Herders Conversations-Lexikon. Bd. 4. Freiburg im Breisgau, 1856.Rom zu reisen, wo er abermals festgenommen wurde. In diese Zeit fällt die Abfassung des II. Briefes an Timotheus sowie des Hebräerbriefes, welch letzteren er wahrscheinlich von einem Freunde niederschreiben ließ. Daß P. am Wege nach Ostia enthauptet wurde, meldet einstimmige Ueberlieferung; ob dies 64 od. 65, 67 oder 68 n. Chr. geschah, ist noch nicht entschieden. Gedächtnißtag 29. Juni, zugleich der des Apostels Petrus. Paulus, St., der erste Einsiedler, aus Unterthebais in Aegypten gebürtig, floh während der decischen Christenverfolgung 250 n. Chr. in die Wüste, wo er lange Jahre in einer Höhle wohnte, und soll 130jährig gest. sein, gerade als Antonius, der Patriarch des Mönchthums, ihn besuchte. Gedächtnißtag 15. Jan. - Ein anderer hl. P., dessen Andenken die Kirche am 7. Juni feiert, wurde 340 Bischof von Konstantinopel, trat den Arianern energisch entgegen und wurde in Folge arianischer Umtriebe auf Kaiser Konstantius Befehl gefangen, in Vorderasien herumgeschleppt und zuletzt 350 oder 351 umgebracht. Paulus Diakonus, eigentlich Paul Warnefried, der Geschichtschreiber der Langobarden, geb. um 730 zu Forojuli (Friaul), lebte am Hofe des Desiderius, zog sich nach dem Sturze desselben in das Kloster Monte-Casino zurück, ward von Karl d. Gr. an seinen Hof gezogen, wo er die Jahre 782-87 zubrachte, st. um 797 in Monte-Casino. Schrieb vieles, namentlich eine röm. Geschichte, die viele Jahrhunderte hindurch ein Schulbuch des Abendlandes blieb; dann seine Geschichte der Langobarden, eine Fundgrube zugleich für langobardische Volkssagen; die Geschichte der Bischöfe von Metz; auf Veranlassung Karls d. Gr. ein bekanntes Homiliarium; über die Benedictinerregel u. a. m. Beste Ausgabe der röm. u. langobardischen Geschichte (letztere deutsch von Otto Abel, Berl. 1849) bei Muratori, der Geschichte der Bischöfe von Metz im 2. Bd. der Monumenta Germaniae historica von Pertz. Paulus von Samosata, ein Antitrinitarier (s. d.), geb. zu Samosata in Syrien, armer Leute Kind, aber talentvoll und gewandt, war um 260 n. Chr. Bischof von Antiochien u. zugleich Ducenarius (Richter, Steuerdirector?), welch letztern Titel er als ein eitler, verweltlichter Mann weit lieber als den eines Bischofs gehört haben soll. Er meinte, Christus sei keineswegs Gott gewesen, wohl aber ein von Gott mit dem Logos d. h. mit einer ausnehmend starken Vernunft begabter Mensch und zugleich ein Tugendheld. Drei Synoden zu Antiochien verwarfen solche Irrlehre, erst auf der 3. wurde P. überführt u. abgesetzt (269). Jetzt stützte er sich auf die Macht und Gunst der Königin Zenobia von Palmyra, allein 272 zerstörte Kaiser Aurelian das palmyrenische Reich und bestimmte: Bischof von Antiochien solle werden, wen die italien. und vor allem der röm. Bischof dazu ernennen. P. mußte weichen, doch bewahrten seine Meinungsgenossen, die Paulianisten od. Samosatenianer seinen Namen noch lange. Paulus, Heinr. Eberhard Gottlob, protestant. Theolog und Vertreter der "Denkgläubigkeit", welche das Christenthum seines dogmatischen Charakters entkleidete und als den Kern des Urchristenthums die moralischen Ideen des modernen Rationalismus, nämlich den Glauben an sich selbst und die Ueberzeugungstreue glücklich enthülste, geb. 1761 zu Leonberg bei Stuttgart, wurde 1789 in Jena Professor der oriental. Sprachen, 1793 der Theologie, kam als solcher 1803 nach Würzburg und 1811 als Professor der Kirchengeschichte und Exegese nach Heidelberg, nachdem er seit 1808 als bayer. Landesdirectionsrath in Kirchen- und Schulsachen thätig gewesen war. P. feierte 1839 sein Jubiläum sammt goldener Hochzeit, trat 1844 in den Ruhestand, wurde mit dem Philosophen Schelling wegen Veröffentlichung der sog. Offenbarungsphilosophie des letztern in einen ärgerlichen Rechtsstreit verwickelt u. st. 1851. Von zahlreichen Schriften erwähnen wir das "Leben Jesu", Heidelb. 1828, 2 B. - P., Karoline, die Gattin des Vorigen, geb. 1767 zu Schorndorf, sowie P., Emilie, ihre Tochter, geb. 1791, 1818 mit Aug. Rom zu reisen, wo er abermals festgenommen wurde. In diese Zeit fällt die Abfassung des II. Briefes an Timotheus sowie des Hebräerbriefes, welch letzteren er wahrscheinlich von einem Freunde niederschreiben ließ. Daß P. am Wege nach Ostia enthauptet wurde, meldet einstimmige Ueberlieferung; ob dies 64 od. 65, 67 oder 68 n. Chr. geschah, ist noch nicht entschieden. Gedächtnißtag 29. Juni, zugleich der des Apostels Petrus. Paulus, St., der erste Einsiedler, aus Unterthebais in Aegypten gebürtig, floh während der decischen Christenverfolgung 250 n. Chr. in die Wüste, wo er lange Jahre in einer Höhle wohnte, und soll 130jährig gest. sein, gerade als Antonius, der Patriarch des Mönchthums, ihn besuchte. Gedächtnißtag 15. Jan. – Ein anderer hl. P., dessen Andenken die Kirche am 7. Juni feiert, wurde 340 Bischof von Konstantinopel, trat den Arianern energisch entgegen und wurde in Folge arianischer Umtriebe auf Kaiser Konstantius Befehl gefangen, in Vorderasien herumgeschleppt und zuletzt 350 oder 351 umgebracht. Paulus Diakonus, eigentlich Paul Warnefried, der Geschichtschreiber der Langobarden, geb. um 730 zu Forojuli (Friaul), lebte am Hofe des Desiderius, zog sich nach dem Sturze desselben in das Kloster Monte-Casino zurück, ward von Karl d. Gr. an seinen Hof gezogen, wo er die Jahre 782–87 zubrachte, st. um 797 in Monte-Casino. Schrieb vieles, namentlich eine röm. Geschichte, die viele Jahrhunderte hindurch ein Schulbuch des Abendlandes blieb; dann seine Geschichte der Langobarden, eine Fundgrube zugleich für langobardische Volkssagen; die Geschichte der Bischöfe von Metz; auf Veranlassung Karls d. Gr. ein bekanntes Homiliarium; über die Benedictinerregel u. a. m. Beste Ausgabe der röm. u. langobardischen Geschichte (letztere deutsch von Otto Abel, Berl. 1849) bei Muratori, der Geschichte der Bischöfe von Metz im 2. Bd. der Monumenta Germaniae historica von Pertz. Paulus von Samosata, ein Antitrinitarier (s. d.), geb. zu Samosata in Syrien, armer Leute Kind, aber talentvoll und gewandt, war um 260 n. Chr. Bischof von Antiochien u. zugleich Ducenarius (Richter, Steuerdirector?), welch letztern Titel er als ein eitler, verweltlichter Mann weit lieber als den eines Bischofs gehört haben soll. Er meinte, Christus sei keineswegs Gott gewesen, wohl aber ein von Gott mit dem Logos d. h. mit einer ausnehmend starken Vernunft begabter Mensch und zugleich ein Tugendheld. Drei Synoden zu Antiochien verwarfen solche Irrlehre, erst auf der 3. wurde P. überführt u. abgesetzt (269). Jetzt stützte er sich auf die Macht und Gunst der Königin Zenobia von Palmyra, allein 272 zerstörte Kaiser Aurelian das palmyrenische Reich und bestimmte: Bischof von Antiochien solle werden, wen die italien. und vor allem der röm. Bischof dazu ernennen. P. mußte weichen, doch bewahrten seine Meinungsgenossen, die Paulianisten od. Samosatenianer seinen Namen noch lange. Paulus, Heinr. Eberhard Gottlob, protestant. Theolog und Vertreter der „Denkgläubigkeit“, welche das Christenthum seines dogmatischen Charakters entkleidete und als den Kern des Urchristenthums die moralischen Ideen des modernen Rationalismus, nämlich den Glauben an sich selbst und die Ueberzeugungstreue glücklich enthülste, geb. 1761 zu Leonberg bei Stuttgart, wurde 1789 in Jena Professor der oriental. Sprachen, 1793 der Theologie, kam als solcher 1803 nach Würzburg und 1811 als Professor der Kirchengeschichte und Exegese nach Heidelberg, nachdem er seit 1808 als bayer. Landesdirectionsrath in Kirchen- und Schulsachen thätig gewesen war. P. feierte 1839 sein Jubiläum sammt goldener Hochzeit, trat 1844 in den Ruhestand, wurde mit dem Philosophen Schelling wegen Veröffentlichung der sog. Offenbarungsphilosophie des letztern in einen ärgerlichen Rechtsstreit verwickelt u. st. 1851. 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Geschichte, die viele Jahrhunderte hindurch ein Schulbuch des Abendlandes blieb; dann seine Geschichte der Langobarden, eine Fundgrube zugleich für langobardische Volkssagen; die Geschichte der Bischöfe von Metz; auf Veranlassung Karls d. Gr. ein bekanntes Homiliarium; über die Benedictinerregel u. a. m. Beste Ausgabe der röm. u. langobardischen Geschichte (letztere deutsch von Otto Abel, Berl. 1849) bei Muratori, der Geschichte der Bischöfe von Metz im 2. Bd. der <hi rendition="#i">Monumenta Germaniae historica</hi> von Pertz.</p><lb/> </div> <div type="lexiconEntry" n="2"> <p><hi rendition="#b">Paulus von Samosata</hi>, ein Antitrinitarier (s. d.), geb. zu Samosata in Syrien, armer Leute Kind, aber talentvoll und gewandt, war um 260 n. Chr. Bischof von Antiochien u. zugleich <hi rendition="#i">Ducenarius</hi> (Richter, Steuerdirector?), welch letztern Titel er als ein eitler, verweltlichter Mann weit lieber als den eines Bischofs gehört haben soll. 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Paulus, St., der erste Einsiedler, aus Unterthebais in Aegypten gebürtig, floh während der decischen Christenverfolgung 250 n. Chr. in die Wüste, wo er lange Jahre in einer Höhle wohnte, und soll 130jährig gest. sein, gerade als Antonius, der Patriarch des Mönchthums, ihn besuchte. Gedächtnißtag 15. Jan. – Ein anderer hl. P., dessen Andenken die Kirche am 7. Juni feiert, wurde 340 Bischof von Konstantinopel, trat den Arianern energisch entgegen und wurde in Folge arianischer Umtriebe auf Kaiser Konstantius Befehl gefangen, in Vorderasien herumgeschleppt und zuletzt 350 oder 351 umgebracht.
Paulus Diakonus, eigentlich Paul Warnefried, der Geschichtschreiber der Langobarden, geb. um 730 zu Forojuli (Friaul), lebte am Hofe des Desiderius, zog sich nach dem Sturze desselben in das Kloster Monte-Casino zurück, ward von Karl d. Gr. an seinen Hof gezogen, wo er die Jahre 782–87 zubrachte, st. um 797 in Monte-Casino. Schrieb vieles, namentlich eine röm. Geschichte, die viele Jahrhunderte hindurch ein Schulbuch des Abendlandes blieb; dann seine Geschichte der Langobarden, eine Fundgrube zugleich für langobardische Volkssagen; die Geschichte der Bischöfe von Metz; auf Veranlassung Karls d. Gr. ein bekanntes Homiliarium; über die Benedictinerregel u. a. m. Beste Ausgabe der röm. u. langobardischen Geschichte (letztere deutsch von Otto Abel, Berl. 1849) bei Muratori, der Geschichte der Bischöfe von Metz im 2. Bd. der Monumenta Germaniae historica von Pertz.
Paulus von Samosata, ein Antitrinitarier (s. d.), geb. zu Samosata in Syrien, armer Leute Kind, aber talentvoll und gewandt, war um 260 n. Chr. Bischof von Antiochien u. zugleich Ducenarius (Richter, Steuerdirector?), welch letztern Titel er als ein eitler, verweltlichter Mann weit lieber als den eines Bischofs gehört haben soll. Er meinte, Christus sei keineswegs Gott gewesen, wohl aber ein von Gott mit dem Logos d. h. mit einer ausnehmend starken Vernunft begabter Mensch und zugleich ein Tugendheld. Drei Synoden zu Antiochien verwarfen solche Irrlehre, erst auf der 3. wurde P. überführt u. abgesetzt (269). Jetzt stützte er sich auf die Macht und Gunst der Königin Zenobia von Palmyra, allein 272 zerstörte Kaiser Aurelian das palmyrenische Reich und bestimmte: Bischof von Antiochien solle werden, wen die italien. und vor allem der röm. Bischof dazu ernennen. P. mußte weichen, doch bewahrten seine Meinungsgenossen, die Paulianisten od. Samosatenianer seinen Namen noch lange.
Paulus, Heinr. Eberhard Gottlob, protestant. Theolog und Vertreter der „Denkgläubigkeit“, welche das Christenthum seines dogmatischen Charakters entkleidete und als den Kern des Urchristenthums die moralischen Ideen des modernen Rationalismus, nämlich den Glauben an sich selbst und die Ueberzeugungstreue glücklich enthülste, geb. 1761 zu Leonberg bei Stuttgart, wurde 1789 in Jena Professor der oriental. Sprachen, 1793 der Theologie, kam als solcher 1803 nach Würzburg und 1811 als Professor der Kirchengeschichte und Exegese nach Heidelberg, nachdem er seit 1808 als bayer. Landesdirectionsrath in Kirchen- und Schulsachen thätig gewesen war. P. feierte 1839 sein Jubiläum sammt goldener Hochzeit, trat 1844 in den Ruhestand, wurde mit dem Philosophen Schelling wegen Veröffentlichung der sog. Offenbarungsphilosophie des letztern in einen ärgerlichen Rechtsstreit verwickelt u. st. 1851. Von zahlreichen Schriften erwähnen wir das „Leben Jesu“, Heidelb. 1828, 2 B. – P., Karoline, die Gattin des Vorigen, geb. 1767 zu Schorndorf, sowie P., Emilie, ihre Tochter, geb. 1791, 1818 mit Aug.
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| Zitationshilfe: | Herders Conversations-Lexikon. Bd. 4. Freiburg im Breisgau, 1856, S. 478. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/nn_conversationslexikon04_1856/479>, abgerufen am 10.08.2024. |


