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Czernowitzer Allgemeine Zeitung. Nr. 1684, Czernowitz, 25.08.1909.

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Czernowitzer Allgemeine Zeitung. 25. August 1909.

[Spaltenumbruch]
Aus Mazedonien.

KB. (Tel. der "Cz. Allg. Ztg.")

In ganz Mazedonien mehren sich die Fälle von
Mordtaten und Entführungen.
In Vodena
fand dieser Tage ein Volksmeeting statt, in dem gegen die
Ohnmacht der Regierung protestiert und diese aufgefordert
wird, der Fortsetzung der Uebeltaten und Morde ein Ziel
zu setzen. In den jungtürkischen Kreisen wird eifrigst
Propaganda für die Subskription zu Gunsten der Schaffung
einer Flotte betrieben. Die Offiziere der Garnison
Sorowitsch erklärten sich bereit, 10 Jahre hindurch je
einen Monatsgehalt diesem Zwecke zu widmen.




Die Kämpfe in Marokko.
Unfall eines spanischen Torpedobootzerstörers.

KB. (Tel. der "Cz. Allg. Ztg.")

Wie der "Matin" aus Melilla erfährt, erlitt in der
Nähe des Kap tris forcas, der auf der Fahrt nach
Melilla befindliche Torpedobootzerstörer "Terror" insolge
Zusammenstoßes mit einem Riff-Schiffe eine schwere
Havarie.




Serbien.

KB. (Tel. der "Cz. Allg. Ztg.")

König Peter, Kronprinz Alexander und Prinzessin
Helene sind hier eingetroffen.




Ein interessanter Besuch.

(Orig.-B.)

Ein
gelegentlicher Korrespondent schreibt uns: Seit einigen Tagen
weilt Paul Deschand, auch der "schöne Paul" genannt,
mit Familie zur Erholung in den Reichslanden. Wie man
sich in Kreisen erzählt, die es wissen können, hatten die
Behörden zunächst die Absicht, ihm den Aufenthalt zu unter-
sagen und zwar sollte dies mit seiner bekannten antideutschen
Stellungnahme in der französischen Kammer begründet
werden. Hier griff nun angeblich Fürst Radolin, der Pariser
Botschafter, persönlich ein und erwirkte bei dem Staats-
sekretär Dorn von Bulach die notwendige Aufenthaltserlaubnis.
Die ganze Angelegenheit hat an sich keine besondere Wichtigkeit,
aber sie ist deshalb interessant, weil Dorn von Bulach bei
seiner Ernennung von alldeutscher Seite her eine zu große
Franzosenfreundlichkeit vorgeworfen wurde. Und mit diesem
Vorwurfe stimmt sein Verhalten in der Angelegenheit
Deschand wirklich recht schlecht überein!




Rußland.

KB. (Tel. der "Cz. Allg.
Ztg.")

Im Fergangebiete in den Städten Samarkand,
Taschkend, Tschardini,
desgleichen in der zentralistischen
Eisenbahnzone ist der außerordentliche Schutz durch den ver-
stärkten Schutz ersetzt worden.

Preßfreiheit. -- Eine angenehme Statistik.

(Orig.-B.)

Vor einigen Jahren ist hier, nach dem Vorbild der Pariser
"Societe des gens de littres" ein Journalisten- und
Schriftsteller-Verein gegründet worden, der auch eine Unter-
stützungskasse sein Eigen nannte. Unter dem Vorwande, daß
diese auch "Revolutionäre" und Urheber politischer Verbrechen
[Spaltenumbruch] (zu deutsch: oppositionelle Schriftsteller) unterstütze, hat die
Regierung sie jetzt aufgelöst und ihren Verwaltungsrat unter
Anklage gestellt. So sieht unsere Pceßfreiheit aus! Allerdings
-- Stockprügel auf den Magen, wie es Eugen Richter
einmal nannte, sind zweifellos das sicherste und unblutigste
Mittel, unbequeme Gegner zum Schweigen zu bringen. Die
übliche Monatsstatistik über die Tätigkeit des Nachrichters
in dem bekanntlich "völlig beruhigte" Rußland ist wieder
einmal erschienen. Es sollten im Juli darnach 102 Köpfe
fallen, im Tagesdurchschnitte 31/2! Ein Teil ist ja unaus-
geführt geblieben, immerhin mußte der Henker z. B. in
Jekaterinoslaw neunmal, in Lublin und Charkow je fünfmal
in Tätigkeit treten. Die Zahl der administrativ bestraften
Zeitungen beträgt "nur" 19, allerdings blühte dieses
Schicksal einigen von den betreffenden Blättern zweimal --
in einem Monat nota bene!




Die "Freie Schule".

Die Entscheidung des Unterichts-
ministeriums, auf Grund welcher der Wiener Ortsschulrat jetzt
neuerdings die Schließung der Unterrichtsanstalten des Vereines
der "Freien Schule" verfügt hat, ruft in allen Kreisen der
freisinnigen Wiener Bürgerschaft die größte Aufregung hervor.
Man erwartet, daß alle möglichen Wege eingeschlagen werden,
die gegen diese Verfügung offenstehen, um ihre Aufhebung zu
erwirken.

Man sieht in der Entscheidung des Unterrichtsministeriums
eine scharfe Abkehr von jener liberalen Handhabung der
Gesetze, wie sie unter den Ministern Hartel und Marchet
geübt wurde.




Bunte Chronik.


Die Eroberung der Luft.
Graf Zeppelin.

KB. (Tel. der "Cz. Allg. Ztg.")

Graf Zeppelin hat das Krankenhaus verlassen und wird
sich noch heute nach Friedrichshafen begeben.

Unfall eines französischen Ballons.

KB. (Tel. der "Cz.
Allg. Ztg.")

Der lenkbare Ballon "Bayard Clement"
wurde, als er heute vormittags landen wollte, gegen die
Telegraphenstangen an der Eisenbahn geworfen. Die Hülle
riß und der Ballon fiel in die Seine. Drei Insassen, die
unverletzt blieben, schwammen an das Ufer.

Neuer Rekord Bleriots.

KB. (Tel. der "Cz. Allg. Ztg.")

Bleriot schlug heute nachmittags auf seinem Monoplan
beim Wettfliegen, um den Preis für die schnellste Renn-
bahnrunde mit einer Distanz von 10 Kilometern den Rekord,
welchen Lefebore gestern aufgestellt hat, in der Zeit von
8 Minuten 42 2/5 Sekunden.

Bleriot hat auch den Schnelligkeitsrekord aufgestellt,
indem er 69 Kilometer in einer Stunde zurücklegte.
Paulhan gewann den Grand Prix de Champage und den
der Stadt Reims, Distanz 50 Kilometer in einer Stunde
und einer Minute.


[Spaltenumbruch]
Die Vernichtung des Wellman'schen Luftschiffes

Die Darstellung von der Zerstörung des Motorballons
"Amerika" in der Vargobei scheint sich in vollem Umfange
zu bestätigen. Wellmann und seine Leute hüllen sich jedoch
nach wie vor über die Katastrophe vom 15. August in
Schweigen. In Ergänzung der bisheriger Berichte liegen noch
nachstehende telegraphische Meldungen vor:

Von den sich widersprechenden
Nachrichten über das Schicksal des Wellmannschen Ballons
gewinnt die Meldung, daß das Luftschiff explodiert sei, an
Wahrscheinlichkeit. Wie ein Telegramm des Morgenbladet
aus Hammerfest meldet, entstand, als der Ballon an das
Ballonhaus geführt werden sollte, im Benzinbehälter Feuer.
Ein Windstoß riß den Ballon zweihundert Meter in die
Höhe, wo er explodierte. Die Gondel und andere feste Teile
außer dem unbeschädigt gebliebenen Motor wurden in Stücke
gerissen. Die Ballonhülle fiel ins Wasser, aus dem sie in
mehreren Stücken herausgefischt wurde.

Ueber Wellmans Stimmung nach der Katastrophe sowie
über seine Zukunftspläne gibt das nachstehende Telegramm
Aufschluß:

Wellman war nach dem
Unglück in der Virgobay sehr niedergeschlagen, faßte aber
bald wieder frischen Mut. Obwohl er anscheinend sehr erschöpft
war, wurde dennoch schon am Tage nach dem mißglückten
Aufstieg damit begonnen, das Ballonhaus um 35 Meter zu
vergrößern, sowie andere Vorbereitungen für einen neuen
Aufstieg, der im Juli 1910 erfolgen soll, zu treffen. Drei
Leute werden engagiert, um in Virgio zu überwintern. Wellman
hält an der Absicht, Dienstag die Rückreise anzutreten, fest.

Obgleich Wellman an seinem Plan hartnäckig festhält,
ist doch anzunehmen, daß das diesjährige Fiasko der "Amerika"
den entgültigen Abschluß seiner Versuche, den Nordpol zu
überfliegen, bilden wird.

Ballon "Parseval".

(Priv.-Tel. der "Cz. Allg. Ztg.")

Die Morgenblätter melden aus Frankfurt a. M.: "Parseval III",
der kürzlich bei einer unfreiwilligen Landung Havarie erlitt,
unternahm am Sonntag eine einstündige Fahrt, während der
er über der Stadt manövrierte. Die Landung erfolgte glatt.

Zum Gordon-Bennet-Wettflug.

Der Eindruck des heutigen ersten
Tages der großen Flugwoche war trotz der schlechten Witterung
hervorragend. Es waren die berühmtesten französischen und
englischen Flieger mit ihren Aeroplanen der verschiedensten
Konstruktionen erschienen. Von den Zweideckern funktionierten
die Wrightmaschinen geradezu staunenerregend, sowohl was
die Sicherheit wie Lenkbarkeit anlangt. Einen wundervollen
Eindruck machten die Eindecker, die wie Riesenvögel dahin-
schwebten. Dem unvergleichlichen Schauspiel, bei dem oft bis
zu zehn Flieger zu gleicher Zeit in der Luft waren und teils
hinter-, teils übereinander dahinfuhren, wohnte ein nach Zehn-
tausenden zählendes Publikum bei, darunter zahlreiche An-
gehörige der vornehmen Pariser Kreise.




Furchtbare Explosionskatastrophe.
KB. (Tel. der "Cz. Allg. Ztg.")

Heute um 4 Uhr 30 Min. nachmittags fand im Gasreinigungs-
gebäude der städtischen Gasfabrik eine gewaltige Ex-
plosion
statt. Im Umkreise von einem Kilometer wurden
die Fensterscheiben in der Stadt zertrümmert. Bis 5 Uhr
wurden zwei Tote geborgen. Die Zahl der Verletzten ist




[Spaltenumbruch]

Eßwaren, Semmeln, Zucker, Käse, Mehl u. s. w. dem
Käufer im Laden zu. Die infektiöse Absonderung, Schleim
u. s. w., und sei es noch so wenig, wird dabei auf die Ware
deponiert und auf diese Weise sehr leicht verschleppt. Typhus
und Ruhr ist auf diese Weise schon unzählige Male verbreitet
worden; man hatte früher an diese Möglichkeit niemals
gedacht. Heute wissen wir, daß jene Krankheitskeime sich auf
den verschiedensten Nahrungsmitteln, je nach dem Feuchtig-
keitsgrad derselben, lange, oft sehr lange halten und lebens-
fähig bleiben können. Große Epidemien sind auf diesem
Wege durch Nahrungsmittel sicher entfacht worden, und vor
nicht langer Zeit ging durch die englische Fachpresse die
Nachricht von einer explosiven Typhusepidemie unter den
zahlreichen Gästen eines Restaurants, in welchem die Wirtin,
welche ihr typhuskrankes Kind pflegte, ihren Gästen selbst-
bereitete Gerichte vorgesetzt hatte.

Bezüglich der Aufbewahrung der Nahrungsmittel in den
Verkaufsläden soll eine ausreichende Trennung derselben von
den übrigen Waren gefordert werden, um jene Verunreinigung
durch die letzteren zu verhindern. Was es mit dieser wün-
schenswerten Trennung oft genug auf sich hat, weiß jeder
Sanitätsbeamte, welchem die periodischen Revisionen der
Kolonial- und Spezereiwaren-, Droguen- und Farbwaren-
handlungen etc. obliegt. Da lagern oft die verschiedensten
Dinge in unüberbrückbarem Gegensatze nebeneinander: Stiefel-
wichse neben Mehl und Zucker, Farbwaren neben Korinthen
u. s. w. Eine grundsätzliche Trennung aller Eßwaren von
den übrigen ist berechtigt und anch überall leicht durchführbar.
Der Verkäufer befleißige sich beim Entnehmen und Abwiegen
der Eßwaren gleichzeitig einer gewissen Vorsicht, um nicht
durch Lässigkeit dieselben zu verunreinigen. Allerdings setzt
diese Forderung ein gewisses Pflicht- und Verantwortlichkeits-
gefühl voraus; wo dieses fehlt, werden alle Wünsche unerhört
verhallen.

Ich kannte einen Greisler in unserer Stadt, welchem
das Schubfach mit dem fein gemahlenen Gries
gleichzeitig als Streusandbüchse diente. Das
Schubfach war stets geöffnet. Die Rechte streute unaus-
gesetzt den Gries auf das frisch beschriebene Papier und
schüttete ihn dann mit beneidenswertem Gleichmute in das
Schubfach zurück. Welche dunkle Färbung dieser Gries mit
[Spaltenumbruch] der Zeit annehmen mußte, mag sich jeder vorstellen. Das
Publikum kauft aber auf Treu und Glauben und mag
vielleicht nicht Lärm schlagen, wie ich, beim Beobachten dieses
Vorganges, wodurch ich mir die Freundschaft des alten
Greislers verscherzte.

Reinlichkeit und Sauberkeit der Eßwaren setzt natürlich
eine sorgsame Aufbewahrung derselben, womöglich in ge-
schlossenen Gefäßen, voraus. Daher müssen die Behälter
sauber und gegen Beschmutzung und Verstaubung ausreichend
gesichert sein. Nahrungsmittel, welche leicht Feuchtigkeit auf-
nehmen, müssen trocken aufbewahrt werden; das gilt vor-
nehmlich von Mehl, Zucker u. dgl. In den Fleischhallen
nehme man Bedacht auf saubere Behandlung der Fleischwaren,
durch peinliche Säuberung der Wände (Kachelwände oder
abwaschbarer Oelfarbenanstrich) und der Aufhängehacken,
welche nicht besudelt sein dürfen.

Vor Fliegenbeschmutzung sei die Ware, wie z. B. am
Elisabeth- oder Rudolfsplatze, wo Käse, Brot, Honig u. dgl.
und auf den öffentlichen Plätzen, wo Obst verkauft wird,
durch Fliegenspinde oder Gazeüberzüge gesichert.

Vor einer unsachgemäßen Benutzung des Eisschrankes
aber sei nachdrücklichst gewarnt; hat man vergessen, das Eis
in solchem Schranke rechtzeitig zu erneuern, so richtet er mehr
Schaden als Nutzen an. In dem Dunkel eines solchen engen,
dunstgeschwängerten Raumes, in welchem nach der Eis-
schmelze die Temperatur sich der Außentemperatur rapide
nähert, sind die günstigen Bedingungen für die Kultur von
Fäulnisbakterien aller Art vorhanden. Solch ein Eisschrank
wird zum Brutschrank, in welchem Eßwaren viel schneller
verderben, als wenn sie frei im Laden aufgestellt wären.
Darum Vorsicht mit dem Eisschrank.

Und nun zum wichtigsten Kapitel der einschlägigen
Hygiene des Ladenverkaufes.

Wie schon einmal bemerkt, sind die Eßwaren, welche
in den Kolonialwarenhandlungen, in Fleisch-, Wurst-,
Delikatessengeschäften. in Bäckereien, Konditoreien u. dgl.
feilgeboten werden, meist derartige, daß eine eigentliche
Säuberung oder Wasserabspülung vor dem Genuß unmöglich
ist. Umsomehr werden wir daher fordern dürfen, daß bei
dem Handverkauf dieser Waren und dem dabei unvermeidlichen
Gebrauch der Hände mit jener Reinlichkeit und Sauberkeit
[Spaltenumbruch] verfahren werde, welche notwendig ist, um uns diesen Genuß
nicht zu verleiden. Denn eine unappetitliche Behandlung der
Eßwaren durch fremde Hände ruft Ekel und Widerwillen
hervor. Daß aber in dieser Beziehung der Handverkauf noch
sehr viel zu wünschen übrig läßt, muß jeder zugeben, der für
solche tagtäglich noch in den "bessern" Eßwarenläden (Früh-
stückslokalen) sich wiederholende Unzukömmlichkeiten ein offenes
Auge hat. Da kommt zunächst die Persönlichkeit des Ver-
käufers in Betracht. Wie oft sind die Kleidungsstücke, die
Hände unsauber, die Nägel mit Trauerrändern versehen. Da
finden wir unappetitliche Heftpflasterstücke, unsaubere Ver-
bände an den Fingern, auch nicht selten entstellende Haut-
erkrankungen am Gesicht, häßliche Pusteln und Warzen an
den Fingern. Nicht selten werden auch kränkelnde, hustende,
auswerfende Personen unter der Ladenbedingung getroffen,
die in die Tube als Zugabe womöglich hineinhusten. Denn
es ist wohl kein unbilliges Verlangen, wenn wir fordern:

1. Gesundheit der Verkäufer, insbesondere Freisein der-
selben von entstellenden, absondernden Hautausschlägen im
Gesicht und an den Händen;

2. saubere Kleidung, reinliche Wäsche und

3. gepflegte, zumindestens saubere Hände und vor allen
Dingen saubere Nägel.

Die letztere Forderung ist aber nur durchführbar, wenn
im Verkaufsraume selbst Waschgeräte und Handtücher jederzeit
und ausreichend dem Personal zur Verfügung gestellt wird.
Nichst versteckt in irgend einem Winkel des Ladens ist es
zu unterbringen, sondern an sichtbarer Stelle, vor den Augen
des Publikums muß das Personal sich säubern können. Auch
müssen die Handtücher häufig gewechselt werden.

Daß auch der Verkaufstisch und die auf ihm befindlichen
Wagen stets sauber gehalten werden müssen, bedarf wohl
kaum der Erwähnung. Die Eßwaren dürfen nie unverpackt
oder uneingewickelt auf die Wagschale gelegt werden.

Wichtig für die Hygienie des Handverkaufes ist ferner
der Gebrauch der Hände. Wenngleich wir sauber gewaschene
Hände und reine Nägel gefordert haben, so wird damit die
weitere Forderung, die Berührung und das Anfassen der
Eßwaren nach Möglichkeit zu beschränken, nicht überflüssig.
Es erweckt in uns das Gefühl des Unbehagens, wenn das,
was wir genießen wollen, zuvor von fremden Händen berührt worden


Czernowitzer Allgemeine Zeitung. 25. Auguſt 1909.

[Spaltenumbruch]
Aus Mazedonien.

KB. (Tel. der „Cz. Allg. Ztg.“)

In ganz Mazedonien mehren ſich die Fälle von
Mordtaten und Entführungen.
In Vodena
fand dieſer Tage ein Volksmeeting ſtatt, in dem gegen die
Ohnmacht der Regierung proteſtiert und dieſe aufgefordert
wird, der Fortſetzung der Uebeltaten und Morde ein Ziel
zu ſetzen. In den jungtürkiſchen Kreiſen wird eifrigſt
Propaganda für die Subſkription zu Gunſten der Schaffung
einer Flotte betrieben. Die Offiziere der Garniſon
Sorowitſch erklärten ſich bereit, 10 Jahre hindurch je
einen Monatsgehalt dieſem Zwecke zu widmen.




Die Kämpfe in Marokko.
Unfall eines ſpaniſchen Torpedobootzerſtörers.

KB. (Tel. der „Cz. Allg. Ztg.“)

Wie der „Matin“ aus Melilla erfährt, erlitt in der
Nähe des Kap tris forcas, der auf der Fahrt nach
Melilla befindliche Torpedobootzerſtörer „Terror“ inſolge
Zuſammenſtoßes mit einem Riff-Schiffe eine ſchwere
Havarie.




Serbien.

KB. (Tel. der „Cz. Allg. Ztg.“)

König Peter, Kronprinz Alexander und Prinzeſſin
Helene ſind hier eingetroffen.




Ein intereſſanter Beſuch.

(Orig.-B.)

Ein
gelegentlicher Korreſpondent ſchreibt uns: Seit einigen Tagen
weilt Paul Deſchand, auch der „ſchöne Paul“ genannt,
mit Familie zur Erholung in den Reichslanden. Wie man
ſich in Kreiſen erzählt, die es wiſſen können, hatten die
Behörden zunächſt die Abſicht, ihm den Aufenthalt zu unter-
ſagen und zwar ſollte dies mit ſeiner bekannten antideutſchen
Stellungnahme in der franzöſiſchen Kammer begründet
werden. Hier griff nun angeblich Fürſt Radolin, der Pariſer
Botſchafter, perſönlich ein und erwirkte bei dem Staats-
ſekretär Dorn von Bulach die notwendige Aufenthaltserlaubnis.
Die ganze Angelegenheit hat an ſich keine beſondere Wichtigkeit,
aber ſie iſt deshalb intereſſant, weil Dorn von Bulach bei
ſeiner Ernennung von alldeutſcher Seite her eine zu große
Franzoſenfreundlichkeit vorgeworfen wurde. Und mit dieſem
Vorwurfe ſtimmt ſein Verhalten in der Angelegenheit
Deſchand wirklich recht ſchlecht überein!




Rußland.

KB. (Tel. der „Cz. Allg.
Ztg.“)

Im Fergangebiete in den Städten Samarkand,
Taſchkend, Tſchardini,
desgleichen in der zentraliſtiſchen
Eiſenbahnzone iſt der außerordentliche Schutz durch den ver-
ſtärkten Schutz erſetzt worden.

Preßfreiheit. — Eine angenehme Statiſtik.

(Orig.-B.)

Vor einigen Jahren iſt hier, nach dem Vorbild der Pariſer
„Sociètè des gens de littres“ ein Journaliſten- und
Schriftſteller-Verein gegründet worden, der auch eine Unter-
ſtützungskaſſe ſein Eigen nannte. Unter dem Vorwande, daß
dieſe auch „Revolutionäre“ und Urheber politiſcher Verbrechen
[Spaltenumbruch] (zu deutſch: oppoſitionelle Schriftſteller) unterſtütze, hat die
Regierung ſie jetzt aufgelöſt und ihren Verwaltungsrat unter
Anklage geſtellt. So ſieht unſere Pceßfreiheit aus! Allerdings
— Stockprügel auf den Magen, wie es Eugen Richter
einmal nannte, ſind zweifellos das ſicherſte und unblutigſte
Mittel, unbequeme Gegner zum Schweigen zu bringen. Die
übliche Monatsſtatiſtik über die Tätigkeit des Nachrichters
in dem bekanntlich „völlig beruhigte“ Rußland iſt wieder
einmal erſchienen. Es ſollten im Juli darnach 102 Köpfe
fallen, im Tagesdurchſchnitte 3½! Ein Teil iſt ja unaus-
geführt geblieben, immerhin mußte der Henker z. B. in
Jekaterinoslaw neunmal, in Lublin und Charkow je fünfmal
in Tätigkeit treten. Die Zahl der adminiſtrativ beſtraften
Zeitungen beträgt „nur“ 19, allerdings blühte dieſes
Schickſal einigen von den betreffenden Blättern zweimal —
in einem Monat nota bene!




Die „Freie Schule“.

Die Entſcheidung des Unterichts-
miniſteriums, auf Grund welcher der Wiener Ortsſchulrat jetzt
neuerdings die Schließung der Unterrichtsanſtalten des Vereines
der „Freien Schule“ verfügt hat, ruft in allen Kreiſen der
freiſinnigen Wiener Bürgerſchaft die größte Aufregung hervor.
Man erwartet, daß alle möglichen Wege eingeſchlagen werden,
die gegen dieſe Verfügung offenſtehen, um ihre Aufhebung zu
erwirken.

Man ſieht in der Entſcheidung des Unterrichtsminiſteriums
eine ſcharfe Abkehr von jener liberalen Handhabung der
Geſetze, wie ſie unter den Miniſtern Hartel und Marchet
geübt wurde.




Bunte Chronik.


Die Eroberung der Luft.
Graf Zeppelin.

KB. (Tel. der „Cz. Allg. Ztg.“)

Graf Zeppelin hat das Krankenhaus verlaſſen und wird
ſich noch heute nach Friedrichshafen begeben.

Unfall eines franzöſiſchen Ballons.

KB. (Tel. der „Cz.
Allg. Ztg.“)

Der lenkbare Ballon „Bayard Clement“
wurde, als er heute vormittags landen wollte, gegen die
Telegraphenſtangen an der Eiſenbahn geworfen. Die Hülle
riß und der Ballon fiel in die Seine. Drei Inſaſſen, die
unverletzt blieben, ſchwammen an das Ufer.

Neuer Rekord Bleriots.

KB. (Tel. der „Cz. Allg. Ztg.“)

Bleriot ſchlug heute nachmittags auf ſeinem Monoplan
beim Wettfliegen, um den Preis für die ſchnellſte Renn-
bahnrunde mit einer Diſtanz von 10 Kilometern den Rekord,
welchen Lefebore geſtern aufgeſtellt hat, in der Zeit von
8 Minuten 42⅖ Sekunden.

Bleriot hat auch den Schnelligkeitsrekord aufgeſtellt,
indem er 69 Kilometer in einer Stunde zurücklegte.
Paulhan gewann den Grand Prix de Champage und den
der Stadt Reims, Diſtanz 50 Kilometer in einer Stunde
und einer Minute.


[Spaltenumbruch]
Die Vernichtung des Wellman’ſchen Luftſchiffes

Die Darſtellung von der Zerſtörung des Motorballons
„Amerika“ in der Vargobei ſcheint ſich in vollem Umfange
zu beſtätigen. Wellmann und ſeine Leute hüllen ſich jedoch
nach wie vor über die Kataſtrophe vom 15. Auguſt in
Schweigen. In Ergänzung der bisheriger Berichte liegen noch
nachſtehende telegraphiſche Meldungen vor:

Von den ſich widerſprechenden
Nachrichten über das Schickſal des Wellmannſchen Ballons
gewinnt die Meldung, daß das Luftſchiff explodiert ſei, an
Wahrſcheinlichkeit. Wie ein Telegramm des Morgenbladet
aus Hammerfeſt meldet, entſtand, als der Ballon an das
Ballonhaus geführt werden ſollte, im Benzinbehälter Feuer.
Ein Windſtoß riß den Ballon zweihundert Meter in die
Höhe, wo er explodierte. Die Gondel und andere feſte Teile
außer dem unbeſchädigt gebliebenen Motor wurden in Stücke
geriſſen. Die Ballonhülle fiel ins Waſſer, aus dem ſie in
mehreren Stücken herausgefiſcht wurde.

Ueber Wellmans Stimmung nach der Kataſtrophe ſowie
über ſeine Zukunftspläne gibt das nachſtehende Telegramm
Aufſchluß:

Wellman war nach dem
Unglück in der Virgobay ſehr niedergeſchlagen, faßte aber
bald wieder friſchen Mut. Obwohl er anſcheinend ſehr erſchöpft
war, wurde dennoch ſchon am Tage nach dem mißglückten
Aufſtieg damit begonnen, das Ballonhaus um 35 Meter zu
vergrößern, ſowie andere Vorbereitungen für einen neuen
Aufſtieg, der im Juli 1910 erfolgen ſoll, zu treffen. Drei
Leute werden engagiert, um in Virgio zu überwintern. Wellman
hält an der Abſicht, Dienſtag die Rückreiſe anzutreten, feſt.

Obgleich Wellman an ſeinem Plan hartnäckig feſthält,
iſt doch anzunehmen, daß das diesjährige Fiasko der „Amerika“
den entgültigen Abſchluß ſeiner Verſuche, den Nordpol zu
überfliegen, bilden wird.

Ballon „Parſeval“.

(Priv.-Tel. der „Cz. Allg. Ztg.“)

Die Morgenblätter melden aus Frankfurt a. M.: „Parſeval III“,
der kürzlich bei einer unfreiwilligen Landung Havarie erlitt,
unternahm am Sonntag eine einſtündige Fahrt, während der
er über der Stadt manövrierte. Die Landung erfolgte glatt.

Zum Gordon-Bennet-Wettflug.

Der Eindruck des heutigen erſten
Tages der großen Flugwoche war trotz der ſchlechten Witterung
hervorragend. Es waren die berühmteſten franzöſiſchen und
engliſchen Flieger mit ihren Aeroplanen der verſchiedenſten
Konſtruktionen erſchienen. Von den Zweideckern funktionierten
die Wrightmaſchinen geradezu ſtaunenerregend, ſowohl was
die Sicherheit wie Lenkbarkeit anlangt. Einen wundervollen
Eindruck machten die Eindecker, die wie Rieſenvögel dahin-
ſchwebten. Dem unvergleichlichen Schauſpiel, bei dem oft bis
zu zehn Flieger zu gleicher Zeit in der Luft waren und teils
hinter-, teils übereinander dahinfuhren, wohnte ein nach Zehn-
tauſenden zählendes Publikum bei, darunter zahlreiche An-
gehörige der vornehmen Pariſer Kreiſe.




Furchtbare Exploſionskataſtrophe.
KB. (Tel. der „Cz. Allg. Ztg.“)

Heute um 4 Uhr 30 Min. nachmittags fand im Gasreinigungs-
gebäude der ſtädtiſchen Gasfabrik eine gewaltige Ex-
ploſion
ſtatt. Im Umkreiſe von einem Kilometer wurden
die Fenſterſcheiben in der Stadt zertrümmert. Bis 5 Uhr
wurden zwei Tote geborgen. Die Zahl der Verletzten iſt




[Spaltenumbruch]

Eßwaren, Semmeln, Zucker, Käſe, Mehl u. ſ. w. dem
Käufer im Laden zu. Die infektiöſe Abſonderung, Schleim
u. ſ. w., und ſei es noch ſo wenig, wird dabei auf die Ware
deponiert und auf dieſe Weiſe ſehr leicht verſchleppt. Typhus
und Ruhr iſt auf dieſe Weiſe ſchon unzählige Male verbreitet
worden; man hatte früher an dieſe Möglichkeit niemals
gedacht. Heute wiſſen wir, daß jene Krankheitskeime ſich auf
den verſchiedenſten Nahrungsmitteln, je nach dem Feuchtig-
keitsgrad derſelben, lange, oft ſehr lange halten und lebens-
fähig bleiben können. Große Epidemien ſind auf dieſem
Wege durch Nahrungsmittel ſicher entfacht worden, und vor
nicht langer Zeit ging durch die engliſche Fachpreſſe die
Nachricht von einer exploſiven Typhusepidemie unter den
zahlreichen Gäſten eines Reſtaurants, in welchem die Wirtin,
welche ihr typhuskrankes Kind pflegte, ihren Gäſten ſelbſt-
bereitete Gerichte vorgeſetzt hatte.

Bezüglich der Aufbewahrung der Nahrungsmittel in den
Verkaufsläden ſoll eine ausreichende Trennung derſelben von
den übrigen Waren gefordert werden, um jene Verunreinigung
durch die letzteren zu verhindern. Was es mit dieſer wün-
ſchenswerten Trennung oft genug auf ſich hat, weiß jeder
Sanitätsbeamte, welchem die periodiſchen Reviſionen der
Kolonial- und Spezereiwaren-, Droguen- und Farbwaren-
handlungen ꝛc. obliegt. Da lagern oft die verſchiedenſten
Dinge in unüberbrückbarem Gegenſatze nebeneinander: Stiefel-
wichſe neben Mehl und Zucker, Farbwaren neben Korinthen
u. ſ. w. Eine grundſätzliche Trennung aller Eßwaren von
den übrigen iſt berechtigt und anch überall leicht durchführbar.
Der Verkäufer befleißige ſich beim Entnehmen und Abwiegen
der Eßwaren gleichzeitig einer gewiſſen Vorſicht, um nicht
durch Läſſigkeit dieſelben zu verunreinigen. Allerdings ſetzt
dieſe Forderung ein gewiſſes Pflicht- und Verantwortlichkeits-
gefühl voraus; wo dieſes fehlt, werden alle Wünſche unerhört
verhallen.

Ich kannte einen Greisler in unſerer Stadt, welchem
das Schubfach mit dem fein gemahlenen Gries
gleichzeitig als Streuſandbüchſe diente. Das
Schubfach war ſtets geöffnet. Die Rechte ſtreute unaus-
geſetzt den Gries auf das friſch beſchriebene Papier und
ſchüttete ihn dann mit beneidenswertem Gleichmute in das
Schubfach zurück. Welche dunkle Färbung dieſer Gries mit
[Spaltenumbruch] der Zeit annehmen mußte, mag ſich jeder vorſtellen. Das
Publikum kauft aber auf Treu und Glauben und mag
vielleicht nicht Lärm ſchlagen, wie ich, beim Beobachten dieſes
Vorganges, wodurch ich mir die Freundſchaft des alten
Greislers verſcherzte.

Reinlichkeit und Sauberkeit der Eßwaren ſetzt natürlich
eine ſorgſame Aufbewahrung derſelben, womöglich in ge-
ſchloſſenen Gefäßen, voraus. Daher müſſen die Behälter
ſauber und gegen Beſchmutzung und Verſtaubung ausreichend
geſichert ſein. Nahrungsmittel, welche leicht Feuchtigkeit auf-
nehmen, müſſen trocken aufbewahrt werden; das gilt vor-
nehmlich von Mehl, Zucker u. dgl. In den Fleiſchhallen
nehme man Bedacht auf ſaubere Behandlung der Fleiſchwaren,
durch peinliche Säuberung der Wände (Kachelwände oder
abwaſchbarer Oelfarbenanſtrich) und der Aufhängehacken,
welche nicht beſudelt ſein dürfen.

Vor Fliegenbeſchmutzung ſei die Ware, wie z. B. am
Eliſabeth- oder Rudolfsplatze, wo Käſe, Brot, Honig u. dgl.
und auf den öffentlichen Plätzen, wo Obſt verkauft wird,
durch Fliegenſpinde oder Gazeüberzüge geſichert.

Vor einer unſachgemäßen Benutzung des Eisſchrankes
aber ſei nachdrücklichſt gewarnt; hat man vergeſſen, das Eis
in ſolchem Schranke rechtzeitig zu erneuern, ſo richtet er mehr
Schaden als Nutzen an. In dem Dunkel eines ſolchen engen,
dunſtgeſchwängerten Raumes, in welchem nach der Eis-
ſchmelze die Temperatur ſich der Außentemperatur rapide
nähert, ſind die günſtigen Bedingungen für die Kultur von
Fäulnisbakterien aller Art vorhanden. Solch ein Eisſchrank
wird zum Brutſchrank, in welchem Eßwaren viel ſchneller
verderben, als wenn ſie frei im Laden aufgeſtellt wären.
Darum Vorſicht mit dem Eisſchrank.

Und nun zum wichtigſten Kapitel der einſchlägigen
Hygiene des Ladenverkaufes.

Wie ſchon einmal bemerkt, ſind die Eßwaren, welche
in den Kolonialwarenhandlungen, in Fleiſch-, Wurſt-,
Delikateſſengeſchäften. in Bäckereien, Konditoreien u. dgl.
feilgeboten werden, meiſt derartige, daß eine eigentliche
Säuberung oder Waſſerabſpülung vor dem Genuß unmöglich
iſt. Umſomehr werden wir daher fordern dürfen, daß bei
dem Handverkauf dieſer Waren und dem dabei unvermeidlichen
Gebrauch der Hände mit jener Reinlichkeit und Sauberkeit
[Spaltenumbruch] verfahren werde, welche notwendig iſt, um uns dieſen Genuß
nicht zu verleiden. Denn eine unappetitliche Behandlung der
Eßwaren durch fremde Hände ruft Ekel und Widerwillen
hervor. Daß aber in dieſer Beziehung der Handverkauf noch
ſehr viel zu wünſchen übrig läßt, muß jeder zugeben, der für
ſolche tagtäglich noch in den „beſſern“ Eßwarenläden (Früh-
ſtückslokalen) ſich wiederholende Unzukömmlichkeiten ein offenes
Auge hat. Da kommt zunächſt die Perſönlichkeit des Ver-
käufers in Betracht. Wie oft ſind die Kleidungsſtücke, die
Hände unſauber, die Nägel mit Trauerrändern verſehen. Da
finden wir unappetitliche Heftpflaſterſtücke, unſaubere Ver-
bände an den Fingern, auch nicht ſelten entſtellende Haut-
erkrankungen am Geſicht, häßliche Puſteln und Warzen an
den Fingern. Nicht ſelten werden auch kränkelnde, huſtende,
auswerfende Perſonen unter der Ladenbedingung getroffen,
die in die Tube als Zugabe womöglich hineinhuſten. Denn
es iſt wohl kein unbilliges Verlangen, wenn wir fordern:

1. Geſundheit der Verkäufer, insbeſondere Freiſein der-
ſelben von entſtellenden, abſondernden Hautausſchlägen im
Geſicht und an den Händen;

2. ſaubere Kleidung, reinliche Wäſche und

3. gepflegte, zumindeſtens ſaubere Hände und vor allen
Dingen ſaubere Nägel.

Die letztere Forderung iſt aber nur durchführbar, wenn
im Verkaufsraume ſelbſt Waſchgeräte und Handtücher jederzeit
und ausreichend dem Perſonal zur Verfügung geſtellt wird.
Nichſt verſteckt in irgend einem Winkel des Ladens iſt es
zu unterbringen, ſondern an ſichtbarer Stelle, vor den Augen
des Publikums muß das Perſonal ſich ſäubern können. Auch
müſſen die Handtücher häufig gewechſelt werden.

Daß auch der Verkaufstiſch und die auf ihm befindlichen
Wagen ſtets ſauber gehalten werden müſſen, bedarf wohl
kaum der Erwähnung. Die Eßwaren dürfen nie unverpackt
oder uneingewickelt auf die Wagſchale gelegt werden.

Wichtig für die Hygienie des Handverkaufes iſt ferner
der Gebrauch der Hände. Wenngleich wir ſauber gewaſchene
Hände und reine Nägel gefordert haben, ſo wird damit die
weitere Forderung, die Berührung und das Anfaſſen der
Eßwaren nach Möglichkeit zu beſchränken, nicht überflüſſig.
Es erweckt in uns das Gefühl des Unbehagens, wenn das,
was wir genießen wollen, zuvor von fremden Händen berührt worden


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[2/0002] Czernowitzer Allgemeine Zeitung. 25. Auguſt 1909. Aus Mazedonien. KB. Saloniki, 24. Auguſt. (Tel. der „Cz. Allg. Ztg.“) In ganz Mazedonien mehren ſich die Fälle von Mordtaten und Entführungen. In Vodena fand dieſer Tage ein Volksmeeting ſtatt, in dem gegen die Ohnmacht der Regierung proteſtiert und dieſe aufgefordert wird, der Fortſetzung der Uebeltaten und Morde ein Ziel zu ſetzen. In den jungtürkiſchen Kreiſen wird eifrigſt Propaganda für die Subſkription zu Gunſten der Schaffung einer Flotte betrieben. Die Offiziere der Garniſon Sorowitſch erklärten ſich bereit, 10 Jahre hindurch je einen Monatsgehalt dieſem Zwecke zu widmen. Die Kämpfe in Marokko. Unfall eines ſpaniſchen Torpedobootzerſtörers. KB. Paris, 24. Auguſt. (Tel. der „Cz. Allg. Ztg.“) Wie der „Matin“ aus Melilla erfährt, erlitt in der Nähe des Kap tris forcas, der auf der Fahrt nach Melilla befindliche Torpedobootzerſtörer „Terror“ inſolge Zuſammenſtoßes mit einem Riff-Schiffe eine ſchwere Havarie. Serbien. KB. Belgrad, 24. Auguſt. (Tel. der „Cz. Allg. Ztg.“) König Peter, Kronprinz Alexander und Prinzeſſin Helene ſind hier eingetroffen. Ein intereſſanter Beſuch. O. W.—r. Straßburg, 21. Auguſt. (Orig.-B.) Ein gelegentlicher Korreſpondent ſchreibt uns: Seit einigen Tagen weilt Paul Deſchand, auch der „ſchöne Paul“ genannt, mit Familie zur Erholung in den Reichslanden. Wie man ſich in Kreiſen erzählt, die es wiſſen können, hatten die Behörden zunächſt die Abſicht, ihm den Aufenthalt zu unter- ſagen und zwar ſollte dies mit ſeiner bekannten antideutſchen Stellungnahme in der franzöſiſchen Kammer begründet werden. Hier griff nun angeblich Fürſt Radolin, der Pariſer Botſchafter, perſönlich ein und erwirkte bei dem Staats- ſekretär Dorn von Bulach die notwendige Aufenthaltserlaubnis. Die ganze Angelegenheit hat an ſich keine beſondere Wichtigkeit, aber ſie iſt deshalb intereſſant, weil Dorn von Bulach bei ſeiner Ernennung von alldeutſcher Seite her eine zu große Franzoſenfreundlichkeit vorgeworfen wurde. Und mit dieſem Vorwurfe ſtimmt ſein Verhalten in der Angelegenheit Deſchand wirklich recht ſchlecht überein! Rußland. KB. Petersburg, 24. Auguſt. (Tel. der „Cz. Allg. Ztg.“) Im Fergangebiete in den Städten Samarkand, Taſchkend, Tſchardini, desgleichen in der zentraliſtiſchen Eiſenbahnzone iſt der außerordentliche Schutz durch den ver- ſtärkten Schutz erſetzt worden. Preßfreiheit. — Eine angenehme Statiſtik. O. W. — g. Petersburg, 20. Auguſt. (Orig.-B.) Vor einigen Jahren iſt hier, nach dem Vorbild der Pariſer „Sociètè des gens de littres“ ein Journaliſten- und Schriftſteller-Verein gegründet worden, der auch eine Unter- ſtützungskaſſe ſein Eigen nannte. Unter dem Vorwande, daß dieſe auch „Revolutionäre“ und Urheber politiſcher Verbrechen (zu deutſch: oppoſitionelle Schriftſteller) unterſtütze, hat die Regierung ſie jetzt aufgelöſt und ihren Verwaltungsrat unter Anklage geſtellt. So ſieht unſere Pceßfreiheit aus! Allerdings — Stockprügel auf den Magen, wie es Eugen Richter einmal nannte, ſind zweifellos das ſicherſte und unblutigſte Mittel, unbequeme Gegner zum Schweigen zu bringen. Die übliche Monatsſtatiſtik über die Tätigkeit des Nachrichters in dem bekanntlich „völlig beruhigte“ Rußland iſt wieder einmal erſchienen. Es ſollten im Juli darnach 102 Köpfe fallen, im Tagesdurchſchnitte 3½! Ein Teil iſt ja unaus- geführt geblieben, immerhin mußte der Henker z. B. in Jekaterinoslaw neunmal, in Lublin und Charkow je fünfmal in Tätigkeit treten. Die Zahl der adminiſtrativ beſtraften Zeitungen beträgt „nur“ 19, allerdings blühte dieſes Schickſal einigen von den betreffenden Blättern zweimal — in einem Monat nota bene! Die „Freie Schule“. Wien, 23. Auguſt. Die Entſcheidung des Unterichts- miniſteriums, auf Grund welcher der Wiener Ortsſchulrat jetzt neuerdings die Schließung der Unterrichtsanſtalten des Vereines der „Freien Schule“ verfügt hat, ruft in allen Kreiſen der freiſinnigen Wiener Bürgerſchaft die größte Aufregung hervor. Man erwartet, daß alle möglichen Wege eingeſchlagen werden, die gegen dieſe Verfügung offenſtehen, um ihre Aufhebung zu erwirken. Man ſieht in der Entſcheidung des Unterrichtsminiſteriums eine ſcharfe Abkehr von jener liberalen Handhabung der Geſetze, wie ſie unter den Miniſtern Hartel und Marchet geübt wurde. Bunte Chronik. Czernowitz, 24. Auguſt. Die Eroberung der Luft. Graf Zeppelin. KB. Konſtanz, 24. Auguſt. (Tel. der „Cz. Allg. Ztg.“) Graf Zeppelin hat das Krankenhaus verlaſſen und wird ſich noch heute nach Friedrichshafen begeben. Unfall eines franzöſiſchen Ballons. KB. Maiſons Laffitte, 24. Auguſt. (Tel. der „Cz. Allg. Ztg.“) Der lenkbare Ballon „Bayard Clement“ wurde, als er heute vormittags landen wollte, gegen die Telegraphenſtangen an der Eiſenbahn geworfen. Die Hülle riß und der Ballon fiel in die Seine. Drei Inſaſſen, die unverletzt blieben, ſchwammen an das Ufer. Neuer Rekord Bleriots. KB. Reims, 24. Auguſt. (Tel. der „Cz. Allg. Ztg.“) Bleriot ſchlug heute nachmittags auf ſeinem Monoplan beim Wettfliegen, um den Preis für die ſchnellſte Renn- bahnrunde mit einer Diſtanz von 10 Kilometern den Rekord, welchen Lefebore geſtern aufgeſtellt hat, in der Zeit von 8 Minuten 42⅖ Sekunden. Bleriot hat auch den Schnelligkeitsrekord aufgeſtellt, indem er 69 Kilometer in einer Stunde zurücklegte. Paulhan gewann den Grand Prix de Champage und den der Stadt Reims, Diſtanz 50 Kilometer in einer Stunde und einer Minute. Die Vernichtung des Wellman’ſchen Luftſchiffes Die Darſtellung von der Zerſtörung des Motorballons „Amerika“ in der Vargobei ſcheint ſich in vollem Umfange zu beſtätigen. Wellmann und ſeine Leute hüllen ſich jedoch nach wie vor über die Kataſtrophe vom 15. Auguſt in Schweigen. In Ergänzung der bisheriger Berichte liegen noch nachſtehende telegraphiſche Meldungen vor: Chriſtiania, 23. Auguſt. Von den ſich widerſprechenden Nachrichten über das Schickſal des Wellmannſchen Ballons gewinnt die Meldung, daß das Luftſchiff explodiert ſei, an Wahrſcheinlichkeit. Wie ein Telegramm des Morgenbladet aus Hammerfeſt meldet, entſtand, als der Ballon an das Ballonhaus geführt werden ſollte, im Benzinbehälter Feuer. Ein Windſtoß riß den Ballon zweihundert Meter in die Höhe, wo er explodierte. Die Gondel und andere feſte Teile außer dem unbeſchädigt gebliebenen Motor wurden in Stücke geriſſen. Die Ballonhülle fiel ins Waſſer, aus dem ſie in mehreren Stücken herausgefiſcht wurde. Ueber Wellmans Stimmung nach der Kataſtrophe ſowie über ſeine Zukunftspläne gibt das nachſtehende Telegramm Aufſchluß: Hammerfeſt, 23. Auguſt. Wellman war nach dem Unglück in der Virgobay ſehr niedergeſchlagen, faßte aber bald wieder friſchen Mut. Obwohl er anſcheinend ſehr erſchöpft war, wurde dennoch ſchon am Tage nach dem mißglückten Aufſtieg damit begonnen, das Ballonhaus um 35 Meter zu vergrößern, ſowie andere Vorbereitungen für einen neuen Aufſtieg, der im Juli 1910 erfolgen ſoll, zu treffen. Drei Leute werden engagiert, um in Virgio zu überwintern. Wellman hält an der Abſicht, Dienſtag die Rückreiſe anzutreten, feſt. Obgleich Wellman an ſeinem Plan hartnäckig feſthält, iſt doch anzunehmen, daß das diesjährige Fiasko der „Amerika“ den entgültigen Abſchluß ſeiner Verſuche, den Nordpol zu überfliegen, bilden wird. Ballon „Parſeval“. Berlin, 24. Auguſt. (Priv.-Tel. der „Cz. Allg. Ztg.“) Die Morgenblätter melden aus Frankfurt a. M.: „Parſeval III“, der kürzlich bei einer unfreiwilligen Landung Havarie erlitt, unternahm am Sonntag eine einſtündige Fahrt, während der er über der Stadt manövrierte. Die Landung erfolgte glatt. Zum Gordon-Bennet-Wettflug. Reims, 23. Auguſt. Der Eindruck des heutigen erſten Tages der großen Flugwoche war trotz der ſchlechten Witterung hervorragend. Es waren die berühmteſten franzöſiſchen und engliſchen Flieger mit ihren Aeroplanen der verſchiedenſten Konſtruktionen erſchienen. Von den Zweideckern funktionierten die Wrightmaſchinen geradezu ſtaunenerregend, ſowohl was die Sicherheit wie Lenkbarkeit anlangt. Einen wundervollen Eindruck machten die Eindecker, die wie Rieſenvögel dahin- ſchwebten. Dem unvergleichlichen Schauſpiel, bei dem oft bis zu zehn Flieger zu gleicher Zeit in der Luft waren und teils hinter-, teils übereinander dahinfuhren, wohnte ein nach Zehn- tauſenden zählendes Publikum bei, darunter zahlreiche An- gehörige der vornehmen Pariſer Kreiſe. Furchtbare Exploſionskataſtrophe. KB. Genf, 23. Auguſt. (Tel. der „Cz. Allg. Ztg.“) Heute um 4 Uhr 30 Min. nachmittags fand im Gasreinigungs- gebäude der ſtädtiſchen Gasfabrik eine gewaltige Ex- ploſion ſtatt. Im Umkreiſe von einem Kilometer wurden die Fenſterſcheiben in der Stadt zertrümmert. Bis 5 Uhr wurden zwei Tote geborgen. Die Zahl der Verletzten iſt Eßwaren, Semmeln, Zucker, Käſe, Mehl u. ſ. w. dem Käufer im Laden zu. Die infektiöſe Abſonderung, Schleim u. ſ. w., und ſei es noch ſo wenig, wird dabei auf die Ware deponiert und auf dieſe Weiſe ſehr leicht verſchleppt. Typhus und Ruhr iſt auf dieſe Weiſe ſchon unzählige Male verbreitet worden; man hatte früher an dieſe Möglichkeit niemals gedacht. Heute wiſſen wir, daß jene Krankheitskeime ſich auf den verſchiedenſten Nahrungsmitteln, je nach dem Feuchtig- keitsgrad derſelben, lange, oft ſehr lange halten und lebens- fähig bleiben können. Große Epidemien ſind auf dieſem Wege durch Nahrungsmittel ſicher entfacht worden, und vor nicht langer Zeit ging durch die engliſche Fachpreſſe die Nachricht von einer exploſiven Typhusepidemie unter den zahlreichen Gäſten eines Reſtaurants, in welchem die Wirtin, welche ihr typhuskrankes Kind pflegte, ihren Gäſten ſelbſt- bereitete Gerichte vorgeſetzt hatte. Bezüglich der Aufbewahrung der Nahrungsmittel in den Verkaufsläden ſoll eine ausreichende Trennung derſelben von den übrigen Waren gefordert werden, um jene Verunreinigung durch die letzteren zu verhindern. Was es mit dieſer wün- ſchenswerten Trennung oft genug auf ſich hat, weiß jeder Sanitätsbeamte, welchem die periodiſchen Reviſionen der Kolonial- und Spezereiwaren-, Droguen- und Farbwaren- handlungen ꝛc. obliegt. Da lagern oft die verſchiedenſten Dinge in unüberbrückbarem Gegenſatze nebeneinander: Stiefel- wichſe neben Mehl und Zucker, Farbwaren neben Korinthen u. ſ. w. Eine grundſätzliche Trennung aller Eßwaren von den übrigen iſt berechtigt und anch überall leicht durchführbar. Der Verkäufer befleißige ſich beim Entnehmen und Abwiegen der Eßwaren gleichzeitig einer gewiſſen Vorſicht, um nicht durch Läſſigkeit dieſelben zu verunreinigen. Allerdings ſetzt dieſe Forderung ein gewiſſes Pflicht- und Verantwortlichkeits- gefühl voraus; wo dieſes fehlt, werden alle Wünſche unerhört verhallen. Ich kannte einen Greisler in unſerer Stadt, welchem das Schubfach mit dem fein gemahlenen Gries gleichzeitig als Streuſandbüchſe diente. Das Schubfach war ſtets geöffnet. Die Rechte ſtreute unaus- geſetzt den Gries auf das friſch beſchriebene Papier und ſchüttete ihn dann mit beneidenswertem Gleichmute in das Schubfach zurück. Welche dunkle Färbung dieſer Gries mit der Zeit annehmen mußte, mag ſich jeder vorſtellen. Das Publikum kauft aber auf Treu und Glauben und mag vielleicht nicht Lärm ſchlagen, wie ich, beim Beobachten dieſes Vorganges, wodurch ich mir die Freundſchaft des alten Greislers verſcherzte. Reinlichkeit und Sauberkeit der Eßwaren ſetzt natürlich eine ſorgſame Aufbewahrung derſelben, womöglich in ge- ſchloſſenen Gefäßen, voraus. Daher müſſen die Behälter ſauber und gegen Beſchmutzung und Verſtaubung ausreichend geſichert ſein. Nahrungsmittel, welche leicht Feuchtigkeit auf- nehmen, müſſen trocken aufbewahrt werden; das gilt vor- nehmlich von Mehl, Zucker u. dgl. In den Fleiſchhallen nehme man Bedacht auf ſaubere Behandlung der Fleiſchwaren, durch peinliche Säuberung der Wände (Kachelwände oder abwaſchbarer Oelfarbenanſtrich) und der Aufhängehacken, welche nicht beſudelt ſein dürfen. Vor Fliegenbeſchmutzung ſei die Ware, wie z. B. am Eliſabeth- oder Rudolfsplatze, wo Käſe, Brot, Honig u. dgl. und auf den öffentlichen Plätzen, wo Obſt verkauft wird, durch Fliegenſpinde oder Gazeüberzüge geſichert. Vor einer unſachgemäßen Benutzung des Eisſchrankes aber ſei nachdrücklichſt gewarnt; hat man vergeſſen, das Eis in ſolchem Schranke rechtzeitig zu erneuern, ſo richtet er mehr Schaden als Nutzen an. In dem Dunkel eines ſolchen engen, dunſtgeſchwängerten Raumes, in welchem nach der Eis- ſchmelze die Temperatur ſich der Außentemperatur rapide nähert, ſind die günſtigen Bedingungen für die Kultur von Fäulnisbakterien aller Art vorhanden. Solch ein Eisſchrank wird zum Brutſchrank, in welchem Eßwaren viel ſchneller verderben, als wenn ſie frei im Laden aufgeſtellt wären. Darum Vorſicht mit dem Eisſchrank. Und nun zum wichtigſten Kapitel der einſchlägigen Hygiene des Ladenverkaufes. Wie ſchon einmal bemerkt, ſind die Eßwaren, welche in den Kolonialwarenhandlungen, in Fleiſch-, Wurſt-, Delikateſſengeſchäften. in Bäckereien, Konditoreien u. dgl. feilgeboten werden, meiſt derartige, daß eine eigentliche Säuberung oder Waſſerabſpülung vor dem Genuß unmöglich iſt. Umſomehr werden wir daher fordern dürfen, daß bei dem Handverkauf dieſer Waren und dem dabei unvermeidlichen Gebrauch der Hände mit jener Reinlichkeit und Sauberkeit verfahren werde, welche notwendig iſt, um uns dieſen Genuß nicht zu verleiden. Denn eine unappetitliche Behandlung der Eßwaren durch fremde Hände ruft Ekel und Widerwillen hervor. Daß aber in dieſer Beziehung der Handverkauf noch ſehr viel zu wünſchen übrig läßt, muß jeder zugeben, der für ſolche tagtäglich noch in den „beſſern“ Eßwarenläden (Früh- ſtückslokalen) ſich wiederholende Unzukömmlichkeiten ein offenes Auge hat. Da kommt zunächſt die Perſönlichkeit des Ver- käufers in Betracht. Wie oft ſind die Kleidungsſtücke, die Hände unſauber, die Nägel mit Trauerrändern verſehen. Da finden wir unappetitliche Heftpflaſterſtücke, unſaubere Ver- bände an den Fingern, auch nicht ſelten entſtellende Haut- erkrankungen am Geſicht, häßliche Puſteln und Warzen an den Fingern. Nicht ſelten werden auch kränkelnde, huſtende, auswerfende Perſonen unter der Ladenbedingung getroffen, die in die Tube als Zugabe womöglich hineinhuſten. Denn es iſt wohl kein unbilliges Verlangen, wenn wir fordern: 1. Geſundheit der Verkäufer, insbeſondere Freiſein der- ſelben von entſtellenden, abſondernden Hautausſchlägen im Geſicht und an den Händen; 2. ſaubere Kleidung, reinliche Wäſche und 3. gepflegte, zumindeſtens ſaubere Hände und vor allen Dingen ſaubere Nägel. Die letztere Forderung iſt aber nur durchführbar, wenn im Verkaufsraume ſelbſt Waſchgeräte und Handtücher jederzeit und ausreichend dem Perſonal zur Verfügung geſtellt wird. Nichſt verſteckt in irgend einem Winkel des Ladens iſt es zu unterbringen, ſondern an ſichtbarer Stelle, vor den Augen des Publikums muß das Perſonal ſich ſäubern können. Auch müſſen die Handtücher häufig gewechſelt werden. Daß auch der Verkaufstiſch und die auf ihm befindlichen Wagen ſtets ſauber gehalten werden müſſen, bedarf wohl kaum der Erwähnung. Die Eßwaren dürfen nie unverpackt oder uneingewickelt auf die Wagſchale gelegt werden. Wichtig für die Hygienie des Handverkaufes iſt ferner der Gebrauch der Hände. Wenngleich wir ſauber gewaſchene Hände und reine Nägel gefordert haben, ſo wird damit die weitere Forderung, die Berührung und das Anfaſſen der Eßwaren nach Möglichkeit zu beſchränken, nicht überflüſſig. Es erweckt in uns das Gefühl des Unbehagens, wenn das, was wir genießen wollen, zuvor von fremden Händen berührt worden

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Zitationshilfe: Czernowitzer Allgemeine Zeitung. Nr. 1684, Czernowitz, 25.08.1909, S. 2. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/nn_czernowitzer1684_1909/2>, abgerufen am 22.09.2021.