Herders Conversations-Lexikon. Bd. 4. Freiburg im Breisgau, 1856.gegenwärtig wird er am meisten in Frankreich angewandt. Pisek, böhm. Stadt im Kreise Pilsen an der Wottawa, in der man Perlmuscheln u. Granaten findet, mit 6000 E., Gymnasium, Leine- und Wollefabrikation, Drathzug. Pisidien, kleinasiat. Landschaft zwischen Pamphylien, Lycien, Karien, Lydien u. Großphrygien, im Taurus, mit tapferen, nie ganz bezwungenen Bewohnern. Pisistratus, 560-528 Tyrann von Athen, ohne Unterbrechung jedoch erst seit 538; s. die Artikel Athen, Hipparchus und Hippias. Piso, afrik. Gewicht = 1662/3 holl. As. Piso, Name einer röm. plebejischen zum Geschlechte der Calpurnius gehörigen Familie; große Erinnerung knüpft sich an keinen der P.nen. Pistacien, grüne Mandeln, die Frucht eines ostind., in Südeuropa jetzt allgemein angepflanzten Baums aus der Familie der Therebenthiaceae, schmeckt wie die süßen Mandeln. Pisteodike, vom griech. Pistis, Glaube, die Rechtfertigung des Glaubens. Pistillum, lat., Stempel, das weibliche Geschlechtsorgan der Blüte. Pistoja, das röm. Pistoria, toscan. Stadt nordwestl. von Florenz, Sitz eines Erzbischofs, mit merkwürdiger alter Kathedrale; 13300 E., Gewehrfabrikation, Gartenbau; s. Ricci. Pistoja, Leonardo da, genannt Malatesta, hieß eigentlich Grazia, ital. Maler aus dem 16. Jahrh., hielt sich hauptsächlich in Rom und Neapel auf, war ausgezeichnet im Porträt u. durch vortreffliches Colorit. Pistole, die bekannte kurze Feuerwaffe, in kleinster Form Terzerole genannt, wird im Heere nur von der Reiterei und den Offizieren gebraucht; vgl. Revolvers. Pistole (vom span. piastole, Stückchen), im 16. Jahrh. der Name einer span. Goldmünze = 4 Pesos, wurde in verschiedenen andern Ländern nachgeprägt, durchschnittlich im Werthe von 5 Thlr. (Louisd'or, Friedrichsd'or). Piston (-ong), frz., der Pumpenstock; vgl. Percussionsgewehr. Pitaval, Francois Gayot de, geb. 1673 zu Lyon, gest. 1743 als Advocat daselbst, berühmt durch seine Schrift "Causes celebres", Paris 1734, eine Sammlung merkwürdiger Criminalfälle; nachgeahmt in neuester Zeit von Hitzig und Häring (s. d.). Pitcairn, südlichste Insel der austral. Gruppe der niedrigen Inseln, 1790 von 8 meuterischen engl. Matrosen besetzt, die mehre otaheit. Männer und Weiber mitgebracht hatten. Die Engländer wurden bis auf 4 von den Otaheitiern, diese selbst von den Otaheitierinen; ermordet, von den 4 übrigen Engländern war 1801 nur noch Alex. Smith (John Adams) übrig; dennoch war die Colonie bei dessen Tod 1829 ungefähr 100 Köpfe stark u. lebte in patriarchalischer Verfassung, aber nicht unter besonders günstigen Verhältnissen. Pithöus, Peter, eigentlich Pithou, franz. Rechtsgelehrter u. Humanist, geb. 1539, gest. 1596, schrieb für "die Freiheiten der gallican. Kirche", gab den Phädrus, Persius u. Juvenal, das Pervigilium Veneris des Catull heraus. Pitiscus, Bartholomäus, geb. 1561 zu Schlauen in Schlesien, gest. 1613 als kurpfälz. Hofkaplan, Mathematiker; Hauptwerk: "Thesaurus mathematicus", Frankfurt 1613. Pitt, der Aeltere, s. Chatam. Pitt, William, der Jüngere, geb. 28. Mai 1750, der 3. Sohn des Grafen Chatam, trat 1781 in das Unterhaus, machte sich durch seine Beredsamkeit bemerklich, bekämpfte die Torys u. sprach zuerst von Parlamentsreform. 1783 kam er in das sogen. Coalitionsministerium, bildete nach dessen durch die Wighs verschuldetem Sturze ein neues Ministerium, brachte die Verhältnisse der ostind. Colonien in Einklang mit der Verfassung, setzte 1788 die Regentschaftsbill durch, colonisirte Neu-Südwales u. gab Canada eine Verfassung. Die franz. Revolution sah er als das Ereigniß an, das ihm die Vernichtung der franz. See- und Colonialmacht so wie der span. u. holländ. möglich machen sollte, und zu diesem Zwecke führte er 1792-1801 den Krieg mit dem Aufgebot aller Kräfte Englands und war die Seele aller Coalitionen gegenwärtig wird er am meisten in Frankreich angewandt. Pisek, böhm. Stadt im Kreise Pilsen an der Wottawa, in der man Perlmuscheln u. Granaten findet, mit 6000 E., Gymnasium, Leine- und Wollefabrikation, Drathzug. Pisidien, kleinasiat. Landschaft zwischen Pamphylien, Lycien, Karien, Lydien u. Großphrygien, im Taurus, mit tapferen, nie ganz bezwungenen Bewohnern. Pisistratus, 560–528 Tyrann von Athen, ohne Unterbrechung jedoch erst seit 538; s. die Artikel Athen, Hipparchus und Hippias. Piso, afrik. Gewicht = 1662/3 holl. As. Piso, Name einer röm. plebejischen zum Geschlechte der Calpurnius gehörigen Familie; große Erinnerung knüpft sich an keinen der P.nen. Pistacien, grüne Mandeln, die Frucht eines ostind., in Südeuropa jetzt allgemein angepflanzten Baums aus der Familie der Therebenthiaceae, schmeckt wie die süßen Mandeln. Pisteodike, vom griech. Pistis, Glaube, die Rechtfertigung des Glaubens. Pistillum, lat., Stempel, das weibliche Geschlechtsorgan der Blüte. Pistoja, das röm. Pistoria, toscan. Stadt nordwestl. von Florenz, Sitz eines Erzbischofs, mit merkwürdiger alter Kathedrale; 13300 E., Gewehrfabrikation, Gartenbau; s. Ricci. Pistoja, Leonardo da, genannt Malatesta, hieß eigentlich Grazia, ital. Maler aus dem 16. Jahrh., hielt sich hauptsächlich in Rom und Neapel auf, war ausgezeichnet im Porträt u. durch vortreffliches Colorit. Pistole, die bekannte kurze Feuerwaffe, in kleinster Form Terzerole genannt, wird im Heere nur von der Reiterei und den Offizieren gebraucht; vgl. Revolvers. Pistole (vom span. piastole, Stückchen), im 16. Jahrh. der Name einer span. Goldmünze = 4 Pesos, wurde in verschiedenen andern Ländern nachgeprägt, durchschnittlich im Werthe von 5 Thlr. (Louisdʼor, Friedrichsdʼor). Piston (–ong), frz., der Pumpenstock; vgl. Percussionsgewehr. Pitaval, François Gayot de, geb. 1673 zu Lyon, gest. 1743 als Advocat daselbst, berühmt durch seine Schrift „Causes célèbres“, Paris 1734, eine Sammlung merkwürdiger Criminalfälle; nachgeahmt in neuester Zeit von Hitzig und Häring (s. d.). Pitcairn, südlichste Insel der austral. Gruppe der niedrigen Inseln, 1790 von 8 meuterischen engl. Matrosen besetzt, die mehre otaheit. Männer und Weiber mitgebracht hatten. Die Engländer wurden bis auf 4 von den Otaheitiern, diese selbst von den Otaheitierinen; ermordet, von den 4 übrigen Engländern war 1801 nur noch Alex. Smith (John Adams) übrig; dennoch war die Colonie bei dessen Tod 1829 ungefähr 100 Köpfe stark u. lebte in patriarchalischer Verfassung, aber nicht unter besonders günstigen Verhältnissen. Pithöus, Peter, eigentlich Pithou, franz. Rechtsgelehrter u. Humanist, geb. 1539, gest. 1596, schrieb für „die Freiheiten der gallican. Kirche“, gab den Phädrus, Persius u. Juvenal, das Pervigilium Veneris des Catull heraus. Pitiscus, Bartholomäus, geb. 1561 zu Schlauen in Schlesien, gest. 1613 als kurpfälz. Hofkaplan, Mathematiker; Hauptwerk: „Thesaurus mathematicus“, Frankfurt 1613. Pitt, der Aeltere, s. Chatam. Pitt, William, der Jüngere, geb. 28. Mai 1750, der 3. Sohn des Grafen Chatam, trat 1781 in das Unterhaus, machte sich durch seine Beredsamkeit bemerklich, bekämpfte die Torys u. sprach zuerst von Parlamentsreform. 1783 kam er in das sogen. Coalitionsministerium, bildete nach dessen durch die Wighs verschuldetem Sturze ein neues Ministerium, brachte die Verhältnisse der ostind. Colonien in Einklang mit der Verfassung, setzte 1788 die Regentschaftsbill durch, colonisirte Neu-Südwales u. gab Canada eine Verfassung. Die franz. Revolution sah er als das Ereigniß an, das ihm die Vernichtung der franz. 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gegenwärtig wird er am meisten in Frankreich angewandt.
Pisek, böhm. Stadt im Kreise Pilsen an der Wottawa, in der man Perlmuscheln u. Granaten findet, mit 6000 E., Gymnasium, Leine- und Wollefabrikation, Drathzug.
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Pisistratus, 560–528 Tyrann von Athen, ohne Unterbrechung jedoch erst seit 538; s. die Artikel Athen, Hipparchus und Hippias.
Piso, afrik. Gewicht = 1662/3 holl. As.
Piso, Name einer röm. plebejischen zum Geschlechte der Calpurnius gehörigen Familie; große Erinnerung knüpft sich an keinen der P.nen.
Pistacien, grüne Mandeln, die Frucht eines ostind., in Südeuropa jetzt allgemein angepflanzten Baums aus der Familie der Therebenthiaceae, schmeckt wie die süßen Mandeln.
Pisteodike, vom griech. Pistis, Glaube, die Rechtfertigung des Glaubens.
Pistillum, lat., Stempel, das weibliche Geschlechtsorgan der Blüte.
Pistoja, das röm. Pistoria, toscan. Stadt nordwestl. von Florenz, Sitz eines Erzbischofs, mit merkwürdiger alter Kathedrale; 13300 E., Gewehrfabrikation, Gartenbau; s. Ricci.
Pistoja, Leonardo da, genannt Malatesta, hieß eigentlich Grazia, ital. Maler aus dem 16. Jahrh., hielt sich hauptsächlich in Rom und Neapel auf, war ausgezeichnet im Porträt u. durch vortreffliches Colorit.
Pistole, die bekannte kurze Feuerwaffe, in kleinster Form Terzerole genannt, wird im Heere nur von der Reiterei und den Offizieren gebraucht; vgl. Revolvers.
Pistole (vom span. piastole, Stückchen), im 16. Jahrh. der Name einer span. Goldmünze = 4 Pesos, wurde in verschiedenen andern Ländern nachgeprägt, durchschnittlich im Werthe von 5 Thlr. (Louisdʼor, Friedrichsdʼor).
Piston (–ong), frz., der Pumpenstock; vgl. Percussionsgewehr.
Pitaval, François Gayot de, geb. 1673 zu Lyon, gest. 1743 als Advocat daselbst, berühmt durch seine Schrift „Causes célèbres“, Paris 1734, eine Sammlung merkwürdiger Criminalfälle; nachgeahmt in neuester Zeit von Hitzig und Häring (s. d.).
Pitcairn, südlichste Insel der austral. Gruppe der niedrigen Inseln, 1790 von 8 meuterischen engl. Matrosen besetzt, die mehre otaheit. Männer und Weiber mitgebracht hatten. Die Engländer wurden bis auf 4 von den Otaheitiern, diese selbst von den Otaheitierinen; ermordet, von den 4 übrigen Engländern war 1801 nur noch Alex. Smith (John Adams) übrig; dennoch war die Colonie bei dessen Tod 1829 ungefähr 100 Köpfe stark u. lebte in patriarchalischer Verfassung, aber nicht unter besonders günstigen Verhältnissen.
Pithöus, Peter, eigentlich Pithou, franz. Rechtsgelehrter u. Humanist, geb. 1539, gest. 1596, schrieb für „die Freiheiten der gallican. Kirche“, gab den Phädrus, Persius u. Juvenal, das Pervigilium Veneris des Catull heraus.
Pitiscus, Bartholomäus, geb. 1561 zu Schlauen in Schlesien, gest. 1613 als kurpfälz. Hofkaplan, Mathematiker; Hauptwerk: „Thesaurus mathematicus“, Frankfurt 1613.
Pitt, der Aeltere, s. Chatam.
Pitt, William, der Jüngere, geb. 28. Mai 1750, der 3. Sohn des Grafen Chatam, trat 1781 in das Unterhaus, machte sich durch seine Beredsamkeit bemerklich, bekämpfte die Torys u. sprach zuerst von Parlamentsreform. 1783 kam er in das sogen. Coalitionsministerium, bildete nach dessen durch die Wighs verschuldetem Sturze ein neues Ministerium, brachte die Verhältnisse der ostind. Colonien in Einklang mit der Verfassung, setzte 1788 die Regentschaftsbill durch, colonisirte Neu-Südwales u. gab Canada eine Verfassung. Die franz. Revolution sah er als das Ereigniß an, das ihm die Vernichtung der franz. See- und Colonialmacht so wie der span. u. holländ. möglich machen sollte, und zu diesem Zwecke führte er 1792–1801 den Krieg mit dem Aufgebot aller Kräfte Englands und war die Seele aller Coalitionen
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| Zitationshilfe: | Herders Conversations-Lexikon. Bd. 4. Freiburg im Breisgau, 1856, S. 551. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/nn_conversationslexikon04_1856/552>, abgerufen am 10.08.2024. |


