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Badener Zeitung. Nr. 87, Baden (Niederösterreich), 28.10.1908.

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Mittwoch Badener Zeitung 28. Oktober 1908 Nr. 87

[Spaltenumbruch]

Viele Deutsche, denen es ihre Verhältnisse
halbwegs gestatten, trachten, den ungastlichen
Boden Laibachs zu verlassen. So mancher
Deutsche hat ohne den geringflen Versuch der
Abwehr zugesehen, wie sein Eigentum ge-
schädigt, seine Aufschriftstafeln von gewalt-
tätigen Burschen unter den wohlwollenden
Augen der städtischen Polizei beseitigt wurden.
Und ich fürchte sehr, viele werden nicht den
Mut finden, auch in ruhigeren Zeiten ihre
Tafeln wieder anzubringen und sich offen zu
ihrem Volke zu bekennen.

Die autonome Gemeindevertretung hat
alles vermieden, was die Räuberbanden in
ihrer Arbeit hatte stören können. Ja, sie hat
alles getan, um Oel ins Feuer zu gießen
und die Leidenschaften der mißleiteten Menge
noch aufzustacheln. Ich erinnere als Beweis
dafür nur daran, in welcher entsetzlichen Weise
die Leichen der beiden am Abend des 20. Sep-
tember erschossenen jungen Leute ausgenützt
wurden. Die Leichen wurden auf Ansichts-
karten abgebildet und die Agitatoren gingen
von Laden zu Laden, um diese Karten zu
verlangen!!!

Die landesfürstlichen Behörden haben zum
mindesten eine Schwäche und Kopflosigkeit
gezeigt, welche geradezu unglaublich erscheint.
Der famose Landespräsident machte zwar den
Versuch, die Polizeigewalt an sich zu ziehen,
um sie sofort wieder dem autonomen Bürger-
meister zu restituieren. Ja, dieser Landes-
präsident hat sich sogar geweigert, den Brief
des Fürstbischofs an den Grafen Barbo, der
die Exzesse bedauert und verurteilt, veröffent-
lichen zu lassen. Die Folge dieses Verhaltens
der landesfürstlichen Behörden war es, daß
Bürgermeister Hribar der unumschränkte Herr
der Stadt war und ist. Nur so ist es er-
klärlich, daß sich die Exzesse immer wieder-
holen konnten, daß z. B. noch am 25. Sep-
tember d. J. in der Schulvereinsschule in
Schischka, die bei den früheren Exzessen
dank militärischer Bedeckung verschont ge-
blieben war, alle Scheiben eingeworfen
werden konnten.

Der Wiener Regierung sind diese Dinge
bekannt, wenn nicht durch Berichte ihrer
eigenen Organe, so doch durch die Mit-
teilungen, die sie von mir und anderen Ab-
[Spaltenumbruch] geordneten erhalten hat. Nichtsdestoweniger
sitzt Baron Schwarz noch immer als Landes-
präsident in Krain, offenbar, weil man sich
in echt österreichischer Leisetreterei scheut, zu
zeigen, daß ein Beamter wegen absoluter Un-
fähigkeit, wenn nicht wegen Parteilichkeit
entfernt werden muß. Als ob das nicht längst
die Spatzen auf allen Dächern pfeifen?

Es wird die Aufgabe aller deutschen
Abgeordneten sein, energisch Sühne für die
in Laibach begangenen Unterlassungssünden
der Behörden zn verlangen. Noch mehr aber
werden sie die entsprechenden Vorkehrungen
verlangen müssen, damit die Deutschen Lai-
bachs in Hinkunft ungestört und ungefährdet ihr
Volkstum in jeder Weise betätigen können, damit
deutsches Eigentum gegen Pöbelangriffe recht-
zeitig geschützt werde. Wenn irgendwo, muß
sich in diesem Falle die deutsche Gemeinbürg-
schaft betätigen, müssen Partei- und Personen-
rücksichten zurücktreten.

Wenn aber auch jetzt die Regierung jene
Verfügungen trifft, die längst hätten getroffen
werden sollen, so bleibt doch für unser Volk
die Lehre, daß wir für die Erhaltung unseres
Volkstums vor allem auf unsere eigene Kraft
angewiesen sind, vor allem auf diese zu ver-
trauen haben. Wir werden diese unsere Auf-
gabe aber nur dann erfüllen können, wenn
wir uns fest und fester zusammenschließen,
wenn jeder Volksgenosse mitarbeitet an dem
großen Werke unserer nationalen Schutzvereine.

Wohl hat die deutsche Schutzarbeit in
der letzten Zeit erfreuliche Fortschritte ge-
macht, aber gerade das Beispiel von Laibach
zeigt, wieviel noch notwendig ist, um unseren
Brüdern in ihrem Kampfe gegen slavische
Gewaltigkeit überall den notwendigen Schutz
zu gewähren. Deshalb tue jeder Deutsche
seine nationale Pflicht, auf daß auch Volks-
genossen in so gefährdeter Lage wie in Lai-
bach nicht zu verzagen brauchen, sondern offen
und frei ihr Volkstum bekennen mögen, in
dem Bewußtsein, daß ihr ganzes Volk hinter
ihnen steht und sie niemals verlassen wird.




[Spaltenumbruch]
Vom Balkan.

Unsere kleinen Nachbarn im Süden schreien sich
immer mehr in den Haß gegen Oesterreich-Ungarn
ein, als ob ihnen wirklich und dem Serbentum schon
ganz und gar mit der Annexion des ehemaligen Okku-
pationsgebietes ein Schaden zugefügt worden wäre.

Das ist nicht der Fall. Sie haben in ihrem
kleinen Lande Zwistigkeiten genug, so daß neue
Ordnung zugleich auch für sie einer Rettung gleich-
kommt.

Wenn die zwei Länder wirklich zur Verteilung
gekommen wären, wer glaubt nicht, daß Serbien und
Montenegro -- alles Serbentum beiseite -- mit
einander gerauft hätten, wie sie jetzt um den Streifen
Sandschak raufen würden, wenn ihnen dazu Ge-
legenheit gebaten würde?

Und die kleinen Leute machen jetzt große --
gemeinsame Politik. Die königlichen Prinzen tele-
graphieren einander hinter dem Rücken der vielleicht
doch etwas besonneneren Väter vetterliche Grüße mit
der Aussicht auf ein Wiedersehen auf dem Schlacht-
felde. Soll man da nicht lachen? -- --

Trotzdem ist bei dem Serbentaumel, bei dem
mit verschiedener Nachhilfe erzeugten Begeisterungs-
cousch unsererseits die größte Aufmerksamkeit geboten.
Man denke sich, eine dißiplinierte oder undißipli-
nierte Bande von ein paar Tausenden der Ver-
wegensten fielen in den Ländern ein und es gelänge
ihnen, unsere schwachen Grenzposten zurückzudrängen,
was ja ein Leichtes wäre. Welch' ein Jubelgeschrei
würde da nicht erhoben werden, welch ein Judianer-
geheul, wenn sie einen Weißen fingen!

Das nun darf nicht geschehen. Unsere Monarchie
muß gegen derartige Ueberraschungen auf jeden Fall
geschützt sein. Deshalb ist es ein Postulat der Vor-
sicht, den Kleinen sofort eine imponierende Macht
entgegenzustellen, daß ihnen alle Lust zum Angriffe
vergehe, ehe sie sich in ein vernichtendes Abenteuer
stürzen.

Die Ministerreisen und Spezialgesandtschaften
aus Serbien und Montenegro haben keine Bedeutung.
General Bukotic mußte es sich bei der Reise durch
Agram gefallen lassen, einige Stunden aufgehalten
zu werden; was Milovanovic in Berlin zu suchen
hat, weiß er wah[r]scheinlich selbst nicht.

Trotzdem beharren die serbischen Zeitungen dabei,
daß die beiden Staaten unserer Monarchie den Krieg
erklären wollen, wenn ihre Forderungen nach ent-
sprechenden Kompensationen nicht erfüllt werden sollten.
Es handelt sich dabei wahrscheinlich um die Aufteilung
des Sandschaks Novibazar.

Um demnach den Frieden zu wahren, wird
Oesterreich-Ungarn wohl nichts anderes übrig bleiben,
als seine Grenzwache bedeutend zu verstärken und
für jeden Fall hochgerüstet zu sein. Jeder Angriff
muß von Anfang an mit Uebermacht zurückgewiesen
werden, damit sich diese Gegner ein für allemal des
Unruhestiftens entwöhnen.






[Spaltenumbruch]

Das unschöne Aeußere des Schneiders barg
aber einen guten Kern. Er war der gutmütigste der
ganzen Batterie und jeder Flick- und Reparatur-
bedürftige fand bei ihm günstige Aufnahme. Nebenbei
war er auch gerne Soldat, wenn auch sein Wunsch,
eine Charge zu erreichen, um seiner Marianka besser
zu gefallen, nie in Erfüllung ging. Nach seiner
Meinung fanden eben seine militärischen Vorzüge
keine Anerkennung und Würdigung.

Der Batteriechef hielt viel auf Strammheit
seiner Mannschaft und hatte den Befehl erteilt, daß
auch die Professionisten dem Fußexerzieren beizuziehen
sind, wenn sie auch die Front etwas "verschandeln".
Da ärgerte sich nun der Schneider immer, wenn der
Feuerwerker jedem Kommando ein "Achtung Schneider!"
vorausschickte, obwohl sich dieser ohnedies bemühte,
alles recht zu machen und eigentlich auch nicht viel
mehr "Stusser" machte wie anderen.

Eines heiteren Exerziertages hatte er aber doch
das Pech, als einziger von der ganzen Batterie einige
Kommandos falsch auszuführen. Das war natürlich
Wasser auf die Mühle des Feuerwerkers, der nun
den armen Schneider einzeln exerzieren ließ. Diese
Behandlung schnitt tief in das wackere Soldatenherz
des Schneiderleins und er schämte sich vor seinen
Kameraden. Dabei regte sich in ihm immer mächtiger
der Wunsch, seinem Peiniger, dem Feuerwerker, auch
etwas unangenehmes antun zu können. Tag und
Nacht grübelte er nun darüber nach, wie seine Absicht
am besten zur Tat reifen könnte.

Batterieschneider S. mußte öfters die Extra-
uniform seines Feuerwerkers ausbügeln und in dessen
in der Kaserne besindliche Wohnung tragen. Da bekam
[Spaltenumbruch] er Gelegenheit, die Gnädige seines Vorgesetzten kennen
zu lernen. Er schilderte dieselbe als eine nicht allzu
freundliche Frau und erzählte, wie sie ihn einmal
beim Abgeben der Montur mit den Worten empfing:
"Sö depperts Affeng'fries, a andersmal klopfen
S' an!"

Der Herr Feuerwerker mußte sich aber zuhause
auch anders aufführen als bei der Batterie. Seiner
Frau gegenüber fühlte er sich nicht gewachsen und
lieber nahm er es mit einer ganzen Batterie auf als
mit ihr. Kurz und gut, zuhause mußte er gehorchen,
da hatte er keinen Willen wenn der häusliche Frieden
nicht gestört werden sollte, es hieß eben überall --
nachgeben.

Eines Tages, als die Frau Feuerwerker den
Waffenrock ihres Gatten in den Kasten hängen wollte,
fühlte sie in einer Brusttasche ein Papier rascheln.
Gewohnt, solchen Spuren immer nachzugehen, ent-
deckte sie nun als Ursache des verdächtigen Geräusches
ein kleines Brieferl.

Blaß vor Aerger entfaltete sie dasselbe und es
begann ihr vor den Augen zu flimmern als sie las:

"Mainer gute Wenzl!

Sontak hab ich wider Ausgang und warte
auf gewisse Plazl, o Wenzl wie bin ich froh Madl
dainige zu sei. In aile und vile Bußln

deine Marianka".

Wiederholt mußte die Frau Feuerwerker diesen
unheimlichen Brief lesen. Sie war vor Aufregung
und Zorn ganz außer sich. Mit Ausrufen, wie
"Philister, Heuchler, Gauner, na wart, wenn du
zuhaus kommst, dir werd ich die Liebschaften ver-
[Spaltenumbruch] treiben", erwartete sie die Ankunft ihrer schlechteren
Hälfte.

Es muß ihm nicht gut gegangen sein, dem
Herrn Feuernwerker, das zeigten am nächsten Tage
einige rötliche Stellen im Gesichte an und auch seine
mürrische Stimmung wies darauf hin. Außerdem
menagierte er -- zur Ueberraschung aller -- in der
Mannschaftsküche, um, wie er sagte, die Pantscherei
der Küche zu untersuchen; man riet hin und her,
welche Bewandtnis es mit dieser veränderten Lebens-
führung des Feuerwerkers haben könne, aber besser
wie alle wußte es der Batterieschneider, er hütete sich
aber wohlweislich, davon etwas verlauten zu lassen.

Der Feuerwerker war über den ihm mitgespielten
Streich lange Zeit sehr aufgebracht. Er nahm so
manchen raffinierten Kerl der Batterie unter vier
Augen ins Gebet, kam aber mit seinen Verhören auf
keinen grünen Zweig. Zu viel Lärm wollte er nicht
schlagen, damit die Sache dem Hauptmann nicht zu
Ohren kam. Den dummen Affenschneider zu ver-
dächtigen, fiel ihm nicht im Traume ein, zu einer
solchen Tat hielt er ihn nicht für fähig.

Einige Monate später waren die drei Jahre
des Schneiders um und bevor er noch in seine
Heimat abdampfte, sandte er von der Bahn weg eine
Korrespondenzkarte an die Frau Feuerwerker:

"Mir tut Herr Feiawerker lad das ise unter
su strenke Befäl von Ihna weil ich hab Briefl
von meine Marianko in sein Taschl gstekt.

Mit Grus Wenzl S. Schneider in Zievil".




Mittwoch Badener Zeitung 28. Oktober 1908 Nr. 87

[Spaltenumbruch]

Viele Deutſche, denen es ihre Verhältniſſe
halbwegs geſtatten, trachten, den ungaſtlichen
Boden Laibachs zu verlaſſen. So mancher
Deutſche hat ohne den geringflen Verſuch der
Abwehr zugeſehen, wie ſein Eigentum ge-
ſchädigt, ſeine Aufſchriftstafeln von gewalt-
tätigen Burſchen unter den wohlwollenden
Augen der ſtädtiſchen Polizei beſeitigt wurden.
Und ich fürchte ſehr, viele werden nicht den
Mut finden, auch in ruhigeren Zeiten ihre
Tafeln wieder anzubringen und ſich offen zu
ihrem Volke zu bekennen.

Die autonome Gemeindevertretung hat
alles vermieden, was die Räuberbanden in
ihrer Arbeit hatte ſtören können. Ja, ſie hat
alles getan, um Oel ins Feuer zu gießen
und die Leidenſchaften der mißleiteten Menge
noch aufzuſtacheln. Ich erinnere als Beweis
dafür nur daran, in welcher entſetzlichen Weiſe
die Leichen der beiden am Abend des 20. Sep-
tember erſchoſſenen jungen Leute ausgenützt
wurden. Die Leichen wurden auf Anſichts-
karten abgebildet und die Agitatoren gingen
von Laden zu Laden, um dieſe Karten zu
verlangen!!!

Die landesfürſtlichen Behörden haben zum
mindeſten eine Schwäche und Kopfloſigkeit
gezeigt, welche geradezu unglaublich erſcheint.
Der famoſe Landespräſident machte zwar den
Verſuch, die Polizeigewalt an ſich zu ziehen,
um ſie ſofort wieder dem autonomen Bürger-
meiſter zu reſtituieren. Ja, dieſer Landes-
präſident hat ſich ſogar geweigert, den Brief
des Fürſtbiſchofs an den Grafen Barbo, der
die Exzeſſe bedauert und verurteilt, veröffent-
lichen zu laſſen. Die Folge dieſes Verhaltens
der landesfürſtlichen Behörden war es, daß
Bürgermeiſter Hribar der unumſchränkte Herr
der Stadt war und iſt. Nur ſo iſt es er-
klärlich, daß ſich die Exzeſſe immer wieder-
holen konnten, daß z. B. noch am 25. Sep-
tember d. J. in der Schulvereinsſchule in
Schiſchka, die bei den früheren Exzeſſen
dank militäriſcher Bedeckung verſchont ge-
blieben war, alle Scheiben eingeworfen
werden konnten.

Der Wiener Regierung ſind dieſe Dinge
bekannt, wenn nicht durch Berichte ihrer
eigenen Organe, ſo doch durch die Mit-
teilungen, die ſie von mir und anderen Ab-
[Spaltenumbruch] geordneten erhalten hat. Nichtsdeſtoweniger
ſitzt Baron Schwarz noch immer als Landes-
präſident in Krain, offenbar, weil man ſich
in echt öſterreichiſcher Leiſetreterei ſcheut, zu
zeigen, daß ein Beamter wegen abſoluter Un-
fähigkeit, wenn nicht wegen Parteilichkeit
entfernt werden muß. Als ob das nicht längſt
die Spatzen auf allen Dächern pfeifen?

Es wird die Aufgabe aller deutſchen
Abgeordneten ſein, energiſch Sühne für die
in Laibach begangenen Unterlaſſungsſünden
der Behörden zn verlangen. Noch mehr aber
werden ſie die entſprechenden Vorkehrungen
verlangen müſſen, damit die Deutſchen Lai-
bachs in Hinkunft ungeſtört und ungefährdet ihr
Volkstum in jeder Weiſe betätigen können, damit
deutſches Eigentum gegen Pöbelangriffe recht-
zeitig geſchützt werde. Wenn irgendwo, muß
ſich in dieſem Falle die deutſche Gemeinbürg-
ſchaft betätigen, müſſen Partei- und Perſonen-
rückſichten zurücktreten.

Wenn aber auch jetzt die Regierung jene
Verfügungen trifft, die längſt hätten getroffen
werden ſollen, ſo bleibt doch für unſer Volk
die Lehre, daß wir für die Erhaltung unſeres
Volkstums vor allem auf unſere eigene Kraft
angewieſen ſind, vor allem auf dieſe zu ver-
trauen haben. Wir werden dieſe unſere Auf-
gabe aber nur dann erfüllen können, wenn
wir uns feſt und feſter zuſammenſchließen,
wenn jeder Volksgenoſſe mitarbeitet an dem
großen Werke unſerer nationalen Schutzvereine.

Wohl hat die deutſche Schutzarbeit in
der letzten Zeit erfreuliche Fortſchritte ge-
macht, aber gerade das Beiſpiel von Laibach
zeigt, wieviel noch notwendig iſt, um unſeren
Brüdern in ihrem Kampfe gegen ſlaviſche
Gewaltigkeit überall den notwendigen Schutz
zu gewähren. Deshalb tue jeder Deutſche
ſeine nationale Pflicht, auf daß auch Volks-
genoſſen in ſo gefährdeter Lage wie in Lai-
bach nicht zu verzagen brauchen, ſondern offen
und frei ihr Volkstum bekennen mögen, in
dem Bewußtſein, daß ihr ganzes Volk hinter
ihnen ſteht und ſie niemals verlaſſen wird.




[Spaltenumbruch]
Vom Balkan.

Unſere kleinen Nachbarn im Süden ſchreien ſich
immer mehr in den Haß gegen Oeſterreich-Ungarn
ein, als ob ihnen wirklich und dem Serbentum ſchon
ganz und gar mit der Annexion des ehemaligen Okku-
pationsgebietes ein Schaden zugefügt worden wäre.

Das iſt nicht der Fall. Sie haben in ihrem
kleinen Lande Zwiſtigkeiten genug, ſo daß neue
Ordnung zugleich auch für ſie einer Rettung gleich-
kommt.

Wenn die zwei Länder wirklich zur Verteilung
gekommen wären, wer glaubt nicht, daß Serbien und
Montenegro — alles Serbentum beiſeite — mit
einander gerauft hätten, wie ſie jetzt um den Streifen
Sandſchak raufen würden, wenn ihnen dazu Ge-
legenheit gebaten würde?

Und die kleinen Leute machen jetzt große —
gemeinſame Politik. Die königlichen Prinzen tele-
graphieren einander hinter dem Rücken der vielleicht
doch etwas beſonneneren Väter vetterliche Grüße mit
der Ausſicht auf ein Wiederſehen auf dem Schlacht-
felde. Soll man da nicht lachen? — —

Trotzdem iſt bei dem Serbentaumel, bei dem
mit verſchiedener Nachhilfe erzeugten Begeiſterungs-
couſch unſererſeits die größte Aufmerkſamkeit geboten.
Man denke ſich, eine diſziplinierte oder undiſzipli-
nierte Bande von ein paar Tauſenden der Ver-
wegenſten fielen in den Ländern ein und es gelänge
ihnen, unſere ſchwachen Grenzpoſten zurückzudrängen,
was ja ein Leichtes wäre. Welch’ ein Jubelgeſchrei
würde da nicht erhoben werden, welch ein Judianer-
geheul, wenn ſie einen Weißen fingen!

Das nun darf nicht geſchehen. Unſere Monarchie
muß gegen derartige Ueberraſchungen auf jeden Fall
geſchützt ſein. Deshalb iſt es ein Poſtulat der Vor-
ſicht, den Kleinen ſofort eine imponierende Macht
entgegenzuſtellen, daß ihnen alle Luſt zum Angriffe
vergehe, ehe ſie ſich in ein vernichtendes Abenteuer
ſtürzen.

Die Miniſterreiſen und Spezialgeſandtſchaften
aus Serbien und Montenegro haben keine Bedeutung.
General Bukotic mußte es ſich bei der Reiſe durch
Agram gefallen laſſen, einige Stunden aufgehalten
zu werden; was Milovanovic in Berlin zu ſuchen
hat, weiß er wah[r]ſcheinlich ſelbſt nicht.

Trotzdem beharren die ſerbiſchen Zeitungen dabei,
daß die beiden Staaten unſerer Monarchie den Krieg
erklären wollen, wenn ihre Forderungen nach ent-
ſprechenden Kompenſationen nicht erfüllt werden ſollten.
Es handelt ſich dabei wahrſcheinlich um die Aufteilung
des Sandſchaks Novibazar.

Um demnach den Frieden zu wahren, wird
Oeſterreich-Ungarn wohl nichts anderes übrig bleiben,
als ſeine Grenzwache bedeutend zu verſtärken und
für jeden Fall hochgerüſtet zu ſein. Jeder Angriff
muß von Anfang an mit Uebermacht zurückgewieſen
werden, damit ſich dieſe Gegner ein für allemal des
Unruheſtiftens entwöhnen.






[Spaltenumbruch]

Das unſchöne Aeußere des Schneiders barg
aber einen guten Kern. Er war der gutmütigſte der
ganzen Batterie und jeder Flick- und Reparatur-
bedürftige fand bei ihm günſtige Aufnahme. Nebenbei
war er auch gerne Soldat, wenn auch ſein Wunſch,
eine Charge zu erreichen, um ſeiner Marianka beſſer
zu gefallen, nie in Erfüllung ging. Nach ſeiner
Meinung fanden eben ſeine militäriſchen Vorzüge
keine Anerkennung und Würdigung.

Der Batteriechef hielt viel auf Strammheit
ſeiner Mannſchaft und hatte den Befehl erteilt, daß
auch die Profeſſioniſten dem Fußexerzieren beizuziehen
ſind, wenn ſie auch die Front etwas „verſchandeln“.
Da ärgerte ſich nun der Schneider immer, wenn der
Feuerwerker jedem Kommando ein „Achtung Schneider!“
vorausſchickte, obwohl ſich dieſer ohnedies bemühte,
alles recht zu machen und eigentlich auch nicht viel
mehr „Stuſſer“ machte wie anderen.

Eines heiteren Exerziertages hatte er aber doch
das Pech, als einziger von der ganzen Batterie einige
Kommandos falſch auszuführen. Das war natürlich
Waſſer auf die Mühle des Feuerwerkers, der nun
den armen Schneider einzeln exerzieren ließ. Dieſe
Behandlung ſchnitt tief in das wackere Soldatenherz
des Schneiderleins und er ſchämte ſich vor ſeinen
Kameraden. Dabei regte ſich in ihm immer mächtiger
der Wunſch, ſeinem Peiniger, dem Feuerwerker, auch
etwas unangenehmes antun zu können. Tag und
Nacht grübelte er nun darüber nach, wie ſeine Abſicht
am beſten zur Tat reifen könnte.

Batterieſchneider S. mußte öfters die Extra-
uniform ſeines Feuerwerkers ausbügeln und in deſſen
in der Kaſerne beſindliche Wohnung tragen. Da bekam
[Spaltenumbruch] er Gelegenheit, die Gnädige ſeines Vorgeſetzten kennen
zu lernen. Er ſchilderte dieſelbe als eine nicht allzu
freundliche Frau und erzählte, wie ſie ihn einmal
beim Abgeben der Montur mit den Worten empfing:
„Sö depperts Affeng’fries, a andersmal klopfen
S’ an!“

Der Herr Feuerwerker mußte ſich aber zuhauſe
auch anders aufführen als bei der Batterie. Seiner
Frau gegenüber fühlte er ſich nicht gewachſen und
lieber nahm er es mit einer ganzen Batterie auf als
mit ihr. Kurz und gut, zuhauſe mußte er gehorchen,
da hatte er keinen Willen wenn der häusliche Frieden
nicht geſtört werden ſollte, es hieß eben überall —
nachgeben.

Eines Tages, als die Frau Feuerwerker den
Waffenrock ihres Gatten in den Kaſten hängen wollte,
fühlte ſie in einer Bruſttaſche ein Papier raſcheln.
Gewohnt, ſolchen Spuren immer nachzugehen, ent-
deckte ſie nun als Urſache des verdächtigen Geräuſches
ein kleines Brieferl.

Blaß vor Aerger entfaltete ſie dasſelbe und es
begann ihr vor den Augen zu flimmern als ſie las:

„Mainer gute Wenzl!

Sontak hab ich wider Ausgang und warte
auf gewiſſe Plazl, o Wenzl wie bin ich froh Madl
dainige zu ſei. In aile und vile Bußln

deine Marianka“.

Wiederholt mußte die Frau Feuerwerker dieſen
unheimlichen Brief leſen. Sie war vor Aufregung
und Zorn ganz außer ſich. Mit Ausrufen, wie
„Philiſter, Heuchler, Gauner, na wart, wenn du
zuhaus kommſt, dir werd ich die Liebſchaften ver-
[Spaltenumbruch] treiben“, erwartete ſie die Ankunft ihrer ſchlechteren
Hälfte.

Es muß ihm nicht gut gegangen ſein, dem
Herrn Feuernwerker, das zeigten am nächſten Tage
einige rötliche Stellen im Geſichte an und auch ſeine
mürriſche Stimmung wies darauf hin. Außerdem
menagierte er — zur Ueberraſchung aller — in der
Mannſchaftsküche, um, wie er ſagte, die Pantſcherei
der Küche zu unterſuchen; man riet hin und her,
welche Bewandtnis es mit dieſer veränderten Lebens-
führung des Feuerwerkers haben könne, aber beſſer
wie alle wußte es der Batterieſchneider, er hütete ſich
aber wohlweislich, davon etwas verlauten zu laſſen.

Der Feuerwerker war über den ihm mitgeſpielten
Streich lange Zeit ſehr aufgebracht. Er nahm ſo
manchen raffinierten Kerl der Batterie unter vier
Augen ins Gebet, kam aber mit ſeinen Verhören auf
keinen grünen Zweig. Zu viel Lärm wollte er nicht
ſchlagen, damit die Sache dem Hauptmann nicht zu
Ohren kam. Den dummen Affenſchneider zu ver-
dächtigen, fiel ihm nicht im Traume ein, zu einer
ſolchen Tat hielt er ihn nicht für fähig.

Einige Monate ſpäter waren die drei Jahre
des Schneiders um und bevor er noch in ſeine
Heimat abdampfte, ſandte er von der Bahn weg eine
Korreſpondenzkarte an die Frau Feuerwerker:

„Mir tut Herr Feiawerker lad das iſe unter
ſu ſtrenke Befäl von Ihna weil ich hab Briefl
von meine Marianko in ſein Taſchl gſtekt.

Mit Gruſ Wenzl S. Schneider in Zievil“.




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[2/0002] Mittwoch Badener Zeitung 28. Oktober 1908 Nr. 87 Viele Deutſche, denen es ihre Verhältniſſe halbwegs geſtatten, trachten, den ungaſtlichen Boden Laibachs zu verlaſſen. So mancher Deutſche hat ohne den geringflen Verſuch der Abwehr zugeſehen, wie ſein Eigentum ge- ſchädigt, ſeine Aufſchriftstafeln von gewalt- tätigen Burſchen unter den wohlwollenden Augen der ſtädtiſchen Polizei beſeitigt wurden. Und ich fürchte ſehr, viele werden nicht den Mut finden, auch in ruhigeren Zeiten ihre Tafeln wieder anzubringen und ſich offen zu ihrem Volke zu bekennen. Die autonome Gemeindevertretung hat alles vermieden, was die Räuberbanden in ihrer Arbeit hatte ſtören können. Ja, ſie hat alles getan, um Oel ins Feuer zu gießen und die Leidenſchaften der mißleiteten Menge noch aufzuſtacheln. Ich erinnere als Beweis dafür nur daran, in welcher entſetzlichen Weiſe die Leichen der beiden am Abend des 20. Sep- tember erſchoſſenen jungen Leute ausgenützt wurden. Die Leichen wurden auf Anſichts- karten abgebildet und die Agitatoren gingen von Laden zu Laden, um dieſe Karten zu verlangen!!! Die landesfürſtlichen Behörden haben zum mindeſten eine Schwäche und Kopfloſigkeit gezeigt, welche geradezu unglaublich erſcheint. Der famoſe Landespräſident machte zwar den Verſuch, die Polizeigewalt an ſich zu ziehen, um ſie ſofort wieder dem autonomen Bürger- meiſter zu reſtituieren. Ja, dieſer Landes- präſident hat ſich ſogar geweigert, den Brief des Fürſtbiſchofs an den Grafen Barbo, der die Exzeſſe bedauert und verurteilt, veröffent- lichen zu laſſen. Die Folge dieſes Verhaltens der landesfürſtlichen Behörden war es, daß Bürgermeiſter Hribar der unumſchränkte Herr der Stadt war und iſt. Nur ſo iſt es er- klärlich, daß ſich die Exzeſſe immer wieder- holen konnten, daß z. B. noch am 25. Sep- tember d. 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Noch mehr aber werden ſie die entſprechenden Vorkehrungen verlangen müſſen, damit die Deutſchen Lai- bachs in Hinkunft ungeſtört und ungefährdet ihr Volkstum in jeder Weiſe betätigen können, damit deutſches Eigentum gegen Pöbelangriffe recht- zeitig geſchützt werde. Wenn irgendwo, muß ſich in dieſem Falle die deutſche Gemeinbürg- ſchaft betätigen, müſſen Partei- und Perſonen- rückſichten zurücktreten. Wenn aber auch jetzt die Regierung jene Verfügungen trifft, die längſt hätten getroffen werden ſollen, ſo bleibt doch für unſer Volk die Lehre, daß wir für die Erhaltung unſeres Volkstums vor allem auf unſere eigene Kraft angewieſen ſind, vor allem auf dieſe zu ver- trauen haben. Wir werden dieſe unſere Auf- gabe aber nur dann erfüllen können, wenn wir uns feſt und feſter zuſammenſchließen, wenn jeder Volksgenoſſe mitarbeitet an dem großen Werke unſerer nationalen Schutzvereine. Wohl hat die deutſche Schutzarbeit in der letzten Zeit erfreuliche Fortſchritte ge- macht, aber gerade das Beiſpiel von Laibach zeigt, wieviel noch notwendig iſt, um unſeren Brüdern in ihrem Kampfe gegen ſlaviſche Gewaltigkeit überall den notwendigen Schutz zu gewähren. Deshalb tue jeder Deutſche ſeine nationale Pflicht, auf daß auch Volks- genoſſen in ſo gefährdeter Lage wie in Lai- bach nicht zu verzagen brauchen, ſondern offen und frei ihr Volkstum bekennen mögen, in dem Bewußtſein, daß ihr ganzes Volk hinter ihnen ſteht und ſie niemals verlaſſen wird. Dr. Guſtav Groß. Vom Balkan. Unſere kleinen Nachbarn im Süden ſchreien ſich immer mehr in den Haß gegen Oeſterreich-Ungarn ein, als ob ihnen wirklich und dem Serbentum ſchon ganz und gar mit der Annexion des ehemaligen Okku- pationsgebietes ein Schaden zugefügt worden wäre. Das iſt nicht der Fall. Sie haben in ihrem kleinen Lande Zwiſtigkeiten genug, ſo daß neue Ordnung zugleich auch für ſie einer Rettung gleich- kommt. Wenn die zwei Länder wirklich zur Verteilung gekommen wären, wer glaubt nicht, daß Serbien und Montenegro — alles Serbentum beiſeite — mit einander gerauft hätten, wie ſie jetzt um den Streifen Sandſchak raufen würden, wenn ihnen dazu Ge- legenheit gebaten würde? Und die kleinen Leute machen jetzt große — gemeinſame Politik. Die königlichen Prinzen tele- graphieren einander hinter dem Rücken der vielleicht doch etwas beſonneneren Väter vetterliche Grüße mit der Ausſicht auf ein Wiederſehen auf dem Schlacht- felde. Soll man da nicht lachen? — — Trotzdem iſt bei dem Serbentaumel, bei dem mit verſchiedener Nachhilfe erzeugten Begeiſterungs- couſch unſererſeits die größte Aufmerkſamkeit geboten. Man denke ſich, eine diſziplinierte oder undiſzipli- nierte Bande von ein paar Tauſenden der Ver- wegenſten fielen in den Ländern ein und es gelänge ihnen, unſere ſchwachen Grenzpoſten zurückzudrängen, was ja ein Leichtes wäre. 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Es handelt ſich dabei wahrſcheinlich um die Aufteilung des Sandſchaks Novibazar. Um demnach den Frieden zu wahren, wird Oeſterreich-Ungarn wohl nichts anderes übrig bleiben, als ſeine Grenzwache bedeutend zu verſtärken und für jeden Fall hochgerüſtet zu ſein. Jeder Angriff muß von Anfang an mit Uebermacht zurückgewieſen werden, damit ſich dieſe Gegner ein für allemal des Unruheſtiftens entwöhnen. Das unſchöne Aeußere des Schneiders barg aber einen guten Kern. Er war der gutmütigſte der ganzen Batterie und jeder Flick- und Reparatur- bedürftige fand bei ihm günſtige Aufnahme. Nebenbei war er auch gerne Soldat, wenn auch ſein Wunſch, eine Charge zu erreichen, um ſeiner Marianka beſſer zu gefallen, nie in Erfüllung ging. Nach ſeiner Meinung fanden eben ſeine militäriſchen Vorzüge keine Anerkennung und Würdigung. Der Batteriechef hielt viel auf Strammheit ſeiner Mannſchaft und hatte den Befehl erteilt, daß auch die Profeſſioniſten dem Fußexerzieren beizuziehen ſind, wenn ſie auch die Front etwas „verſchandeln“. Da ärgerte ſich nun der Schneider immer, wenn der Feuerwerker jedem Kommando ein „Achtung Schneider!“ vorausſchickte, obwohl ſich dieſer ohnedies bemühte, alles recht zu machen und eigentlich auch nicht viel mehr „Stuſſer“ machte wie anderen. Eines heiteren Exerziertages hatte er aber doch das Pech, als einziger von der ganzen Batterie einige Kommandos falſch auszuführen. Das war natürlich Waſſer auf die Mühle des Feuerwerkers, der nun den armen Schneider einzeln exerzieren ließ. Dieſe Behandlung ſchnitt tief in das wackere Soldatenherz des Schneiderleins und er ſchämte ſich vor ſeinen Kameraden. Dabei regte ſich in ihm immer mächtiger der Wunſch, ſeinem Peiniger, dem Feuerwerker, auch etwas unangenehmes antun zu können. 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Eines Tages, als die Frau Feuerwerker den Waffenrock ihres Gatten in den Kaſten hängen wollte, fühlte ſie in einer Bruſttaſche ein Papier raſcheln. Gewohnt, ſolchen Spuren immer nachzugehen, ent- deckte ſie nun als Urſache des verdächtigen Geräuſches ein kleines Brieferl. Blaß vor Aerger entfaltete ſie dasſelbe und es begann ihr vor den Augen zu flimmern als ſie las: „Mainer gute Wenzl! Sontak hab ich wider Ausgang und warte auf gewiſſe Plazl, o Wenzl wie bin ich froh Madl dainige zu ſei. In aile und vile Bußln deine Marianka“. Wiederholt mußte die Frau Feuerwerker dieſen unheimlichen Brief leſen. Sie war vor Aufregung und Zorn ganz außer ſich. Mit Ausrufen, wie „Philiſter, Heuchler, Gauner, na wart, wenn du zuhaus kommſt, dir werd ich die Liebſchaften ver- treiben“, erwartete ſie die Ankunft ihrer ſchlechteren Hälfte. Es muß ihm nicht gut gegangen ſein, dem Herrn Feuernwerker, das zeigten am nächſten Tage einige rötliche Stellen im Geſichte an und auch ſeine mürriſche Stimmung wies darauf hin. Außerdem menagierte er — zur Ueberraſchung aller — in der Mannſchaftsküche, um, wie er ſagte, die Pantſcherei der Küche zu unterſuchen; man riet hin und her, welche Bewandtnis es mit dieſer veränderten Lebens- führung des Feuerwerkers haben könne, aber beſſer wie alle wußte es der Batterieſchneider, er hütete ſich aber wohlweislich, davon etwas verlauten zu laſſen. Der Feuerwerker war über den ihm mitgeſpielten Streich lange Zeit ſehr aufgebracht. Er nahm ſo manchen raffinierten Kerl der Batterie unter vier Augen ins Gebet, kam aber mit ſeinen Verhören auf keinen grünen Zweig. Zu viel Lärm wollte er nicht ſchlagen, damit die Sache dem Hauptmann nicht zu Ohren kam. Den dummen Affenſchneider zu ver- dächtigen, fiel ihm nicht im Traume ein, zu einer ſolchen Tat hielt er ihn nicht für fähig. Einige Monate ſpäter waren die drei Jahre des Schneiders um und bevor er noch in ſeine Heimat abdampfte, ſandte er von der Bahn weg eine Korreſpondenzkarte an die Frau Feuerwerker: „Mir tut Herr Feiawerker lad das iſe unter ſu ſtrenke Befäl von Ihna weil ich hab Briefl von meine Marianko in ſein Taſchl gſtekt. Mit Gruſ Wenzl S. Schneider in Zievil“. J. Heßler.

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Zitationshilfe: Badener Zeitung. Nr. 87, Baden (Niederösterreich), 28.10.1908, S. 2. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/nn_badener087_1908/2>, abgerufen am 17.09.2021.