Herders Conversations-Lexikon. Bd. 4. Freiburg im Breisgau, 1856.neuere Bezeichnung, womit die Befangenheit die röm.-kath. Kirche u. deren Anhänger bedachte, seitdem Papismus, Papisten u. dgl. aus der Mode gekommen; Romanisten in der Rechtswissenschaft, s. Germanisten. Romano, Maler, s. Giulio Romano. Romanow, Familienname des gegenwärtig, aber seit 1730 nur noch in weiblicher Linie herrschenden Geschlechtes in Rußland; dasselbe leitet seinen Ursprung auf einen lithauischen Fürsten des 14. Jahrh. zurück, gehörte schon im 15. und 16. Jahrh. zu den angesehensten Rußlands und gelangte auf den Thron, indem am 21. Febr. 1613 Michail Feodorowitsch R. durch einstimmige Wahl des Adels, der Geistlichkeit und der Städte zum erblichen und unumschränkten Czaren gewählt wurde. Derselbe war ein Sohn Philarets, des Metropoliten von Rostow (gest. 1634), durch seine Mutter aber ein Enkel Iwans II. des Schrecklichen (1533 dis 1584), somit gehört das Haus R. zugleich zu den 34 großen Familien Rußlands, welche von dem uralten bis 1598 in Rußland herrschenden Czarengeschlechte Rurik theils wirklich abstammen theils abstammen wollen. Michail Feodorowitsch R. regierte bis 1645, ihm folgten bis heute mit Einschluß des jetzigen Kaisers, Alexanders II., 16 Regenten des Hauses R.; Peter d. Gr. vertauschte den Czarentitel mit dem Kaisertitel, mit Peter II. aber starb das Haus R. 1730 in männlicher Linie aus. Vgl. Rußland. Romantisch, ein durch Mißverständnisse sehr nebelhaft gewordener Ausdruck, ist ursprünglich gleichbedeutend mit romanisch, der lingua romana rustica angehörig, ein r. es Gedicht, altfranzös. romant, somit ein in der Volkssprache abgefaßtes. Zur Zeit als der Roman Amadis bei uns ein Lieblingsbuch wurde, trug man den Ausdruck r. auf den Stoff über, r. bedeutete alsdann: abenteuerlich, phantastisch, wunderbar, Roman aber eine Erzählung voll seltsamer und wunderbarer Begebenheiten. R.e Poesie, ist streng genommen diejenige Poesie, welche nachweisbar von den romanischen Völkern zu uns kam, näher diejenige, welche die Karls-, Gral- u. Artussage behandelt. R.e Schule nennt man in Frankreich die Gesammtheit der Dichter, welche dem Classicismus (vgl. Classiker, ferner Bd. II. S. 785 ff.) entgegentraten, in Deutschland diejenige Richtung der Literatur und Kunst, als deren hauptsächlichste Beförderer die beiden Schlegel, Hardenberg und Tieck bekannt sind und welche einen gewaltigen und im Ganzen sehr wohlthätigen Einfluß übte, der bis auf unsere Zeit nicht erlosch. Die Anhänger der r.n Schule oder die Romantiker wurden zur Zeit als Göthe auf der Höhe seines Ruhmes stand, zu Trägern des Gedankens, daß die Poesie ins Leben selbst eindringen u. es von allem Gemeinen u. Philisterhaften säubern müsse. Dieser Gedanke lenkte die Romantiker nothwendig auf das Mittelalter, denn damals hatte es große volksthümliche Heldensagen, Mären und Minnesänger gegeben, welche die Dichtkunst unmittelbar ins Leben hineintrugen. Mit der Vorliebe für mittelalterliche Poesie erwachte die für die Poesie von Südeuropa und des Orients, damit für Literaturgeschichte und Sprachforschung, worin sie bahnbrechend wurden. Die Verherrlichung des Mittelalters gewann mehr oder minder katholische Färbung und sah wie Feindseligkeit gegen die Neuzeit aus, weil die begabtesten Sänger aus dem offenbaren Geheimnisse: Einheit der Poesie und des Lebens setze Einheit der Sitte, Sprache, Lebensanschauung und vor allem Einheit des Glaubens voraus, durchaus kein Hehl machten. Weil sie gleichzeitig gegen Kotzebue, Lafontaine, gegen die Fabrikanten der Räuber- und Ritterromane u. damit gegen Lieblinge der Lesermasse auftraten, dabei allmälig Schillern gar nicht mehr als Dichter gelten lassen und selbst über Göthe hinausfliegen wollten, ohne je Ebenbürtiges zu schaffen, ausgenommen in der Lyrik, wuchs der Mißkredit der r.n Schule. Durch sie erhielt r. nicht nur die ganz unhistorische Bedeutung: altdeutsch, mittelalterlich, sondern auch: frömmelnd, scheinheilig u. s. w., anderseits redete man von r. end.h. wildschauerlichen, malerischen Landschaften, Aussichten, r. end.h. wunderbaren neuere Bezeichnung, womit die Befangenheit die röm.-kath. Kirche u. deren Anhänger bedachte, seitdem Papismus, Papisten u. dgl. aus der Mode gekommen; Romanisten in der Rechtswissenschaft, s. Germanisten. Romano, Maler, s. Giulio Romano. Romanow, Familienname des gegenwärtig, aber seit 1730 nur noch in weiblicher Linie herrschenden Geschlechtes in Rußland; dasselbe leitet seinen Ursprung auf einen lithauischen Fürsten des 14. Jahrh. zurück, gehörte schon im 15. und 16. Jahrh. zu den angesehensten Rußlands und gelangte auf den Thron, indem am 21. Febr. 1613 Michail Feodorowitsch R. durch einstimmige Wahl des Adels, der Geistlichkeit und der Städte zum erblichen und unumschränkten Czaren gewählt wurde. Derselbe war ein Sohn Philarets, des Metropoliten von Rostow (gest. 1634), durch seine Mutter aber ein Enkel Iwans II. des Schrecklichen (1533 dis 1584), somit gehört das Haus R. zugleich zu den 34 großen Familien Rußlands, welche von dem uralten bis 1598 in Rußland herrschenden Czarengeschlechte Rurik theils wirklich abstammen theils abstammen wollen. Michail Feodorowitsch R. regierte bis 1645, ihm folgten bis heute mit Einschluß des jetzigen Kaisers, Alexanders II., 16 Regenten des Hauses R.; Peter d. Gr. vertauschte den Czarentitel mit dem Kaisertitel, mit Peter II. aber starb das Haus R. 1730 in männlicher Linie aus. Vgl. Rußland. Romantisch, ein durch Mißverständnisse sehr nebelhaft gewordener Ausdruck, ist ursprünglich gleichbedeutend mit romanisch, der lingua romana rustica angehörig, ein r. es Gedicht, altfranzös. romant, somit ein in der Volkssprache abgefaßtes. Zur Zeit als der Roman Amadis bei uns ein Lieblingsbuch wurde, trug man den Ausdruck r. auf den Stoff über, r. bedeutete alsdann: abenteuerlich, phantastisch, wunderbar, Roman aber eine Erzählung voll seltsamer und wunderbarer Begebenheiten. R.e Poesie, ist streng genommen diejenige Poesie, welche nachweisbar von den romanischen Völkern zu uns kam, näher diejenige, welche die Karls-, Gral- u. Artussage behandelt. R.e Schule nennt man in Frankreich die Gesammtheit der Dichter, welche dem Classicismus (vgl. Classiker, ferner Bd. II. S. 785 ff.) entgegentraten, in Deutschland diejenige Richtung der Literatur und Kunst, als deren hauptsächlichste Beförderer die beiden Schlegel, Hardenberg und Tieck bekannt sind und welche einen gewaltigen und im Ganzen sehr wohlthätigen Einfluß übte, der bis auf unsere Zeit nicht erlosch. Die Anhänger der r.n Schule oder die Romantiker wurden zur Zeit als Göthe auf der Höhe seines Ruhmes stand, zu Trägern des Gedankens, daß die Poesie ins Leben selbst eindringen u. es von allem Gemeinen u. Philisterhaften säubern müsse. Dieser Gedanke lenkte die Romantiker nothwendig auf das Mittelalter, denn damals hatte es große volksthümliche Heldensagen, Mären und Minnesänger gegeben, welche die Dichtkunst unmittelbar ins Leben hineintrugen. Mit der Vorliebe für mittelalterliche Poesie erwachte die für die Poesie von Südeuropa und des Orients, damit für Literaturgeschichte und Sprachforschung, worin sie bahnbrechend wurden. Die Verherrlichung des Mittelalters gewann mehr oder minder katholische Färbung und sah wie Feindseligkeit gegen die Neuzeit aus, weil die begabtesten Sänger aus dem offenbaren Geheimnisse: Einheit der Poesie und des Lebens setze Einheit der Sitte, Sprache, Lebensanschauung und vor allem Einheit des Glaubens voraus, durchaus kein Hehl machten. Weil sie gleichzeitig gegen Kotzebue, Lafontaine, gegen die Fabrikanten der Räuber- und Ritterromane u. damit gegen Lieblinge der Lesermasse auftraten, dabei allmälig Schillern gar nicht mehr als Dichter gelten lassen und selbst über Göthe hinausfliegen wollten, ohne je Ebenbürtiges zu schaffen, ausgenommen in der Lyrik, wuchs der Mißkredit der r.n Schule. Durch sie erhielt r. nicht nur die ganz unhistorische Bedeutung: altdeutsch, mittelalterlich, sondern auch: frömmelnd, scheinheilig u. s. w., anderseits redete man von r. end.h. wildschauerlichen, malerischen Landschaften, Aussichten, r. end.h. wunderbaren <TEI> <text> <body> <div n="1"> <div type="lexiconEntry" n="2"> <p><pb facs="#f0763" n="762"/> neuere Bezeichnung, womit die Befangenheit die röm.-kath. Kirche u. deren Anhänger bedachte, seitdem Papismus, Papisten u. dgl. aus der Mode gekommen; <hi rendition="#g">Romanisten</hi> in der Rechtswissenschaft, s. Germanisten.</p><lb/> </div> <div type="lexiconEntry" n="2"> <p><hi rendition="#b">Romano</hi>, Maler, s. Giulio Romano.</p><lb/> </div> <div type="lexiconEntry" n="2"> <p><hi rendition="#b">Romanow</hi>, Familienname des gegenwärtig, aber seit 1730 nur noch in weiblicher Linie herrschenden Geschlechtes in Rußland; dasselbe leitet seinen Ursprung auf einen lithauischen Fürsten des 14. Jahrh. zurück, gehörte schon im 15. und 16. 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S. 785 ff.) entgegentraten, in Deutschland diejenige Richtung der Literatur und Kunst, als deren hauptsächlichste Beförderer die beiden Schlegel, Hardenberg und Tieck bekannt sind und welche einen gewaltigen und im Ganzen sehr wohlthätigen Einfluß übte, der bis auf unsere Zeit nicht erlosch. Die Anhänger der r.n Schule oder die <hi rendition="#g">Romantiker</hi> wurden zur Zeit als Göthe auf der Höhe seines Ruhmes stand, zu Trägern des Gedankens, daß die Poesie ins Leben <hi rendition="#g">selbst</hi> eindringen u. es von allem Gemeinen u. Philisterhaften säubern müsse. Dieser Gedanke lenkte die Romantiker nothwendig auf das Mittelalter, denn damals hatte es große volksthümliche Heldensagen, Mären und Minnesänger gegeben, welche die Dichtkunst unmittelbar ins Leben hineintrugen. Mit der Vorliebe für mittelalterliche Poesie erwachte die für die Poesie von Südeuropa und des Orients, damit für Literaturgeschichte und Sprachforschung, worin sie bahnbrechend wurden. Die Verherrlichung des Mittelalters gewann mehr oder minder katholische Färbung und sah wie Feindseligkeit gegen die Neuzeit aus, weil die begabtesten Sänger aus dem offenbaren Geheimnisse: Einheit der Poesie und des Lebens setze Einheit der Sitte, Sprache, Lebensanschauung und vor allem <hi rendition="#g">Einheit des Glaubens</hi> voraus, durchaus kein Hehl machten. Weil sie gleichzeitig gegen Kotzebue, Lafontaine, gegen die Fabrikanten der Räuber- und Ritterromane u. damit gegen Lieblinge der Lesermasse auftraten, dabei allmälig Schillern gar nicht mehr als Dichter gelten lassen und selbst über Göthe hinausfliegen wollten, ohne je Ebenbürtiges zu schaffen, ausgenommen in der Lyrik, wuchs der Mißkredit der r.n Schule. Durch sie erhielt r. nicht nur die ganz unhistorische Bedeutung: altdeutsch, mittelalterlich, sondern auch: frömmelnd, scheinheilig u. s. w., anderseits redete man von r. end.h. wildschauerlichen, malerischen <hi rendition="#g">Landschaften, Aussichten,</hi> r. end.h. wunderbaren </p> </div> </div> </body> </text> </TEI> [762/0763]
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Romano, Maler, s. Giulio Romano.
Romanow, Familienname des gegenwärtig, aber seit 1730 nur noch in weiblicher Linie herrschenden Geschlechtes in Rußland; dasselbe leitet seinen Ursprung auf einen lithauischen Fürsten des 14. Jahrh. zurück, gehörte schon im 15. und 16. Jahrh. zu den angesehensten Rußlands und gelangte auf den Thron, indem am 21. Febr. 1613 Michail Feodorowitsch R. durch einstimmige Wahl des Adels, der Geistlichkeit und der Städte zum erblichen und unumschränkten Czaren gewählt wurde. Derselbe war ein Sohn Philarets, des Metropoliten von Rostow (gest. 1634), durch seine Mutter aber ein Enkel Iwans II. des Schrecklichen (1533 dis 1584), somit gehört das Haus R. zugleich zu den 34 großen Familien Rußlands, welche von dem uralten bis 1598 in Rußland herrschenden Czarengeschlechte Rurik theils wirklich abstammen theils abstammen wollen. Michail Feodorowitsch R. regierte bis 1645, ihm folgten bis heute mit Einschluß des jetzigen Kaisers, Alexanders II., 16 Regenten des Hauses R.; Peter d. Gr. vertauschte den Czarentitel mit dem Kaisertitel, mit Peter II. aber starb das Haus R. 1730 in männlicher Linie aus. Vgl. Rußland.
Romantisch, ein durch Mißverständnisse sehr nebelhaft gewordener Ausdruck, ist ursprünglich gleichbedeutend mit romanisch, der lingua romana rustica angehörig, ein r. es Gedicht, altfranzös. romant, somit ein in der Volkssprache abgefaßtes. Zur Zeit als der Roman Amadis bei uns ein Lieblingsbuch wurde, trug man den Ausdruck r. auf den Stoff über, r. bedeutete alsdann: abenteuerlich, phantastisch, wunderbar, Roman aber eine Erzählung voll seltsamer und wunderbarer Begebenheiten. R.e Poesie, ist streng genommen diejenige Poesie, welche nachweisbar von den romanischen Völkern zu uns kam, näher diejenige, welche die Karls-, Gral- u. Artussage behandelt. R.e Schule nennt man in Frankreich die Gesammtheit der Dichter, welche dem Classicismus (vgl. Classiker, ferner Bd. II. S. 785 ff.) entgegentraten, in Deutschland diejenige Richtung der Literatur und Kunst, als deren hauptsächlichste Beförderer die beiden Schlegel, Hardenberg und Tieck bekannt sind und welche einen gewaltigen und im Ganzen sehr wohlthätigen Einfluß übte, der bis auf unsere Zeit nicht erlosch. Die Anhänger der r.n Schule oder die Romantiker wurden zur Zeit als Göthe auf der Höhe seines Ruhmes stand, zu Trägern des Gedankens, daß die Poesie ins Leben selbst eindringen u. es von allem Gemeinen u. Philisterhaften säubern müsse. Dieser Gedanke lenkte die Romantiker nothwendig auf das Mittelalter, denn damals hatte es große volksthümliche Heldensagen, Mären und Minnesänger gegeben, welche die Dichtkunst unmittelbar ins Leben hineintrugen. Mit der Vorliebe für mittelalterliche Poesie erwachte die für die Poesie von Südeuropa und des Orients, damit für Literaturgeschichte und Sprachforschung, worin sie bahnbrechend wurden. Die Verherrlichung des Mittelalters gewann mehr oder minder katholische Färbung und sah wie Feindseligkeit gegen die Neuzeit aus, weil die begabtesten Sänger aus dem offenbaren Geheimnisse: Einheit der Poesie und des Lebens setze Einheit der Sitte, Sprache, Lebensanschauung und vor allem Einheit des Glaubens voraus, durchaus kein Hehl machten. Weil sie gleichzeitig gegen Kotzebue, Lafontaine, gegen die Fabrikanten der Räuber- und Ritterromane u. damit gegen Lieblinge der Lesermasse auftraten, dabei allmälig Schillern gar nicht mehr als Dichter gelten lassen und selbst über Göthe hinausfliegen wollten, ohne je Ebenbürtiges zu schaffen, ausgenommen in der Lyrik, wuchs der Mißkredit der r.n Schule. Durch sie erhielt r. nicht nur die ganz unhistorische Bedeutung: altdeutsch, mittelalterlich, sondern auch: frömmelnd, scheinheilig u. s. w., anderseits redete man von r. end.h. wildschauerlichen, malerischen Landschaften, Aussichten, r. end.h. wunderbaren
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| Zitationshilfe: | Herders Conversations-Lexikon. Bd. 4. Freiburg im Breisgau, 1856, S. 762. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/nn_conversationslexikon04_1856/763>, abgerufen am 10.08.2024. |


