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Badener Zeitung. Nr. 87, Baden (Niederösterreich), 28.10.1908.

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Nr. 87 Mittwoch Badener Zeitung 28. Oktober 1908

[Spaltenumbruch]
Zur Landtagswahl.

Der erste Wahltag, jener der allgemeinen Kurie,
ist vorüber und so weit man die Situation über-
blicken kann, wird im neuen Landtag wieder Schwarz
Trumpf sein. Der Ausgang der Wahlen dieses ersten
Tages ist vorauszusehen gewesen und auch der des
zweiten Tages, der Zensus-Kurie, dürfte dem ersten
in nichts nachstehen. Das Votum der Städtekurie
wird lauten wie jenes der allgemeinen Kurie, dank
dem famosen neuen Wahlgesetze und der Rückständigkeit
der Wählerschaft. Niederösterreich wird sich auch
fernerhin noch die christlichsoziale Schlagwörterpolitik
gefallen lassen. Nicht nur Wien mit seiner Kern-
truppe, dem vertschechten und verluegerten Klein-
bürgertum, schwimmt nach wie vor in dem vertraut
gewordenen Fahrwasser, sondern auch das flache
Land, und wenn ein Wermuthstropfen in den christ-
lichsozialen Freudenbecher siel, so ist es die Wahl
der Handvoll Sozialdemokraten, die in den neuen
Landtag einziehen werden.

Die politische Welle ist trübe und unberechenbar.
Den Gedankenlosen reißt sie mit sich fort, heute hier,
morgen dorthin. Dazu kommt noch das große Heer
der politisch apathisch gewordenen und der in Ab-
hängigkeit geratenen und verängstigten Wählerschaft.
Da wechseln Anziehungen und Abstoßungen, daß
einem Grauen überkommen. Wie ganz anders würden
sich diese Wahlen gestalten, wenn auch nur eine der
drückendsten und ungerechtfertigsten Bestimmungen, die
Forderung der dreijährigen Seßhaftigkeit wegfiele!

Mögen unsere Gegner auch noch so in Jubel
ausbrechen, Grund haben sie wahrlich keinen dazu.
Die Geschichte wird über diese Zeitperiode der Fäl-
schung und des Betruges urteilen. Niemals aber
können unter solchen Umständen durchgeführte Wahlen
ein Spiegelbild der Oeffentlichkeit bieten.

Bei der in Baden stattgefundenen Wahl, die in
drei Sektionen vorgenommen wurde, wurden für den
christlichsozialen Kandidaten Anderle 1075, für den
Sozialdemokraten Bretschneider 381 und für
den Deutschnationalen Hübl 280 Stimmen abge-
geben.

In Weikersdorf erhielt Anderle 548,
Bretschneider 139 und Hübl 156 Stimmen.
Im ganzen Wahlkreis bekam Anderle 9270, Bret-
schneider 4944 und Hübl 2159 Stimmen.




Eine fidele Generalversammlung.

Weder die gestörte Entente des europäischen
Konzertes, noch die chaotischen politischen Verhältnisse
Oesterreichs standen auf der Tagesordnung einer
Generalversammlung, die am 25. Oktober in den
Lokalitäten des "Goldenen Löwen" in Baden statt-
fand. Vielleicht hätte Einer oder der Andere auch hier-
über etwas sagen können, denn die Mitglieder dieser
Versammlung standen durchwegs in einem Alter, das
den sogenannten Patriarchen eine besondere Würde
verleiht.

Nein, alle diese Sorgen und Kümmernisse hatten
die Mitglieder des Badener Winterklubs fein zuhause
gelassen, als sie den Bericht des Klubobmannes
Herrn Obersten von Schuster mit einem geradezu
frenetischen Beifall entgegennahmen. Selbst der
trockene Bericht der Kassarevisoren wurde mit Jubel
aufgenommen. Ein sozialistischer Zwischenruf, der sich
auf die Verteilung des angesammelten Vermögens
des Klubs bezog, wurde mit allgemeiner Verachtung
niedergezischt. Nach der Berichterstattung erhob sich
Herr Ingenieur Turecky, der nicht nur durch
30 Jahre Direktor der Skodawerke in Pilsen war,
sondern außerdem daselbst die hohe Schule der
Schlaraffia mit günstigem Erfolge absolvierte, um
eine ganze Reihe von Anträgen zu stellen und mit
schwungvollen Worten derart zu vertreten, daß an
deren Annahme kaum mehr gezweifelt werden konnte.

Es wurde die Erteilung des Absolutoriums vor-
genommen, der Dank dem Obmanne des Klubs Herrn
Obersten von Schuster und dem leitenden Ausschuß
abgestattet und die Wiederwahl des hochverdienten
Ausschusses samt den Funktionären per acclamationem
vorgenommen. Minutenlanger Beifall begleitete jeden
Antrag, so daß eine Abstimmung als eine lächerliche
Formalität erscheinen mußte.

Und doch ging es nicht ohne Opposition ab;
ein Mitglied des Ausschusses, Herr Stabsarzt Dr.
Hassak, erhob sich und fand genügenden Stoff zu
einer äußerst schweren Anklage gegen den Vereins-
obmann. Er beklagte sich über die Tätigkeit und den
Fleiß des Vereinsobmannes, der alles selbst so aus-
gezeichnet durchgeführt, daß dem Ausschuß eigentlich
nichts zu tun übrig blieb. "Wie kommen wir vom
[Spaltenumbruch] Ausschuß dazu", sagte er, "den uns votierten Dank
nicht einmal annehmen zu können, da wir nicht in
die Lage kamen, etwas zu machen?"

Bei der gehobenen Stimmung konnte es nicht
ausbleiben, daß man dem nichtstuenden Ausschuß
nochmals den Dank votierte, weil er nichts getan hat.

Nach getaner Arbeit setzte man sich nieder zum
Tarok; die kühnsten "Pagate" wurden angesagt und
die Kibitze schlugen die Hände über die kahlen Köpfe
zusammen. Die Stelle des Ehrenkibitzes ist frei ge-
worden, derselbe begab sich in das Land, aus welchem
kein Reisender zurückkehrt; um diesen Posten bewerben
sich jetzt mehrere angesehene Mitglieder des Badener
Winterklubs, u. zw. in so energischer Weise, daß der
Ausbruch stürmischer Szenen auch dem Badener
Winterklub nicht erspart bleiben dürfte.




Kommunal-Zeitung.
Eine interessante Entscheidung.

Eine für Wohltäter der Ortsarmen, insbesondere
solche, die denselben letzwillig etwas zuzuwenden ge-
denken, prinzipiell wichtige Entscheidung hat der Ver-
waltungsgerichtshof in Wien unter dem 10. Sep-
tember 1908 gefällt. Hierüber geht uns folgende
Mitteilung zu:

"Der k. k. Verwaltungsgerichtshof hat unter
dem Vorsitze des k. k. Senatspräsidenten Freiherrn
von Schwartzenan, in Gegenwart der Räte des k. k.
Verwaltungsgerichtshofes Dr. Ritter von Popelka,
Dr. von Rozicki, Freiherrn von Weiß und Dr. Tezner,
dann des Schriftführers k. k. Hofsekretär Dr. Ritter
von Schneid, über die Beschwerde der Stadtgemeinde
Baden gegen die Entscheidung des n.-ö. Landesaus-
schusses vom 28. August 1907, Zahl 2953/I--
XIII 242/M,
betreffend die Uebergabe eines Armen-
legates an den Bezirksarmenrat Baden, nach der am
10. September 1908 durchgeführten öffentlichen,
mündlichen Verhandlung, und zwar nach Anhörung
des Vortrages des Referenten, sowie der Ausführungen
des Stadtsekretärs W. Fucke in Baden in Vertretung
der Beschwerde und der Gegenausführungen des
Dr. Josef Porzer, Hof- und Gerichtsadvokaten in
Wien, in Vertretung der belangten Behörde zu Recht
erkannt: Die Beschwerde wird als unbegründet
abgewiesen.
Ein Kostenanspruch findet nicht statt.

Entscheidungsgründe:

Isabella Baronin Ambrozy hat in ihrem
Testamente ddto. 17. November 1893 "den Armen
in Baden
1000 fl. vermacht". Dieses Legat wurde
von den Erben der Gemeinde Baden ausgefolgt.
Nachdem die k. k. n.-ö. Statthalterei mit der rechts-
kräftigen Entscheidung vom 1. Mai 1907, Zahl
V 145/3 ausgesprochen hatte, daß keine Stiftung
vorliege, verfügte der Landesausschuß auf Grund des
§ 11 des n.-ö. Landesarmengesetzes vom 13. Okto-
ber 1893, L.-G.-Bl. Nr. 53, daß das gegenständ-
liche Legat vom Bezirksarmenrate zu übernehmen sei;
gleichzeitig ordnete der Landesausschuß an, daß das
Kapital per 2000 K entsprechend der durch Zeugen-
aussagen bescheinigten Intention der Erblasserin nicht
zur sofortigen Verteilung zu gelangen habe, sondern
fruchtbringend anzulegen sei, und daß die Zinsen all-
jährlich an die Armen Badens verteilt werden sollen.

Die Beschwerde der Gemeinde Baden präzisiert
die Beschwerdepunkte folgendermaßen:

Die Beschwerde richtet sich dagegen, daß das
Legat vom Bezirksarmenrate zu übernehmen sei;
gegen den Auftrag an den Bezirksarmenrat, be-
treffend die fruchtbringende Anlage des legierten Be-
trages, endlich gegen die Annahme, daß das in Rede
stehende Legat unter keine der im § 8 des Armen-
gesetzes angeführten Vermögensk[a]tegorien subsumiert
werden könne. Die Beschwerde vertritt demgegenüber
zunächst den Standpunkt, daß das Legat von der
Erblasserin zu dem speziellen Zweige der Orts-
armenpflege der Gemeinde Baden zugedacht sei."

Der Gerichtshof fand diesen Standpunkt nicht
begründet und fällte die oben erwähnte Entscheidung.

Es empfiehlt sich daher, bei letztwilligen Ver-
fügungen ausdrücklich zu sagen: den Armen
Badens
2000 K vermacht, u. zw. zu Handen
des Herrn Bürgermeisters behufs sofor-
tiger Verteilung an dieselben,
da sonst Ge-
fahr besteht, daß der letztwilligen Anordnung nicht
im Sinne des Erblassers Rechnung getragen werden
kann.




Lokal-Nachrichten.
-- Zahnarzt Dr. M. Dorfner

ist zurück-
gekehrt und ordiniert wie früher.


[Spaltenumbruch]
-- Eröffnung des Postautomobilver-
kehres nach Klausen-Leopoldsdorf und
Heiligenkreuz.

Sonntag vormittags fand die
Eröffnung des Postautomobilverkehres nach Heiligen-
kreuz und Klausen-Leopoldsdorf statt. Um ungefähr
9 Uhr fuhren in drei Automobilomnibus der Fiat-
Werke die geladenen Gäste ab. In den beiden ersten
geschmackvoll dekorierten Wägen nahmen 10, resp.
9 Personen platz, unter ihnen Sektionschef Wagner
v. Jaureg,
Hofrat Habrda, Bezirkshauptmann
Freiherr von Egger, Vizebürgermeister Brusatti,
Vizebürgermeister Gall, Oberpostverwalter Schmied,
die Bürgermeister der interessierten Orte, mehrere
höhere Postbeamte usw.; im dritten Wagen mit 7
Personen nahmen die Vertreter der Presse an der
Fahrt teil. Dieselbe ging nach Alland, dann nach
Klausen-Leopoldsdorf und zurück nach Alland und
Heiligenkreuz. In den ersteren Orten wurden die
Gäste mit Böllerschüssen empfangen; in Klausen-
Leopoldsdorf jedoch zeigte sich der dortige Pfarrer
wenig entzückt von der vorläufig aufgestellten Zeitein-
teilung und brachte eine diesbezügliche Beschwerde
vor. Ihm wurde jedoch bedeutet, daß der Fahrplan
ein provisorischer sei und jede einzelne Gemeinde das
Recht hätte, ihre Beschwerden gegen denselben bis
Ende dieses Monats einbringen zu können, worauf
an eine definitive Regelung geschritten werden soll.
Auf der Rückfahrt gab es bei einem der Wägen
mehreremals kleine Defekte, so daß die Ankunft in
Baden eine namhafte Verzögerung erlitt. Während
der Wagen der Journalisten schon um 1/21 Uhr hier
wieder ankam, langten die beiden anderen erst gegen
3 Uhr hier an. Der öffentliche Verkehr auf den
Linien Baden-Heiligenkreuz und Baden-
Alland-Klausen-Leopoldsdorf
wurde Montags
aufgenommen und es wird in beiden Richtungen
dreimal täglich verkehrt. Auf der ersten Route, deren
Gesamtfahrzeit 50 Minuten beträgt, sind die Halte-
stellen: Baden Südbahnhof, Postamt 1, Pelzgasse,
Ranhenstein, Siegenfeld Cholerakapelle, Alte Krainer-
hütte, Sattelbach, Preinsfeld, Heiligenkreuz. Die
zweite Route, auf welcher die Fahrzeit 1 Stunde
und 21 Minuten beträgt, geht mit der ersten gemeinsam
bis Sattelbach und von dort weiter: Schwechatbach,
Mayerling, Alland, Postamt, Hauptklause, Klausen-
Leopoldsdorf. Der Fahrpreis von Baden beträgt
nach Heiligenkreuz 1 K. 30 H., nach Klausen-Leopolds-
2 K. 20. Der erste Wagen fährt um 5 Uhr 50 Min.
früh vom Badner Postamt ab, die Abgangszeiten
der beiden andern Wagen sind um 8 Uhr 22 Min.
vormittags und 4 Uhr 22 Min. nachmittags, und
zwar vom Südbahnhofe. Die Abfahrtszeiten von
Heiligenkreuz sind auf 6 Uhr 40 Minuten früh,
11 Uhr 15 Min. vormittags und 6 Uhr 25 Min.
abends festgesetzt. Zwischen Baden und Leopoldsdorf
ist gleichfalls ein täglich dreimaliger Verkehr vorge-
sehen. Die Tourfahrten sind für 5 Uhr 45 Min.
früh (Badner Postamt), 8 Uhr 27 Min. vormittags
und 4 Uhr 17 Min. nachmittags (Südbahnhof) fest-
gesetzt. Vom Allander Postamt aus fährt der erste
Wagen um 6 Uhr 40 Min. früh, die beiden anderen
Autos fahren von Klausen-Leopoldsdorf um 10 Uhr
50 Min. vormittags und 6 Uhr abends ab.

-- Die neue Turmdrehleiter der
Feuerwehr.

Vergangenen Sonntag, vormittags
11 Uhr, fand die feierliche Uebergabe der neu ange-
kauften Turmdrehleiter oder Drehschubleiter und Be-
nennung derselben durch den Bürgermeister von Baden
statt. Um 3/411 Uhr waren je eine Abteilung des
I. und II. Zuges der Feuerwehr Baden im Hofe des
k. k. Hofstallgebäudes in der Grabengasse aufmarschiert.
Die neue Schubleiter war in der Mitte des Hofes
postiert. Um 11 Uhr erschienen die geladenen Gäste.
Der Bürgermeister Dr. Trenner, Baron Lasser,
viele Gemeindevertreter, dann Frau Keller mit dem
Herrn Sohne und als es 11 Uhr geschlagen hatte,
wurde "Habt Acht!" kommandiert und Herr Feuer-
wehrhauptmann Moriz Laschitz hielt an die An-
wesenden eine Eingangsrede, in der er die Schwierig-
keiten des Ankaufes dieses Feuerlöschgerätes darlegte.
Die Hochbauten von Baden beanspruchen ein beherr-
schendes Mittel, das durch die Turmdrehleiter geboten
war. Aber die Aussicht, daß die Feuerwehraus-
stellung einen Reingewinn abwerfen werde, aus dem
diese bezahlt werden könnte, habe sich nicht erfüllt.
Da sei der Feuerwehr eine Wohltäterin in der Person
der hochgeehrten Frau Keller erschienen, die die
Hauptsumme für den Ankauf zur Verfügung gestellt
habe. Herr Feuerwehrhauptmann Laschitz ersuchte
hierauf den Bürgermeister, die Leiter zu benen[n]en
und der Feuerwehr zu übergeben. Bürgermeister Dr.
Trenner betonte besonders, daß der Ankauf dieser
Hochleiter, wie aller Feuerlöschrequisiten der Badener
Wehren nötig war. Denn wie ein Soldat im Kriege

Nr. 87 Mittwoch Badener Zeitung 28. Oktober 1908

[Spaltenumbruch]
Zur Landtagswahl.

Der erſte Wahltag, jener der allgemeinen Kurie,
iſt vorüber und ſo weit man die Situation über-
blicken kann, wird im neuen Landtag wieder Schwarz
Trumpf ſein. Der Ausgang der Wahlen dieſes erſten
Tages iſt vorauszuſehen geweſen und auch der des
zweiten Tages, der Zenſus-Kurie, dürfte dem erſten
in nichts nachſtehen. Das Votum der Städtekurie
wird lauten wie jenes der allgemeinen Kurie, dank
dem famoſen neuen Wahlgeſetze und der Rückſtändigkeit
der Wählerſchaft. Niederöſterreich wird ſich auch
fernerhin noch die chriſtlichſoziale Schlagwörterpolitik
gefallen laſſen. Nicht nur Wien mit ſeiner Kern-
truppe, dem vertſchechten und verluegerten Klein-
bürgertum, ſchwimmt nach wie vor in dem vertraut
gewordenen Fahrwaſſer, ſondern auch das flache
Land, und wenn ein Wermuthstropfen in den chriſt-
lichſozialen Freudenbecher ſiel, ſo iſt es die Wahl
der Handvoll Sozialdemokraten, die in den neuen
Landtag einziehen werden.

Die politiſche Welle iſt trübe und unberechenbar.
Den Gedankenloſen reißt ſie mit ſich fort, heute hier,
morgen dorthin. Dazu kommt noch das große Heer
der politiſch apathiſch gewordenen und der in Ab-
hängigkeit geratenen und verängſtigten Wählerſchaft.
Da wechſeln Anziehungen und Abſtoßungen, daß
einem Grauen überkommen. Wie ganz anders würden
ſich dieſe Wahlen geſtalten, wenn auch nur eine der
drückendſten und ungerechtfertigſten Beſtimmungen, die
Forderung der dreijährigen Seßhaftigkeit wegfiele!

Mögen unſere Gegner auch noch ſo in Jubel
ausbrechen, Grund haben ſie wahrlich keinen dazu.
Die Geſchichte wird über dieſe Zeitperiode der Fäl-
ſchung und des Betruges urteilen. Niemals aber
können unter ſolchen Umſtänden durchgeführte Wahlen
ein Spiegelbild der Oeffentlichkeit bieten.

Bei der in Baden ſtattgefundenen Wahl, die in
drei Sektionen vorgenommen wurde, wurden für den
chriſtlichſozialen Kandidaten Anderle 1075, für den
Sozialdemokraten Bretſchneider 381 und für
den Deutſchnationalen Hübl 280 Stimmen abge-
geben.

In Weikersdorf erhielt Anderle 548,
Bretſchneider 139 und Hübl 156 Stimmen.
Im ganzen Wahlkreis bekam Anderle 9270, Bret-
ſchneider 4944 und Hübl 2159 Stimmen.




Eine fidele Generalverſammlung.

Weder die geſtörte Entente des europäiſchen
Konzertes, noch die chaotiſchen politiſchen Verhältniſſe
Oeſterreichs ſtanden auf der Tagesordnung einer
Generalverſammlung, die am 25. Oktober in den
Lokalitäten des „Goldenen Löwen“ in Baden ſtatt-
fand. Vielleicht hätte Einer oder der Andere auch hier-
über etwas ſagen können, denn die Mitglieder dieſer
Verſammlung ſtanden durchwegs in einem Alter, das
den ſogenannten Patriarchen eine beſondere Würde
verleiht.

Nein, alle dieſe Sorgen und Kümmerniſſe hatten
die Mitglieder des Badener Winterklubs fein zuhauſe
gelaſſen, als ſie den Bericht des Klubobmannes
Herrn Oberſten von Schuſter mit einem geradezu
frenetiſchen Beifall entgegennahmen. Selbſt der
trockene Bericht der Kaſſareviſoren wurde mit Jubel
aufgenommen. Ein ſozialiſtiſcher Zwiſchenruf, der ſich
auf die Verteilung des angeſammelten Vermögens
des Klubs bezog, wurde mit allgemeiner Verachtung
niedergeziſcht. Nach der Berichterſtattung erhob ſich
Herr Ingenieur Turecky, der nicht nur durch
30 Jahre Direktor der Skodawerke in Pilſen war,
ſondern außerdem daſelbſt die hohe Schule der
Schlaraffia mit günſtigem Erfolge abſolvierte, um
eine ganze Reihe von Anträgen zu ſtellen und mit
ſchwungvollen Worten derart zu vertreten, daß an
deren Annahme kaum mehr gezweifelt werden konnte.

Es wurde die Erteilung des Abſolutoriums vor-
genommen, der Dank dem Obmanne des Klubs Herrn
Oberſten von Schuſter und dem leitenden Ausſchuß
abgeſtattet und die Wiederwahl des hochverdienten
Ausſchuſſes ſamt den Funktionären per acclamationem
vorgenommen. Minutenlanger Beifall begleitete jeden
Antrag, ſo daß eine Abſtimmung als eine lächerliche
Formalität erſcheinen mußte.

Und doch ging es nicht ohne Oppoſition ab;
ein Mitglied des Ausſchuſſes, Herr Stabsarzt Dr.
Haſſak, erhob ſich und fand genügenden Stoff zu
einer äußerſt ſchweren Anklage gegen den Vereins-
obmann. Er beklagte ſich über die Tätigkeit und den
Fleiß des Vereinsobmannes, der alles ſelbſt ſo aus-
gezeichnet durchgeführt, daß dem Ausſchuß eigentlich
nichts zu tun übrig blieb. „Wie kommen wir vom
[Spaltenumbruch] Ausſchuß dazu“, ſagte er, „den uns votierten Dank
nicht einmal annehmen zu können, da wir nicht in
die Lage kamen, etwas zu machen?“

Bei der gehobenen Stimmung konnte es nicht
ausbleiben, daß man dem nichtstuenden Ausſchuß
nochmals den Dank votierte, weil er nichts getan hat.

Nach getaner Arbeit ſetzte man ſich nieder zum
Tarok; die kühnſten „Pagate“ wurden angeſagt und
die Kibitze ſchlugen die Hände über die kahlen Köpfe
zuſammen. Die Stelle des Ehrenkibitzes iſt frei ge-
worden, derſelbe begab ſich in das Land, aus welchem
kein Reiſender zurückkehrt; um dieſen Poſten bewerben
ſich jetzt mehrere angeſehene Mitglieder des Badener
Winterklubs, u. zw. in ſo energiſcher Weiſe, daß der
Ausbruch ſtürmiſcher Szenen auch dem Badener
Winterklub nicht erſpart bleiben dürfte.




Kommunal-Zeitung.
Eine intereſſante Entſcheidung.

Eine für Wohltäter der Ortsarmen, insbeſondere
ſolche, die denſelben letzwillig etwas zuzuwenden ge-
denken, prinzipiell wichtige Entſcheidung hat der Ver-
waltungsgerichtshof in Wien unter dem 10. Sep-
tember 1908 gefällt. Hierüber geht uns folgende
Mitteilung zu:

„Der k. k. Verwaltungsgerichtshof hat unter
dem Vorſitze des k. k. Senatspräſidenten Freiherrn
von Schwartzenan, in Gegenwart der Räte des k. k.
Verwaltungsgerichtshofes Dr. Ritter von Popelka,
Dr. von Rozicki, Freiherrn von Weiß und Dr. Tezner,
dann des Schriftführers k. k. Hofſekretär Dr. Ritter
von Schneid, über die Beſchwerde der Stadtgemeinde
Baden gegen die Entſcheidung des n.-ö. Landesaus-
ſchuſſes vom 28. Auguſt 1907, Zahl 2953/I—
XIII 242/M,
betreffend die Uebergabe eines Armen-
legates an den Bezirksarmenrat Baden, nach der am
10. September 1908 durchgeführten öffentlichen,
mündlichen Verhandlung, und zwar nach Anhörung
des Vortrages des Referenten, ſowie der Ausführungen
des Stadtſekretärs W. Fucke in Baden in Vertretung
der Beſchwerde und der Gegenausführungen des
Dr. Joſef Porzer, Hof- und Gerichtsadvokaten in
Wien, in Vertretung der belangten Behörde zu Recht
erkannt: Die Beſchwerde wird als unbegründet
abgewieſen.
Ein Koſtenanſpruch findet nicht ſtatt.

Entſcheidungsgründe:

Iſabella Baronin Ambrozy hat in ihrem
Teſtamente ddto. 17. November 1893 „den Armen
in Baden
1000 fl. vermacht“. Dieſes Legat wurde
von den Erben der Gemeinde Baden ausgefolgt.
Nachdem die k. k. n.-ö. Statthalterei mit der rechts-
kräftigen Entſcheidung vom 1. Mai 1907, Zahl
V 145/3 ausgeſprochen hatte, daß keine Stiftung
vorliege, verfügte der Landesausſchuß auf Grund des
§ 11 des n.-ö. Landesarmengeſetzes vom 13. Okto-
ber 1893, L.-G.-Bl. Nr. 53, daß das gegenſtänd-
liche Legat vom Bezirksarmenrate zu übernehmen ſei;
gleichzeitig ordnete der Landesausſchuß an, daß das
Kapital per 2000 K entſprechend der durch Zeugen-
ausſagen beſcheinigten Intention der Erblaſſerin nicht
zur ſofortigen Verteilung zu gelangen habe, ſondern
fruchtbringend anzulegen ſei, und daß die Zinſen all-
jährlich an die Armen Badens verteilt werden ſollen.

Die Beſchwerde der Gemeinde Baden präziſiert
die Beſchwerdepunkte folgendermaßen:

Die Beſchwerde richtet ſich dagegen, daß das
Legat vom Bezirksarmenrate zu übernehmen ſei;
gegen den Auftrag an den Bezirksarmenrat, be-
treffend die fruchtbringende Anlage des legierten Be-
trages, endlich gegen die Annahme, daß das in Rede
ſtehende Legat unter keine der im § 8 des Armen-
geſetzes angeführten Vermögensk[a]tegorien ſubſumiert
werden könne. Die Beſchwerde vertritt demgegenüber
zunächſt den Standpunkt, daß das Legat von der
Erblaſſerin zu dem ſpeziellen Zweige der Orts-
armenpflege der Gemeinde Baden zugedacht ſei.“

Der Gerichtshof fand dieſen Standpunkt nicht
begründet und fällte die oben erwähnte Entſcheidung.

Es empfiehlt ſich daher, bei letztwilligen Ver-
fügungen ausdrücklich zu ſagen: den Armen
Badens
2000 K vermacht, u. zw. zu Handen
des Herrn Bürgermeiſters behufs ſofor-
tiger Verteilung an dieſelben,
da ſonſt Ge-
fahr beſteht, daß der letztwilligen Anordnung nicht
im Sinne des Erblaſſers Rechnung getragen werden
kann.




Lokal-Nachrichten.
Zahnarzt Dr. M. Dorfner

iſt zurück-
gekehrt und ordiniert wie früher.


[Spaltenumbruch]
Eröffnung des Poſtautomobilver-
kehres nach Klauſen-Leopoldsdorf und
Heiligenkreuz.

Sonntag vormittags fand die
Eröffnung des Poſtautomobilverkehres nach Heiligen-
kreuz und Klauſen-Leopoldsdorf ſtatt. Um ungefähr
9 Uhr fuhren in drei Automobilomnibus der Fiat-
Werke die geladenen Gäſte ab. In den beiden erſten
geſchmackvoll dekorierten Wägen nahmen 10, reſp.
9 Perſonen platz, unter ihnen Sektionschef Wagner
v. Jaureg,
Hofrat Habrda, Bezirkshauptmann
Freiherr von Egger, Vizebürgermeiſter Bruſatti,
Vizebürgermeiſter Gall, Oberpoſtverwalter Schmied,
die Bürgermeiſter der intereſſierten Orte, mehrere
höhere Poſtbeamte uſw.; im dritten Wagen mit 7
Perſonen nahmen die Vertreter der Preſſe an der
Fahrt teil. Dieſelbe ging nach Alland, dann nach
Klauſen-Leopoldsdorf und zurück nach Alland und
Heiligenkreuz. In den erſteren Orten wurden die
Gäſte mit Böllerſchüſſen empfangen; in Klauſen-
Leopoldsdorf jedoch zeigte ſich der dortige Pfarrer
wenig entzückt von der vorläufig aufgeſtellten Zeitein-
teilung und brachte eine diesbezügliche Beſchwerde
vor. Ihm wurde jedoch bedeutet, daß der Fahrplan
ein proviſoriſcher ſei und jede einzelne Gemeinde das
Recht hätte, ihre Beſchwerden gegen denſelben bis
Ende dieſes Monats einbringen zu können, worauf
an eine definitive Regelung geſchritten werden ſoll.
Auf der Rückfahrt gab es bei einem der Wägen
mehreremals kleine Defekte, ſo daß die Ankunft in
Baden eine namhafte Verzögerung erlitt. Während
der Wagen der Journaliſten ſchon um ½1 Uhr hier
wieder ankam, langten die beiden anderen erſt gegen
3 Uhr hier an. Der öffentliche Verkehr auf den
Linien Baden-Heiligenkreuz und Baden-
Alland-Klauſen-Leopoldsdorf
wurde Montags
aufgenommen und es wird in beiden Richtungen
dreimal täglich verkehrt. Auf der erſten Route, deren
Geſamtfahrzeit 50 Minuten beträgt, ſind die Halte-
ſtellen: Baden Südbahnhof, Poſtamt 1, Pelzgaſſe,
Ranhenſtein, Siegenfeld Cholerakapelle, Alte Krainer-
hütte, Sattelbach, Preinsfeld, Heiligenkreuz. Die
zweite Route, auf welcher die Fahrzeit 1 Stunde
und 21 Minuten beträgt, geht mit der erſten gemeinſam
bis Sattelbach und von dort weiter: Schwechatbach,
Mayerling, Alland, Poſtamt, Hauptklauſe, Klauſen-
Leopoldsdorf. Der Fahrpreis von Baden beträgt
nach Heiligenkreuz 1 K. 30 H., nach Klauſen-Leopolds-
2 K. 20. Der erſte Wagen fährt um 5 Uhr 50 Min.
früh vom Badner Poſtamt ab, die Abgangszeiten
der beiden andern Wagen ſind um 8 Uhr 22 Min.
vormittags und 4 Uhr 22 Min. nachmittags, und
zwar vom Südbahnhofe. Die Abfahrtszeiten von
Heiligenkreuz ſind auf 6 Uhr 40 Minuten früh,
11 Uhr 15 Min. vormittags und 6 Uhr 25 Min.
abends feſtgeſetzt. Zwiſchen Baden und Leopoldsdorf
iſt gleichfalls ein täglich dreimaliger Verkehr vorge-
ſehen. Die Tourfahrten ſind für 5 Uhr 45 Min.
früh (Badner Poſtamt), 8 Uhr 27 Min. vormittags
und 4 Uhr 17 Min. nachmittags (Südbahnhof) feſt-
geſetzt. Vom Allander Poſtamt aus fährt der erſte
Wagen um 6 Uhr 40 Min. früh, die beiden anderen
Autos fahren von Klauſen-Leopoldsdorf um 10 Uhr
50 Min. vormittags und 6 Uhr abends ab.

Die neue Turmdrehleiter der
Feuerwehr.

Vergangenen Sonntag, vormittags
11 Uhr, fand die feierliche Uebergabe der neu ange-
kauften Turmdrehleiter oder Drehſchubleiter und Be-
nennung derſelben durch den Bürgermeiſter von Baden
ſtatt. Um ¾11 Uhr waren je eine Abteilung des
I. und II. Zuges der Feuerwehr Baden im Hofe des
k. k. Hofſtallgebäudes in der Grabengaſſe aufmarſchiert.
Die neue Schubleiter war in der Mitte des Hofes
poſtiert. Um 11 Uhr erſchienen die geladenen Gäſte.
Der Bürgermeiſter Dr. Trenner, Baron Laſſer,
viele Gemeindevertreter, dann Frau Keller mit dem
Herrn Sohne und als es 11 Uhr geſchlagen hatte,
wurde „Habt Acht!“ kommandiert und Herr Feuer-
wehrhauptmann Moriz Laſchitz hielt an die An-
weſenden eine Eingangsrede, in der er die Schwierig-
keiten des Ankaufes dieſes Feuerlöſchgerätes darlegte.
Die Hochbauten von Baden beanſpruchen ein beherr-
ſchendes Mittel, das durch die Turmdrehleiter geboten
war. Aber die Ausſicht, daß die Feuerwehraus-
ſtellung einen Reingewinn abwerfen werde, aus dem
dieſe bezahlt werden könnte, habe ſich nicht erfüllt.
Da ſei der Feuerwehr eine Wohltäterin in der Perſon
der hochgeehrten Frau Keller erſchienen, die die
Hauptſumme für den Ankauf zur Verfügung geſtellt
habe. Herr Feuerwehrhauptmann Laſchitz erſuchte
hierauf den Bürgermeiſter, die Leiter zu benen[n]en
und der Feuerwehr zu übergeben. Bürgermeiſter Dr.
Trenner betonte beſonders, daß der Ankauf dieſer
Hochleiter, wie aller Feuerlöſchrequiſiten der Badener
Wehren nötig war. Denn wie ein Soldat im Kriege

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Trumpf &#x017F;ein. Der Ausgang der Wahlen die&#x017F;es er&#x017F;ten<lb/>
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[3/0003] Nr. 87 Mittwoch Badener Zeitung 28. Oktober 1908 Zur Landtagswahl. Der erſte Wahltag, jener der allgemeinen Kurie, iſt vorüber und ſo weit man die Situation über- blicken kann, wird im neuen Landtag wieder Schwarz Trumpf ſein. Der Ausgang der Wahlen dieſes erſten Tages iſt vorauszuſehen geweſen und auch der des zweiten Tages, der Zenſus-Kurie, dürfte dem erſten in nichts nachſtehen. Das Votum der Städtekurie wird lauten wie jenes der allgemeinen Kurie, dank dem famoſen neuen Wahlgeſetze und der Rückſtändigkeit der Wählerſchaft. Niederöſterreich wird ſich auch fernerhin noch die chriſtlichſoziale Schlagwörterpolitik gefallen laſſen. Nicht nur Wien mit ſeiner Kern- truppe, dem vertſchechten und verluegerten Klein- bürgertum, ſchwimmt nach wie vor in dem vertraut gewordenen Fahrwaſſer, ſondern auch das flache Land, und wenn ein Wermuthstropfen in den chriſt- lichſozialen Freudenbecher ſiel, ſo iſt es die Wahl der Handvoll Sozialdemokraten, die in den neuen Landtag einziehen werden. Die politiſche Welle iſt trübe und unberechenbar. Den Gedankenloſen reißt ſie mit ſich fort, heute hier, morgen dorthin. Dazu kommt noch das große Heer der politiſch apathiſch gewordenen und der in Ab- hängigkeit geratenen und verängſtigten Wählerſchaft. Da wechſeln Anziehungen und Abſtoßungen, daß einem Grauen überkommen. Wie ganz anders würden ſich dieſe Wahlen geſtalten, wenn auch nur eine der drückendſten und ungerechtfertigſten Beſtimmungen, die Forderung der dreijährigen Seßhaftigkeit wegfiele! Mögen unſere Gegner auch noch ſo in Jubel ausbrechen, Grund haben ſie wahrlich keinen dazu. Die Geſchichte wird über dieſe Zeitperiode der Fäl- ſchung und des Betruges urteilen. Niemals aber können unter ſolchen Umſtänden durchgeführte Wahlen ein Spiegelbild der Oeffentlichkeit bieten. Bei der in Baden ſtattgefundenen Wahl, die in drei Sektionen vorgenommen wurde, wurden für den chriſtlichſozialen Kandidaten Anderle 1075, für den Sozialdemokraten Bretſchneider 381 und für den Deutſchnationalen Hübl 280 Stimmen abge- geben. In Weikersdorf erhielt Anderle 548, Bretſchneider 139 und Hübl 156 Stimmen. Im ganzen Wahlkreis bekam Anderle 9270, Bret- ſchneider 4944 und Hübl 2159 Stimmen. Eine fidele Generalverſammlung. Weder die geſtörte Entente des europäiſchen Konzertes, noch die chaotiſchen politiſchen Verhältniſſe Oeſterreichs ſtanden auf der Tagesordnung einer Generalverſammlung, die am 25. Oktober in den Lokalitäten des „Goldenen Löwen“ in Baden ſtatt- fand. Vielleicht hätte Einer oder der Andere auch hier- über etwas ſagen können, denn die Mitglieder dieſer Verſammlung ſtanden durchwegs in einem Alter, das den ſogenannten Patriarchen eine beſondere Würde verleiht. Nein, alle dieſe Sorgen und Kümmerniſſe hatten die Mitglieder des Badener Winterklubs fein zuhauſe gelaſſen, als ſie den Bericht des Klubobmannes Herrn Oberſten von Schuſter mit einem geradezu frenetiſchen Beifall entgegennahmen. Selbſt der trockene Bericht der Kaſſareviſoren wurde mit Jubel aufgenommen. Ein ſozialiſtiſcher Zwiſchenruf, der ſich auf die Verteilung des angeſammelten Vermögens des Klubs bezog, wurde mit allgemeiner Verachtung niedergeziſcht. Nach der Berichterſtattung erhob ſich Herr Ingenieur Turecky, der nicht nur durch 30 Jahre Direktor der Skodawerke in Pilſen war, ſondern außerdem daſelbſt die hohe Schule der Schlaraffia mit günſtigem Erfolge abſolvierte, um eine ganze Reihe von Anträgen zu ſtellen und mit ſchwungvollen Worten derart zu vertreten, daß an deren Annahme kaum mehr gezweifelt werden konnte. Es wurde die Erteilung des Abſolutoriums vor- genommen, der Dank dem Obmanne des Klubs Herrn Oberſten von Schuſter und dem leitenden Ausſchuß abgeſtattet und die Wiederwahl des hochverdienten Ausſchuſſes ſamt den Funktionären per acclamationem vorgenommen. Minutenlanger Beifall begleitete jeden Antrag, ſo daß eine Abſtimmung als eine lächerliche Formalität erſcheinen mußte. Und doch ging es nicht ohne Oppoſition ab; ein Mitglied des Ausſchuſſes, Herr Stabsarzt Dr. Haſſak, erhob ſich und fand genügenden Stoff zu einer äußerſt ſchweren Anklage gegen den Vereins- obmann. Er beklagte ſich über die Tätigkeit und den Fleiß des Vereinsobmannes, der alles ſelbſt ſo aus- gezeichnet durchgeführt, daß dem Ausſchuß eigentlich nichts zu tun übrig blieb. „Wie kommen wir vom Ausſchuß dazu“, ſagte er, „den uns votierten Dank nicht einmal annehmen zu können, da wir nicht in die Lage kamen, etwas zu machen?“ Bei der gehobenen Stimmung konnte es nicht ausbleiben, daß man dem nichtstuenden Ausſchuß nochmals den Dank votierte, weil er nichts getan hat. Nach getaner Arbeit ſetzte man ſich nieder zum Tarok; die kühnſten „Pagate“ wurden angeſagt und die Kibitze ſchlugen die Hände über die kahlen Köpfe zuſammen. Die Stelle des Ehrenkibitzes iſt frei ge- worden, derſelbe begab ſich in das Land, aus welchem kein Reiſender zurückkehrt; um dieſen Poſten bewerben ſich jetzt mehrere angeſehene Mitglieder des Badener Winterklubs, u. zw. in ſo energiſcher Weiſe, daß der Ausbruch ſtürmiſcher Szenen auch dem Badener Winterklub nicht erſpart bleiben dürfte. Kommunal-Zeitung. Eine intereſſante Entſcheidung. Eine für Wohltäter der Ortsarmen, insbeſondere ſolche, die denſelben letzwillig etwas zuzuwenden ge- denken, prinzipiell wichtige Entſcheidung hat der Ver- waltungsgerichtshof in Wien unter dem 10. Sep- tember 1908 gefällt. Hierüber geht uns folgende Mitteilung zu: „Der k. k. Verwaltungsgerichtshof hat unter dem Vorſitze des k. k. Senatspräſidenten Freiherrn von Schwartzenan, in Gegenwart der Räte des k. k. Verwaltungsgerichtshofes Dr. Ritter von Popelka, Dr. von Rozicki, Freiherrn von Weiß und Dr. Tezner, dann des Schriftführers k. k. Hofſekretär Dr. Ritter von Schneid, über die Beſchwerde der Stadtgemeinde Baden gegen die Entſcheidung des n.-ö. Landesaus- ſchuſſes vom 28. Auguſt 1907, Zahl 2953/I— XIII 242/M, betreffend die Uebergabe eines Armen- legates an den Bezirksarmenrat Baden, nach der am 10. September 1908 durchgeführten öffentlichen, mündlichen Verhandlung, und zwar nach Anhörung des Vortrages des Referenten, ſowie der Ausführungen des Stadtſekretärs W. Fucke in Baden in Vertretung der Beſchwerde und der Gegenausführungen des Dr. Joſef Porzer, Hof- und Gerichtsadvokaten in Wien, in Vertretung der belangten Behörde zu Recht erkannt: Die Beſchwerde wird als unbegründet abgewieſen. Ein Koſtenanſpruch findet nicht ſtatt. Entſcheidungsgründe: Iſabella Baronin Ambrozy hat in ihrem Teſtamente ddto. 17. November 1893 „den Armen in Baden 1000 fl. vermacht“. Dieſes Legat wurde von den Erben der Gemeinde Baden ausgefolgt. Nachdem die k. k. n.-ö. Statthalterei mit der rechts- kräftigen Entſcheidung vom 1. Mai 1907, Zahl V 145/3 ausgeſprochen hatte, daß keine Stiftung vorliege, verfügte der Landesausſchuß auf Grund des § 11 des n.-ö. Landesarmengeſetzes vom 13. Okto- ber 1893, L.-G.-Bl. Nr. 53, daß das gegenſtänd- liche Legat vom Bezirksarmenrate zu übernehmen ſei; gleichzeitig ordnete der Landesausſchuß an, daß das Kapital per 2000 K entſprechend der durch Zeugen- ausſagen beſcheinigten Intention der Erblaſſerin nicht zur ſofortigen Verteilung zu gelangen habe, ſondern fruchtbringend anzulegen ſei, und daß die Zinſen all- jährlich an die Armen Badens verteilt werden ſollen. Die Beſchwerde der Gemeinde Baden präziſiert die Beſchwerdepunkte folgendermaßen: Die Beſchwerde richtet ſich dagegen, daß das Legat vom Bezirksarmenrate zu übernehmen ſei; gegen den Auftrag an den Bezirksarmenrat, be- treffend die fruchtbringende Anlage des legierten Be- trages, endlich gegen die Annahme, daß das in Rede ſtehende Legat unter keine der im § 8 des Armen- geſetzes angeführten Vermögenskategorien ſubſumiert werden könne. Die Beſchwerde vertritt demgegenüber zunächſt den Standpunkt, daß das Legat von der Erblaſſerin zu dem ſpeziellen Zweige der Orts- armenpflege der Gemeinde Baden zugedacht ſei.“ Der Gerichtshof fand dieſen Standpunkt nicht begründet und fällte die oben erwähnte Entſcheidung. Es empfiehlt ſich daher, bei letztwilligen Ver- fügungen ausdrücklich zu ſagen: den Armen Badens 2000 K vermacht, u. zw. zu Handen des Herrn Bürgermeiſters behufs ſofor- tiger Verteilung an dieſelben, da ſonſt Ge- fahr beſteht, daß der letztwilligen Anordnung nicht im Sinne des Erblaſſers Rechnung getragen werden kann. Lokal-Nachrichten. — Zahnarzt Dr. M. Dorfner iſt zurück- gekehrt und ordiniert wie früher. — Eröffnung des Poſtautomobilver- kehres nach Klauſen-Leopoldsdorf und Heiligenkreuz. Sonntag vormittags fand die Eröffnung des Poſtautomobilverkehres nach Heiligen- kreuz und Klauſen-Leopoldsdorf ſtatt. Um ungefähr 9 Uhr fuhren in drei Automobilomnibus der Fiat- Werke die geladenen Gäſte ab. In den beiden erſten geſchmackvoll dekorierten Wägen nahmen 10, reſp. 9 Perſonen platz, unter ihnen Sektionschef Wagner v. Jaureg, Hofrat Habrda, Bezirkshauptmann Freiherr von Egger, Vizebürgermeiſter Bruſatti, Vizebürgermeiſter Gall, Oberpoſtverwalter Schmied, die Bürgermeiſter der intereſſierten Orte, mehrere höhere Poſtbeamte uſw.; im dritten Wagen mit 7 Perſonen nahmen die Vertreter der Preſſe an der Fahrt teil. Dieſelbe ging nach Alland, dann nach Klauſen-Leopoldsdorf und zurück nach Alland und Heiligenkreuz. In den erſteren Orten wurden die Gäſte mit Böllerſchüſſen empfangen; in Klauſen- Leopoldsdorf jedoch zeigte ſich der dortige Pfarrer wenig entzückt von der vorläufig aufgeſtellten Zeitein- teilung und brachte eine diesbezügliche Beſchwerde vor. Ihm wurde jedoch bedeutet, daß der Fahrplan ein proviſoriſcher ſei und jede einzelne Gemeinde das Recht hätte, ihre Beſchwerden gegen denſelben bis Ende dieſes Monats einbringen zu können, worauf an eine definitive Regelung geſchritten werden ſoll. Auf der Rückfahrt gab es bei einem der Wägen mehreremals kleine Defekte, ſo daß die Ankunft in Baden eine namhafte Verzögerung erlitt. Während der Wagen der Journaliſten ſchon um ½1 Uhr hier wieder ankam, langten die beiden anderen erſt gegen 3 Uhr hier an. Der öffentliche Verkehr auf den Linien Baden-Heiligenkreuz und Baden- Alland-Klauſen-Leopoldsdorf wurde Montags aufgenommen und es wird in beiden Richtungen dreimal täglich verkehrt. Auf der erſten Route, deren Geſamtfahrzeit 50 Minuten beträgt, ſind die Halte- ſtellen: Baden Südbahnhof, Poſtamt 1, Pelzgaſſe, Ranhenſtein, Siegenfeld Cholerakapelle, Alte Krainer- hütte, Sattelbach, Preinsfeld, Heiligenkreuz. Die zweite Route, auf welcher die Fahrzeit 1 Stunde und 21 Minuten beträgt, geht mit der erſten gemeinſam bis Sattelbach und von dort weiter: Schwechatbach, Mayerling, Alland, Poſtamt, Hauptklauſe, Klauſen- Leopoldsdorf. Der Fahrpreis von Baden beträgt nach Heiligenkreuz 1 K. 30 H., nach Klauſen-Leopolds- 2 K. 20. Der erſte Wagen fährt um 5 Uhr 50 Min. früh vom Badner Poſtamt ab, die Abgangszeiten der beiden andern Wagen ſind um 8 Uhr 22 Min. vormittags und 4 Uhr 22 Min. nachmittags, und zwar vom Südbahnhofe. Die Abfahrtszeiten von Heiligenkreuz ſind auf 6 Uhr 40 Minuten früh, 11 Uhr 15 Min. vormittags und 6 Uhr 25 Min. abends feſtgeſetzt. Zwiſchen Baden und Leopoldsdorf iſt gleichfalls ein täglich dreimaliger Verkehr vorge- ſehen. Die Tourfahrten ſind für 5 Uhr 45 Min. früh (Badner Poſtamt), 8 Uhr 27 Min. vormittags und 4 Uhr 17 Min. nachmittags (Südbahnhof) feſt- geſetzt. Vom Allander Poſtamt aus fährt der erſte Wagen um 6 Uhr 40 Min. früh, die beiden anderen Autos fahren von Klauſen-Leopoldsdorf um 10 Uhr 50 Min. vormittags und 6 Uhr abends ab. — Die neue Turmdrehleiter der Feuerwehr. Vergangenen Sonntag, vormittags 11 Uhr, fand die feierliche Uebergabe der neu ange- kauften Turmdrehleiter oder Drehſchubleiter und Be- nennung derſelben durch den Bürgermeiſter von Baden ſtatt. Um ¾11 Uhr waren je eine Abteilung des I. und II. Zuges der Feuerwehr Baden im Hofe des k. k. Hofſtallgebäudes in der Grabengaſſe aufmarſchiert. Die neue Schubleiter war in der Mitte des Hofes poſtiert. Um 11 Uhr erſchienen die geladenen Gäſte. Der Bürgermeiſter Dr. Trenner, Baron Laſſer, viele Gemeindevertreter, dann Frau Keller mit dem Herrn Sohne und als es 11 Uhr geſchlagen hatte, wurde „Habt Acht!“ kommandiert und Herr Feuer- wehrhauptmann Moriz Laſchitz hielt an die An- weſenden eine Eingangsrede, in der er die Schwierig- keiten des Ankaufes dieſes Feuerlöſchgerätes darlegte. Die Hochbauten von Baden beanſpruchen ein beherr- ſchendes Mittel, das durch die Turmdrehleiter geboten war. Aber die Ausſicht, daß die Feuerwehraus- ſtellung einen Reingewinn abwerfen werde, aus dem dieſe bezahlt werden könnte, habe ſich nicht erfüllt. Da ſei der Feuerwehr eine Wohltäterin in der Perſon der hochgeehrten Frau Keller erſchienen, die die Hauptſumme für den Ankauf zur Verfügung geſtellt habe. Herr Feuerwehrhauptmann Laſchitz erſuchte hierauf den Bürgermeiſter, die Leiter zu benennen und der Feuerwehr zu übergeben. Bürgermeiſter Dr. Trenner betonte beſonders, daß der Ankauf dieſer Hochleiter, wie aller Feuerlöſchrequiſiten der Badener Wehren nötig war. Denn wie ein Soldat im Kriege

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Zitationshilfe: Badener Zeitung. Nr. 87, Baden (Niederösterreich), 28.10.1908, S. 3. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/nn_badener087_1908/3>, abgerufen am 23.09.2021.