangenen Nacht erstürmten unsere Truppen
die Kapellenhöhe nördlich von Mizyniec. Südlich von
Magiera gelang es ihnen schon gestern, sich von den eroberten
Ortschaften gegen die Höhen vorzuarbeiten.

Am Südflügel wird der Kampf hauptsächlich von Artillerie
geführt. Durch die weitgehende Anwendung der modernen Feld-
befestigung nimmt die Schlacht größtenteils den Charakter eines
Festungskrieges an. In den Karpathen wurde gestern der
Jablonicapaß, der letzte noch von einer russischen Abteilung
besetzt gewesene Uebergang, von uns genommen. Auf ungarischem
Boden ist kein Feind mehr. Unser Vorrücken in der Bukowina
erreichten den großen Sereth.

England.

Lloyds Agent in Colombo tele-
graphiert an die Admiralität, daß die britischen Dampfer "Chilka",
Trollus", "Benmohr", "Clau", "Grant" und der für Tasmanien
bestimmte Bagger Ponrabbel" von dem deutschen Kreuzer
"Emden" versenkt worden
seien, während der Dampfer
"Exford" gekapert wurde.

General Hans v. Beseler.

Die überaus schnelle Einnahme von Antwerpen, des stärksten
Bollwerks Belgiens, hat den mit der Belagerung dieser Festung
betraut gewesenen General der Infanterie v. Beseler über Nacht
zu einem der gefeiertsten Männer Deutschlands gemacht, sein
Lebenslauf, wie ihn die Berliner "Militär-Zeitung" erhält, wird
daher gewiß auch die Leser unserer Zeitung interessieren.

Hans Beseler ist am 27. April 1850 als Sohn des 1888 zu
Harzburg verstorbenen Geheimen Justizrates und Professors der
Rechte Georg Beseler und dessen Gemahlin Emilie, geb. Karsten
(+ 1900 zu Berlin), in Greifswald geboren, erhielt seine Erziehung
in einer Privatschule zu Greifswald sowie am Kgl. Wilhelms-
Gymnasium in Berlin und trat am 1. April 1868 als Einjährig-
Freiwilliger in das Garde-Pionier-Bataillon. Am 25. September
1868 zum überzähligen Unteroffizier und am 3. November des-
selben Jahres, unter Versetzung zum niederschlesischen Pionier-
Bataillon Nr. 5, zum Portepeefähnrich befördert, besuchte er vom
Februar bis August 1869 die Kriegsschule zu Potsdam, wurde
nach Austritt aus dieser für vorzüglich bestandene Offizierprüfung
belobigt und erhielt am 9. Oktober 1869, unter Ueberweisung zum

24. Oktober 1914. Allgemeine Zeitung Seite 623.


[Spaltenumbruch] des Aeußern unter dem Miniſterpräſidenten Luzzati. Schon da-
mals äußerte ſich ſeine dreibundfreundliche Politik in den Unter-
redungen mit dem Reichskanzler von Bethmann Hollweg und
mit Graf Aehrental. Als am 27. März 1911 Giolitti abermals das
Miniſterium übernahm, behielt di San Giuliano das Aeußere.
In der Tripolisfrage, die ja damals aktuell war, war es wohl auch
zum großen Teil di San Giuliano zu verdanken, daß Italien von
der Türkei erreichte, was es wollte, und daß trotzdem nach dem
Friedensſchluß (zu Ouchy 18. Oktober 1912) die Beziehungen wieder
ſich freundſchaftlich geſtalteten.

Am 21. Oktober 1912 hatte di San Giuliano eine Zuſammen-
kunft mit Graf Berchtold in Piſa, in der eine vollſtändige Ueber-
einſtimmung hinſichtlich der Balkankriſe feſtgeſtellt wurde.

Nach der Beendigung der Balkankriege beſchäftigte ſich die
italieniſche Kammer viel mit dem Gleichgewicht im Mittelmeer.
Der Miniſter äußerte ſich hierzu in einer großen Rede, die er am
22. Februar 1913 in der Kammer hielt. Er legte dar, daß das
Gleichgewicht in der Adria durch das innige Zuſammenarbeiten
mit Oeſterreich und durch die freundſchaftliche Politik Deutſchlands
hergeſtellt worden ſei; daß das Mittelmeer als ſolches die Vor-
herrſchaft einer einzelnen Macht in unſeren Tagen nicht mehr
brauchen könne, da es ein Durchgangsmeer des Weltverkehrs ge-
worden ſei. Dieſe Rede wurde vielfach als Zurechtweiſung Frank-
reichs gedeutet, das gerade damals auf eine überragende Stellung
im Mittelmeer auszugehen ſchien.

Was uns Deutſche aber vor allem intereſſiert, iſt die Stellung-
nahme di San Giulianos zum Dreibund. Schon bei der vor-
zeitigen Erneuerung des Dreibundes verteidigte er dieſe in einer
großen Rede in der Kammer am 18. Oktober 1912. Und am
16. Dezember 1913 äußerte er ſich wörtlich: „Der eminent fried-
liche, defenſive und ohne jede Aenderung erneuerte Dreibund bildet
die ſolide und ſichere Grundlage unſerer ganzen auswärtigen
Politik. Unſere Beziehungen mit Deutſchland ſind ſo intim und
herzlich, wie man nur wünſchen kann. Unſere Beziehungen mit
Oeſterreich-Ungarn waren ebenfalls während der ganzen Balkan-
kriſis intim und ſind es heute noch, und das Verhalten der beiden
Mächte war immer von dem Geiſte gegenſeitigen Vertrauens und
gegenſeitiger Loyalität beſeelt. Dieſe Beziehungen noch intimer
zu machen und ſie Schritt für Schritt auf der Grundlage wachſender
Sympathie der Völker zu ſtärken, iſt eines der wichtigſten Ziele.“

Die letzten Nachrichten.
Aus dem Weſten.

Großes Hauptquartier, 22. Oktober:

Die Kämpfe am Yſerkanal dauern noch fort. Elf engliſche
Kriegsſchiffe unterſtützen die feindliche Artillerie. Oeſtlich
Dixmude wurde der Feind zurückgeworfen. Auch in
Richtung Ypern drangen unſere Truppen erfolgreich vor. Die
Kämpfe nordweſtlich und weſtlich von Lille waren ſehr erbittert,
der Feind wich aber auf der ganzen Front langſam zurück. Heftige
Angriffe aus Richtung Toul gegen die Höhen ſüdlich Thiaucourt
wurden unter ſchwerſten Verluſten für die Franzoſen zurück-
geworfen.

Es iſt einwandfrei feſtgeſtellt, daß der engliſche Admiral.
der das Geſchwader vor Oſtende befehligt, nur mit Mühe von der
Abſicht, Oſtende zu beſchießen, durch die belgiſchen Behörden
abgebracht wurde.

Paris, 22. Oktober. Die Miniſter Briand und Sarraut,
die von der Regierung mit beſonderem Auftrage nach den Oſt-
Departements entſandt wurden, beſuchten geſtern das Große
Hauptquartier. Sie trafen geſtern vormittags in Verdun ein
und begannen die Beſichtigu g der während der letzten Kämpfe in
dem dortigen Gebiete von den Deutſchen zerſtörten Ortſchaften.

Aus dem Oſten.

22. Oktober:

Auf dem nordöſtlichen Kriegsſchauplatz folgen Teile unſerer
Truppen dem weichenden Gegner in Richtung Oſſowiec.
Mehrere hundert Gefangene und Maſchinengewehre fielen in
unſere Hände.

Bei Warſchau in Polen wurde geſtern nach dem unent-
ſchiedenen Ringen der letzten Tage nicht gekämpft. Die Verhält-
niſſe befinden ſich dort noch in der Entwicklung.

[Spaltenumbruch]

Wien, 22. Oktober. Amtlich wird verlautbart: In der
Schlacht beiderſeits des Strwiaz gelang es uns nun auch, in dem
Raum ſüdlich dieſes Fluſſes unſeren Angriff vorwärts zu tragen.
Auf der beherrſchenden trigonometriſchen Höhe 668 ſüdlich Stary
Sambor wurden zwei hintereinander liegende Verteidigungsſtellun-
gen des Feindes genommen. Nordweſtlich des genannten Ortes
gelangte unſere Gefechtslinie näher an die Chauſſee von Staraſol
heran.

Nach den bisherigen Meldungen wurden in den letzten Kämp-
fen 3400 Ruſſen, darunter 25 Offiziere, gefangen genommen und
15 Maſchinengewehre erbeutet. In Czernowitz ſind unſere Vor-
truppen eingerückt.

Wien, 22. Oktober. Der Kriegskorreſpondent der „Neuen
Freien Preſſe“ meldet: Die Kämpfe bei Przemysl und Her-
manowice
dauern in ungeminderter Heftigkeit fort. Die Ruſſen
bekamen anſcheinend von Lemberg Verſtärkungen und machten
verzweifelte, aber vergebliche Verſuche, ſich der Höhe von Magiera,
die ihnen am 17. Oktober entriſſen worden war, zu bemächtigen.

In der vergangenen Nacht und heute um 6 und 8 Uhr morgens
griffen unſere Artilleriegruppen ein. Auch die ſchweren Geſchütze
der ſüdöſtlichen Zwiſchenbatterinen feuerten heftig. Die Bozener
Landesſchützen ſtürmten mit einer Bravour ohnegleichen und löſten
allein die Aufgabe, die drei Regimentern geſtellt war. Man ſieht
dem Ende der Kämpfe zuverſichtlich entgegen.

Budapeſt, 22. Oktober. Nach Blättermeldungen ſind die
öſterreichiſch-ungariſchen Truppen, nachdem ſie die Ruſſen aus
Sereth vertrieben hatten, gegen Czernowitz vorgedrungen. Die
Ruſſen haben Czernowitz verlaſſen und ſind in nordweſtlicher Rich-
tung abgezogen.

Wien, 21. Oktober. Amtlich wird verlautbart: 21. Oktober,
mittags. In ſchweren, hartnäckigen Angriffen auf die verſtärkten
Stellungen des Feindes von Felsztyn bis an die Chauſſee öſtlich
von Medyka gewannen wir an mehreren Stellen Terrain, wäh-
rend die ruſſiſchen Gegenangriffe nirgends durchzudringen ver-
mochten. In der vergangenen Nacht erſtürmten unſere Truppen
die Kapellenhöhe nördlich von Mizyniec. Südlich von
Magiera gelang es ihnen ſchon geſtern, ſich von den eroberten
Ortſchaften gegen die Höhen vorzuarbeiten.

Am Südflügel wird der Kampf hauptſächlich von Artillerie
geführt. Durch die weitgehende Anwendung der modernen Feld-
befeſtigung nimmt die Schlacht größtenteils den Charakter eines
Feſtungskrieges an. In den Karpathen wurde geſtern der
Jablonicapaß, der letzte noch von einer ruſſiſchen Abteilung
beſetzt geweſene Uebergang, von uns genommen. Auf ungariſchem
Boden iſt kein Feind mehr. Unſer Vorrücken in der Bukowina
erreichten den großen Sereth.

England.

Lloyds Agent in Colombo tele-
graphiert an die Admiralität, daß die britiſchen Dampfer „Chilka“,
Trollus“, „Benmohr“, „Clau“, „Grant“ und der für Tasmanien
beſtimmte Bagger Ponrabbel“ von dem deutſchen Kreuzer
„Emden“ verſenkt worden
ſeien, während der Dampfer
Exford“ gekapert wurde.

General Hans v. Beſeler.

Die überaus ſchnelle Einnahme von Antwerpen, des ſtärkſten
Bollwerks Belgiens, hat den mit der Belagerung dieſer Feſtung
betraut geweſenen General der Infanterie v. Beſeler über Nacht
zu einem der gefeiertſten Männer Deutſchlands gemacht, ſein
Lebenslauf, wie ihn die Berliner „Militär-Zeitung“ erhält, wird
daher gewiß auch die Leſer unſerer Zeitung intereſſieren.

Hans Beſeler iſt am 27. April 1850 als Sohn des 1888 zu
Harzburg verſtorbenen Geheimen Juſtizrates und Profeſſors der
Rechte Georg Beſeler und deſſen Gemahlin Emilie, geb. Karſten
(† 1900 zu Berlin), in Greifswald geboren, erhielt ſeine Erziehung
in einer Privatſchule zu Greifswald ſowie am Kgl. Wilhelms-
Gymnaſium in Berlin und trat am 1. April 1868 als Einjährig-
Freiwilliger in das Garde-Pionier-Bataillon. Am 25. September
1868 zum überzähligen Unteroffizier und am 3. November des-
ſelben Jahres, unter Verſetzung zum niederſchleſiſchen Pionier-
Bataillon Nr. 5, zum Portepeefähnrich befördert, beſuchte er vom
Februar bis Auguſt 1869 die Kriegsſchule zu Potsdam, wurde
nach Austritt aus dieſer für vorzüglich beſtandene Offizierprüfung
belobigt und erhielt am 9. Oktober 1869, unter Ueberweiſung zum

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[623/0007] 24. Oktober 1914. Allgemeine Zeitung Seite 623. des Aeußern unter dem Miniſterpräſidenten Luzzati. Schon da- mals äußerte ſich ſeine dreibundfreundliche Politik in den Unter- redungen mit dem Reichskanzler von Bethmann Hollweg und mit Graf Aehrental. Als am 27. März 1911 Giolitti abermals das Miniſterium übernahm, behielt di San Giuliano das Aeußere. In der Tripolisfrage, die ja damals aktuell war, war es wohl auch zum großen Teil di San Giuliano zu verdanken, daß Italien von der Türkei erreichte, was es wollte, und daß trotzdem nach dem Friedensſchluß (zu Ouchy 18. Oktober 1912) die Beziehungen wieder ſich freundſchaftlich geſtalteten. Am 21. Oktober 1912 hatte di San Giuliano eine Zuſammen- kunft mit Graf Berchtold in Piſa, in der eine vollſtändige Ueber- einſtimmung hinſichtlich der Balkankriſe feſtgeſtellt wurde. Nach der Beendigung der Balkankriege beſchäftigte ſich die italieniſche Kammer viel mit dem Gleichgewicht im Mittelmeer. Der Miniſter äußerte ſich hierzu in einer großen Rede, die er am 22. Februar 1913 in der Kammer hielt. Er legte dar, daß das Gleichgewicht in der Adria durch das innige Zuſammenarbeiten mit Oeſterreich und durch die freundſchaftliche Politik Deutſchlands hergeſtellt worden ſei; daß das Mittelmeer als ſolches die Vor- herrſchaft einer einzelnen Macht in unſeren Tagen nicht mehr brauchen könne, da es ein Durchgangsmeer des Weltverkehrs ge- worden ſei. Dieſe Rede wurde vielfach als Zurechtweiſung Frank- reichs gedeutet, das gerade damals auf eine überragende Stellung im Mittelmeer auszugehen ſchien. Was uns Deutſche aber vor allem intereſſiert, iſt die Stellung- nahme di San Giulianos zum Dreibund. Schon bei der vor- zeitigen Erneuerung des Dreibundes verteidigte er dieſe in einer großen Rede in der Kammer am 18. Oktober 1912. Und am 16. Dezember 1913 äußerte er ſich wörtlich: „Der eminent fried- liche, defenſive und ohne jede Aenderung erneuerte Dreibund bildet die ſolide und ſichere Grundlage unſerer ganzen auswärtigen Politik. Unſere Beziehungen mit Deutſchland ſind ſo intim und herzlich, wie man nur wünſchen kann. Unſere Beziehungen mit Oeſterreich-Ungarn waren ebenfalls während der ganzen Balkan- kriſis intim und ſind es heute noch, und das Verhalten der beiden Mächte war immer von dem Geiſte gegenſeitigen Vertrauens und gegenſeitiger Loyalität beſeelt. Dieſe Beziehungen noch intimer zu machen und ſie Schritt für Schritt auf der Grundlage wachſender Sympathie der Völker zu ſtärken, iſt eines der wichtigſten Ziele.“ Die letzten Nachrichten. Aus dem Weſten. Großes Hauptquartier, 22. Oktober: Die Kämpfe am Yſerkanal dauern noch fort. Elf engliſche Kriegsſchiffe unterſtützen die feindliche Artillerie. Oeſtlich Dixmude wurde der Feind zurückgeworfen. Auch in Richtung Ypern drangen unſere Truppen erfolgreich vor. Die Kämpfe nordweſtlich und weſtlich von Lille waren ſehr erbittert, der Feind wich aber auf der ganzen Front langſam zurück. Heftige Angriffe aus Richtung Toul gegen die Höhen ſüdlich Thiaucourt wurden unter ſchwerſten Verluſten für die Franzoſen zurück- geworfen. Es iſt einwandfrei feſtgeſtellt, daß der engliſche Admiral. der das Geſchwader vor Oſtende befehligt, nur mit Mühe von der Abſicht, Oſtende zu beſchießen, durch die belgiſchen Behörden abgebracht wurde. Paris, 22. Oktober. Die Miniſter Briand und Sarraut, die von der Regierung mit beſonderem Auftrage nach den Oſt- Departements entſandt wurden, beſuchten geſtern das Große Hauptquartier. Sie trafen geſtern vormittags in Verdun ein und begannen die Beſichtigu g der während der letzten Kämpfe in dem dortigen Gebiete von den Deutſchen zerſtörten Ortſchaften. Aus dem Oſten. 22. Oktober: Auf dem nordöſtlichen Kriegsſchauplatz folgen Teile unſerer Truppen dem weichenden Gegner in Richtung Oſſowiec. Mehrere hundert Gefangene und Maſchinengewehre fielen in unſere Hände. Bei Warſchau in Polen wurde geſtern nach dem unent- ſchiedenen Ringen der letzten Tage nicht gekämpft. Die Verhält- niſſe befinden ſich dort noch in der Entwicklung. Wien, 22. Oktober. Amtlich wird verlautbart: In der Schlacht beiderſeits des Strwiaz gelang es uns nun auch, in dem Raum ſüdlich dieſes Fluſſes unſeren Angriff vorwärts zu tragen. Auf der beherrſchenden trigonometriſchen Höhe 668 ſüdlich Stary Sambor wurden zwei hintereinander liegende Verteidigungsſtellun- gen des Feindes genommen. Nordweſtlich des genannten Ortes gelangte unſere Gefechtslinie näher an die Chauſſee von Staraſol heran. Nach den bisherigen Meldungen wurden in den letzten Kämp- fen 3400 Ruſſen, darunter 25 Offiziere, gefangen genommen und 15 Maſchinengewehre erbeutet. In Czernowitz ſind unſere Vor- truppen eingerückt. Wien, 22. Oktober. Der Kriegskorreſpondent der „Neuen Freien Preſſe“ meldet: Die Kämpfe bei Przemysl und Her- manowice dauern in ungeminderter Heftigkeit fort. Die Ruſſen bekamen anſcheinend von Lemberg Verſtärkungen und machten verzweifelte, aber vergebliche Verſuche, ſich der Höhe von Magiera, die ihnen am 17. Oktober entriſſen worden war, zu bemächtigen. In der vergangenen Nacht und heute um 6 und 8 Uhr morgens griffen unſere Artilleriegruppen ein. Auch die ſchweren Geſchütze der ſüdöſtlichen Zwiſchenbatterinen feuerten heftig. Die Bozener Landesſchützen ſtürmten mit einer Bravour ohnegleichen und löſten allein die Aufgabe, die drei Regimentern geſtellt war. Man ſieht dem Ende der Kämpfe zuverſichtlich entgegen. Budapeſt, 22. Oktober. Nach Blättermeldungen ſind die öſterreichiſch-ungariſchen Truppen, nachdem ſie die Ruſſen aus Sereth vertrieben hatten, gegen Czernowitz vorgedrungen. Die Ruſſen haben Czernowitz verlaſſen und ſind in nordweſtlicher Rich- tung abgezogen. Wien, 21. Oktober. Amtlich wird verlautbart: 21. Oktober, mittags. In ſchweren, hartnäckigen Angriffen auf die verſtärkten Stellungen des Feindes von Felsztyn bis an die Chauſſee öſtlich von Medyka gewannen wir an mehreren Stellen Terrain, wäh- rend die ruſſiſchen Gegenangriffe nirgends durchzudringen ver- mochten. In der vergangenen Nacht erſtürmten unſere Truppen die Kapellenhöhe nördlich von Mizyniec. Südlich von Magiera gelang es ihnen ſchon geſtern, ſich von den eroberten Ortſchaften gegen die Höhen vorzuarbeiten. Am Südflügel wird der Kampf hauptſächlich von Artillerie geführt. Durch die weitgehende Anwendung der modernen Feld- befeſtigung nimmt die Schlacht größtenteils den Charakter eines Feſtungskrieges an. In den Karpathen wurde geſtern der Jablonicapaß, der letzte noch von einer ruſſiſchen Abteilung beſetzt geweſene Uebergang, von uns genommen. Auf ungariſchem Boden iſt kein Feind mehr. Unſer Vorrücken in der Bukowina erreichten den großen Sereth. England. London, 22. Oktober. Lloyds Agent in Colombo tele- graphiert an die Admiralität, daß die britiſchen Dampfer „Chilka“, Trollus“, „Benmohr“, „Clau“, „Grant“ und der für Tasmanien beſtimmte Bagger Ponrabbel“ von dem deutſchen Kreuzer „Emden“ verſenkt worden ſeien, während der Dampfer „Exford“ gekapert wurde. General Hans v. Beſeler. Die überaus ſchnelle Einnahme von Antwerpen, des ſtärkſten Bollwerks Belgiens, hat den mit der Belagerung dieſer Feſtung betraut geweſenen General der Infanterie v. Beſeler über Nacht zu einem der gefeiertſten Männer Deutſchlands gemacht, ſein Lebenslauf, wie ihn die Berliner „Militär-Zeitung“ erhält, wird daher gewiß auch die Leſer unſerer Zeitung intereſſieren. Hans Beſeler iſt am 27. April 1850 als Sohn des 1888 zu Harzburg verſtorbenen Geheimen Juſtizrates und Profeſſors der Rechte Georg Beſeler und deſſen Gemahlin Emilie, geb. Karſten († 1900 zu Berlin), in Greifswald geboren, erhielt ſeine Erziehung in einer Privatſchule zu Greifswald ſowie am Kgl. Wilhelms- Gymnaſium in Berlin und trat am 1. April 1868 als Einjährig- Freiwilliger in das Garde-Pionier-Bataillon. Am 25. September 1868 zum überzähligen Unteroffizier und am 3. November des- ſelben Jahres, unter Verſetzung zum niederſchleſiſchen Pionier- Bataillon Nr. 5, zum Portepeefähnrich befördert, beſuchte er vom Februar bis Auguſt 1869 die Kriegsſchule zu Potsdam, wurde nach Austritt aus dieſer für vorzüglich beſtandene Offizierprüfung belobigt und erhielt am 9. Oktober 1869, unter Ueberweiſung zum

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Britt-Marie Schuster, Alexander Geyken, Susanne Haaf, Christopher Georgi, Frauke Thielert, t.evo: Die Evolution von komplexen Textmustern: Aufbau eines Korpus historischer Zeitungen zur Untersuchung der Mehrdimensionalität des Textmusterwandels

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Zitationshilfe: Allgemeine Zeitung, Nr. 43, 24. Oktober 1914, S. 623. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/nn_allgemeine43_1914/7>, abgerufen am 18.04.2024.