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Badener Zeitung. Nr. 101, Baden (Niederösterreich), 16.12.1896.

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Nr. 101. Mittwoch Badener Zeitung 16. December 1896.

[Spaltenumbruch] wurde. Nach einem vom Capellmeister Herrn Ignaz
Schweiger aus Mödling in brillanter Weise executirten
Claviervortrage, welcher vielen und verdienten Beifall
erntete, sprach Fräulein Anna Fitzga einen speciell
für den ersten Abend verfaßten Prolog, welcher
in launiger Weise die Mitglieder des Comites
behandelte und in einem warmen Appell an den
Gemeinsinn der Beamtenschaft ausklang. Das
Poem, das zu seinem Verfasser den Eisenbahnbeamten
Herrn Franz Josef Koch hat, wurde von der jungen
Dame trotz einigen Lampenfiebers recht hübsch vor-
getragen und gelangte später in äußerst geschmackvoller
typographischer Ausstattung zur Vertheilung an die
Gäste. Vielen und anhaltenden Beifall erzielten auch
zwei von Herrn Friedrich Nawratil vorgetragene
Lieder, "Das Elternhaus" von Laßen und "Ueber's
Jahr" von Böhm, in welchen sich uns der Sänger,
ein langjähriges und beliebtes Mitglied des Eisen-
bahn-Gesangsvereines, als eine überaus tüchtige und
leistungsfähige Kraft präsentirte. Herr Hans Korn-
berger, unsere einheimische Kraft, ist zu wohl bekannt,
als daß wir es erst noch nöthig hätten, seine aus-
gezeichneten Leistungen auf dem Gebiete der Vorträge
in steirischer und niederösterreichischer Mundart,
welche Dialekte er bekanntlich in virtuoser Weise
beherrscht, näher zu erläutern. Daß er auch die
Gesellschaft dieses Abendes für sich zu erwärmen
vermochte, geht aus dem Umstande hervor, daß er
nach Schluß des Programmes über vielseitiges Ver-
langen noch eine Serie seiner Vorlesungen zugeben
mußte. Als ein Novum für Baden war der Wiener
Mandolinenclub erschienen, eine Vereinigung von
Amateuren welche ihre Instrumente meisterhaft zu
handhaben verstehen und eine Reihe von Concert-
nummern zum Vortrage brachten, welche ihnen lebhaften
und wohlverdienten Applaus eintrugen. Auch diese
Gesellschaft hielt zwei Programmnummern besetzt,
während eine dritte, ein Guitarre-Duo, wegen
Umwohlseins eines der Mitwirkenden ausfallen mußte.
Statt dieser Nummer erklärte sich jedoch ein Kunst-
genosse der Spieler, Herr Hugl aus Wien, in liebens-
würdigster Weise bereit, einige Productionen im
Kunstpfeifen zum Besten zu geben und leistete auf
diesem Gebiete so Vorzügliches, daß stürmischer und
nicht enden wollender Beifall seine Darbietungen lohnte
und Herr Hugl immer und immer wieder gerufen
wurde. Den Glanzpunkt des Abends bildeten un-
streitig die Vorträge des Humoristen Herrn Theodor
Weiser aus Wien. Obwohl dem hiesigen Publicum
längst nicht mehr fremd, erzielte Herr Weiser dennoch
dank seiner verblüffenden Virtuosität auf dem von
ihm bearbeiteten Gebiete des Prosavortrages und des
komischen Gesanges den lebhaftesten und anhaltendsten
Beifall, der namentlich bei dem zweiten Auftreten
des Künstlers, in welchem er sich dem Publicum als
Balladensänger zeigte, kein Ende nehmen wollte. Zum
Schlusse des reichhaltigen Programmes gab Herr
Hugl über allseitiges Verlangen noch eine Nummer
zum Besten und absolvirte diese, bei seinem Erscheinen
am Podium lebhaft acclamirt, in derselben glänzenden
Form, wie seine erste Production. Nach einer kurzen
Pause trat hierauf der Tanz in seine Rechte; Capell-
meister Schweiger entlockte dem Claviere mit geübter
Hand prickelnde Weisen und im Nu war der geräumige
Saal von tanzenden und lustig dahinwirbelnden
Paaren dicht gefüllt. Zur allgemeinen Ueberraschung
erschien der Mandolinenclub in italienischen Co-
stümen und füllte die Tanzpausen unter dem Beifalle
des Publicums mit seinen Productionen aus, bei
welcher Gelegenheit sich die Herren Nawratil und
Kovats als trefflich italienische Liedersänger entpuppten.
In der Ruhe brachte die Gruppe dem Obmanne des
Vergnügunscomites, Herrn Südbahninspector Knotz,
ein improvisirtes Ständchen dar, bei welcher Gelegenheit
Ingenieur Fohmann aus Wien eine humorvolle
Ansprache hielt und in beredten Worten die so
erfolgreiche Arbeit des Comites und seines Oberhauptes
schilderte. Bei Gesang und Tanz wurde hierauf der
Rest der lustigen Nacht verbracht, und die fünfte
Stunde war bereits lan e vorüber, ehe die Schaar
der Gäste sich zum Aufbruche entschloß, wohl der
sprechendste Beweis für das Animo, das diesen ersten
Beamtenabend beherrschte. Eine sinnige Ueberraschung
brachte ein Gast des Abendes, Herr Bäckermeister
Löw, in Form von Backwerk, welches ein geflügeltes
Rad darstellte und auf allen Tischen zur Vertheilung
gelangte. Fügen wir noch hinzu, daß Küche und
Keller des Restaurateurs Herrn Czernay nichts zu
wünschen übrig ließen, so wird man es wohl be-
greifen, daß über den Abend allgemeines Lob herrschte,
und daß die Gäste sich gelobten, auch zu dem am
16. k. M. stattfindenden zweiten Abende wieder zu
kommen. Das Comite hat mit dieser Veranstaltung
eine schöne und anerkennenswerthe Leistung geboten
[Spaltenumbruch] und darf mit Fug und Recht den Dank aller der
vielen Anwesenden in Anspruch nehmen Es war
ein Abend echter und rechter Gemüthlichkeit, der allen
Theilnehmern noch lange in angenehmer Erinnerung
bleiben dürfte. Aus diesem Grunde gratuliren wir
denn auch dem Comite zu seinem ersten Unternehmen
und wünschen ihm denselben glänzenden Erfolg für
den kommenden 16. Jänner. -- Wir werden ersucht,
mitzutheilen, daß in der dem gedruckten Prologe
beigegebenen Liste der Comitemitglieder durch einen
bedauerlichen Irrthum die Namen zweier hervorragender
Mitarbeiter, und zwar des verdienstvollen Schriftführers,
Herrn Sigmund Kraupp und des Stationschefs Herrn
Tarnoczy, ausgeblieben sind, welches Versäumniß das
Comite hiermit nachträgt.

-- Die "Nachrichten aus dem Viertel
unter aller Kritik",

sehr beschränkte Genossen-
schaft für "Kaffeetratsch" und Stumpfsinn, wehren
sich aus Leibeskräften gegen die Annagelung, welche
wir ihnen ob ihres nachgerade zur Manie ausartenden
publicistischen Diebstahles zu Theil werden ließen.
Unsere Behauptung, daß uns vom Personale der
"Nachrichten aus dem etc." Anerbieten bis zu zwanzig
Kreuzer gemacht wurden, um unsere Samstagnummer
schon Freitag zu bekommen, bezeichnen die "Nachrichten
aus dem Viertel etc." als böswillige Erfindung: Wir
erklären uns bereit, zu jeder Zeit Zeugen hiefür zu
stellen, daß wir die Wahrheit gesagt haben. Die
"Nachrichten unter aller Kritik" behaupten ferner,
daß wir die Foller'sche Futtertrogrede aus dem
Gemeindeausschusse "eben ausnahmsweise so ziemlich
wortgetreu" gebracht haben, weshalb den "Nachrichten
aus dem etc." nichts Anderes übrig blieb, als sie
"in nahezu gleichem" Wortlaute zu veröffentlichen,
weil sie eben so und nicht anders gesprochen wurde.
Dieser Satz enthält zwei pyramidale Unwahrheiten.
Es ist erstens erlogen, daß die Rede "in nahezu
gleichem" Wortlaute nachgedruckt wurde; der Nachdruck
erfolgte vielmehr, wie wir bereits constatirten,
wörtlich, nicht einmal ein Unterscheidungszeichen
aus unserem Berichte ist ausgelassen. Es ist zweitens
auch unwahr, daß die Rede "so und nicht anders"
gesprochen wurde. Wir haben sie vielmehr stilistisch
bearbeitet, um sie unseren Lesern genießbar zu machen,
denn wenn wir ihnen die seltsame Geschichte so
aufgetischt hätten, wie sie hergestammelt wurde, so
würden sie wahrscheinlich bedenklich den Kopf ge-
schüttelt haben. Daß wir für diese Schonung dem
Gegner gegenüber auch noch gefrozzelt werden, das
hätten wir nicht einmal von dem "Führer" der
Wirthschaftspartei erwartet. Das Köstlichste ist aber
entschieden die Schlußbemerkung, in welcher bezüglich
der für "Sonntag, den 10. December" angekündigten
Lehrerconferenz bemerkt wird, daß sich der Bericht-
erstatter der "Nachrichten aus dem etc." ebenso geirrt
haben könne, als der unsere, und daß es auch möglich
wäre, daß "derselbe" Berichterstatter beide Notizen
mit diesem Fehler versendet hat. Nein, liebe "Nach-
richten", sehen Sie nur gefälligst Ihr "Scheeren-
manuscript" durch, Sie werden dort den Bericht
aus der "Tante" finden, denn unser Bericht ist
Original und kann Ihnen gar nicht zugekommen
sein. Also, nichts für ungut, liebe "Nachrichten aus
dem Viertel etc.", wir haben ja gar nichts gegen
einen eventuellen Nachdruck, aber wir bitten, die
Quelle anzugeben; vielleicht, wenn Sie schon die
Chiffre "B. Z" als zu wenig deutlich verschmähen,
könnten Sie die Reproduction mit den Worten ein-
leiten: "Wir entnehmen der hier erscheinenden, juden-
liberalen, durch und durch corrupten und verlogenen
,Badener Zeitung' folgende Notiz etc." Sie sehen,
wir machen Ihnen die weitestgehenden Concessionen,
aber nur um Gotteswillen keinen publicistischen
Diebstahl mehr, denn der ist gerade so verwerflich,
wie das Stehlen von -- Silberlöffeln, mit dem
einzigen Unterschiede, daß man dafür nicht eingesperrt
wird, was für Sie allerdings sehr mißlich wäre,
denn dann müßten Sie in jeder Woche mindestens
vierzehn Tage brummen! -- Wir erlauben uns,
Ihnen diese weise Lehre schon heute zu geben, damit
Sie Zeit haben, bis Samstag darüber nachzudenken,
ohne die lästigen zwanzig Kreuzer ausgeben zu
müssen; nur bitten wir um eine weniger hirnrissige
Erwiderung, als die in letzter Nummer.

-- "Sirius".

Eine hervorragende Neuerung
auf dem Gebiete des Gasbeleuchtungswesens ist der
Apparat "Sirius" des Ingenieurs Eugen Bothe in
Wien, IX. Mariannengasse 2, mittelst welchem
Jedermann auf die bequemste Weise überall, zu jeder
Zeit, ja se[l]bst in jedem Dorfe oder in einsam und
isolirt gelegenen Gebäuden, ohne Anweudung von
Feuer, somit auf kaltem Wege, ein prachtvolles Gas
herstellen kann. Bei dieser glänzenden Beleuchtungsart
sind als wesentlich die garantirte Gefahrlosigkeit,
[Spaltenumbruch] Billigkeit und extreme Reinlichkeit hervorzuheben. Um
allfälligen Interessenten die allgemeine Verwendbarkeit
dieses Apparates zu demonstriren, veranstaltet ein
Ingenieur der Fabrik am Dienstag den 22. l. M.
im Hotel "Stadt Wien" Versuche, welche Jedermann
frei zugänglich sind, und deren Besuch sich, w[i]e w[i]r
zu versichern in der La[g]e sind, für Private sowohl,
als auch für Gewerbetreibende aller Kategorien
lohnen dürfte.

-- Fachschule für die Mühlen-Indu-
strie in Niederösterreich.

Montag, den 13. De-
cember, fand im großen Saale des "Hotels Central" in
Wien die Generalversammlung des "Niederöster-
reichischen Mühlen-Verbandes" statt. Bei diesem An-
lasse waren Regierungsvertreter des Ackerbau-, Handels-
und Eisenbahnministeriums zugegen und wurde auch
bezüglich der Errichtung einer Fachschule für die
Mühlen-Industrie, verbunden mit einem Bäckerei-Curs,
verhandelt. Herr Prof. Franz Kleinpeter, Comite-
Mitglied des "Niederösterreichischen Mühlen-Ver-
bandes", hat bezüglich der Errichtung dieser Fach-
schule ein Elaborat ausgearbeitet, über welches Herr
Franz Polsterer, Mühlen- und Fabriksbesitzer
in Unter-Waltersdorf, das Referat erstattete. Die
Vorschläge gehen dahin, die Schule in einer Provinz-
stadt Niederösterreichs zu errichten, u. zw. in Wiener-
Neustadt, Mödling, Baden, Krems. Es sei noch die
historische Thatsache hier zu erwähnen, daß das welt-
berühmte "Oesterreichische Mahlverfahren"
seinen Ausgang vor 81 Jahren von dem sogenannten
"Wiener Boden" genommen hat. Ein einfacher Müller
in Leobersdorf hat die erste "Griesputzmaschine"
erfunden, und das bildete die Grundlage des Hoch-
mahlverfahrens, welches mit Zuhilfenahme der Walze
einen Triumphzug über die ganze Welt machte. Es ist
demnach auch richtig, daß die erste derartige Fachschule
für die Mühlen-Industie auf den historischen "Wiener
Boden" gehört. Diese interessante Mittheilung wird
unsere geschätzten Leser gewiß interesssren. R.

-- Rath'sches allgemeines öffent-
liches Krankenhaus in Baden.

Kranken-
Rapport für den Monat November 1896. -- Vom
Vormonate verblieben 68, seither zugewachsen 69,
zusammen 137 Kranke. Seither abgegangen 67,
verbleiben Ende dieses Monats 70 Kranke. Die
in Abgang gebrachten 67 Kranken entfallen in
folgende Gruppen: Geheilt 37, gebessert 10, unge-
heilt 6, gestorben 14, in Summe 67 Kranke. In
unentgeltliche ambulatorische Behandlung kamen 61
medizinische und 114 chirurgische Kranke. Die Zahl
der Verpflegstage betrug 2058, im Vormonate 2139,
mithin 81 weniger. Durchschnittlicher Krankenstand
per Tag 68·6. Durchschnittliche Verpflegsdauer für
einen Kranken 15·02 Tage. Der vorherrschende Krank-
heits-Charakter bestand in Krankheiten der Haut und
allgemeinen Krankheiten. Wegen Raummangel wurden
abgewiesen 9 Personen. Folgende Verletzungen ge-
langten zur Aufnahme: Innere Verletzungen 1 schwere,
Fremdkörper im linken Unterschenkel 1 leichte,
Distorsion 1 leichte, Schußwunden 2 schwere, Bruch
des Stirn- und Nasenbeines 1 schwerer, Schnitt-
wunde am Brustbein 1 schwere, Contusion in der
Schultergegend 1 schwere, Rißquetschwunde am Kopf
1 leichte, zusammen 9 Verletzungen. Operationen
wurden ausgeführt 8 größere, 12 kleinere, zusammen 20;
hievon 15 in der Chloroform-Narkose, 1 in der
Bromäthyl-Narkose, 2 in der Cocain-Anästhesie, 1 in
der Chloräthyl-Anästehsie, 1 in der Aether-Anästhesie.
In diesem Krankenhause findet täglich von halb 9
bis halb 10 Uhr Vormittags unentgeltliche ambu-
latorische Ordination für mittellose Kranke statt,
welche nicht Mitglieder von Krankencassen sind.

-- Eine unredliche Bedienerin.

Die dreißigjährige Bedienerin Kathi Schimmer,
welche ihre Wohnuugsgeberin am Theaterplatze 1
bestohlen und deren Einlieferung an das Bezirks-
gericht wir bereits meldeten, wurde wegen der Ueber-
tretung des Diebstahls zu acht Tagen Arrest ver-
urtheilt.




Correspondenzen.
Mödling. [Eigenbericht der "Badener Zeitung."]
(Personalnachricht.)

Der k k. Bezirks-
commissär in Neunkirchen, Wilhelm Tremel, wurde
in gleicher Eigenschaft an die hiesige Bezirkshaupt-
mannschaft übersetzt.

(Die Weihnachtsfeier),

welche alljähr-
lich vom Evangelischen Frauenverein zu Gunsten
armer Kinder veranstaltet wird, findet diesmal am
22. l. M., 4 Uhr Nachmittags, statt.

(Die Sylvesterfeier)

des Männer-Ge-
sangvereins findet im Hotel "Stadt Mödling" statt.

Nr. 101. Mittwoch Badener Zeitung 16. December 1896.

[Spaltenumbruch] wurde. Nach einem vom Capellmeiſter Herrn Ignaz
Schweiger aus Mödling in brillanter Weiſe executirten
Claviervortrage, welcher vielen und verdienten Beifall
erntete, ſprach Fräulein Anna Fitzga einen ſpeciell
für den erſten Abend verfaßten Prolog, welcher
in launiger Weiſe die Mitglieder des Comités
behandelte und in einem warmen Appell an den
Gemeinſinn der Beamtenſchaft ausklang. Das
Poëm, das zu ſeinem Verfaſſer den Eiſenbahnbeamten
Herrn Franz Joſef Koch hat, wurde von der jungen
Dame trotz einigen Lampenfiebers recht hübſch vor-
getragen und gelangte ſpäter in äußerſt geſchmackvoller
typographiſcher Ausſtattung zur Vertheilung an die
Gäſte. Vielen und anhaltenden Beifall erzielten auch
zwei von Herrn Friedrich Nawratil vorgetragene
Lieder, „Das Elternhaus“ von Laßen und „Ueber’s
Jahr“ von Böhm, in welchen ſich uns der Sänger,
ein langjähriges und beliebtes Mitglied des Eiſen-
bahn-Geſangsvereines, als eine überaus tüchtige und
leiſtungsfähige Kraft präſentirte. Herr Hans Korn-
berger, unſere einheimiſche Kraft, iſt zu wohl bekannt,
als daß wir es erſt noch nöthig hätten, ſeine aus-
gezeichneten Leiſtungen auf dem Gebiete der Vorträge
in ſteiriſcher und niederöſterreichiſcher Mundart,
welche Dialekte er bekanntlich in virtuoſer Weiſe
beherrſcht, näher zu erläutern. Daß er auch die
Geſellſchaft dieſes Abendes für ſich zu erwärmen
vermochte, geht aus dem Umſtande hervor, daß er
nach Schluß des Programmes über vielſeitiges Ver-
langen noch eine Serie ſeiner Vorleſungen zugeben
mußte. Als ein Novum für Baden war der Wiener
Mandolinenclub erſchienen, eine Vereinigung von
Amateuren welche ihre Inſtrumente meiſterhaft zu
handhaben verſtehen und eine Reihe von Concert-
nummern zum Vortrage brachten, welche ihnen lebhaften
und wohlverdienten Applaus eintrugen. Auch dieſe
Geſellſchaft hielt zwei Programmnummern beſetzt,
während eine dritte, ein Guitarre-Duo, wegen
Umwohlſeins eines der Mitwirkenden ausfallen mußte.
Statt dieſer Nummer erklärte ſich jedoch ein Kunſt-
genoſſe der Spieler, Herr Hugl aus Wien, in liebens-
würdigſter Weiſe bereit, einige Productionen im
Kunſtpfeifen zum Beſten zu geben und leiſtete auf
dieſem Gebiete ſo Vorzügliches, daß ſtürmiſcher und
nicht enden wollender Beifall ſeine Darbietungen lohnte
und Herr Hugl immer und immer wieder gerufen
wurde. Den Glanzpunkt des Abends bildeten un-
ſtreitig die Vorträge des Humoriſten Herrn Theodor
Weiſer aus Wien. Obwohl dem hieſigen Publicum
längſt nicht mehr fremd, erzielte Herr Weiſer dennoch
dank ſeiner verblüffenden Virtuoſität auf dem von
ihm bearbeiteten Gebiete des Proſavortrages und des
komiſchen Geſanges den lebhafteſten und anhaltendſten
Beifall, der namentlich bei dem zweiten Auftreten
des Künſtlers, in welchem er ſich dem Publicum als
Balladenſänger zeigte, kein Ende nehmen wollte. Zum
Schluſſe des reichhaltigen Programmes gab Herr
Hugl über allſeitiges Verlangen noch eine Nummer
zum Beſten und abſolvirte dieſe, bei ſeinem Erſcheinen
am Podium lebhaft acclamirt, in derſelben glänzenden
Form, wie ſeine erſte Production. Nach einer kurzen
Pauſe trat hierauf der Tanz in ſeine Rechte; Capell-
meiſter Schweiger entlockte dem Claviere mit geübter
Hand prickelnde Weiſen und im Nu war der geräumige
Saal von tanzenden und luſtig dahinwirbelnden
Paaren dicht gefüllt. Zur allgemeinen Ueberraſchung
erſchien der Mandolinenclub in italieniſchen Co-
ſtümen und füllte die Tanzpauſen unter dem Beifalle
des Publicums mit ſeinen Productionen aus, bei
welcher Gelegenheit ſich die Herren Nawratil und
Kovats als trefflich italieniſche Liederſänger entpuppten.
In der Ruhe brachte die Gruppe dem Obmanne des
Vergnügunscomités, Herrn Südbahninſpector Knotz,
ein improviſirtes Ständchen dar, bei welcher Gelegenheit
Ingenieur Fohmann aus Wien eine humorvolle
Anſprache hielt und in beredten Worten die ſo
erfolgreiche Arbeit des Comités und ſeines Oberhauptes
ſchilderte. Bei Geſang und Tanz wurde hierauf der
Reſt der luſtigen Nacht verbracht, und die fünfte
Stunde war bereits lan e vorüber, ehe die Schaar
der Gäſte ſich zum Aufbruche entſchloß, wohl der
ſprechendſte Beweis für das Animo, das dieſen erſten
Beamtenabend beherrſchte. Eine ſinnige Ueberraſchung
brachte ein Gaſt des Abendes, Herr Bäckermeiſter
Löw, in Form von Backwerk, welches ein geflügeltes
Rad darſtellte und auf allen Tiſchen zur Vertheilung
gelangte. Fügen wir noch hinzu, daß Küche und
Keller des Reſtaurateurs Herrn Czernay nichts zu
wünſchen übrig ließen, ſo wird man es wohl be-
greifen, daß über den Abend allgemeines Lob herrſchte,
und daß die Gäſte ſich gelobten, auch zu dem am
16. k. M. ſtattfindenden zweiten Abende wieder zu
kommen. Das Comité hat mit dieſer Veranſtaltung
eine ſchöne und anerkennenswerthe Leiſtung geboten
[Spaltenumbruch] und darf mit Fug und Recht den Dank aller der
vielen Anweſenden in Anſpruch nehmen Es war
ein Abend echter und rechter Gemüthlichkeit, der allen
Theilnehmern noch lange in angenehmer Erinnerung
bleiben dürfte. Aus dieſem Grunde gratuliren wir
denn auch dem Comité zu ſeinem erſten Unternehmen
und wünſchen ihm denſelben glänzenden Erfolg für
den kommenden 16. Jänner. — Wir werden erſucht,
mitzutheilen, daß in der dem gedruckten Prologe
beigegebenen Liſte der Comitémitglieder durch einen
bedauerlichen Irrthum die Namen zweier hervorragender
Mitarbeiter, und zwar des verdienſtvollen Schriftführers,
Herrn Sigmund Kraupp und des Stationschefs Herrn
Tarnoczy, ausgeblieben ſind, welches Verſäumniß das
Comité hiermit nachträgt.

Die „Nachrichten aus dem Viertel
unter aller Kritik“,

ſehr beſchränkte Genoſſen-
ſchaft für „Kaffeetratſch“ und Stumpfſinn, wehren
ſich aus Leibeskräften gegen die Annagelung, welche
wir ihnen ob ihres nachgerade zur Manie ausartenden
publiciſtiſchen Diebſtahles zu Theil werden ließen.
Unſere Behauptung, daß uns vom Perſonale der
„Nachrichten aus dem ꝛc.“ Anerbieten bis zu zwanzig
Kreuzer gemacht wurden, um unſere Samstagnummer
ſchon Freitag zu bekommen, bezeichnen die „Nachrichten
aus dem Viertel ꝛc.“ als böswillige Erfindung: Wir
erklären uns bereit, zu jeder Zeit Zeugen hiefür zu
ſtellen, daß wir die Wahrheit geſagt haben. Die
„Nachrichten unter aller Kritik“ behaupten ferner,
daß wir die Foller’ſche Futtertrogrede aus dem
Gemeindeausſchuſſe „eben ausnahmsweiſe ſo ziemlich
wortgetreu“ gebracht haben, weshalb den „Nachrichten
aus dem ꝛc.“ nichts Anderes übrig blieb, als ſie
„in nahezu gleichem“ Wortlaute zu veröffentlichen,
weil ſie eben ſo und nicht anders geſprochen wurde.
Dieſer Satz enthält zwei pyramidale Unwahrheiten.
Es iſt erſtens erlogen, daß die Rede „in nahezu
gleichem“ Wortlaute nachgedruckt wurde; der Nachdruck
erfolgte vielmehr, wie wir bereits conſtatirten,
wörtlich, nicht einmal ein Unterſcheidungszeichen
aus unſerem Berichte iſt ausgelaſſen. Es iſt zweitens
auch unwahr, daß die Rede „ſo und nicht anders“
geſprochen wurde. Wir haben ſie vielmehr ſtiliſtiſch
bearbeitet, um ſie unſeren Leſern genießbar zu machen,
denn wenn wir ihnen die ſeltſame Geſchichte ſo
aufgetiſcht hätten, wie ſie hergeſtammelt wurde, ſo
würden ſie wahrſcheinlich bedenklich den Kopf ge-
ſchüttelt haben. Daß wir für dieſe Schonung dem
Gegner gegenüber auch noch gefrozzelt werden, das
hätten wir nicht einmal von dem „Führer“ der
Wirthſchaftspartei erwartet. Das Köſtlichſte iſt aber
entſchieden die Schlußbemerkung, in welcher bezüglich
der für „Sonntag, den 10. December“ angekündigten
Lehrerconferenz bemerkt wird, daß ſich der Bericht-
erſtatter der „Nachrichten aus dem ꝛc.“ ebenſo geirrt
haben könne, als der unſere, und daß es auch möglich
wäre, daß „derſelbe“ Berichterſtatter beide Notizen
mit dieſem Fehler verſendet hat. Nein, liebe „Nach-
richten“, ſehen Sie nur gefälligſt Ihr „Scheeren-
manuſcript“ durch, Sie werden dort den Bericht
aus der „Tante“ finden, denn unſer Bericht iſt
Original und kann Ihnen gar nicht zugekommen
ſein. Alſo, nichts für ungut, liebe „Nachrichten aus
dem Viertel ꝛc.“, wir haben ja gar nichts gegen
einen eventuellen Nachdruck, aber wir bitten, die
Quelle anzugeben; vielleicht, wenn Sie ſchon die
Chiffre „B. Z“ als zu wenig deutlich verſchmähen,
könnten Sie die Reproduction mit den Worten ein-
leiten: „Wir entnehmen der hier erſcheinenden, juden-
liberalen, durch und durch corrupten und verlogenen
‚Badener Zeitung‘ folgende Notiz ꝛc.“ Sie ſehen,
wir machen Ihnen die weiteſtgehenden Conceſſionen,
aber nur um Gotteswillen keinen publiciſtiſchen
Diebſtahl mehr, denn der iſt gerade ſo verwerflich,
wie das Stehlen von — Silberlöffeln, mit dem
einzigen Unterſchiede, daß man dafür nicht eingeſperrt
wird, was für Sie allerdings ſehr mißlich wäre,
denn dann müßten Sie in jeder Woche mindeſtens
vierzehn Tage brummen! — Wir erlauben uns,
Ihnen dieſe weiſe Lehre ſchon heute zu geben, damit
Sie Zeit haben, bis Samstag darüber nachzudenken,
ohne die läſtigen zwanzig Kreuzer ausgeben zu
müſſen; nur bitten wir um eine weniger hirnriſſige
Erwiderung, als die in letzter Nummer.

„Sirius“.

Eine hervorragende Neuerung
auf dem Gebiete des Gasbeleuchtungsweſens iſt der
Apparat „Sirius“ des Ingenieurs Eugen Bothe in
Wien, IX. Mariannengaſſe 2, mittelſt welchem
Jedermann auf die bequemſte Weiſe überall, zu jeder
Zeit, ja ſe[l]bſt in jedem Dorfe oder in einſam und
iſolirt gelegenen Gebäuden, ohne Anweudung von
Feuer, ſomit auf kaltem Wege, ein prachtvolles Gas
herſtellen kann. Bei dieſer glänzenden Beleuchtungsart
ſind als weſentlich die garantirte Gefahrloſigkeit,
[Spaltenumbruch] Billigkeit und extreme Reinlichkeit hervorzuheben. Um
allfälligen Intereſſenten die allgemeine Verwendbarkeit
dieſes Apparates zu demonſtriren, veranſtaltet ein
Ingenieur der Fabrik am Dienstag den 22. l. M.
im Hotel „Stadt Wien“ Verſuche, welche Jedermann
frei zugänglich ſind, und deren Beſuch ſich, w[i]e w[i]r
zu verſichern in der La[g]e ſind, für Private ſowohl,
als auch für Gewerbetreibende aller Kategorien
lohnen dürfte.

Fachſchule für die Mühlen-Indu-
ſtrie in Niederöſterreich.

Montag, den 13. De-
cember, fand im großen Saale des „Hotels Central“ in
Wien die Generalverſammlung des „Niederöſter-
reichiſchen Mühlen-Verbandes“ ſtatt. Bei dieſem An-
laſſe waren Regierungsvertreter des Ackerbau-, Handels-
und Eiſenbahnminiſteriums zugegen und wurde auch
bezüglich der Errichtung einer Fachſchule für die
Mühlen-Induſtrie, verbunden mit einem Bäckerei-Curs,
verhandelt. Herr Prof. Franz Kleinpeter, Comité-
Mitglied des „Niederöſterreichiſchen Mühlen-Ver-
bandes“, hat bezüglich der Errichtung dieſer Fach-
ſchule ein Elaborat ausgearbeitet, über welches Herr
Franz Polſterer, Mühlen- und Fabriksbeſitzer
in Unter-Waltersdorf, das Referat erſtattete. Die
Vorſchläge gehen dahin, die Schule in einer Provinz-
ſtadt Niederöſterreichs zu errichten, u. zw. in Wiener-
Neuſtadt, Mödling, Baden, Krems. Es ſei noch die
hiſtoriſche Thatſache hier zu erwähnen, daß das welt-
berühmte „Oeſterreichiſché Mahlverfahren“
ſeinen Ausgang vor 81 Jahren von dem ſogenannten
„Wiener Boden“ genommen hat. Ein einfacher Müller
in Leobersdorf hat die erſte „Griesputzmaſchine“
erfunden, und das bildete die Grundlage des Hoch-
mahlverfahrens, welches mit Zuhilfenahme der Walze
einen Triumphzug über die ganze Welt machte. Es iſt
demnach auch richtig, daß die erſte derartige Fachſchule
für die Mühlen-Induſtie auf den hiſtoriſchen „Wiener
Boden“ gehört. Dieſe intereſſante Mittheilung wird
unſere geſchätzten Leſer gewiß intereſſſren. R.

Rath’ſches allgemeines öffent-
liches Krankenhaus in Baden.

Kranken-
Rapport für den Monat November 1896. — Vom
Vormonate verblieben 68, ſeither zugewachſen 69,
zuſammen 137 Kranke. Seither abgegangen 67,
verbleiben Ende dieſes Monats 70 Kranke. Die
in Abgang gebrachten 67 Kranken entfallen in
folgende Gruppen: Geheilt 37, gebeſſert 10, unge-
heilt 6, geſtorben 14, in Summe 67 Kranke. In
unentgeltliche ambulatoriſche Behandlung kamen 61
mediziniſche und 114 chirurgiſche Kranke. Die Zahl
der Verpflegstage betrug 2058, im Vormonate 2139,
mithin 81 weniger. Durchſchnittlicher Krankenſtand
per Tag 68·6. Durchſchnittliche Verpflegsdauer für
einen Kranken 15·02 Tage. Der vorherrſchende Krank-
heits-Charakter beſtand in Krankheiten der Haut und
allgemeinen Krankheiten. Wegen Raummangel wurden
abgewieſen 9 Perſonen. Folgende Verletzungen ge-
langten zur Aufnahme: Innere Verletzungen 1 ſchwere,
Fremdkörper im linken Unterſchenkel 1 leichte,
Distorſion 1 leichte, Schußwunden 2 ſchwere, Bruch
des Stirn- und Naſenbeines 1 ſchwerer, Schnitt-
wunde am Bruſtbein 1 ſchwere, Contuſion in der
Schultergegend 1 ſchwere, Rißquetſchwunde am Kopf
1 leichte, zuſammen 9 Verletzungen. Operationen
wurden ausgeführt 8 größere, 12 kleinere, zuſammen 20;
hievon 15 in der Chloroform-Narkoſe, 1 in der
Bromäthyl-Narkoſe, 2 in der Cocaïn-Anäſtheſie, 1 in
der Chloräthyl-Anäſtehſie, 1 in der Aether-Anäſtheſie.
In dieſem Krankenhauſe findet täglich von halb 9
bis halb 10 Uhr Vormittags unentgeltliche ambu-
latoriſche Ordination für mittelloſe Kranke ſtatt,
welche nicht Mitglieder von Krankencaſſen ſind.

Eine unredliche Bedienerin.

Die dreißigjährige Bedienerin Kathi Schimmer,
welche ihre Wohnuugsgeberin am Theaterplatze 1
beſtohlen und deren Einlieferung an das Bezirks-
gericht wir bereits meldeten, wurde wegen der Ueber-
tretung des Diebſtahls zu acht Tagen Arreſt ver-
urtheilt.




Correſpondenzen.
Mödling. [Eigenbericht der „Badener Zeitung.“]
(Perſonalnachricht.)

Der k k. Bezirks-
commiſſär in Neunkirchen, Wilhelm Tremel, wurde
in gleicher Eigenſchaft an die hieſige Bezirkshaupt-
mannſchaft überſetzt.

(Die Weihnachtsfeier),

welche alljähr-
lich vom Evangeliſchen Frauenverein zu Gunſten
armer Kinder veranſtaltet wird, findet diesmal am
22. l. M., 4 Uhr Nachmittags, ſtatt.

(Die Sylveſterfeier)

des Männer-Ge-
ſangvereins findet im Hotel „Stadt Mödling“ ſtatt.

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[3/0003] Nr. 101. Mittwoch Badener Zeitung 16. December 1896. wurde. Nach einem vom Capellmeiſter Herrn Ignaz Schweiger aus Mödling in brillanter Weiſe executirten Claviervortrage, welcher vielen und verdienten Beifall erntete, ſprach Fräulein Anna Fitzga einen ſpeciell für den erſten Abend verfaßten Prolog, welcher in launiger Weiſe die Mitglieder des Comités behandelte und in einem warmen Appell an den Gemeinſinn der Beamtenſchaft ausklang. Das Poëm, das zu ſeinem Verfaſſer den Eiſenbahnbeamten Herrn Franz Joſef Koch hat, wurde von der jungen Dame trotz einigen Lampenfiebers recht hübſch vor- getragen und gelangte ſpäter in äußerſt geſchmackvoller typographiſcher Ausſtattung zur Vertheilung an die Gäſte. Vielen und anhaltenden Beifall erzielten auch zwei von Herrn Friedrich Nawratil vorgetragene Lieder, „Das Elternhaus“ von Laßen und „Ueber’s Jahr“ von Böhm, in welchen ſich uns der Sänger, ein langjähriges und beliebtes Mitglied des Eiſen- bahn-Geſangsvereines, als eine überaus tüchtige und leiſtungsfähige Kraft präſentirte. Herr Hans Korn- berger, unſere einheimiſche Kraft, iſt zu wohl bekannt, als daß wir es erſt noch nöthig hätten, ſeine aus- gezeichneten Leiſtungen auf dem Gebiete der Vorträge in ſteiriſcher und niederöſterreichiſcher Mundart, welche Dialekte er bekanntlich in virtuoſer Weiſe beherrſcht, näher zu erläutern. Daß er auch die Geſellſchaft dieſes Abendes für ſich zu erwärmen vermochte, geht aus dem Umſtande hervor, daß er nach Schluß des Programmes über vielſeitiges Ver- langen noch eine Serie ſeiner Vorleſungen zugeben mußte. Als ein Novum für Baden war der Wiener Mandolinenclub erſchienen, eine Vereinigung von Amateuren welche ihre Inſtrumente meiſterhaft zu handhaben verſtehen und eine Reihe von Concert- nummern zum Vortrage brachten, welche ihnen lebhaften und wohlverdienten Applaus eintrugen. Auch dieſe Geſellſchaft hielt zwei Programmnummern beſetzt, während eine dritte, ein Guitarre-Duo, wegen Umwohlſeins eines der Mitwirkenden ausfallen mußte. Statt dieſer Nummer erklärte ſich jedoch ein Kunſt- genoſſe der Spieler, Herr Hugl aus Wien, in liebens- würdigſter Weiſe bereit, einige Productionen im Kunſtpfeifen zum Beſten zu geben und leiſtete auf dieſem Gebiete ſo Vorzügliches, daß ſtürmiſcher und nicht enden wollender Beifall ſeine Darbietungen lohnte und Herr Hugl immer und immer wieder gerufen wurde. Den Glanzpunkt des Abends bildeten un- ſtreitig die Vorträge des Humoriſten Herrn Theodor Weiſer aus Wien. Obwohl dem hieſigen Publicum längſt nicht mehr fremd, erzielte Herr Weiſer dennoch dank ſeiner verblüffenden Virtuoſität auf dem von ihm bearbeiteten Gebiete des Proſavortrages und des komiſchen Geſanges den lebhafteſten und anhaltendſten Beifall, der namentlich bei dem zweiten Auftreten des Künſtlers, in welchem er ſich dem Publicum als Balladenſänger zeigte, kein Ende nehmen wollte. Zum Schluſſe des reichhaltigen Programmes gab Herr Hugl über allſeitiges Verlangen noch eine Nummer zum Beſten und abſolvirte dieſe, bei ſeinem Erſcheinen am Podium lebhaft acclamirt, in derſelben glänzenden Form, wie ſeine erſte Production. Nach einer kurzen Pauſe trat hierauf der Tanz in ſeine Rechte; Capell- meiſter Schweiger entlockte dem Claviere mit geübter Hand prickelnde Weiſen und im Nu war der geräumige Saal von tanzenden und luſtig dahinwirbelnden Paaren dicht gefüllt. Zur allgemeinen Ueberraſchung erſchien der Mandolinenclub in italieniſchen Co- ſtümen und füllte die Tanzpauſen unter dem Beifalle des Publicums mit ſeinen Productionen aus, bei welcher Gelegenheit ſich die Herren Nawratil und Kovats als trefflich italieniſche Liederſänger entpuppten. In der Ruhe brachte die Gruppe dem Obmanne des Vergnügunscomités, Herrn Südbahninſpector Knotz, ein improviſirtes Ständchen dar, bei welcher Gelegenheit Ingenieur Fohmann aus Wien eine humorvolle Anſprache hielt und in beredten Worten die ſo erfolgreiche Arbeit des Comités und ſeines Oberhauptes ſchilderte. Bei Geſang und Tanz wurde hierauf der Reſt der luſtigen Nacht verbracht, und die fünfte Stunde war bereits lan e vorüber, ehe die Schaar der Gäſte ſich zum Aufbruche entſchloß, wohl der ſprechendſte Beweis für das Animo, das dieſen erſten Beamtenabend beherrſchte. Eine ſinnige Ueberraſchung brachte ein Gaſt des Abendes, Herr Bäckermeiſter Löw, in Form von Backwerk, welches ein geflügeltes Rad darſtellte und auf allen Tiſchen zur Vertheilung gelangte. Fügen wir noch hinzu, daß Küche und Keller des Reſtaurateurs Herrn Czernay nichts zu wünſchen übrig ließen, ſo wird man es wohl be- greifen, daß über den Abend allgemeines Lob herrſchte, und daß die Gäſte ſich gelobten, auch zu dem am 16. k. M. ſtattfindenden zweiten Abende wieder zu kommen. Das Comité hat mit dieſer Veranſtaltung eine ſchöne und anerkennenswerthe Leiſtung geboten und darf mit Fug und Recht den Dank aller der vielen Anweſenden in Anſpruch nehmen Es war ein Abend echter und rechter Gemüthlichkeit, der allen Theilnehmern noch lange in angenehmer Erinnerung bleiben dürfte. Aus dieſem Grunde gratuliren wir denn auch dem Comité zu ſeinem erſten Unternehmen und wünſchen ihm denſelben glänzenden Erfolg für den kommenden 16. Jänner. — Wir werden erſucht, mitzutheilen, daß in der dem gedruckten Prologe beigegebenen Liſte der Comitémitglieder durch einen bedauerlichen Irrthum die Namen zweier hervorragender Mitarbeiter, und zwar des verdienſtvollen Schriftführers, Herrn Sigmund Kraupp und des Stationschefs Herrn Tarnoczy, ausgeblieben ſind, welches Verſäumniß das Comité hiermit nachträgt. — Die „Nachrichten aus dem Viertel unter aller Kritik“, ſehr beſchränkte Genoſſen- ſchaft für „Kaffeetratſch“ und Stumpfſinn, wehren ſich aus Leibeskräften gegen die Annagelung, welche wir ihnen ob ihres nachgerade zur Manie ausartenden publiciſtiſchen Diebſtahles zu Theil werden ließen. Unſere Behauptung, daß uns vom Perſonale der „Nachrichten aus dem ꝛc.“ Anerbieten bis zu zwanzig Kreuzer gemacht wurden, um unſere Samstagnummer ſchon Freitag zu bekommen, bezeichnen die „Nachrichten aus dem Viertel ꝛc.“ als böswillige Erfindung: Wir erklären uns bereit, zu jeder Zeit Zeugen hiefür zu ſtellen, daß wir die Wahrheit geſagt haben. Die „Nachrichten unter aller Kritik“ behaupten ferner, daß wir die Foller’ſche Futtertrogrede aus dem Gemeindeausſchuſſe „eben ausnahmsweiſe ſo ziemlich wortgetreu“ gebracht haben, weshalb den „Nachrichten aus dem ꝛc.“ nichts Anderes übrig blieb, als ſie „in nahezu gleichem“ Wortlaute zu veröffentlichen, weil ſie eben ſo und nicht anders geſprochen wurde. Dieſer Satz enthält zwei pyramidale Unwahrheiten. Es iſt erſtens erlogen, daß die Rede „in nahezu gleichem“ Wortlaute nachgedruckt wurde; der Nachdruck erfolgte vielmehr, wie wir bereits conſtatirten, wörtlich, nicht einmal ein Unterſcheidungszeichen aus unſerem Berichte iſt ausgelaſſen. Es iſt zweitens auch unwahr, daß die Rede „ſo und nicht anders“ geſprochen wurde. Wir haben ſie vielmehr ſtiliſtiſch bearbeitet, um ſie unſeren Leſern genießbar zu machen, denn wenn wir ihnen die ſeltſame Geſchichte ſo aufgetiſcht hätten, wie ſie hergeſtammelt wurde, ſo würden ſie wahrſcheinlich bedenklich den Kopf ge- ſchüttelt haben. Daß wir für dieſe Schonung dem Gegner gegenüber auch noch gefrozzelt werden, das hätten wir nicht einmal von dem „Führer“ der Wirthſchaftspartei erwartet. Das Köſtlichſte iſt aber entſchieden die Schlußbemerkung, in welcher bezüglich der für „Sonntag, den 10. December“ angekündigten Lehrerconferenz bemerkt wird, daß ſich der Bericht- erſtatter der „Nachrichten aus dem ꝛc.“ ebenſo geirrt haben könne, als der unſere, und daß es auch möglich wäre, daß „derſelbe“ Berichterſtatter beide Notizen mit dieſem Fehler verſendet hat. Nein, liebe „Nach- richten“, ſehen Sie nur gefälligſt Ihr „Scheeren- manuſcript“ durch, Sie werden dort den Bericht aus der „Tante“ finden, denn unſer Bericht iſt Original und kann Ihnen gar nicht zugekommen ſein. Alſo, nichts für ungut, liebe „Nachrichten aus dem Viertel ꝛc.“, wir haben ja gar nichts gegen einen eventuellen Nachdruck, aber wir bitten, die Quelle anzugeben; vielleicht, wenn Sie ſchon die Chiffre „B. Z“ als zu wenig deutlich verſchmähen, könnten Sie die Reproduction mit den Worten ein- leiten: „Wir entnehmen der hier erſcheinenden, juden- liberalen, durch und durch corrupten und verlogenen ‚Badener Zeitung‘ folgende Notiz ꝛc.“ Sie ſehen, wir machen Ihnen die weiteſtgehenden Conceſſionen, aber nur um Gotteswillen keinen publiciſtiſchen Diebſtahl mehr, denn der iſt gerade ſo verwerflich, wie das Stehlen von — Silberlöffeln, mit dem einzigen Unterſchiede, daß man dafür nicht eingeſperrt wird, was für Sie allerdings ſehr mißlich wäre, denn dann müßten Sie in jeder Woche mindeſtens vierzehn Tage brummen! — Wir erlauben uns, Ihnen dieſe weiſe Lehre ſchon heute zu geben, damit Sie Zeit haben, bis Samstag darüber nachzudenken, ohne die läſtigen zwanzig Kreuzer ausgeben zu müſſen; nur bitten wir um eine weniger hirnriſſige Erwiderung, als die in letzter Nummer. — „Sirius“. Eine hervorragende Neuerung auf dem Gebiete des Gasbeleuchtungsweſens iſt der Apparat „Sirius“ des Ingenieurs Eugen Bothe in Wien, IX. Mariannengaſſe 2, mittelſt welchem Jedermann auf die bequemſte Weiſe überall, zu jeder Zeit, ja ſelbſt in jedem Dorfe oder in einſam und iſolirt gelegenen Gebäuden, ohne Anweudung von Feuer, ſomit auf kaltem Wege, ein prachtvolles Gas herſtellen kann. Bei dieſer glänzenden Beleuchtungsart ſind als weſentlich die garantirte Gefahrloſigkeit, Billigkeit und extreme Reinlichkeit hervorzuheben. Um allfälligen Intereſſenten die allgemeine Verwendbarkeit dieſes Apparates zu demonſtriren, veranſtaltet ein Ingenieur der Fabrik am Dienstag den 22. l. M. im Hotel „Stadt Wien“ Verſuche, welche Jedermann frei zugänglich ſind, und deren Beſuch ſich, wie wir zu verſichern in der Lage ſind, für Private ſowohl, als auch für Gewerbetreibende aller Kategorien lohnen dürfte. — Fachſchule für die Mühlen-Indu- ſtrie in Niederöſterreich. Montag, den 13. De- cember, fand im großen Saale des „Hotels Central“ in Wien die Generalverſammlung des „Niederöſter- reichiſchen Mühlen-Verbandes“ ſtatt. Bei dieſem An- laſſe waren Regierungsvertreter des Ackerbau-, Handels- und Eiſenbahnminiſteriums zugegen und wurde auch bezüglich der Errichtung einer Fachſchule für die Mühlen-Induſtrie, verbunden mit einem Bäckerei-Curs, verhandelt. Herr Prof. Franz Kleinpeter, Comité- Mitglied des „Niederöſterreichiſchen Mühlen-Ver- bandes“, hat bezüglich der Errichtung dieſer Fach- ſchule ein Elaborat ausgearbeitet, über welches Herr Franz Polſterer, Mühlen- und Fabriksbeſitzer in Unter-Waltersdorf, das Referat erſtattete. Die Vorſchläge gehen dahin, die Schule in einer Provinz- ſtadt Niederöſterreichs zu errichten, u. zw. in Wiener- Neuſtadt, Mödling, Baden, Krems. Es ſei noch die hiſtoriſche Thatſache hier zu erwähnen, daß das welt- berühmte „Oeſterreichiſché Mahlverfahren“ ſeinen Ausgang vor 81 Jahren von dem ſogenannten „Wiener Boden“ genommen hat. Ein einfacher Müller in Leobersdorf hat die erſte „Griesputzmaſchine“ erfunden, und das bildete die Grundlage des Hoch- mahlverfahrens, welches mit Zuhilfenahme der Walze einen Triumphzug über die ganze Welt machte. Es iſt demnach auch richtig, daß die erſte derartige Fachſchule für die Mühlen-Induſtie auf den hiſtoriſchen „Wiener Boden“ gehört. Dieſe intereſſante Mittheilung wird unſere geſchätzten Leſer gewiß intereſſſren. R. — Rath’ſches allgemeines öffent- liches Krankenhaus in Baden. Kranken- Rapport für den Monat November 1896. — Vom Vormonate verblieben 68, ſeither zugewachſen 69, zuſammen 137 Kranke. Seither abgegangen 67, verbleiben Ende dieſes Monats 70 Kranke. Die in Abgang gebrachten 67 Kranken entfallen in folgende Gruppen: Geheilt 37, gebeſſert 10, unge- heilt 6, geſtorben 14, in Summe 67 Kranke. In unentgeltliche ambulatoriſche Behandlung kamen 61 mediziniſche und 114 chirurgiſche Kranke. Die Zahl der Verpflegstage betrug 2058, im Vormonate 2139, mithin 81 weniger. Durchſchnittlicher Krankenſtand per Tag 68·6. Durchſchnittliche Verpflegsdauer für einen Kranken 15·02 Tage. Der vorherrſchende Krank- heits-Charakter beſtand in Krankheiten der Haut und allgemeinen Krankheiten. Wegen Raummangel wurden abgewieſen 9 Perſonen. Folgende Verletzungen ge- langten zur Aufnahme: Innere Verletzungen 1 ſchwere, Fremdkörper im linken Unterſchenkel 1 leichte, Distorſion 1 leichte, Schußwunden 2 ſchwere, Bruch des Stirn- und Naſenbeines 1 ſchwerer, Schnitt- wunde am Bruſtbein 1 ſchwere, Contuſion in der Schultergegend 1 ſchwere, Rißquetſchwunde am Kopf 1 leichte, zuſammen 9 Verletzungen. Operationen wurden ausgeführt 8 größere, 12 kleinere, zuſammen 20; hievon 15 in der Chloroform-Narkoſe, 1 in der Bromäthyl-Narkoſe, 2 in der Cocaïn-Anäſtheſie, 1 in der Chloräthyl-Anäſtehſie, 1 in der Aether-Anäſtheſie. In dieſem Krankenhauſe findet täglich von halb 9 bis halb 10 Uhr Vormittags unentgeltliche ambu- latoriſche Ordination für mittelloſe Kranke ſtatt, welche nicht Mitglieder von Krankencaſſen ſind. — Eine unredliche Bedienerin. Die dreißigjährige Bedienerin Kathi Schimmer, welche ihre Wohnuugsgeberin am Theaterplatze 1 beſtohlen und deren Einlieferung an das Bezirks- gericht wir bereits meldeten, wurde wegen der Ueber- tretung des Diebſtahls zu acht Tagen Arreſt ver- urtheilt. Correſpondenzen. Mödling. [Eigenbericht der „Badener Zeitung.“] (Perſonalnachricht.) Der k k. Bezirks- commiſſär in Neunkirchen, Wilhelm Tremel, wurde in gleicher Eigenſchaft an die hieſige Bezirkshaupt- mannſchaft überſetzt. (Die Weihnachtsfeier), welche alljähr- lich vom Evangeliſchen Frauenverein zu Gunſten armer Kinder veranſtaltet wird, findet diesmal am 22. l. M., 4 Uhr Nachmittags, ſtatt. (Die Sylveſterfeier) des Männer-Ge- ſangvereins findet im Hotel „Stadt Mödling“ ſtatt.

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Zitationshilfe: Badener Zeitung. Nr. 101, Baden (Niederösterreich), 16.12.1896, S. 3. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/nn_badener101_1896/3>, abgerufen am 18.09.2021.