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Czernowitzer Allgemeine Zeitung. Nr. 2040, Czernowitz, 04.11.1910.

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Czernowitzer Allgemeine Zeitung. 4. November 1910

[Spaltenumbruch]

dahin gehen soll, daß die Bank, welche seit 9 Jahren de facto
eine barzahle[n]de Bank ist, gesetzlich verpflichtet werden soll,
an dem bisherigen Vorgehen festzuhalten, d. h. ihre Funktionen
als bahrzahlende Bank weiter auszuüben.

Mehrere ungarische Blätter melden -- wie die "Neue
Freie Presse" berichtet -- daß die gestern getroffenen Verab-
redungen der beiden Regierungen in zwei Teile zerfallen:

1. Die österreichische Regierung anerkennt prinzipiell die
Notwendigkeit der Aufnahme der Barzahlungen;

2. der Zeitpunkt der Aufnahme der Bahrzahlungen ist
nach sorgsamer Erwägung der finanziellen Lage beider Staaten
und der Situation des internationalen Geldmarktes festzu-
stellen und die endgiltige sachliche Entscheidung in dieser
Hinsicht wird der Oesterreichisch-ungarischen Bank
überlassen.

"Az Est" meldet über den Inhalt der gestern getroffenen
Vereinbarung in der Frage der Barzahlungen folgendes: "Das
Wesen der Vereinbarung liegt darin, daß die Aufnahme der
Bahrzahlungen innerhalb eines festen Termins tatsächlich
erfolgen kann und daß das Eintreten jener Voraussetzungen,
von denen der Zeitpunkt der Aufnahme der Barzahlungen
abhängig gemacht wird und das beide Regierungen in ein
Gesetz fassen werden, von den Regierungen beider Staaten
selbst festzustellen sein wird. In dem Gesetz wird namentlich
ausgesprochen werden, daß die Aufnahme der Barzahlungen
angeordnet werden kann, wenn gewisse näher umschriebene
Umstände der Aufnahme der Barzahlungen nicht im Wege
stehen. Beide Regierungen werden jedoch selbst feststellen
können, ob diese Bedingungen obwalten oder nicht, was
gleichbedeutend damit ist, daß jede Regierung das Recht
erwirbt, die gesetzlich ausgesprochene Aufnahme der Bar-
zahlungen jederzeit zu fordern."

Nach den Informationen der "N. Fr. Presse" stimmen
diese Mitteilungen über die Grundlage der Einigung mit den
Tatsachen nicht überein.

"Budapesti Naplo" erklärt, daß bezüglich des Termins
der Barzahlungen die Parlamente nicht noch einmal
eine besondere Entscheidung zu treffen haben werden. Der Vor-
behalt einer besonderen Entscheidung bezüglich des Termins
sei gerade eines jener Hindernisse gewesen, welche die gestrige
Vereinbarung über die Aufnahme der Barzahlungen aus dem
Wege geräumt hat. Ein anderer Gegenstand der Vereinbarung
war, daß die Sicherung der Aufnahme der Barzahlungen
gleichzeitig mit der Erneuerung des Bankprivilegiums Ge-
setzeskraft erlangt. Dies ist eine natürliche Folge der vom
Kabinett Khuen befolgten Taktik, welche darin bestand, daß
die Regierung in der zweiten Frage solange nicht verhandeln
wird, solange die erste Frage keine Erledigung gefunden hat.
Das Kabinett Khuen legt Gewicht darauf, die Entscheidung
der Frage der Barzahlungen zu einem Zeitpunkt herbeizu-
führen, daß in dem Falle, wenn sie gezwungen wäre, die
Konsequenzen eines negativen Ergebnisses ihrer Verhandlungen
abzuleiten, ihr Nachfolger noch genug Zeit habe, um die Bank-
frage rechtzeitig zu erledigen. Von dem gestern erzielten Er-
gebnis ist vorläufig soviel gewiß, daß das Junktim mit
der Verlängerung des Bankprivilegiums
die
von gewissen volkswirtschaftlichen Voraussetzungen abhängig
gemachte Aufnahme der Barzahlungen soweit
sichert, daß niemand mehr diese Maßregel ver-
hindern kann.




Die Verständigung in Böhmen.

In den beiden letzten Tagen
wurden vom Ministerpräsidenten Freiherrn v. Bienerth mehrere
führende deutsche Abgeordnete aus Böhmen, darunter Abge-
ordneter Pacher, ferner Oberstlandmarschall-St[e]llvertreter
Dr. Urban und Dr. Baerureither empfangen, um über den
gegenwärtigen Stand der Prager Verhandlungen ausführlichen
Bericht zu erstatten. Im Laufe der Woche wird der Minister-
präsident auch die Vertreter des Großgrundbesitzes und der
ezechischen Parteien empfangen.

Die Abänderung des Sprachengesetzes.

Die einmütige Ablehnung, welche
die jetzige Fassung des Gesetzentwurfes über den Sprachen-
gebrauch bei autonomen Behörden sowohl in der deutschen
Provinz, als auch unter den Deutschen Prags erfahren hat,
läßt es als ausgeschlossen erscheinen, daß die deutschen Mit-
glieder dem Gesetzentwurf in der Plenarsitzung der national-
politischen Kommission ihre Zustimmung erteilen. Ohne Ab-
änderung der beauständeten Stellen ist die Annahme des
Gesetzes undenkbar. Die Verhandlungen über die Abänderungen
werden aber voraussichtlich ziemlich lange Zeit in Anspruch
nehmen, sodaß es wenig wahrscheinlich ist, den Gesetzentwurf
noch im Rahmen des kleinen Ausgleichs erledigen zu können.
Es wird deshalb der Gedanke erwogen, das Sprachengesetz
aus dem kleinen Ausgleich auszuscheiden und der Permanenz-
kommission zuzuweisen, welche nach Erledigung des kleinen
Ausgleichs die für den großen Ausgleich bestimmten Ange-
legenheiten (nationale Abgrenzung, Kreisvertretungen, Wahl-
reform) fertigzustellen haben wird.

Dabei ließe sich vielleicht auch ein Ausweg hinsichtlich
[Spaltenumbruch] der Minoritätsschulen finden. Es ließe sich eventuell eine
Vereinbarung über die gleichzeitige Erledigung des Sprachen-
gesetzes mit dem Gesetz über die Minoritätsschulen treffen,
das bekanntlich gegen die klaren Abmachungen jetzt plötzlich
von den Czechen in den kleinen Ausgleich geschoben werden
soll. Für den kleinen Ausgleich würde die Landesordnung und
das bis dahin fertiggestellte Teilelaborat über die nationale
Abgrenzung erübrigen.

Die Stimmung unter den deutschen Abgeordneten.

Aus Vorstandskreisen des Verbandes der deutschen
Landtagsabgeordneten gehen u. a. der "Dentschböhm. Korr."
folgende Mitteilungen zu:

Man muß leider ernstlich mit der Möglichkeit rechnen,
daß die Ausgleichsverhandlungen, trotzdem sie verhältnismäßig
weit vorgeschritten sind, doch noch, wenigstens für diesesmal,
scheitern. Sollte letzteres deshalb erfolgen, weil die Czechen
auf die Schlußbestimmung der geplanten Novelle zur Landes-
ordnung nicht eingehen wollen, so wäre wenigstens vor aller
Welt und insbesondere für die politischen Kreise von ganz
Oesterreich erwiesen, daß ausschließlich die Czechen, weil dem
Diktate ihrer radikalen Elemente gehorchend, die Ursache für
das Nichtzustandekommen einer gütlichen Vereinbarung ab-
geben. Die Vorschläge, die sie im gegenwärtigen Stadium
bekämpfen, sind nämlich nicht mehr Anträge der deutschen
Kommissionsmitglieder, sondern die Vermittlungsvorschläge der
in dieser Richtung einigen Großgrundbestzer beider Lager.




Die Reform des galizischen Landtagswahl-
rechtes.

Heute vormittags hielten die
Demokraten in Anwesenheit des galizischen Landsmannministers
Dr. Dulemba und des Abg. Dr. Glombinski eine Bera-
tung ab. Im Verlaufe derselben wurde über das Zustandekommen
eines Kompromisses der polnischen Parteien in der Landtags-
wahlreformfrage und über das Verhalten in der Budgetdebatte
verhandelt. Im Allgemeinen kam die Anschauung zum Aus-
druck, daß eine Verständigung der Polen unter einander in
der Wahlreformfrage unbedingt notwendig sei. Es wurde
betont, daß man auf alle Fälle auch mit den Ruthenen in
dieser Angelegenheit eine Einigung erzielen müsse. Ein for-
meller Beschluß wurde nicht gefaßt; es wurde bloß allgemein
die Ueberzeugung ausgesprochen, daß sowohl die Landtags-
wahlreform als auch das Budget ohne Rücksicht auf eine
eventuelle Obstruktion der Ruthenen noch in dieser S[e]ssion
unbedingt zu erledigen seien. Heute abends findet eine Kon-
ferenz der Obmänner der polnischen und ruthenischen Partei-
klubs statt.




Die galizische Gemeindewahlreform.

Die städtische Kommission für
die Gemeindewahlreform beschloß die Reform auf Grund
folgender Bestimmungen durchzuführen. Der Gemeinderat soll
aus 100 Mitgliedern bestehen. Es soll eine neue Wahlkurie
geschaff[e]n werden, in welcher alle diejenigen stimmen sollen,
die bis nun das Wahlrecht hatten, zusammen mit denen, welche
bisher kein Wahlrecht hatten, die aber das dreißigste Lebens-
jahr bereits überschritten haben, polnisch oder ruthenisch lesen
und schreiben können und mindestens 3 Jahre lang ununter-
brochen an demselben Orte wohnen. Ferner erhalten diejenigen
Frauen das Wahlrecht, welche die Maturitätsprüfung abgelegt
und das dreißigste Lebensjahr überschritten haben. Die
Wahlen sollen alle 6 Jahre erfolgen. In den bisherigen
Kurien sollen 95 Gemeinderäte gewählt werden, in der neuen 5.




Einberufung des bosnischen Landtags.

KB. (Tel. der "Cz. Allg. Ztg.")

Der Landtag wurde für den 7. November einberufen.




Die Krise in Frankreich.
Demission des Kabinetts Briand.
KB. (Tel. der "Cz. Allg. Ztg.")

Heute vormittags traten die Mitglieder des Kabinettes zu
einem Ministerrate zusammen, nach d[e]ssen Schluß sich
Briand in das Palais Elysee begab, um dem Präsidenten
die Demission des Ministeriums zu überreichen.

KB. (Tel. der "Cz. Allg. Ztg.")

Die Sitzung des Ministerrates war sehr kurz. Nach den Aus-
führungen des Kabinettschefs gab der Arbeitsminister Biviani
die Erklärung ab, daß er entschlossen sei, sich zurückzu-
ziehen,
nichtsdestoweniger bleibe er ein ergebener Freund
[d]es Ministerpräsidenten. Nach einer kurzen Erklärung des
Instizministers Barthon, der Briand der vollen Sympathie
seiner Kollegen versicherte, war der Ministerrat beendet.

Ein neues Kabinett Briand.

KB. (Tel. der "Cz. Allg. Ztg.")

Präsident Fallieres empfang heute nachmittags Briand und
betraute ihn mit der Kabinettsbildung. Briand nahm
die Mission an.




[Spaltenumbruch]
Die Gerüchte über den Ausbruch einer
Revolution in Spanien.
KB. (Tel. der "Cz. Allg. Ztg.")

Die Agence Havas meldet: Die in Paris zirkulierenden Gerüchte
von Unruhen, die in Spanien, [n]amentlich in Barcelona,
ausgebrochen sein sollen, entbehren vollständig der Be-
gründung.
In allen Provinzen herrscht absolute Ruhe.

KB. (Tel. der "Cz. Allg. Ztg.")

Die Agenzia Fabra erklärt: Das Gerücht von einer Revolution
in Madrid ist unbegründet. Es herrscht voll-
kommene Ruhe.

KB. (Tel. der "Cz. Allg. Ztg.")

Der heutige Tag ist in Barcelona vollkommen ruhig
verlaufen. In den Straßen bewegte sich ein dichter Menschen-
strom. Reisende aus Barcelona bestätigen, daß überall, mit
Ausnahme von Sabudell, wo es infolge eines allgemeinen
Ausstandes zu unbedeutenden Reibereien kam, Ruhe herrscht.

Bei einer Prozession in Cartagena kam es zu
turbulenten Szenen. Angeblich wurden auch
Schüsse abgegeben, wobei einige Personen verwundet wurden.

Die hiesige Polizei verhaftete
mehrere Personen, welche versucht hatten, Dokumente, die sich
auf den Fra[n]cisco-Ferrerprozeß beziehen, zu vernichten.




Portugal.
Die Verhaftungen ehemaliger Minister.
KB. (Tel. der "Cz. Allg. Ztg.")

Die Staatsanwaltschaft legte gegen die Entscheidung, mit
welcher Joao France und die anderen Minister provisorisch
in Freiheit gesetzt wurden, Rekurs ein.

Eine zahlreiche Menschenmenge
begab sich gestern in geschlossenem Zuge nach dem Friedhof,
wo die bei der ersten republikanischen Erhebung am 31. Januar
1891 Gefallenen begraben sind. Am Denkmal der Gefallenen
wurde ein Bronzekranz niedergelegt. Die Ordnung wurde
nirgends gestört.

Portugiesische Jesuiten in Oesterreich.

Wie verlautet, sind
gegenwärtig hier und in der Umgebung Mittelmänner für
den Ankauf von Grundstücken für die aus Portugal ausge-
wiesenen Jesuiten tätig.




Die Verhandlungen über die türkische
Anleihe.
KB. (Tel. der "Cz. Allg.
Ztg.")

Der Finanzminister besuchte heute vormittags G. R.
Helferich. Nachmittags konferierten beide. Die Entscheidung
dürfte erst nach der morgen erfolgenden Rückkehr des Groß-
vesiers fallen.

KB. (Tel. der "Cz.
Allg. Ztg.")

Authentischen Nachrichten zufolge war die heutige
Besprechung des Finanzministers mit Helferich die Basis zur
finanziellen Transaktion zwischen der Türkei und dem Syndikat
der deutschen Banken. Die Kombination eines kurzfristigen
Vorschusses wurde mit der Anleihe festgestellt. Nunmehr wird
die Redaktion des Vertrages in Angriff genommen.




Das Befinden Abdul Hamids.

KB. (Tel. der "Cz. Allg. Ztg.")

Im B[e]finden des Ex[s]ulta[n]s Abdul Hamid scheint eine Ver-
schlimmerung eingetreten zu sein. Dem gestern stattgefundenem
Konsilium soll heute ein zweites folgen.




Griechenland.

KB. (Tel. der "Cz. Allg. Ztg.")

Die Partei Mavromichalis veröffentlicht ein Manifest, in
welchem sie die Wahlenthaltung rechtfertigt.




Serbien.
Skupschtina.

KB. (Tel. der "Cz. Allg. Ztg.")

Vor dem Eingehen in die Tagesordnung kommt es infolge
Wortwechsels zwischen dem Altradikalen Dragovic und dem
Nationalisten Agatnovic zu Tätlichkeiten, welche
im Hause eine große Erregung hervorrufen. Während der
durch den Präsidenten verfügten Unterbrechung der Sitzung
gelingt es den herbeieilenden Abgeordneten die Raufenden zu
trennen.




KB. (Tel. der "Cz. Allg. Ztg.")

Der Kronprinz hatte einen ruhigen Tag, fühlt sich objektiv
besser und verlangt spontan Nahrung. Der Husten war tags-
über unbedentend. Temperatur 38·7, Puls 92, Atmung 20.

Kurze Nachrichten
KB. (Tel. der "Cz. Allg. Ztg.")

Die Wiener Zeitung veröffentlicht ein Allerhöchstes
Handschreiben
an den Kardinal Gruscha anläßlich
dessen 90. Geburtstages, in welchem der Monarch die Treue

Czernowitzer Allgemeine Zeitung. 4. November 1910

[Spaltenumbruch]

dahin gehen ſoll, daß die Bank, welche ſeit 9 Jahren de facto
eine barzahle[n]de Bank iſt, geſetzlich verpflichtet werden ſoll,
an dem bisherigen Vorgehen feſtzuhalten, d. h. ihre Funktionen
als bahrzahlende Bank weiter auszuüben.

Mehrere ungariſche Blätter melden — wie die „Neue
Freie Preſſe“ berichtet — daß die geſtern getroffenen Verab-
redungen der beiden Regierungen in zwei Teile zerfallen:

1. Die öſterreichiſche Regierung anerkennt prinzipiell die
Notwendigkeit der Aufnahme der Barzahlungen;

2. der Zeitpunkt der Aufnahme der Bahrzahlungen iſt
nach ſorgſamer Erwägung der finanziellen Lage beider Staaten
und der Situation des internationalen Geldmarktes feſtzu-
ſtellen und die endgiltige ſachliche Entſcheidung in dieſer
Hinſicht wird der Oeſterreichiſch-ungariſchen Bank
überlaſſen.

„Az Eſt“ meldet über den Inhalt der geſtern getroffenen
Vereinbarung in der Frage der Barzahlungen folgendes: „Das
Weſen der Vereinbarung liegt darin, daß die Aufnahme der
Bahrzahlungen innerhalb eines feſten Termins tatſächlich
erfolgen kann und daß das Eintreten jener Vorausſetzungen,
von denen der Zeitpunkt der Aufnahme der Barzahlungen
abhängig gemacht wird und das beide Regierungen in ein
Geſetz faſſen werden, von den Regierungen beider Staaten
ſelbſt feſtzuſtellen ſein wird. In dem Geſetz wird namentlich
ausgeſprochen werden, daß die Aufnahme der Barzahlungen
angeordnet werden kann, wenn gewiſſe näher umſchriebene
Umſtände der Aufnahme der Barzahlungen nicht im Wege
ſtehen. Beide Regierungen werden jedoch ſelbſt feſtſtellen
können, ob dieſe Bedingungen obwalten oder nicht, was
gleichbedeutend damit iſt, daß jede Regierung das Recht
erwirbt, die geſetzlich ausgeſprochene Aufnahme der Bar-
zahlungen jederzeit zu fordern.

Nach den Informationen der „N. Fr. Preſſe“ ſtimmen
dieſe Mitteilungen über die Grundlage der Einigung mit den
Tatſachen nicht überein.

„Budapeſti Naplo“ erklärt, daß bezüglich des Termins
der Barzahlungen die Parlamente nicht noch einmal
eine beſondere Entſcheidung zu treffen haben werden. Der Vor-
behalt einer beſonderen Entſcheidung bezüglich des Termins
ſei gerade eines jener Hinderniſſe geweſen, welche die geſtrige
Vereinbarung über die Aufnahme der Barzahlungen aus dem
Wege geräumt hat. Ein anderer Gegenſtand der Vereinbarung
war, daß die Sicherung der Aufnahme der Barzahlungen
gleichzeitig mit der Erneuerung des Bankprivilegiums Ge-
ſetzeskraft erlangt. Dies iſt eine natürliche Folge der vom
Kabinett Khuen befolgten Taktik, welche darin beſtand, daß
die Regierung in der zweiten Frage ſolange nicht verhandeln
wird, ſolange die erſte Frage keine Erledigung gefunden hat.
Das Kabinett Khuen legt Gewicht darauf, die Entſcheidung
der Frage der Barzahlungen zu einem Zeitpunkt herbeizu-
führen, daß in dem Falle, wenn ſie gezwungen wäre, die
Konſequenzen eines negativen Ergebniſſes ihrer Verhandlungen
abzuleiten, ihr Nachfolger noch genug Zeit habe, um die Bank-
frage rechtzeitig zu erledigen. Von dem geſtern erzielten Er-
gebnis iſt vorläufig ſoviel gewiß, daß das Junktim mit
der Verlängerung des Bankprivilegiums
die
von gewiſſen volkswirtſchaftlichen Vorausſetzungen abhängig
gemachte Aufnahme der Barzahlungen ſoweit
ſichert, daß niemand mehr dieſe Maßregel ver-
hindern kann.




Die Verſtändigung in Böhmen.

In den beiden letzten Tagen
wurden vom Miniſterpräſidenten Freiherrn v. Bienerth mehrere
führende deutſche Abgeordnete aus Böhmen, darunter Abge-
ordneter Pacher, ferner Oberſtlandmarſchall-St[e]llvertreter
Dr. Urban und Dr. Baerureither empfangen, um über den
gegenwärtigen Stand der Prager Verhandlungen ausführlichen
Bericht zu erſtatten. Im Laufe der Woche wird der Miniſter-
präſident auch die Vertreter des Großgrundbeſitzes und der
ezechiſchen Parteien empfangen.

Die Abänderung des Sprachengeſetzes.

Die einmütige Ablehnung, welche
die jetzige Faſſung des Geſetzentwurfes über den Sprachen-
gebrauch bei autonomen Behörden ſowohl in der deutſchen
Provinz, als auch unter den Deutſchen Prags erfahren hat,
läßt es als ausgeſchloſſen erſcheinen, daß die deutſchen Mit-
glieder dem Geſetzentwurf in der Plenarſitzung der national-
politiſchen Kommiſſion ihre Zuſtimmung erteilen. Ohne Ab-
änderung der beauſtändeten Stellen iſt die Annahme des
Geſetzes undenkbar. Die Verhandlungen über die Abänderungen
werden aber vorausſichtlich ziemlich lange Zeit in Anſpruch
nehmen, ſodaß es wenig wahrſcheinlich iſt, den Geſetzentwurf
noch im Rahmen des kleinen Ausgleichs erledigen zu können.
Es wird deshalb der Gedanke erwogen, das Sprachengeſetz
aus dem kleinen Ausgleich auszuſcheiden und der Permanenz-
kommiſſion zuzuweiſen, welche nach Erledigung des kleinen
Ausgleichs die für den großen Ausgleich beſtimmten Ange-
legenheiten (nationale Abgrenzung, Kreisvertretungen, Wahl-
reform) fertigzuſtellen haben wird.

Dabei ließe ſich vielleicht auch ein Ausweg hinſichtlich
[Spaltenumbruch] der Minoritätsſchulen finden. Es ließe ſich eventuell eine
Vereinbarung über die gleichzeitige Erledigung des Sprachen-
geſetzes mit dem Geſetz über die Minoritätsſchulen treffen,
das bekanntlich gegen die klaren Abmachungen jetzt plötzlich
von den Czechen in den kleinen Ausgleich geſchoben werden
ſoll. Für den kleinen Ausgleich würde die Landesordnung und
das bis dahin fertiggeſtellte Teilelaborat über die nationale
Abgrenzung erübrigen.

Die Stimmung unter den deutſchen Abgeordneten.

Aus Vorſtandskreiſen des Verbandes der deutſchen
Landtagsabgeordneten gehen u. a. der „Dentſchböhm. Korr.“
folgende Mitteilungen zu:

Man muß leider ernſtlich mit der Möglichkeit rechnen,
daß die Ausgleichsverhandlungen, trotzdem ſie verhältnismäßig
weit vorgeſchritten ſind, doch noch, wenigſtens für dieſesmal,
ſcheitern. Sollte letzteres deshalb erfolgen, weil die Czechen
auf die Schlußbeſtimmung der geplanten Novelle zur Landes-
ordnung nicht eingehen wollen, ſo wäre wenigſtens vor aller
Welt und insbeſondere für die politiſchen Kreiſe von ganz
Oeſterreich erwieſen, daß ausſchließlich die Czechen, weil dem
Diktate ihrer radikalen Elemente gehorchend, die Urſache für
das Nichtzuſtandekommen einer gütlichen Vereinbarung ab-
geben. Die Vorſchläge, die ſie im gegenwärtigen Stadium
bekämpfen, ſind nämlich nicht mehr Anträge der deutſchen
Kommiſſionsmitglieder, ſondern die Vermittlungsvorſchläge der
in dieſer Richtung einigen Großgrundbestzer beider Lager.




Die Reform des galiziſchen Landtagswahl-
rechtes.

Heute vormittags hielten die
Demokraten in Anweſenheit des galiziſchen Landsmannminiſters
Dr. Dulemba und des Abg. Dr. Glombinski eine Bera-
tung ab. Im Verlaufe derſelben wurde über das Zuſtandekommen
eines Kompromiſſes der polniſchen Parteien in der Landtags-
wahlreformfrage und über das Verhalten in der Budgetdebatte
verhandelt. Im Allgemeinen kam die Anſchauung zum Aus-
druck, daß eine Verſtändigung der Polen unter einander in
der Wahlreformfrage unbedingt notwendig ſei. Es wurde
betont, daß man auf alle Fälle auch mit den Ruthenen in
dieſer Angelegenheit eine Einigung erzielen müſſe. Ein for-
meller Beſchluß wurde nicht gefaßt; es wurde bloß allgemein
die Ueberzeugung ausgeſprochen, daß ſowohl die Landtags-
wahlreform als auch das Budget ohne Rückſicht auf eine
eventuelle Obſtruktion der Ruthenen noch in dieſer S[e]ſſion
unbedingt zu erledigen ſeien. Heute abends findet eine Kon-
ferenz der Obmänner der polniſchen und rutheniſchen Partei-
klubs ſtatt.




Die galiziſche Gemeindewahlreform.

Die ſtädtiſche Kommiſſion für
die Gemeindewahlreform beſchloß die Reform auf Grund
folgender Beſtimmungen durchzuführen. Der Gemeinderat ſoll
aus 100 Mitgliedern beſtehen. Es ſoll eine neue Wahlkurie
geſchaff[e]n werden, in welcher alle diejenigen ſtimmen ſollen,
die bis nun das Wahlrecht hatten, zuſammen mit denen, welche
bisher kein Wahlrecht hatten, die aber das dreißigſte Lebens-
jahr bereits überſchritten haben, polniſch oder rutheniſch leſen
und ſchreiben können und mindeſtens 3 Jahre lang ununter-
brochen an demſelben Orte wohnen. Ferner erhalten diejenigen
Frauen das Wahlrecht, welche die Maturitätsprüfung abgelegt
und das dreißigſte Lebensjahr überſchritten haben. Die
Wahlen ſollen alle 6 Jahre erfolgen. In den bisherigen
Kurien ſollen 95 Gemeinderäte gewählt werden, in der neuen 5.




Einberufung des bosniſchen Landtags.

KB. (Tel. der „Cz. Allg. Ztg.“)

Der Landtag wurde für den 7. November einberufen.




Die Kriſe in Frankreich.
Demiſſion des Kabinetts Briand.
KB. (Tel. der „Cz. Allg. Ztg.“)

Heute vormittags traten die Mitglieder des Kabinettes zu
einem Miniſterrate zuſammen, nach d[e]ſſen Schluß ſich
Briand in das Palais Elyſee begab, um dem Präſidenten
die Demiſſion des Miniſteriums zu überreichen.

KB. (Tel. der „Cz. Allg. Ztg.“)

Die Sitzung des Miniſterrates war ſehr kurz. Nach den Aus-
führungen des Kabinettschefs gab der Arbeitsminiſter Biviani
die Erklärung ab, daß er entſchloſſen ſei, ſich zurückzu-
ziehen,
nichtsdeſtoweniger bleibe er ein ergebener Freund
[d]es Miniſterpräſidenten. Nach einer kurzen Erklärung des
Inſtizminiſters Barthon, der Briand der vollen Sympathie
ſeiner Kollegen verſicherte, war der Miniſterrat beendet.

Ein neues Kabinett Briand.

KB. (Tel. der „Cz. Allg. Ztg.“)

Präſident Fallieres empfang heute nachmittags Briand und
betraute ihn mit der Kabinettsbildung. Briand nahm
die Miſſion an.




[Spaltenumbruch]
Die Gerüchte über den Ausbruch einer
Revolution in Spanien.
KB. (Tel. der „Cz. Allg. Ztg.“)

Die Agence Havas meldet: Die in Paris zirkulierenden Gerüchte
von Unruhen, die in Spanien, [n]amentlich in Barcelona,
ausgebrochen ſein ſollen, entbehren vollſtändig der Be-
gründung.
In allen Provinzen herrſcht abſolute Ruhe.

KB. (Tel. der „Cz. Allg. Ztg.“)

Die Agenzia Fabra erklärt: Das Gerücht von einer Revolution
in Madrid iſt unbegründet. Es herrſcht voll-
kommene Ruhe.

KB. (Tel. der „Cz. Allg. Ztg.“)

Der heutige Tag iſt in Barcelona vollkommen ruhig
verlaufen. In den Straßen bewegte ſich ein dichter Menſchen-
ſtrom. Reiſende aus Barcelona beſtätigen, daß überall, mit
Ausnahme von Sabudell, wo es infolge eines allgemeinen
Ausſtandes zu unbedeutenden Reibereien kam, Ruhe herrſcht.

Bei einer Prozeſſion in Cartagena kam es zu
turbulenten Szenen. Angeblich wurden auch
Schüſſe abgegeben, wobei einige Perſonen verwundet wurden.

Die hieſige Polizei verhaftete
mehrere Perſonen, welche verſucht hatten, Dokumente, die ſich
auf den Fra[n]cisco-Ferrerprozeß beziehen, zu vernichten.




Portugal.
Die Verhaftungen ehemaliger Miniſter.
KB. (Tel. der „Cz. Allg. Ztg.“)

Die Staatsanwaltſchaft legte gegen die Entſcheidung, mit
welcher Joao France und die anderen Miniſter proviſoriſch
in Freiheit geſetzt wurden, Rekurs ein.

Eine zahlreiche Menſchenmenge
begab ſich geſtern in geſchloſſenem Zuge nach dem Friedhof,
wo die bei der erſten republikaniſchen Erhebung am 31. Januar
1891 Gefallenen begraben ſind. Am Denkmal der Gefallenen
wurde ein Bronzekranz niedergelegt. Die Ordnung wurde
nirgends geſtört.

Portugieſiſche Jeſuiten in Oeſterreich.

Wie verlautet, ſind
gegenwärtig hier und in der Umgebung Mittelmänner für
den Ankauf von Grundſtücken für die aus Portugal ausge-
wieſenen Jeſuiten tätig.




Die Verhandlungen über die türkiſche
Anleihe.
KB. (Tel. der „Cz. Allg.
Ztg.“)

Der Finanzminiſter beſuchte heute vormittags G. R.
Helferich. Nachmittags konferierten beide. Die Entſcheidung
dürfte erſt nach der morgen erfolgenden Rückkehr des Groß-
veſiers fallen.

KB. (Tel. der „Cz.
Allg. Ztg.“)

Authentiſchen Nachrichten zufolge war die heutige
Beſprechung des Finanzminiſters mit Helferich die Baſis zur
finanziellen Transaktion zwiſchen der Türkei und dem Syndikat
der deutſchen Banken. Die Kombination eines kurzfriſtigen
Vorſchuſſes wurde mit der Anleihe feſtgeſtellt. Nunmehr wird
die Redaktion des Vertrages in Angriff genommen.




Das Befinden Abdul Hamids.

KB. (Tel. der „Cz. Allg. Ztg.“)

Im B[e]finden des Ex[ſ]ulta[n]s Abdul Hamid ſcheint eine Ver-
ſchlimmerung eingetreten zu ſein. Dem geſtern ſtattgefundenem
Konſilium ſoll heute ein zweites folgen.




Griechenland.

KB. (Tel. der „Cz. Allg. Ztg.“)

Die Partei Mavromichalis veröffentlicht ein Manifeſt, in
welchem ſie die Wahlenthaltung rechtfertigt.




Serbien.
Skupſchtina.

KB. (Tel. der „Cz. Allg. Ztg.“)

Vor dem Eingehen in die Tagesordnung kommt es infolge
Wortwechſels zwiſchen dem Altradikalen Dragovic und dem
Nationaliſten Agatnovic zu Tätlichkeiten, welche
im Hauſe eine große Erregung hervorrufen. Während der
durch den Präſidenten verfügten Unterbrechung der Sitzung
gelingt es den herbeieilenden Abgeordneten die Raufenden zu
trennen.




KB. (Tel. der „Cz. Allg. Ztg.“)

Der Kronprinz hatte einen ruhigen Tag, fühlt ſich objektiv
beſſer und verlangt ſpontan Nahrung. Der Huſten war tags-
über unbedentend. Temperatur 38·7, Puls 92, Atmung 20.

Kurze Nachrichten
KB. (Tel. der „Cz. Allg. Ztg.“)

Die Wiener Zeitung veröffentlicht ein Allerhöchſtes
Handſchreiben
an den Kardinal Gruſcha anläßlich
deſſen 90. Geburtstages, in welchem der Monarch die Treue

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Um&#x017F;tände der Aufnahme der Barzahlungen nicht im Wege<lb/>
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&#x017F;ei gerade eines jener Hinderni&#x017F;&#x017F;e gewe&#x017F;en, welche die ge&#x017F;trige<lb/>
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Es wird deshalb der Gedanke erwogen, das Sprachenge&#x017F;etz<lb/>
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Diktate ihrer radikalen Elemente gehorchend, die Ur&#x017F;ache für<lb/>
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[2/0002] Czernowitzer Allgemeine Zeitung. 4. November 1910 dahin gehen ſoll, daß die Bank, welche ſeit 9 Jahren de facto eine barzahlende Bank iſt, geſetzlich verpflichtet werden ſoll, an dem bisherigen Vorgehen feſtzuhalten, d. h. ihre Funktionen als bahrzahlende Bank weiter auszuüben. Mehrere ungariſche Blätter melden — wie die „Neue Freie Preſſe“ berichtet — daß die geſtern getroffenen Verab- redungen der beiden Regierungen in zwei Teile zerfallen: 1. Die öſterreichiſche Regierung anerkennt prinzipiell die Notwendigkeit der Aufnahme der Barzahlungen; 2. der Zeitpunkt der Aufnahme der Bahrzahlungen iſt nach ſorgſamer Erwägung der finanziellen Lage beider Staaten und der Situation des internationalen Geldmarktes feſtzu- ſtellen und die endgiltige ſachliche Entſcheidung in dieſer Hinſicht wird der Oeſterreichiſch-ungariſchen Bank überlaſſen. „Az Eſt“ meldet über den Inhalt der geſtern getroffenen Vereinbarung in der Frage der Barzahlungen folgendes: „Das Weſen der Vereinbarung liegt darin, daß die Aufnahme der Bahrzahlungen innerhalb eines feſten Termins tatſächlich erfolgen kann und daß das Eintreten jener Vorausſetzungen, von denen der Zeitpunkt der Aufnahme der Barzahlungen abhängig gemacht wird und das beide Regierungen in ein Geſetz faſſen werden, von den Regierungen beider Staaten ſelbſt feſtzuſtellen ſein wird. In dem Geſetz wird namentlich ausgeſprochen werden, daß die Aufnahme der Barzahlungen angeordnet werden kann, wenn gewiſſe näher umſchriebene Umſtände der Aufnahme der Barzahlungen nicht im Wege ſtehen. Beide Regierungen werden jedoch ſelbſt feſtſtellen können, ob dieſe Bedingungen obwalten oder nicht, was gleichbedeutend damit iſt, daß jede Regierung das Recht erwirbt, die geſetzlich ausgeſprochene Aufnahme der Bar- zahlungen jederzeit zu fordern.“ Nach den Informationen der „N. Fr. Preſſe“ ſtimmen dieſe Mitteilungen über die Grundlage der Einigung mit den Tatſachen nicht überein. „Budapeſti Naplo“ erklärt, daß bezüglich des Termins der Barzahlungen die Parlamente nicht noch einmal eine beſondere Entſcheidung zu treffen haben werden. Der Vor- behalt einer beſonderen Entſcheidung bezüglich des Termins ſei gerade eines jener Hinderniſſe geweſen, welche die geſtrige Vereinbarung über die Aufnahme der Barzahlungen aus dem Wege geräumt hat. Ein anderer Gegenſtand der Vereinbarung war, daß die Sicherung der Aufnahme der Barzahlungen gleichzeitig mit der Erneuerung des Bankprivilegiums Ge- ſetzeskraft erlangt. Dies iſt eine natürliche Folge der vom Kabinett Khuen befolgten Taktik, welche darin beſtand, daß die Regierung in der zweiten Frage ſolange nicht verhandeln wird, ſolange die erſte Frage keine Erledigung gefunden hat. Das Kabinett Khuen legt Gewicht darauf, die Entſcheidung der Frage der Barzahlungen zu einem Zeitpunkt herbeizu- führen, daß in dem Falle, wenn ſie gezwungen wäre, die Konſequenzen eines negativen Ergebniſſes ihrer Verhandlungen abzuleiten, ihr Nachfolger noch genug Zeit habe, um die Bank- frage rechtzeitig zu erledigen. Von dem geſtern erzielten Er- gebnis iſt vorläufig ſoviel gewiß, daß das Junktim mit der Verlängerung des Bankprivilegiums die von gewiſſen volkswirtſchaftlichen Vorausſetzungen abhängig gemachte Aufnahme der Barzahlungen ſoweit ſichert, daß niemand mehr dieſe Maßregel ver- hindern kann. Die Verſtändigung in Böhmen. Wien, 1. November. In den beiden letzten Tagen wurden vom Miniſterpräſidenten Freiherrn v. Bienerth mehrere führende deutſche Abgeordnete aus Böhmen, darunter Abge- ordneter Pacher, ferner Oberſtlandmarſchall-Stellvertreter Dr. Urban und Dr. Baerureither empfangen, um über den gegenwärtigen Stand der Prager Verhandlungen ausführlichen Bericht zu erſtatten. Im Laufe der Woche wird der Miniſter- präſident auch die Vertreter des Großgrundbeſitzes und der ezechiſchen Parteien empfangen. Die Abänderung des Sprachengeſetzes. Prag, 2. November. Die einmütige Ablehnung, welche die jetzige Faſſung des Geſetzentwurfes über den Sprachen- gebrauch bei autonomen Behörden ſowohl in der deutſchen Provinz, als auch unter den Deutſchen Prags erfahren hat, läßt es als ausgeſchloſſen erſcheinen, daß die deutſchen Mit- glieder dem Geſetzentwurf in der Plenarſitzung der national- politiſchen Kommiſſion ihre Zuſtimmung erteilen. Ohne Ab- änderung der beauſtändeten Stellen iſt die Annahme des Geſetzes undenkbar. Die Verhandlungen über die Abänderungen werden aber vorausſichtlich ziemlich lange Zeit in Anſpruch nehmen, ſodaß es wenig wahrſcheinlich iſt, den Geſetzentwurf noch im Rahmen des kleinen Ausgleichs erledigen zu können. Es wird deshalb der Gedanke erwogen, das Sprachengeſetz aus dem kleinen Ausgleich auszuſcheiden und der Permanenz- kommiſſion zuzuweiſen, welche nach Erledigung des kleinen Ausgleichs die für den großen Ausgleich beſtimmten Ange- legenheiten (nationale Abgrenzung, Kreisvertretungen, Wahl- reform) fertigzuſtellen haben wird. Dabei ließe ſich vielleicht auch ein Ausweg hinſichtlich der Minoritätsſchulen finden. Es ließe ſich eventuell eine Vereinbarung über die gleichzeitige Erledigung des Sprachen- geſetzes mit dem Geſetz über die Minoritätsſchulen treffen, das bekanntlich gegen die klaren Abmachungen jetzt plötzlich von den Czechen in den kleinen Ausgleich geſchoben werden ſoll. Für den kleinen Ausgleich würde die Landesordnung und das bis dahin fertiggeſtellte Teilelaborat über die nationale Abgrenzung erübrigen. Die Stimmung unter den deutſchen Abgeordneten. Aus Vorſtandskreiſen des Verbandes der deutſchen Landtagsabgeordneten gehen u. a. der „Dentſchböhm. Korr.“ folgende Mitteilungen zu: Man muß leider ernſtlich mit der Möglichkeit rechnen, daß die Ausgleichsverhandlungen, trotzdem ſie verhältnismäßig weit vorgeſchritten ſind, doch noch, wenigſtens für dieſesmal, ſcheitern. Sollte letzteres deshalb erfolgen, weil die Czechen auf die Schlußbeſtimmung der geplanten Novelle zur Landes- ordnung nicht eingehen wollen, ſo wäre wenigſtens vor aller Welt und insbeſondere für die politiſchen Kreiſe von ganz Oeſterreich erwieſen, daß ausſchließlich die Czechen, weil dem Diktate ihrer radikalen Elemente gehorchend, die Urſache für das Nichtzuſtandekommen einer gütlichen Vereinbarung ab- geben. Die Vorſchläge, die ſie im gegenwärtigen Stadium bekämpfen, ſind nämlich nicht mehr Anträge der deutſchen Kommiſſionsmitglieder, ſondern die Vermittlungsvorſchläge der in dieſer Richtung einigen Großgrundbestzer beider Lager. Die Reform des galiziſchen Landtagswahl- rechtes. Lemberg, 2. November. Heute vormittags hielten die Demokraten in Anweſenheit des galiziſchen Landsmannminiſters Dr. Dulemba und des Abg. Dr. Glombinski eine Bera- tung ab. Im Verlaufe derſelben wurde über das Zuſtandekommen eines Kompromiſſes der polniſchen Parteien in der Landtags- wahlreformfrage und über das Verhalten in der Budgetdebatte verhandelt. Im Allgemeinen kam die Anſchauung zum Aus- druck, daß eine Verſtändigung der Polen unter einander in der Wahlreformfrage unbedingt notwendig ſei. Es wurde betont, daß man auf alle Fälle auch mit den Ruthenen in dieſer Angelegenheit eine Einigung erzielen müſſe. Ein for- meller Beſchluß wurde nicht gefaßt; es wurde bloß allgemein die Ueberzeugung ausgeſprochen, daß ſowohl die Landtags- wahlreform als auch das Budget ohne Rückſicht auf eine eventuelle Obſtruktion der Ruthenen noch in dieſer Seſſion unbedingt zu erledigen ſeien. Heute abends findet eine Kon- ferenz der Obmänner der polniſchen und rutheniſchen Partei- klubs ſtatt. Die galiziſche Gemeindewahlreform. Lemberg, 2. November. Die ſtädtiſche Kommiſſion für die Gemeindewahlreform beſchloß die Reform auf Grund folgender Beſtimmungen durchzuführen. Der Gemeinderat ſoll aus 100 Mitgliedern beſtehen. Es ſoll eine neue Wahlkurie geſchaffen werden, in welcher alle diejenigen ſtimmen ſollen, die bis nun das Wahlrecht hatten, zuſammen mit denen, welche bisher kein Wahlrecht hatten, die aber das dreißigſte Lebens- jahr bereits überſchritten haben, polniſch oder rutheniſch leſen und ſchreiben können und mindeſtens 3 Jahre lang ununter- brochen an demſelben Orte wohnen. Ferner erhalten diejenigen Frauen das Wahlrecht, welche die Maturitätsprüfung abgelegt und das dreißigſte Lebensjahr überſchritten haben. Die Wahlen ſollen alle 6 Jahre erfolgen. In den bisherigen Kurien ſollen 95 Gemeinderäte gewählt werden, in der neuen 5. Einberufung des bosniſchen Landtags. KB. Sarajevo, 3. November. (Tel. der „Cz. Allg. Ztg.“) Der Landtag wurde für den 7. November einberufen. Die Kriſe in Frankreich. Demiſſion des Kabinetts Briand. KB. Paris, 3. November. (Tel. der „Cz. Allg. Ztg.“) Heute vormittags traten die Mitglieder des Kabinettes zu einem Miniſterrate zuſammen, nach deſſen Schluß ſich Briand in das Palais Elyſee begab, um dem Präſidenten die Demiſſion des Miniſteriums zu überreichen. KB. Paris, 3. November. (Tel. der „Cz. Allg. Ztg.“) Die Sitzung des Miniſterrates war ſehr kurz. Nach den Aus- führungen des Kabinettschefs gab der Arbeitsminiſter Biviani die Erklärung ab, daß er entſchloſſen ſei, ſich zurückzu- ziehen, nichtsdeſtoweniger bleibe er ein ergebener Freund des Miniſterpräſidenten. Nach einer kurzen Erklärung des Inſtizminiſters Barthon, der Briand der vollen Sympathie ſeiner Kollegen verſicherte, war der Miniſterrat beendet. Ein neues Kabinett Briand. KB. Paris, 3. November (Tel. der „Cz. Allg. Ztg.“) Präſident Fallieres empfang heute nachmittags Briand und betraute ihn mit der Kabinettsbildung. Briand nahm die Miſſion an. Die Gerüchte über den Ausbruch einer Revolution in Spanien. KB. Madrid, 3. November. (Tel. der „Cz. Allg. Ztg.“) Die Agence Havas meldet: Die in Paris zirkulierenden Gerüchte von Unruhen, die in Spanien, namentlich in Barcelona, ausgebrochen ſein ſollen, entbehren vollſtändig der Be- gründung. In allen Provinzen herrſcht abſolute Ruhe. KB. Madrid, 3. November. (Tel. der „Cz. Allg. Ztg.“) Die Agenzia Fabra erklärt: Das Gerücht von einer Revolution in Madrid iſt unbegründet. Es herrſcht voll- kommene Ruhe. KB. Cerbere, 3. November. (Tel. der „Cz. Allg. Ztg.“) Der heutige Tag iſt in Barcelona vollkommen ruhig verlaufen. In den Straßen bewegte ſich ein dichter Menſchen- ſtrom. Reiſende aus Barcelona beſtätigen, daß überall, mit Ausnahme von Sabudell, wo es infolge eines allgemeinen Ausſtandes zu unbedeutenden Reibereien kam, Ruhe herrſcht. Bei einer Prozeſſion in Cartagena kam es zu turbulenten Szenen. Angeblich wurden auch Schüſſe abgegeben, wobei einige Perſonen verwundet wurden. Madrid, 2. November. Die hieſige Polizei verhaftete mehrere Perſonen, welche verſucht hatten, Dokumente, die ſich auf den Francisco-Ferrerprozeß beziehen, zu vernichten. Portugal. Die Verhaftungen ehemaliger Miniſter. KB. Liſſabon, 3. November. (Tel. der „Cz. Allg. Ztg.“) Die Staatsanwaltſchaft legte gegen die Entſcheidung, mit welcher Joao France und die anderen Miniſter proviſoriſch in Freiheit geſetzt wurden, Rekurs ein. Liſſabon, 2. November. Eine zahlreiche Menſchenmenge begab ſich geſtern in geſchloſſenem Zuge nach dem Friedhof, wo die bei der erſten republikaniſchen Erhebung am 31. Januar 1891 Gefallenen begraben ſind. Am Denkmal der Gefallenen wurde ein Bronzekranz niedergelegt. Die Ordnung wurde nirgends geſtört. Portugieſiſche Jeſuiten in Oeſterreich. Baden bei Wien, 2. November. Wie verlautet, ſind gegenwärtig hier und in der Umgebung Mittelmänner für den Ankauf von Grundſtücken für die aus Portugal ausge- wieſenen Jeſuiten tätig. Die Verhandlungen über die türkiſche Anleihe. KB. Konſtantinopel, 3. November. (Tel. der „Cz. Allg. Ztg.“) Der Finanzminiſter beſuchte heute vormittags G. R. Helferich. Nachmittags konferierten beide. Die Entſcheidung dürfte erſt nach der morgen erfolgenden Rückkehr des Groß- veſiers fallen. KB. Konſtantinopel, 3. November. (Tel. der „Cz. Allg. Ztg.“) Authentiſchen Nachrichten zufolge war die heutige Beſprechung des Finanzminiſters mit Helferich die Baſis zur finanziellen Transaktion zwiſchen der Türkei und dem Syndikat der deutſchen Banken. Die Kombination eines kurzfriſtigen Vorſchuſſes wurde mit der Anleihe feſtgeſtellt. Nunmehr wird die Redaktion des Vertrages in Angriff genommen. Das Befinden Abdul Hamids. KB. Saloniki, 3. November. (Tel. der „Cz. Allg. Ztg.“) Im Befinden des Exſultans Abdul Hamid ſcheint eine Ver- ſchlimmerung eingetreten zu ſein. Dem geſtern ſtattgefundenem Konſilium ſoll heute ein zweites folgen. Griechenland. KB. Athen, 3. November. (Tel. der „Cz. Allg. Ztg.“) Die Partei Mavromichalis veröffentlicht ein Manifeſt, in welchem ſie die Wahlenthaltung rechtfertigt. Serbien. Skupſchtina. KB. Belgrad, 3. November. (Tel. der „Cz. Allg. Ztg.“) Vor dem Eingehen in die Tagesordnung kommt es infolge Wortwechſels zwiſchen dem Altradikalen Dragovic und dem Nationaliſten Agatnovic zu Tätlichkeiten, welche im Hauſe eine große Erregung hervorrufen. Während der durch den Präſidenten verfügten Unterbrechung der Sitzung gelingt es den herbeieilenden Abgeordneten die Raufenden zu trennen. KB. Belgrad, 3. November. (Tel. der „Cz. Allg. Ztg.“) Der Kronprinz hatte einen ruhigen Tag, fühlt ſich objektiv beſſer und verlangt ſpontan Nahrung. Der Huſten war tags- über unbedentend. Temperatur 38·7, Puls 92, Atmung 20. Kurze Nachrichten KB. Wien, 3. November. (Tel. der „Cz. Allg. Ztg.“) Die Wiener Zeitung veröffentlicht ein Allerhöchſtes Handſchreiben an den Kardinal Gruſcha anläßlich deſſen 90. Geburtstages, in welchem der Monarch die Treue

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Zitationshilfe: Czernowitzer Allgemeine Zeitung. Nr. 2040, Czernowitz, 04.11.1910, S. 2. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/nn_czernowitzer2040_1910/2>, abgerufen am 22.09.2021.