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Der Arbeitgeber. Nr. 701. Frankfurt a. M., 8. Oktober 1870.

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[Spaltenumbruch] achten eingefordert. Die Baumwollindustrie ( Spinnerei und Weberei ) ,
Färberei und Druckerei, die Wollwaarenfabrikation, Maschinenfabrika-
tion ist nicht unbedeutend im Elsaß. Mühlhausen und Thann sind
in manchen Artikeln sogar sehr hervorragend. Es fragt sich also,
wie dieser Städte Eintritt in den Zollverein unsere [unleserliches Material - 7 Zeichen fehlen]Jndurie beein-
flußt. Ein bedeutendes Geschäft wird u. A. von Sachsen aus mit
den elsäßischen Druckereien gemacht. Die sächsischen Kattune wan-
dern in die elsäßischen Druckereien, werden dort bedruckt und appretirt,
worin die Elsäßer obenan stehen, und gehen dann zum Export weiter.
Ebenso sendet die Schweiz, wie wir vor einiger Zeit mitgetheilt, be-
trächtliche Mengen in das Elsaß, von wo sie mit Hilfe der Aus-
fuhrprämie wieder nach andern Ländern ausgehen und so für die
Elsäßer selbst ein lohnendes Geschäft bilden. Dr. Rentzsch, Se-
kretär der Dresdener Handelskammer, ist bereits mit Ausarbeitung
eines Gutachtens beschäftigt. Dasselbe soll dem Anschlusse günstig
lauten.

* Die französische Abtheilung der Friedensliga in Paris hat
einen Aufruf an das deutsche Volk erlassen, der ebenso naiv ist, wie
Alles, was die Franzosen seit Erklärung der Republik bezüglich des
Krieges von uns verlangt. Das deutsche Volk soll sofort über den
Rhein zurückgehen ( bis Frankfurt? ) , wenn es nicht die Schande des
XIX. Jahrhunderts werden will. -- Die Sache hat übrigens keinen
Anstand, Frankreich braucht nur die Kriegskosten zu zahlen und wir
werden uns sofort zurückziehen, wenn auch nicht hinter den
Rhein!
Wir führen nicht gern Krieg, ein Volk mit allgemeiner
Wehrpflicht wird nie den Krieg lieben, nie einen Eroberungs=Krieg
beginnen. Zahlt und augenblicklich hört der Krieg auf! --

* Salzsteuer. Die Einnahmen des Zollvereins an Salzsteuer
betrugen im 1. und 2. Quartal d. J. 4,316,663 fl. Hiervon
kamen im Norddeutschen Bund 3,084,753 fl. auf, in Bayern
713,475 fl., in Würtemberg 234,820 fl., in Baden 189,238 fl.
und in Hessen 94,375 fl. Nach Verhältniß der Bevölkerung erhal-
ten von dieser Einnahme der Norddeutsche Bund 3,306,210 fl.,
Bayern 541,035 fl., Würtemberg 199,328 fl., Baden 160,674 fl.,
Hessen 63,324 fl. und Luxemburg 22,412 fl.

* Schulwesen. Jn der Rheinpfalz wird geklagt, daß die
höheren Unterrichtsanstalten so schlecht besucht werden. Jn Anbetracht
der intelligenten und begabten Pfälzer Bevölkerung erscheint uns diese
Erscheinung sehr auffallend. Sollte das nicht irgend einen verdeckten
Hacken haben?

* Geld in Frankreich. Die Summe des in Frankreich cir-
kulirenden Geldes beträgt:

An Goldmünzen:
JnStückenzu100Frcs.38,760,500Frcs.-- Cts.
" ""50"45,684,250"--"
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Totale für11,813,802,448 Frcs.10Cts.

* Selbsthilfe. Wir theilten neulich mit, daß die Arbeiter sich
selbst Lohnabzüge machten, um die Familien ihrer Brüder, welche im
Feld stehen, zu unterstützen, und knüpften daran einige harmlose
Bemerkungen, welche das Brünner Handels= und Gewerbeblatt " sal-
bungsvoll " nennt. Wir würden darüber hinausgehen, wenn nicht
gerade dies Prädikat gewählt worden wäre. "Salbungsvoll" -- wer
denkt da nicht an einen sehr dicken Prediger mit sehr niedriger Stirn,
der überall Schmalz hat, nur im Gehirn keins? Der " Arbeit-
geber " und salbungsvoll! Was bei einem "Ehrwürden" als Lob
klingen mag, wird hier offenbar zum Humor. Trotzdem müssen wir
unsere Bemerkungen aufrecht erhalten, selbst wenn sie wirklich nach
Salbung riechen sollten. Wir sagten z. B. unter anderm: Wenn
Schulze=Delitzsch mit seinen Erfolgen gar nicht vorhanden wäre, so
[Spaltenumbruch] könnten wir doch die Arbeiter auf die Juden hinweisen, von denen
es ja bekannt ist, daß sie zusammen halten und sich gegenseitig helfen.
Dazu schreibt das Br. Hdls. u. Gewbl.: was nicht alles herhalten
muß, um das so natürliche Gesetz der Selbsthilfe noch zu
begründen und für Schulze=Delitzsch Propaganda zu machen. Diese
Bemerkung ist heute wenigstens billig. Vor 500 Jahren oder vor
1000 Jahren war das Gesetz der Selbhilfe, resp. der gegenseitigen
Hilfe wohl auch schon natürlich; in praxi wurde es aber nur von
den Juden ausgeübt. Das wollten wir sagen. Was dabei " sal-
bungsvolles " sein soll, können wir nicht erfinden. Sollte der Kriti-
kus über den "Juden" gestolpert sein?

Handel und Verkehr.

* Deutsch = französischer Handelsvertrag. Die Aeltesten der
Berliner Kaufmannschaft haben Vorbesprechungen der Jnteressenten
über die Frage eröffnet, welche Modifikationen des deutsch=französischen
Handelsvertrages bei der voraussichtlichen Erneuerung desselben im
Jnteresse des deutschen und speziell des Berliner Handels wünschens-
werth sind.

* Deutsch = Amerikanischer Handel. Deutschland führte im
Jahr 1869 nach Amerika für45 1 / 4 Millionen Dollars, Amerika
brachte uns dagegegen für39 3 / 4 Millionen. -- Der Export Deutsch-
lands nach den Vereinigten Staaten würde noch größere Dimensionen
annehmen, wenn nicht die hohen Eingangszölle und die Papiervaluta
hinderlich im Wege stünde. Zu den Ersteren tritt noch die rigorose
Anwendung der Zollgesetze von Seiten der Zollbehörden; denn nach
den bestehenden Gesetzen muß der Produzent oder Lieferant der im-
portirten Waare eine von einem amerikanischen Konsul beglaubigte
Faktura einsenden, nach welcher die Waare, soweit sie mit einem
Werthzoll belegt ist, besteuert wird; findet sich in der Faktura nach-
weislich ein geringer Betrag angegeben, als der Verkaufswerth loco
des Ursprungsortes zuzüglich der Fracht und Spesen bis zum Ver-
schiffungsort beträgt, so kann die Waare konfiszirt werden. Bei
vielen Artikeln, welche wie Wein, Manufakturwaaren, sehr erheblichen
Schwankungen je nach der Qualität unterliegt, wird diese Bestim-
mung, wie die Haager Handelskammer in ihrem Jahresbericht her-
vorhebt, in der Hand eines nicht routinirten oder je nachdem auch
selbstsüchtige Nebenzwecke verfolgenden Beamten zu einer wahren
Geißel, unter welcher der Unschuldige unter Umständen mehr leidet,
als Derjenige, der sich des Mittels der Beamtenbestechung bedient.
Hoffentlich macht die Agitation, die in Amerika selbst gegen das
hohe Schutzzollsystem gerichtet ist, diesen Uebelständen und dem von
den amerikanischen Zollbehörden auf dem Kontinent eingeführten
Spioniersystem bald ein Ende.

* Postwesen. Das Gouvernement von Lothringen macht
folgendes bekannt: Die Briefe müssen bis auf Weiteres unverschlossen
aufgegeben werden, für die frankirten Postgegenstände werden Frei-
marken zu 1 Centime ( hellgrün ) , 2 ( dunkelroth ) , 4 ( grau ) , 10
( dunkelgelb ) und 20 Centimes ( hellblau ) benutzt; dieselben tragen
die Ueberschrift Postes und die Bezeichnung ihres Werthes. Der
einfache Brief ( bis zu 15 Grammes ) kostet innerhalb der okkupirten
französischen Landestheile fowie nach dem Gebiete des Norddeutschen
Bundes, nach Bayern, Würtemberg und Baden 10 Centimes,
25 Centimes für jeden schwereren Brief bis zum Maximalgewicht
von 250 Grammes; unfrankirte Briefe erleiden eine Uebertaxe von
15 Centimes.

-- Postverkehr im Elsaß. Jm Generalgouvernement El-
saß sind nach einer Bekanntmachung aus Hagenau vom 9. September
bereits 34 deutsche Postanstalten und Relais errichtet. Es sind fol-
gende Ortschaften damit versehen worden: Benfeld, Bischweiler ( Bisch-
willer ) , Bockenheim, Brumath, Buxweiler ( Bouxwiller ) , Drulingen,
Drusenheim, Hagenau ( Haguenau ) , Hatten, Hochfelden, Jngweiler
( Jngwiller ) , Lauterburg ( Lauterbourg ) , Lützelstein ( Lutzelstein ) , Lem-
bach, Neuweiler ( Neuwiller ) , Niederbronn, Pfaffenhofen, Reichshofen,
Reschwoog ( Reschvoog ) , Sambach, Zabern ( Saverne ) , Seltz ( Soultz ) ,
Süfflenheim ( Soufflenheim ) , Walburg ( Walbourg ) , Wantzenau,
Weißenburg ( Wissembourg ) , Wörth, Saarburg ( Sarreburg ) , Remilly,
Chateau=Salins, Saarguemines ( Sarreguemines ) , Herny und Corny.

[Spaltenumbruch] achten eingefordert. Die Baumwollindustrie ( Spinnerei und Weberei ) ,
Färberei und Druckerei, die Wollwaarenfabrikation, Maschinenfabrika-
tion ist nicht unbedeutend im Elsaß. Mühlhausen und Thann sind
in manchen Artikeln sogar sehr hervorragend. Es fragt sich also,
wie dieser Städte Eintritt in den Zollverein unsere [unleserliches Material – 7 Zeichen fehlen]Jndurie beein-
flußt. Ein bedeutendes Geschäft wird u. A. von Sachsen aus mit
den elsäßischen Druckereien gemacht. Die sächsischen Kattune wan-
dern in die elsäßischen Druckereien, werden dort bedruckt und appretirt,
worin die Elsäßer obenan stehen, und gehen dann zum Export weiter.
Ebenso sendet die Schweiz, wie wir vor einiger Zeit mitgetheilt, be-
trächtliche Mengen in das Elsaß, von wo sie mit Hilfe der Aus-
fuhrprämie wieder nach andern Ländern ausgehen und so für die
Elsäßer selbst ein lohnendes Geschäft bilden. Dr. Rentzsch, Se-
kretär der Dresdener Handelskammer, ist bereits mit Ausarbeitung
eines Gutachtens beschäftigt. Dasselbe soll dem Anschlusse günstig
lauten.

* Die französische Abtheilung der Friedensliga in Paris hat
einen Aufruf an das deutsche Volk erlassen, der ebenso naiv ist, wie
Alles, was die Franzosen seit Erklärung der Republik bezüglich des
Krieges von uns verlangt. Das deutsche Volk soll sofort über den
Rhein zurückgehen ( bis Frankfurt? ) , wenn es nicht die Schande des
XIX. Jahrhunderts werden will. -- Die Sache hat übrigens keinen
Anstand, Frankreich braucht nur die Kriegskosten zu zahlen und wir
werden uns sofort zurückziehen, wenn auch nicht hinter den
Rhein!
Wir führen nicht gern Krieg, ein Volk mit allgemeiner
Wehrpflicht wird nie den Krieg lieben, nie einen Eroberungs=Krieg
beginnen. Zahlt und augenblicklich hört der Krieg auf! --

* Salzsteuer. Die Einnahmen des Zollvereins an Salzsteuer
betrugen im 1. und 2. Quartal d. J. 4,316,663 fl. Hiervon
kamen im Norddeutschen Bund 3,084,753 fl. auf, in Bayern
713,475 fl., in Würtemberg 234,820 fl., in Baden 189,238 fl.
und in Hessen 94,375 fl. Nach Verhältniß der Bevölkerung erhal-
ten von dieser Einnahme der Norddeutsche Bund 3,306,210 fl.,
Bayern 541,035 fl., Würtemberg 199,328 fl., Baden 160,674 fl.,
Hessen 63,324 fl. und Luxemburg 22,412 fl.

* Schulwesen. Jn der Rheinpfalz wird geklagt, daß die
höheren Unterrichtsanstalten so schlecht besucht werden. Jn Anbetracht
der intelligenten und begabten Pfälzer Bevölkerung erscheint uns diese
Erscheinung sehr auffallend. Sollte das nicht irgend einen verdeckten
Hacken haben?

* Geld in Frankreich. Die Summe des in Frankreich cir-
kulirenden Geldes beträgt:

An Goldmünzen:
JnStückenzu100Frcs.38,760,500Frcs.-- Cts.
5045,684,250--
40204,432,360--
205,659,196,200--
10918,630,070--
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An Silbermünzen:
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1126,136,504--
50Cent.68,922,41350
206,575,00960
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Totale für11,813,802,448 Frcs.10Cts.

* Selbsthilfe. Wir theilten neulich mit, daß die Arbeiter sich
selbst Lohnabzüge machten, um die Familien ihrer Brüder, welche im
Feld stehen, zu unterstützen, und knüpften daran einige harmlose
Bemerkungen, welche das Brünner Handels= und Gewerbeblatt „ sal-
bungsvoll “ nennt. Wir würden darüber hinausgehen, wenn nicht
gerade dies Prädikat gewählt worden wäre. „Salbungsvoll“ -- wer
denkt da nicht an einen sehr dicken Prediger mit sehr niedriger Stirn,
der überall Schmalz hat, nur im Gehirn keins? Der „ Arbeit-
geber “ und salbungsvoll! Was bei einem „Ehrwürden“ als Lob
klingen mag, wird hier offenbar zum Humor. Trotzdem müssen wir
unsere Bemerkungen aufrecht erhalten, selbst wenn sie wirklich nach
Salbung riechen sollten. Wir sagten z. B. unter anderm: Wenn
Schulze=Delitzsch mit seinen Erfolgen gar nicht vorhanden wäre, so
[Spaltenumbruch] könnten wir doch die Arbeiter auf die Juden hinweisen, von denen
es ja bekannt ist, daß sie zusammen halten und sich gegenseitig helfen.
Dazu schreibt das Br. Hdls. u. Gewbl.: was nicht alles herhalten
muß, um das so natürliche Gesetz der Selbsthilfe noch zu
begründen und für Schulze=Delitzsch Propaganda zu machen. Diese
Bemerkung ist heute wenigstens billig. Vor 500 Jahren oder vor
1000 Jahren war das Gesetz der Selbhilfe, resp. der gegenseitigen
Hilfe wohl auch schon natürlich; in praxi wurde es aber nur von
den Juden ausgeübt. Das wollten wir sagen. Was dabei „ sal-
bungsvolles “ sein soll, können wir nicht erfinden. Sollte der Kriti-
kus über den „Juden“ gestolpert sein?

Handel und Verkehr.

* Deutsch = französischer Handelsvertrag. Die Aeltesten der
Berliner Kaufmannschaft haben Vorbesprechungen der Jnteressenten
über die Frage eröffnet, welche Modifikationen des deutsch=französischen
Handelsvertrages bei der voraussichtlichen Erneuerung desselben im
Jnteresse des deutschen und speziell des Berliner Handels wünschens-
werth sind.

* Deutsch = Amerikanischer Handel. Deutschland führte im
Jahr 1869 nach Amerika für45 1 / 4 Millionen Dollars, Amerika
brachte uns dagegegen für39 3 / 4 Millionen. -- Der Export Deutsch-
lands nach den Vereinigten Staaten würde noch größere Dimensionen
annehmen, wenn nicht die hohen Eingangszölle und die Papiervaluta
hinderlich im Wege stünde. Zu den Ersteren tritt noch die rigorose
Anwendung der Zollgesetze von Seiten der Zollbehörden; denn nach
den bestehenden Gesetzen muß der Produzent oder Lieferant der im-
portirten Waare eine von einem amerikanischen Konsul beglaubigte
Faktura einsenden, nach welcher die Waare, soweit sie mit einem
Werthzoll belegt ist, besteuert wird; findet sich in der Faktura nach-
weislich ein geringer Betrag angegeben, als der Verkaufswerth loco
des Ursprungsortes zuzüglich der Fracht und Spesen bis zum Ver-
schiffungsort beträgt, so kann die Waare konfiszirt werden. Bei
vielen Artikeln, welche wie Wein, Manufakturwaaren, sehr erheblichen
Schwankungen je nach der Qualität unterliegt, wird diese Bestim-
mung, wie die Haager Handelskammer in ihrem Jahresbericht her-
vorhebt, in der Hand eines nicht routinirten oder je nachdem auch
selbstsüchtige Nebenzwecke verfolgenden Beamten zu einer wahren
Geißel, unter welcher der Unschuldige unter Umständen mehr leidet,
als Derjenige, der sich des Mittels der Beamtenbestechung bedient.
Hoffentlich macht die Agitation, die in Amerika selbst gegen das
hohe Schutzzollsystem gerichtet ist, diesen Uebelständen und dem von
den amerikanischen Zollbehörden auf dem Kontinent eingeführten
Spioniersystem bald ein Ende.

* Postwesen. Das Gouvernement von Lothringen macht
folgendes bekannt: Die Briefe müssen bis auf Weiteres unverschlossen
aufgegeben werden, für die frankirten Postgegenstände werden Frei-
marken zu 1 Centime ( hellgrün ) , 2 ( dunkelroth ) , 4 ( grau ) , 10
( dunkelgelb ) und 20 Centimes ( hellblau ) benutzt; dieselben tragen
die Ueberschrift Postes und die Bezeichnung ihres Werthes. Der
einfache Brief ( bis zu 15 Grammes ) kostet innerhalb der okkupirten
französischen Landestheile fowie nach dem Gebiete des Norddeutschen
Bundes, nach Bayern, Würtemberg und Baden 10 Centimes,
25 Centimes für jeden schwereren Brief bis zum Maximalgewicht
von 250 Grammes; unfrankirte Briefe erleiden eine Uebertaxe von
15 Centimes.

-- Postverkehr im Elsaß. Jm Generalgouvernement El-
saß sind nach einer Bekanntmachung aus Hagenau vom 9. September
bereits 34 deutsche Postanstalten und Relais errichtet. Es sind fol-
gende Ortschaften damit versehen worden: Benfeld, Bischweiler ( Bisch-
willer ) , Bockenheim, Brumath, Buxweiler ( Bouxwiller ) , Drulingen,
Drusenheim, Hagenau ( Haguenau ) , Hatten, Hochfelden, Jngweiler
( Jngwiller ) , Lauterburg ( Lauterbourg ) , Lützelstein ( Lutzelstein ) , Lem-
bach, Neuweiler ( Neuwiller ) , Niederbronn, Pfaffenhofen, Reichshofen,
Reschwoog ( Reschvoog ) , Sambach, Zabern ( Saverne ) , Seltz ( Soultz ) ,
Süfflenheim ( Soufflenheim ) , Walburg ( Walbourg ) , Wantzenau,
Weißenburg ( Wissembourg ) , Wörth, Saarburg ( Sarreburg ) , Remilly,
Château=Salins, Saarguemines ( Sarreguemines ) , Herny und Corny.

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[0003] achten eingefordert. Die Baumwollindustrie ( Spinnerei und Weberei ) , Färberei und Druckerei, die Wollwaarenfabrikation, Maschinenfabrika- tion ist nicht unbedeutend im Elsaß. Mühlhausen und Thann sind in manchen Artikeln sogar sehr hervorragend. Es fragt sich also, wie dieser Städte Eintritt in den Zollverein unsere _______Jndurie beein- flußt. Ein bedeutendes Geschäft wird u. A. von Sachsen aus mit den elsäßischen Druckereien gemacht. Die sächsischen Kattune wan- dern in die elsäßischen Druckereien, werden dort bedruckt und appretirt, worin die Elsäßer obenan stehen, und gehen dann zum Export weiter. Ebenso sendet die Schweiz, wie wir vor einiger Zeit mitgetheilt, be- trächtliche Mengen in das Elsaß, von wo sie mit Hilfe der Aus- fuhrprämie wieder nach andern Ländern ausgehen und so für die Elsäßer selbst ein lohnendes Geschäft bilden. Dr. Rentzsch, Se- kretär der Dresdener Handelskammer, ist bereits mit Ausarbeitung eines Gutachtens beschäftigt. Dasselbe soll dem Anschlusse günstig lauten. * Die französische Abtheilung der Friedensliga in Paris hat einen Aufruf an das deutsche Volk erlassen, der ebenso naiv ist, wie Alles, was die Franzosen seit Erklärung der Republik bezüglich des Krieges von uns verlangt. Das deutsche Volk soll sofort über den Rhein zurückgehen ( bis Frankfurt? ) , wenn es nicht die Schande des XIX. Jahrhunderts werden will. -- Die Sache hat übrigens keinen Anstand, Frankreich braucht nur die Kriegskosten zu zahlen und wir werden uns sofort zurückziehen, wenn auch nicht hinter den Rhein! Wir führen nicht gern Krieg, ein Volk mit allgemeiner Wehrpflicht wird nie den Krieg lieben, nie einen Eroberungs=Krieg beginnen. Zahlt und augenblicklich hört der Krieg auf! -- * Salzsteuer. Die Einnahmen des Zollvereins an Salzsteuer betrugen im 1. und 2. Quartal d. J. 4,316,663 fl. Hiervon kamen im Norddeutschen Bund 3,084,753 fl. auf, in Bayern 713,475 fl., in Würtemberg 234,820 fl., in Baden 189,238 fl. und in Hessen 94,375 fl. Nach Verhältniß der Bevölkerung erhal- ten von dieser Einnahme der Norddeutsche Bund 3,306,210 fl., Bayern 541,035 fl., Würtemberg 199,328 fl., Baden 160,674 fl., Hessen 63,324 fl. und Luxemburg 22,412 fl. * Schulwesen. Jn der Rheinpfalz wird geklagt, daß die höheren Unterrichtsanstalten so schlecht besucht werden. Jn Anbetracht der intelligenten und begabten Pfälzer Bevölkerung erscheint uns diese Erscheinung sehr auffallend. Sollte das nicht irgend einen verdeckten Hacken haben? * Geld in Frankreich. Die Summe des in Frankreich cir- kulirenden Geldes beträgt: An Goldmünzen: Jn Stücken zu 100 Frcs. 38,760,500 Frcs. -- Cts. „ „ „ 50 „ 45,684,250 „ -- „ „ „ „ 40 „ 204,432,360 „ -- „ „ „ „ 20 „ 5,659,196,200 „ -- „ „ „ „ 10 „ 918,630,070 „ -- „ „ „ „ 5 „ 197,989,765 „ -- „ -------------------- Zusammen 7,064,693,145 Frcs. -- Cts. 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Trotzdem müssen wir unsere Bemerkungen aufrecht erhalten, selbst wenn sie wirklich nach Salbung riechen sollten. Wir sagten z. B. unter anderm: Wenn Schulze=Delitzsch mit seinen Erfolgen gar nicht vorhanden wäre, so könnten wir doch die Arbeiter auf die Juden hinweisen, von denen es ja bekannt ist, daß sie zusammen halten und sich gegenseitig helfen. Dazu schreibt das Br. Hdls. u. Gewbl.: was nicht alles herhalten muß, um das so natürliche Gesetz der Selbsthilfe noch zu begründen und für Schulze=Delitzsch Propaganda zu machen. Diese Bemerkung ist heute wenigstens billig. Vor 500 Jahren oder vor 1000 Jahren war das Gesetz der Selbhilfe, resp. der gegenseitigen Hilfe wohl auch schon natürlich; in praxi wurde es aber nur von den Juden ausgeübt. Das wollten wir sagen. Was dabei „ sal- bungsvolles “ sein soll, können wir nicht erfinden. Sollte der Kriti- kus über den „Juden“ gestolpert sein? Handel und Verkehr. * Deutsch = französischer Handelsvertrag. Die Aeltesten der Berliner Kaufmannschaft haben Vorbesprechungen der Jnteressenten über die Frage eröffnet, welche Modifikationen des deutsch=französischen Handelsvertrages bei der voraussichtlichen Erneuerung desselben im Jnteresse des deutschen und speziell des Berliner Handels wünschens- werth sind. * Deutsch = Amerikanischer Handel. Deutschland führte im Jahr 1869 nach Amerika für45 1 / 4 Millionen Dollars, Amerika brachte uns dagegegen für39 3 / 4 Millionen. -- Der Export Deutsch- lands nach den Vereinigten Staaten würde noch größere Dimensionen annehmen, wenn nicht die hohen Eingangszölle und die Papiervaluta hinderlich im Wege stünde. Zu den Ersteren tritt noch die rigorose Anwendung der Zollgesetze von Seiten der Zollbehörden; denn nach den bestehenden Gesetzen muß der Produzent oder Lieferant der im- portirten Waare eine von einem amerikanischen Konsul beglaubigte Faktura einsenden, nach welcher die Waare, soweit sie mit einem Werthzoll belegt ist, besteuert wird; findet sich in der Faktura nach- weislich ein geringer Betrag angegeben, als der Verkaufswerth loco des Ursprungsortes zuzüglich der Fracht und Spesen bis zum Ver- schiffungsort beträgt, so kann die Waare konfiszirt werden. Bei vielen Artikeln, welche wie Wein, Manufakturwaaren, sehr erheblichen Schwankungen je nach der Qualität unterliegt, wird diese Bestim- mung, wie die Haager Handelskammer in ihrem Jahresbericht her- vorhebt, in der Hand eines nicht routinirten oder je nachdem auch selbstsüchtige Nebenzwecke verfolgenden Beamten zu einer wahren Geißel, unter welcher der Unschuldige unter Umständen mehr leidet, als Derjenige, der sich des Mittels der Beamtenbestechung bedient. Hoffentlich macht die Agitation, die in Amerika selbst gegen das hohe Schutzzollsystem gerichtet ist, diesen Uebelständen und dem von den amerikanischen Zollbehörden auf dem Kontinent eingeführten Spioniersystem bald ein Ende. * Postwesen. Das Gouvernement von Lothringen macht folgendes bekannt: Die Briefe müssen bis auf Weiteres unverschlossen aufgegeben werden, für die frankirten Postgegenstände werden Frei- marken zu 1 Centime ( hellgrün ) , 2 ( dunkelroth ) , 4 ( grau ) , 10 ( dunkelgelb ) und 20 Centimes ( hellblau ) benutzt; dieselben tragen die Ueberschrift Postes und die Bezeichnung ihres Werthes. Der einfache Brief ( bis zu 15 Grammes ) kostet innerhalb der okkupirten französischen Landestheile fowie nach dem Gebiete des Norddeutschen Bundes, nach Bayern, Würtemberg und Baden 10 Centimes, 25 Centimes für jeden schwereren Brief bis zum Maximalgewicht von 250 Grammes; unfrankirte Briefe erleiden eine Uebertaxe von 15 Centimes. -- Postverkehr im Elsaß. Jm Generalgouvernement El- saß sind nach einer Bekanntmachung aus Hagenau vom 9. September bereits 34 deutsche Postanstalten und Relais errichtet. Es sind fol- gende Ortschaften damit versehen worden: Benfeld, Bischweiler ( Bisch- willer ) , Bockenheim, Brumath, Buxweiler ( Bouxwiller ) , Drulingen, Drusenheim, Hagenau ( Haguenau ) , Hatten, Hochfelden, Jngweiler ( Jngwiller ) , Lauterburg ( Lauterbourg ) , Lützelstein ( Lutzelstein ) , Lem- bach, Neuweiler ( Neuwiller ) , Niederbronn, Pfaffenhofen, Reichshofen, Reschwoog ( Reschvoog ) , Sambach, Zabern ( Saverne ) , Seltz ( Soultz ) , Süfflenheim ( Soufflenheim ) , Walburg ( Walbourg ) , Wantzenau, Weißenburg ( Wissembourg ) , Wörth, Saarburg ( Sarreburg ) , Remilly, Château=Salins, Saarguemines ( Sarreguemines ) , Herny und Corny.

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Zitationshilfe: Der Arbeitgeber. Nr. 701. Frankfurt a. M., 8. Oktober 1870, S. . In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/nn_arbeitgeber0701_1870/3>, abgerufen am 25.02.2024.