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Czernowitzer Allgemeine Zeitung. Nr. 2329, Czernowitz, 24.10.1911.

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24 Oktober 1911. Czernowitzer Allgemeine Zeitung

[Spaltenumbruch] handlungen mit England und Rußland. Der englische
Botschafter suchte heute den russischen Botschafter in Bu-
jukdere auf und hatte eine lange Unterredung mit ihm.
Bestunterrichtete Kreise halten an der Behauptung fest,
daß eine Annäherung der Türkei an Rußland und Eng-
land unverkennbar ist.

Die Einnahme von Benghazi.

Bei Benghazi wurde
eine italienische Landungskolonne von den Türken über-
fallen. Die Italiener verloren ihren Kommandanten
und dreißig Mann. Auch bei Homs sollen die türkischen
Truppen einen Erfolg gehabt und die gelandeten Italie-
ner zurückgeworfen haben.

Ein Radiotelegramm, das gestern
abends vom General Briccola, dem Kommandanten des
Expeditionskorps in Cirenaika, eingelaufen ist, meldet: In
der Nacht vom 19. auf den 20. Oktober wurden die italieni-
schen Truppen in Benghazi von den Beduinen mehrmals
angegriffen, die Stadt wurde am Morgen des 20. d. be-
setzt. Am Nachmittag machten die Beduinen einen Angriff
auf das Dorf Sabri, wurden aber zurückgeschlagen. Die an
Land gesetzten Truppen sind jetzt um Benghazi gesammelt.
Sie haben den Strand bei Guiliana, wo die Ausschiffung
der Truppen stattgefunden hatte, verlassen. Das Kriegs-
material war im Hafen von Bendhazi ausgeschifft wor-
den. Die feindlichen Streitkräfte bestanden am 19. und
20. Oktober außer den türkischen Truppen aus wenigstens
2000 Beduinen. Man glaubt, daß sich die türkischen Trup-
pen mit zwölf Kanonen auf die Hochebene zurückgezogen
haben. Die Verluste der Türken werden auf wenigstens
200 Tote und eine große Anzahl Verletzter geschätzt. Von
den italienischen Landungstruppen werden sieben Offi-
ziere und 54 Mann verwundet; ein Unteroffizier, zwei
Korporale und dreizehn Soldaten wurden getötet. Trotz
der überstandenen Mühen ist der Geist der Truppen sehr
gehoben, der Gesundheitszustand ist ausgezeichnet.

Das Nachtgefecht bei Djebel-Gharbi.

Ueber den blutigen Kampf
der sich in der Donnerstagnacht in der Nähe von Tripolis
abspielte, hat man jetzt endlich Klarheit gewinnen können.
Arabische irreguläre Reiter und türkisches Militär hatten
sich, durch Sanddünen gedeckt, an die Italiener herange-
schlichen und saßen erst auf den letzten 200 Metern zur
Attacke auf. Die Italiener wurden vollständig überrascht,
ihre Schützenkete wurde überritten. Beim Eingang zum
Palmenwald kam das Gefecht zum Stehen. Die Angreifer
wichen zurück, von den Italienern verfolgt. Inzwischen
hatte sich ein kleiner Trupp Türken nach dem Meere zu
gewandt, so daß die nachdrängenden Italiener zwischen
zwei Feuer kamen. Den italienischen Schiffsgeschützen war
es nicht möglich einzugreifen, auch die Scheinwerfer nützten
nichts, da der Feind durch den Palmengürtel gedeckt war.
In den italienischen Schützengräbern wurden 15 Leichen
gefunden. Nach den am anderen Tage gefundenen Hülsen-
häufchen zu schließen" wurden von den Italienern je 60
Patronen verfeuert. Die Türken ließen zwei Tote zurück,
alle anderen Gefallenen und Verwundeten nahmen sie
mit. 500 Schritte südlicher fand man vier Haufen blu-
tiger Kleidungsstücke, aber keine Gräber. Die Italiener
haben anscheinend die Leichen der dort Gefallenen und die
Verwundeten auf die Schiffe gebracht. Sie müssen große
Verluste erlitten haben, geben aber nur einen Mann
als vermißt zu. Zurzeit rücken Versaglieri mit Train ge-
gen die Wüste zu vor, wobei Maultiere und Wagen tief
in den Sand sinken. Der Oasengürtel ist dicht mit Infan-
terie, Zeltlagern und Feldküchen und optischen Stationen
besetzt. Täglich kommen Verstärkungen an. Auf der Reede
liegen zurzeit 18 Kriegsschiffe und 19 Kauffahrer. Im
Innern des Landes sollen energische Vorbereitungen zum
Widerstand getroffen werden.

Antiitalienische Verschwörung in Tripolis.

Der "Secolo" meldet aus
Tripolis, dort sei eine antiitalienische Verschwörung ent-
deckt worden. Im Hause eines fanatischen Arabers hatten
sich alltäglich 50 Mohammedaner versammelt, um den
heiligen Krieg zu organisieren. Der Umstand und der hef-
tige Widerstand der arabischen Bevölkerung von Benghazi
haben in Tripolis bedeutenden Eindruck gemacht und
General Coneva veranlaßt, eine Verstärkung des Expedi-
tionskorps zu fordern. Mit dieser Nachricht stimmt auch
die Nachricht des "Avanti" überein, daß noch 6 Infan-
terieregimenter nach Tripolis gesandt werden sollen.

Ein serbisch-türkisches Bündnis?

Die "Tribuna" macht Meldung
von dem anaeblich bevorstehenden Abschluß eines serbisch-
türkischen Bündnisses, dessen Folge eine bevorzugte Stel-
lung der serbischen Bevölkerung in der Türkei und die
Okkupation des Sandschak Novi-Bazar seitens Serbiens
wäre.




Die Revolution in China.

In Peking verlautet, daß die
Rebellen einen wichtigen Punkt der in Hankau eintref-
fenden Bahnlinie nach hitzigem Gefechte bei Singgang-
[t]schang, genommen und sofort zu einem stark befestigten
Verteidigungspunkte gemacht haben. Aus Yünnau kom-
mende Konsulardepeschen besagen, daß auch dort die kaiser-
lichen Truppen von der Regierung abfielen und zum größ-
ten Teile zu den Rebellen stießen. Im einzelnen wird be-
richtet, daß die kaiserlichen Regierungstruppen und zwei
Regimenter der Provinztruppen zu meutern beginnen, weil
sie ohne Löhnung sind und die ausgedienten Leute unter
den Fahnen zurückbehalten werden. Die beiden Provinz-
[Spaltenumbruch] regimenter weigerten sich ganz entschieden, in die Provinz
Tetuan einzurücken.

Unter den Truppen der Auf-
ständischen beginnt sich eine Neigung zum Abfall infolge
der ihnen entgegenkommenden Proklamationen bemerk-
[ba]r zu machen.

Ein Edikt spricht die Teilnahme
für die Bevölkerung derjenigen Provinzen aus, die durch
die Dürre und den Aufstand heimgesucht sind, und weist
200.000 Taels von den Ersparnissen der verstorbenen
Kaiserin-Witwe an, die an Yuanschikai ausgezahlt wer-
den, der die Verantwortung für die Verteilung des Geldes
an die notleidende Bevölkerung übernehmen soll.

Amerikanische Missionäre der
Provinz Tschili wurden von Studenten warnend darauf
hingewiesen, daß in der Nähe von Peking eine revolutio-
näre Bewegung zu erwarten sei. Bemerkenswert ist, daß
ähnliche Warnungen den Missionaren von Wutschang zu-
[ge]gangen sind, bevor der Ausstand dort ausbrach. Kon-
sularberichte aus Itschang, das mehrere Tage isoliert war,
bestätigen die Nachricht, daß die Stadt sich in den Händen
der Aufständischen befindet.




Bunte Chronik.


Die Hochzeit des Erzherzogs Karl
Franz Josef.
Die Trauungsfeier.

Nach der Ankunft des
Kaisers fand sofort die Hochzeit statt. Vorerst for-
mierte sich der Hochzeitszug. Voran schritt der Bräutigam
Erzherzog Karl Franz Josef in Rittmeisteruni-
form, geführt vom Kaiser und der Erzherzogin
Maria Josefa. Es folgte die Braut, zu ihrer Rech-
ten Jaime von Bourbon, Herzog von Madrid, zu ihrer
Linken die Mutter der Braut, Herzogin Maria An-
tonia
von Parma. Das nächste Paar war König
Friedrich August von Sachsen mit Erzherzog
Franz Ferdinand, welchen die übrigen Hochzeits-
gäste folgten. Die Braut trug ein schweres Duchessekleid,
dessen lange Schleppe mit bourbonischen Lilien, in schwe-
rem Silber gestickt, geschmückt war. Am Kopfe trug die
Braut ein Brillantendiadem, ein Geschenk des Kaisers,
und darunter einen kleinen Myrtenkranz, von welchem
der Brautschleier herabfiel. Die Taille war mit alten
Spitzen garniert, welche die Großmutter der Braut, die
Königin Maria von Portugal, auf ihrem Brautkleide ge-
tragen hatte. Der Zug bewegte sich durch die Gänge des
Schlosses nach der auf der rechten Seite im Hintertrakt
befindlichen Schloßkapelle, die mit rotem Damast ausge-
schlagen ist. Zu beiden Seiten des mit kostbaren Spitzen
bedeckten Altars waren seltene Blumen und Blattpflan-
zen angebracht. Während das Brautpaar unter den Klän-
gen der Orgel vor den Altar trat, nahmen die Hochzeits-
gäste in den bereitstehenden Stühlen Platz.

Die Trauungszeremonie nahm der päpstliche Dele-
gierte Majordomus Bisletti unter Assistenz des Zere-
moniärs Monsignore Respighi vor. Als Ministran-
ten walteten die beiden jüngsten Prinzen von Parma.
Der Trauungsakt erfolgte in französischer Sprache. Als
Monsignore Bisletti die Kopulationsformel sprach, er-
widerte zunächst der Bräutigam und hierauf die Braut
mit "oui!" Nachdem die Ringe gewechselt waren, brachte
die Frau des Hofkapellmeisters Eder das Gounod'sche
"Ave Maria" mit Orgel und Harfenbegleitung zum Vor-
trage. Nach Beendigung der Messe hielt Bisletti in ita-
lienischer Sprache eine längere Rede an das Brautpaar,
worin er die Glück- und Segenswünsche des Papstes für
das Brautpaar zum Ausdruck brachte.

Im Schlosse fand hierauf die Beglückwünschung statt.
Nach derselben veranstaltete die Schuljugend eine Hul-
digung. Sodann wurde eine kinematographische Auf-
nahme der Hochzeitsgesellschaft gemacht. Um 1 Uhr fand
ein Dejeuner statt.

Eine Dankdepesche an den Papst.

Um 4 Uhr reisten die Neu-
vermählten in Automobils nach Wartholz bei Reichenau.
Gleich nach Vollzug der Trauung sandte der Erzherzog
Karl Franz Josef an den Papst eine Dankdepesche.




Ein Attentat auf den Prinzen von Wales?

KB. (Tel. der "Cz. Allg. Ztg.")

Nach Blättermeldungen wurde das Schlachtschiff "Hindustan",
auf welchem der Prinz Wales als Midschipman sich be-
findet, bei der Schießübung auf der Höhe von Portland von
einer ungeladenen Granate eines Sechspfündners des
Dreadnougts "Colossus" getroffen. Die Granate fiel auf das
Hinterdock, verletzte jedoch niemanden. Der Prinz befand
sich gerade unterdecks. Der "Hidustan" schleppte die Schieß-
scheibe in einem Abstand von einer Viertel Meile. "Colossus"
feuerte auf eine Entfernung von 4000 Yards.




Ein Schüterstreik in Przemysl.

Der Schüler der 7. a Klasse
des hiesigen ruth. Gymnasiums, R. legte seinem Professor
D. gegenüber ein derart keckes Benehmen an den Tag, daß
[Spaltenumbruch] er aus der Anstalt ausgeschlossen werden mußte. Dies
führte zum Streike seiner Kollegen, welcher die Auflösung
der Klasse und die Anordnung neuer Einschreibungen
seitens der Gymnasialdirektion zur Folge hatte. Kein ein-
ziger Schüler schrieb sich wieder ein, weshalb der Landes-
schulinspektor Majchrowicz aus Lemberg hier eintraf, dem
eine schwierige Aufgabe bevorstand, indem er die Gymnasial-
direktion bei ihren Verfügungen illegal vorgegangen war,
da ihr das Recht der Auflösung einer Klasse nicht zu-
steht. Nach einer Konferenz des Landesschulinspektors mit
dem Professorenkollegium der Anstalt wurde obgenannte
Verfügung der Gymnasialdirektion zurückgezogen, worauf
es gelang, die Schüler zum Wiederbesuche des Unterrichtes
zu bewegen. Da jedoch der ausgeschlossene Schüler R. vor-
läufig nicht wieder aufgenommen wurde, droht der Wie-
derausbruch des Streikes seiner Kollegen.




Unfall der Gemahlin des galizischen
Statthalters.

Ein Wagen der hiesigen elek-
trischen Straßenbahn fuhr gestern um halb 11 Uhr vor-
mittags auf dem Haliczerplatze eine Equipage an, in wel-
cher sich die Gemahlin des galizischen Statthalters Doktor
Bobrzynski befand, wobei die Deichsel und ein Rad
des Wagens, ferner das Geschirr eines Pferdes beschädigt
wurden. Die Gattin des Statthalters kam mit heiler Haut
davon. Infolge dieses Vorfalles entstand ein großer Men-
schenanlauf, welcher eine Hemmung des Tramwayver-
kehres zur Folge hatte.




Maul- und Klauenseuche an der Grenze
der Bukowina und Rumäniens.

Die in ganz Europa auftretende
Maul- und Klauenseuche macht sich nun in den Grenz-
orten zwischen Rumänien und der Bukowina bemerkbar.
Der Viehstand Dornas ist ganz verseucht. Nach Dorna
hat sich der rum. Veterinärinspektor Dr. Alexandrescu
begeben, um die notwendigen Maßregeln zur Bekämpfung
der Seuche zu treffen.




Ein Lustmörder zum Tode verurteilt.

Die Wiener Geschworenen haben
gestern den aus Bayern stammenden Lustmörder
Voigt,
der im vorigen Jahre eine Näherin in der Bin-
derau im Prater ermordet und die Leiche verstümmelt hat,
trotz der widersprechenden Gutachten der Sachverständi-
gen und der Wiener medizinischen Fakultät zum Tode
durch den Strang verurteilt.
Nach Verkündi-
gung des Urteils rief der Angeklagte den Geschworenen
zu: "Ich bin damit zufrieden, obwohl ich Ihnen gestehen
muß, daß Sie einen Irrsinnigen verurteilt haben." Der
Prozeß war durch die außerordentlich intelligente Ver-
teidigung Voigts von besonderem Interesse.




Unfall infolge der Explosion eines
Schrapnells.

Im Nachbardorfe Switniki fan-
den zwei Bauern auf dem Felde ein blindgegangenes
Schrappnell, welches noch von den letzten Artillerieschieß-
übungen herrührte. Sie nahmen dasselbe nach Hause und
versuchten es zu öffnen. Während der Manipulation, die
sie zu diesem Zwecke vornahmen, ging das Geschoß los,
wobei einer von den Bauern beide Füße, der andere eine
Hand verlor und beide außerdem noch eine Gehirner-
schütterung davontrugen. Die Explosion hatte endlich auch
die Zerstörung der Hütte der beiden Bauern zur Folge.
Letztere wurden in hoffnungslosem Zustande ins hiesige
Krankenhaus gebracht.




Von der Elektrischen überfahren.

Gestern abends überfuhr ein
Wagen der hiesigen elektrischen Straßenbahn in der Gro-
dekerstraße eine ungefähr 35jährige, scheinbar dem Ar-
beiterstande angehörige Frau unbekannten Namens,
welche unvorsichtigerweise das Geleise in dem Momente
betrat, als sich die Elektrische bereits in ihrer unmittel-
baren Nähe befand. Der Wagenführer J. Cap setzte
zwar sofort beide Bremsen in Tätigkeit, nichtsdestoweni-
ger bewegte sich der bergab fahrende Wagen noch unge-
fähr 2 Meter vorwärts und schnitten die Räder desselben
der Unglücklichen beide Füße ab, wobei letztere sofort das
Bewußtsein verlor. Die herbeigeholte Rettungsgesellschaft
verband zwar die Verunglückte, dieselbe hauchte jedoch
auf dem Wege ins Spital infolge des allzu großen Blut-
verlustes ihr Leben aus.




Ein bestialischer Fiaker.

Gestern um 6 Uhr abends
verließ eine Frau die hiesige Gebäranstalt, in welcher sie
kurz vorher einem Kind das Leben gegeben hatte, mietete
hierauf den Fiaker Nr. 211 St. Skorobecki und er-
teilte ihm den Auftrag, sie nach der in der Nähe der hie-
sigen Universität gelegenen Wohnung zu führen. Der ent-
menschte Kutscher führte aber seinen Fahrgast hinter den
Lyczakower Schranken in das unweit davon gelegene
Wäldchen, wo er die Unglückliche vergewaltigte. Mit
Mühe gelang es derselben endlich, sich den Händen des
Wüterichs zu entwinden und auf die Lyczakower Straße
zu fliehen, wo sie mit einer anderen Droschke nach Hause
fuhr. Skorobecki wurde bereits verhaftet, sein Opfer hin-
gegen liegt jetzt in fast hoffnungslosem Zustande dar-
nieder.




24 Oktober 1911. Czernowitzer Allgemeine Zeitung

[Spaltenumbruch] handlungen mit England und Rußland. Der engliſche
Botſchafter ſuchte heute den ruſſiſchen Botſchafter in Bu-
jukdere auf und hatte eine lange Unterredung mit ihm.
Beſtunterrichtete Kreiſe halten an der Behauptung feſt,
daß eine Annäherung der Türkei an Rußland und Eng-
land unverkennbar iſt.

Die Einnahme von Benghazi.

Bei Benghazi wurde
eine italieniſche Landungskolonne von den Türken über-
fallen. Die Italiener verloren ihren Kommandanten
und dreißig Mann. Auch bei Homs ſollen die türkiſchen
Truppen einen Erfolg gehabt und die gelandeten Italie-
ner zurückgeworfen haben.

Ein Radiotelegramm, das geſtern
abends vom General Briccola, dem Kommandanten des
Expeditionskorps in Cirenaika, eingelaufen iſt, meldet: In
der Nacht vom 19. auf den 20. Oktober wurden die italieni-
ſchen Truppen in Benghazi von den Beduinen mehrmals
angegriffen, die Stadt wurde am Morgen des 20. d. be-
ſetzt. Am Nachmittag machten die Beduinen einen Angriff
auf das Dorf Sabri, wurden aber zurückgeſchlagen. Die an
Land geſetzten Truppen ſind jetzt um Benghazi geſammelt.
Sie haben den Strand bei Guiliana, wo die Ausſchiffung
der Truppen ſtattgefunden hatte, verlaſſen. Das Kriegs-
material war im Hafen von Bendhazi ausgeſchifft wor-
den. Die feindlichen Streitkräfte beſtanden am 19. und
20. Oktober außer den türkiſchen Truppen aus wenigſtens
2000 Beduinen. Man glaubt, daß ſich die türkiſchen Trup-
pen mit zwölf Kanonen auf die Hochebene zurückgezogen
haben. Die Verluſte der Türken werden auf wenigſtens
200 Tote und eine große Anzahl Verletzter geſchätzt. Von
den italieniſchen Landungstruppen werden ſieben Offi-
ziere und 54 Mann verwundet; ein Unteroffizier, zwei
Korporale und dreizehn Soldaten wurden getötet. Trotz
der überſtandenen Mühen iſt der Geiſt der Truppen ſehr
gehoben, der Geſundheitszuſtand iſt ausgezeichnet.

Das Nachtgefecht bei Djebel-Gharbi.

Ueber den blutigen Kampf
der ſich in der Donnerstagnacht in der Nähe von Tripolis
abſpielte, hat man jetzt endlich Klarheit gewinnen können.
Arabiſche irreguläre Reiter und türkiſches Militär hatten
ſich, durch Sanddünen gedeckt, an die Italiener herange-
ſchlichen und ſaßen erſt auf den letzten 200 Metern zur
Attacke auf. Die Italiener wurden vollſtändig überraſcht,
ihre Schützenkete wurde überritten. Beim Eingang zum
Palmenwald kam das Gefecht zum Stehen. Die Angreifer
wichen zurück, von den Italienern verfolgt. Inzwiſchen
hatte ſich ein kleiner Trupp Türken nach dem Meere zu
gewandt, ſo daß die nachdrängenden Italiener zwiſchen
zwei Feuer kamen. Den italieniſchen Schiffsgeſchützen war
es nicht möglich einzugreifen, auch die Scheinwerfer nützten
nichts, da der Feind durch den Palmengürtel gedeckt war.
In den italieniſchen Schützengräbern wurden 15 Leichen
gefunden. Nach den am anderen Tage gefundenen Hülſen-
häufchen zu ſchließen„ wurden von den Italienern je 60
Patronen verfeuert. Die Türken ließen zwei Tote zurück,
alle anderen Gefallenen und Verwundeten nahmen ſie
mit. 500 Schritte ſüdlicher fand man vier Haufen blu-
tiger Kleidungsſtücke, aber keine Gräber. Die Italiener
haben anſcheinend die Leichen der dort Gefallenen und die
Verwundeten auf die Schiffe gebracht. Sie müſſen große
Verluſte erlitten haben, geben aber nur einen Mann
als vermißt zu. Zurzeit rücken Verſaglieri mit Train ge-
gen die Wüſte zu vor, wobei Maultiere und Wagen tief
in den Sand ſinken. Der Oaſengürtel iſt dicht mit Infan-
terie, Zeltlagern und Feldküchen und optiſchen Stationen
beſetzt. Täglich kommen Verſtärkungen an. Auf der Reede
liegen zurzeit 18 Kriegsſchiffe und 19 Kauffahrer. Im
Innern des Landes ſollen energiſche Vorbereitungen zum
Widerſtand getroffen werden.

Antiitalieniſche Verſchwörung in Tripolis.

Der „Secolo“ meldet aus
Tripolis, dort ſei eine antiitalieniſche Verſchwörung ent-
deckt worden. Im Hauſe eines fanatiſchen Arabers hatten
ſich alltäglich 50 Mohammedaner verſammelt, um den
heiligen Krieg zu organiſieren. Der Umſtand und der hef-
tige Widerſtand der arabiſchen Bevölkerung von Benghazi
haben in Tripolis bedeutenden Eindruck gemacht und
General Coneva veranlaßt, eine Verſtärkung des Expedi-
tionskorps zu fordern. Mit dieſer Nachricht ſtimmt auch
die Nachricht des „Avanti“ überein, daß noch 6 Infan-
terieregimenter nach Tripolis geſandt werden ſollen.

Ein ſerbiſch-türkiſches Bündnis?

Die „Tribuna“ macht Meldung
von dem anaeblich bevorſtehenden Abſchluß eines ſerbiſch-
türkiſchen Bündniſſes, deſſen Folge eine bevorzugte Stel-
lung der ſerbiſchen Bevölkerung in der Türkei und die
Okkupation des Sandſchak Novi-Bazar ſeitens Serbiens
wäre.




Die Revolution in China.

In Peking verlautet, daß die
Rebellen einen wichtigen Punkt der in Hankau eintref-
fenden Bahnlinie nach hitzigem Gefechte bei Singgang-
[t]ſchang, genommen und ſofort zu einem ſtark befeſtigten
Verteidigungspunkte gemacht haben. Aus Yünnau kom-
mende Konſulardepeſchen beſagen, daß auch dort die kaiſer-
lichen Truppen von der Regierung abfielen und zum größ-
ten Teile zu den Rebellen ſtießen. Im einzelnen wird be-
richtet, daß die kaiſerlichen Regierungstruppen und zwei
Regimenter der Provinztruppen zu meutern beginnen, weil
ſie ohne Löhnung ſind und die ausgedienten Leute unter
den Fahnen zurückbehalten werden. Die beiden Provinz-
[Spaltenumbruch] regimenter weigerten ſich ganz entſchieden, in die Provinz
Tetuan einzurücken.

Unter den Truppen der Auf-
ſtändiſchen beginnt ſich eine Neigung zum Abfall infolge
der ihnen entgegenkommenden Proklamationen bemerk-
[ba]r zu machen.

Ein Edikt ſpricht die Teilnahme
für die Bevölkerung derjenigen Provinzen aus, die durch
die Dürre und den Aufſtand heimgeſucht ſind, und weiſt
200.000 Taels von den Erſparniſſen der verſtorbenen
Kaiſerin-Witwe an, die an Yuanſchikai ausgezahlt wer-
den, der die Verantwortung für die Verteilung des Geldes
an die notleidende Bevölkerung übernehmen ſoll.

Amerikaniſche Miſſionäre der
Provinz Tſchili wurden von Studenten warnend darauf
hingewieſen, daß in der Nähe von Peking eine revolutio-
näre Bewegung zu erwarten ſei. Bemerkenswert iſt, daß
ähnliche Warnungen den Miſſionaren von Wutſchang zu-
[ge]gangen ſind, bevor der Ausſtand dort ausbrach. Kon-
ſularberichte aus Itſchang, das mehrere Tage iſoliert war,
beſtätigen die Nachricht, daß die Stadt ſich in den Händen
der Aufſtändiſchen befindet.




Bunte Chronik.


Die Hochzeit des Erzherzogs Karl
Franz Joſef.
Die Trauungsfeier.

Nach der Ankunft des
Kaiſers fand ſofort die Hochzeit ſtatt. Vorerſt for-
mierte ſich der Hochzeitszug. Voran ſchritt der Bräutigam
Erzherzog Karl Franz Joſef in Rittmeiſteruni-
form, geführt vom Kaiſer und der Erzherzogin
Maria Joſefa. Es folgte die Braut, zu ihrer Rech-
ten Jaime von Bourbon, Herzog von Madrid, zu ihrer
Linken die Mutter der Braut, Herzogin Maria An-
tonia
von Parma. Das nächſte Paar war König
Friedrich Auguſt von Sachſen mit Erzherzog
Franz Ferdinand, welchen die übrigen Hochzeits-
gäſte folgten. Die Braut trug ein ſchweres Ducheſſekleid,
deſſen lange Schleppe mit bourboniſchen Lilien, in ſchwe-
rem Silber geſtickt, geſchmückt war. Am Kopfe trug die
Braut ein Brillantendiadem, ein Geſchenk des Kaiſers,
und darunter einen kleinen Myrtenkranz, von welchem
der Brautſchleier herabfiel. Die Taille war mit alten
Spitzen garniert, welche die Großmutter der Braut, die
Königin Maria von Portugal, auf ihrem Brautkleide ge-
tragen hatte. Der Zug bewegte ſich durch die Gänge des
Schloſſes nach der auf der rechten Seite im Hintertrakt
befindlichen Schloßkapelle, die mit rotem Damaſt ausge-
ſchlagen iſt. Zu beiden Seiten des mit koſtbaren Spitzen
bedeckten Altars waren ſeltene Blumen und Blattpflan-
zen angebracht. Während das Brautpaar unter den Klän-
gen der Orgel vor den Altar trat, nahmen die Hochzeits-
gäſte in den bereitſtehenden Stühlen Platz.

Die Trauungszeremonie nahm der päpſtliche Dele-
gierte Majordomus Bisletti unter Aſſiſtenz des Zere-
moniärs Monſignore Respighi vor. Als Miniſtran-
ten walteten die beiden jüngſten Prinzen von Parma.
Der Trauungsakt erfolgte in franzöſiſcher Sprache. Als
Monſignore Bisletti die Kopulationsformel ſprach, er-
widerte zunächſt der Bräutigam und hierauf die Braut
mit „oui!“ Nachdem die Ringe gewechſelt waren, brachte
die Frau des Hofkapellmeiſters Eder das Gounod’ſche
„Ave Maria“ mit Orgel und Harfenbegleitung zum Vor-
trage. Nach Beendigung der Meſſe hielt Bisletti in ita-
lieniſcher Sprache eine längere Rede an das Brautpaar,
worin er die Glück- und Segenswünſche des Papſtes für
das Brautpaar zum Ausdruck brachte.

Im Schloſſe fand hierauf die Beglückwünſchung ſtatt.
Nach derſelben veranſtaltete die Schuljugend eine Hul-
digung. Sodann wurde eine kinematographiſche Auf-
nahme der Hochzeitsgeſellſchaft gemacht. Um 1 Uhr fand
ein Dejeuner ſtatt.

Eine Dankdepeſche an den Papſt.

Um 4 Uhr reiſten die Neu-
vermählten in Automobils nach Wartholz bei Reichenau.
Gleich nach Vollzug der Trauung ſandte der Erzherzog
Karl Franz Joſef an den Papſt eine Dankdepeſche.




Ein Attentat auf den Prinzen von Wales?

KB. (Tel. der „Cz. Allg. Ztg.“)

Nach Blättermeldungen wurde das Schlachtſchiff „Hinduſtan“,
auf welchem der Prinz Wales als Midſchipman ſich be-
findet, bei der Schießübung auf der Höhe von Portland von
einer ungeladenen Granate eines Sechspfündners des
Dreadnougts „Coloſſus“ getroffen. Die Granate fiel auf das
Hinterdock, verletzte jedoch niemanden. Der Prinz befand
ſich gerade unterdecks. Der „Hiduſtan“ ſchleppte die Schieß-
ſcheibe in einem Abſtand von einer Viertel Meile. „Coloſſus“
feuerte auf eine Entfernung von 4000 Yards.




Ein Schüterſtreik in Przemysl.

Der Schüler der 7. a Klaſſe
des hieſigen ruth. Gymnaſiums, R. legte ſeinem Profeſſor
D. gegenüber ein derart keckes Benehmen an den Tag, daß
[Spaltenumbruch] er aus der Anſtalt ausgeſchloſſen werden mußte. Dies
führte zum Streike ſeiner Kollegen, welcher die Auflöſung
der Klaſſe und die Anordnung neuer Einſchreibungen
ſeitens der Gymnaſialdirektion zur Folge hatte. Kein ein-
ziger Schüler ſchrieb ſich wieder ein, weshalb der Landes-
ſchulinſpektor Majchrowicz aus Lemberg hier eintraf, dem
eine ſchwierige Aufgabe bevorſtand, indem er die Gymnaſial-
direktion bei ihren Verfügungen illegal vorgegangen war,
da ihr das Recht der Auflöſung einer Klaſſe nicht zu-
ſteht. Nach einer Konferenz des Landesſchulinſpektors mit
dem Profeſſorenkollegium der Anſtalt wurde obgenannte
Verfügung der Gymnaſialdirektion zurückgezogen, worauf
es gelang, die Schüler zum Wiederbeſuche des Unterrichtes
zu bewegen. Da jedoch der ausgeſchloſſene Schüler R. vor-
läufig nicht wieder aufgenommen wurde, droht der Wie-
derausbruch des Streikes ſeiner Kollegen.




Unfall der Gemahlin des galiziſchen
Statthalters.

Ein Wagen der hieſigen elek-
triſchen Straßenbahn fuhr geſtern um halb 11 Uhr vor-
mittags auf dem Haliczerplatze eine Equipage an, in wel-
cher ſich die Gemahlin des galiziſchen Statthalters Doktor
Bobrzynski befand, wobei die Deichſel und ein Rad
des Wagens, ferner das Geſchirr eines Pferdes beſchädigt
wurden. Die Gattin des Statthalters kam mit heiler Haut
davon. Infolge dieſes Vorfalles entſtand ein großer Men-
ſchenanlauf, welcher eine Hemmung des Tramwayver-
kehres zur Folge hatte.




Maul- und Klauenſeuche an der Grenze
der Bukowina und Rumäniens.

Die in ganz Europa auftretende
Maul- und Klauenſeuche macht ſich nun in den Grenz-
orten zwiſchen Rumänien und der Bukowina bemerkbar.
Der Viehſtand Dornas iſt ganz verſeucht. Nach Dorna
hat ſich der rum. Veterinärinſpektor Dr. Alexandrescu
begeben, um die notwendigen Maßregeln zur Bekämpfung
der Seuche zu treffen.




Ein Luſtmörder zum Tode verurteilt.

Die Wiener Geſchworenen haben
geſtern den aus Bayern ſtammenden Luſtmörder
Voigt,
der im vorigen Jahre eine Näherin in der Bin-
derau im Prater ermordet und die Leiche verſtümmelt hat,
trotz der widerſprechenden Gutachten der Sachverſtändi-
gen und der Wiener mediziniſchen Fakultät zum Tode
durch den Strang verurteilt.
Nach Verkündi-
gung des Urteils rief der Angeklagte den Geſchworenen
zu: „Ich bin damit zufrieden, obwohl ich Ihnen geſtehen
muß, daß Sie einen Irrſinnigen verurteilt haben.“ Der
Prozeß war durch die außerordentlich intelligente Ver-
teidigung Voigts von beſonderem Intereſſe.




Unfall infolge der Exploſion eines
Schrapnells.

Im Nachbardorfe Switniki fan-
den zwei Bauern auf dem Felde ein blindgegangenes
Schrappnell, welches noch von den letzten Artillerieſchieß-
übungen herrührte. Sie nahmen dasſelbe nach Hauſe und
verſuchten es zu öffnen. Während der Manipulation, die
ſie zu dieſem Zwecke vornahmen, ging das Geſchoß los,
wobei einer von den Bauern beide Füße, der andere eine
Hand verlor und beide außerdem noch eine Gehirner-
ſchütterung davontrugen. Die Exploſion hatte endlich auch
die Zerſtörung der Hütte der beiden Bauern zur Folge.
Letztere wurden in hoffnungsloſem Zuſtande ins hieſige
Krankenhaus gebracht.




Von der Elektriſchen überfahren.

Geſtern abends überfuhr ein
Wagen der hieſigen elektriſchen Straßenbahn in der Gro-
dekerſtraße eine ungefähr 35jährige, ſcheinbar dem Ar-
beiterſtande angehörige Frau unbekannten Namens,
welche unvorſichtigerweiſe das Geleiſe in dem Momente
betrat, als ſich die Elektriſche bereits in ihrer unmittel-
baren Nähe befand. Der Wagenführer J. Cap ſetzte
zwar ſofort beide Bremſen in Tätigkeit, nichtsdeſtoweni-
ger bewegte ſich der bergab fahrende Wagen noch unge-
fähr 2 Meter vorwärts und ſchnitten die Räder desſelben
der Unglücklichen beide Füße ab, wobei letztere ſofort das
Bewußtſein verlor. Die herbeigeholte Rettungsgeſellſchaft
verband zwar die Verunglückte, dieſelbe hauchte jedoch
auf dem Wege ins Spital infolge des allzu großen Blut-
verluſtes ihr Leben aus.




Ein beſtialiſcher Fiaker.

Geſtern um 6 Uhr abends
verließ eine Frau die hieſige Gebäranſtalt, in welcher ſie
kurz vorher einem Kind das Leben gegeben hatte, mietete
hierauf den Fiaker Nr. 211 St. Skorobecki und er-
teilte ihm den Auftrag, ſie nach der in der Nähe der hie-
ſigen Univerſität gelegenen Wohnung zu führen. Der ent-
menſchte Kutſcher führte aber ſeinen Fahrgaſt hinter den
Lyczakower Schranken in das unweit davon gelegene
Wäldchen, wo er die Unglückliche vergewaltigte. Mit
Mühe gelang es derſelben endlich, ſich den Händen des
Wüterichs zu entwinden und auf die Lyczakower Straße
zu fliehen, wo ſie mit einer anderen Droſchke nach Hauſe
fuhr. Skorobecki wurde bereits verhaftet, ſein Opfer hin-
gegen liegt jetzt in faſt hoffnungsloſem Zuſtande dar-
nieder.




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[3/0003] 24 Oktober 1911. Czernowitzer Allgemeine Zeitung handlungen mit England und Rußland. Der engliſche Botſchafter ſuchte heute den ruſſiſchen Botſchafter in Bu- jukdere auf und hatte eine lange Unterredung mit ihm. Beſtunterrichtete Kreiſe halten an der Behauptung feſt, daß eine Annäherung der Türkei an Rußland und Eng- land unverkennbar iſt. Die Einnahme von Benghazi. Konſtantinopel, 22. Oktober. Bei Benghazi wurde eine italieniſche Landungskolonne von den Türken über- fallen. Die Italiener verloren ihren Kommandanten und dreißig Mann. Auch bei Homs ſollen die türkiſchen Truppen einen Erfolg gehabt und die gelandeten Italie- ner zurückgeworfen haben. Rom, 22. Oktober. Ein Radiotelegramm, das geſtern abends vom General Briccola, dem Kommandanten des Expeditionskorps in Cirenaika, eingelaufen iſt, meldet: In der Nacht vom 19. auf den 20. Oktober wurden die italieni- ſchen Truppen in Benghazi von den Beduinen mehrmals angegriffen, die Stadt wurde am Morgen des 20. d. be- ſetzt. Am Nachmittag machten die Beduinen einen Angriff auf das Dorf Sabri, wurden aber zurückgeſchlagen. Die an Land geſetzten Truppen ſind jetzt um Benghazi geſammelt. Sie haben den Strand bei Guiliana, wo die Ausſchiffung der Truppen ſtattgefunden hatte, verlaſſen. Das Kriegs- material war im Hafen von Bendhazi ausgeſchifft wor- den. Die feindlichen Streitkräfte beſtanden am 19. und 20. Oktober außer den türkiſchen Truppen aus wenigſtens 2000 Beduinen. Man glaubt, daß ſich die türkiſchen Trup- pen mit zwölf Kanonen auf die Hochebene zurückgezogen haben. Die Verluſte der Türken werden auf wenigſtens 200 Tote und eine große Anzahl Verletzter geſchätzt. Von den italieniſchen Landungstruppen werden ſieben Offi- ziere und 54 Mann verwundet; ein Unteroffizier, zwei Korporale und dreizehn Soldaten wurden getötet. Trotz der überſtandenen Mühen iſt der Geiſt der Truppen ſehr gehoben, der Geſundheitszuſtand iſt ausgezeichnet. Das Nachtgefecht bei Djebel-Gharbi. Tripolis, 22. Oktober. Ueber den blutigen Kampf der ſich in der Donnerstagnacht in der Nähe von Tripolis abſpielte, hat man jetzt endlich Klarheit gewinnen können. Arabiſche irreguläre Reiter und türkiſches Militär hatten ſich, durch Sanddünen gedeckt, an die Italiener herange- ſchlichen und ſaßen erſt auf den letzten 200 Metern zur Attacke auf. Die Italiener wurden vollſtändig überraſcht, ihre Schützenkete wurde überritten. Beim Eingang zum Palmenwald kam das Gefecht zum Stehen. Die Angreifer wichen zurück, von den Italienern verfolgt. Inzwiſchen hatte ſich ein kleiner Trupp Türken nach dem Meere zu gewandt, ſo daß die nachdrängenden Italiener zwiſchen zwei Feuer kamen. Den italieniſchen Schiffsgeſchützen war es nicht möglich einzugreifen, auch die Scheinwerfer nützten nichts, da der Feind durch den Palmengürtel gedeckt war. In den italieniſchen Schützengräbern wurden 15 Leichen gefunden. Nach den am anderen Tage gefundenen Hülſen- häufchen zu ſchließen„ wurden von den Italienern je 60 Patronen verfeuert. Die Türken ließen zwei Tote zurück, alle anderen Gefallenen und Verwundeten nahmen ſie mit. 500 Schritte ſüdlicher fand man vier Haufen blu- tiger Kleidungsſtücke, aber keine Gräber. Die Italiener haben anſcheinend die Leichen der dort Gefallenen und die Verwundeten auf die Schiffe gebracht. Sie müſſen große Verluſte erlitten haben, geben aber nur einen Mann als vermißt zu. Zurzeit rücken Verſaglieri mit Train ge- gen die Wüſte zu vor, wobei Maultiere und Wagen tief in den Sand ſinken. Der Oaſengürtel iſt dicht mit Infan- terie, Zeltlagern und Feldküchen und optiſchen Stationen beſetzt. Täglich kommen Verſtärkungen an. Auf der Reede liegen zurzeit 18 Kriegsſchiffe und 19 Kauffahrer. Im Innern des Landes ſollen energiſche Vorbereitungen zum Widerſtand getroffen werden. Antiitalieniſche Verſchwörung in Tripolis. Mailand, 22. Oktober. Der „Secolo“ meldet aus Tripolis, dort ſei eine antiitalieniſche Verſchwörung ent- deckt worden. Im Hauſe eines fanatiſchen Arabers hatten ſich alltäglich 50 Mohammedaner verſammelt, um den heiligen Krieg zu organiſieren. Der Umſtand und der hef- tige Widerſtand der arabiſchen Bevölkerung von Benghazi haben in Tripolis bedeutenden Eindruck gemacht und General Coneva veranlaßt, eine Verſtärkung des Expedi- tionskorps zu fordern. Mit dieſer Nachricht ſtimmt auch die Nachricht des „Avanti“ überein, daß noch 6 Infan- terieregimenter nach Tripolis geſandt werden ſollen. Ein ſerbiſch-türkiſches Bündnis? Belgrad, 22. Oktober. Die „Tribuna“ macht Meldung von dem anaeblich bevorſtehenden Abſchluß eines ſerbiſch- türkiſchen Bündniſſes, deſſen Folge eine bevorzugte Stel- lung der ſerbiſchen Bevölkerung in der Türkei und die Okkupation des Sandſchak Novi-Bazar ſeitens Serbiens wäre. Die Revolution in China. Berlin, 22. Oktober. In Peking verlautet, daß die Rebellen einen wichtigen Punkt der in Hankau eintref- fenden Bahnlinie nach hitzigem Gefechte bei Singgang- tſchang, genommen und ſofort zu einem ſtark befeſtigten Verteidigungspunkte gemacht haben. Aus Yünnau kom- mende Konſulardepeſchen beſagen, daß auch dort die kaiſer- lichen Truppen von der Regierung abfielen und zum größ- ten Teile zu den Rebellen ſtießen. Im einzelnen wird be- richtet, daß die kaiſerlichen Regierungstruppen und zwei Regimenter der Provinztruppen zu meutern beginnen, weil ſie ohne Löhnung ſind und die ausgedienten Leute unter den Fahnen zurückbehalten werden. Die beiden Provinz- regimenter weigerten ſich ganz entſchieden, in die Provinz Tetuan einzurücken. Schanghai, 22. Oktober. Unter den Truppen der Auf- ſtändiſchen beginnt ſich eine Neigung zum Abfall infolge der ihnen entgegenkommenden Proklamationen bemerk- bar zu machen. Peking, 22. Oktober. Ein Edikt ſpricht die Teilnahme für die Bevölkerung derjenigen Provinzen aus, die durch die Dürre und den Aufſtand heimgeſucht ſind, und weiſt 200.000 Taels von den Erſparniſſen der verſtorbenen Kaiſerin-Witwe an, die an Yuanſchikai ausgezahlt wer- den, der die Verantwortung für die Verteilung des Geldes an die notleidende Bevölkerung übernehmen ſoll. Peking, 22. Oktober. Amerikaniſche Miſſionäre der Provinz Tſchili wurden von Studenten warnend darauf hingewieſen, daß in der Nähe von Peking eine revolutio- näre Bewegung zu erwarten ſei. Bemerkenswert iſt, daß ähnliche Warnungen den Miſſionaren von Wutſchang zu- gegangen ſind, bevor der Ausſtand dort ausbrach. Kon- ſularberichte aus Itſchang, das mehrere Tage iſoliert war, beſtätigen die Nachricht, daß die Stadt ſich in den Händen der Aufſtändiſchen befindet. Bunte Chronik. Czernowitz, 23. Oktober. Die Hochzeit des Erzherzogs Karl Franz Joſef. Die Trauungsfeier. Schwarzan, 22. Oktober. Nach der Ankunft des Kaiſers fand ſofort die Hochzeit ſtatt. Vorerſt for- mierte ſich der Hochzeitszug. Voran ſchritt der Bräutigam Erzherzog Karl Franz Joſef in Rittmeiſteruni- form, geführt vom Kaiſer und der Erzherzogin Maria Joſefa. Es folgte die Braut, zu ihrer Rech- ten Jaime von Bourbon, Herzog von Madrid, zu ihrer Linken die Mutter der Braut, Herzogin Maria An- tonia von Parma. Das nächſte Paar war König Friedrich Auguſt von Sachſen mit Erzherzog Franz Ferdinand, welchen die übrigen Hochzeits- gäſte folgten. Die Braut trug ein ſchweres Ducheſſekleid, deſſen lange Schleppe mit bourboniſchen Lilien, in ſchwe- rem Silber geſtickt, geſchmückt war. Am Kopfe trug die Braut ein Brillantendiadem, ein Geſchenk des Kaiſers, und darunter einen kleinen Myrtenkranz, von welchem der Brautſchleier herabfiel. Die Taille war mit alten Spitzen garniert, welche die Großmutter der Braut, die Königin Maria von Portugal, auf ihrem Brautkleide ge- tragen hatte. Der Zug bewegte ſich durch die Gänge des Schloſſes nach der auf der rechten Seite im Hintertrakt befindlichen Schloßkapelle, die mit rotem Damaſt ausge- ſchlagen iſt. Zu beiden Seiten des mit koſtbaren Spitzen bedeckten Altars waren ſeltene Blumen und Blattpflan- zen angebracht. Während das Brautpaar unter den Klän- gen der Orgel vor den Altar trat, nahmen die Hochzeits- gäſte in den bereitſtehenden Stühlen Platz. Die Trauungszeremonie nahm der päpſtliche Dele- gierte Majordomus Bisletti unter Aſſiſtenz des Zere- moniärs Monſignore Respighi vor. Als Miniſtran- ten walteten die beiden jüngſten Prinzen von Parma. Der Trauungsakt erfolgte in franzöſiſcher Sprache. Als Monſignore Bisletti die Kopulationsformel ſprach, er- widerte zunächſt der Bräutigam und hierauf die Braut mit „oui!“ Nachdem die Ringe gewechſelt waren, brachte die Frau des Hofkapellmeiſters Eder das Gounod’ſche „Ave Maria“ mit Orgel und Harfenbegleitung zum Vor- trage. Nach Beendigung der Meſſe hielt Bisletti in ita- lieniſcher Sprache eine längere Rede an das Brautpaar, worin er die Glück- und Segenswünſche des Papſtes für das Brautpaar zum Ausdruck brachte. Im Schloſſe fand hierauf die Beglückwünſchung ſtatt. Nach derſelben veranſtaltete die Schuljugend eine Hul- digung. Sodann wurde eine kinematographiſche Auf- nahme der Hochzeitsgeſellſchaft gemacht. Um 1 Uhr fand ein Dejeuner ſtatt. Eine Dankdepeſche an den Papſt. Schwarzau, 22. Oktober. Um 4 Uhr reiſten die Neu- vermählten in Automobils nach Wartholz bei Reichenau. Gleich nach Vollzug der Trauung ſandte der Erzherzog Karl Franz Joſef an den Papſt eine Dankdepeſche. Ein Attentat auf den Prinzen von Wales? KB. London, 2. Oktober. (Tel. der „Cz. Allg. Ztg.“) Nach Blättermeldungen wurde das Schlachtſchiff „Hinduſtan“, auf welchem der Prinz Wales als Midſchipman ſich be- findet, bei der Schießübung auf der Höhe von Portland von einer ungeladenen Granate eines Sechspfündners des Dreadnougts „Coloſſus“ getroffen. Die Granate fiel auf das Hinterdock, verletzte jedoch niemanden. Der Prinz befand ſich gerade unterdecks. Der „Hiduſtan“ ſchleppte die Schieß- ſcheibe in einem Abſtand von einer Viertel Meile. „Coloſſus“ feuerte auf eine Entfernung von 4000 Yards. Ein Schüterſtreik in Przemysl. Przemysl, 22. Oktober. Der Schüler der 7. a Klaſſe des hieſigen ruth. Gymnaſiums, R. legte ſeinem Profeſſor D. gegenüber ein derart keckes Benehmen an den Tag, daß er aus der Anſtalt ausgeſchloſſen werden mußte. Dies führte zum Streike ſeiner Kollegen, welcher die Auflöſung der Klaſſe und die Anordnung neuer Einſchreibungen ſeitens der Gymnaſialdirektion zur Folge hatte. Kein ein- ziger Schüler ſchrieb ſich wieder ein, weshalb der Landes- ſchulinſpektor Majchrowicz aus Lemberg hier eintraf, dem eine ſchwierige Aufgabe bevorſtand, indem er die Gymnaſial- direktion bei ihren Verfügungen illegal vorgegangen war, da ihr das Recht der Auflöſung einer Klaſſe nicht zu- ſteht. Nach einer Konferenz des Landesſchulinſpektors mit dem Profeſſorenkollegium der Anſtalt wurde obgenannte Verfügung der Gymnaſialdirektion zurückgezogen, worauf es gelang, die Schüler zum Wiederbeſuche des Unterrichtes zu bewegen. Da jedoch der ausgeſchloſſene Schüler R. vor- läufig nicht wieder aufgenommen wurde, droht der Wie- derausbruch des Streikes ſeiner Kollegen. Unfall der Gemahlin des galiziſchen Statthalters. Lemberg, 22. Oktober. Ein Wagen der hieſigen elek- triſchen Straßenbahn fuhr geſtern um halb 11 Uhr vor- mittags auf dem Haliczerplatze eine Equipage an, in wel- cher ſich die Gemahlin des galiziſchen Statthalters Doktor Bobrzynski befand, wobei die Deichſel und ein Rad des Wagens, ferner das Geſchirr eines Pferdes beſchädigt wurden. Die Gattin des Statthalters kam mit heiler Haut davon. Infolge dieſes Vorfalles entſtand ein großer Men- ſchenanlauf, welcher eine Hemmung des Tramwayver- kehres zur Folge hatte. Maul- und Klauenſeuche an der Grenze der Bukowina und Rumäniens. Dorna, 22. Oktober. Die in ganz Europa auftretende Maul- und Klauenſeuche macht ſich nun in den Grenz- orten zwiſchen Rumänien und der Bukowina bemerkbar. Der Viehſtand Dornas iſt ganz verſeucht. Nach Dorna hat ſich der rum. Veterinärinſpektor Dr. Alexandrescu begeben, um die notwendigen Maßregeln zur Bekämpfung der Seuche zu treffen. Ein Luſtmörder zum Tode verurteilt. Wien, 22. Oktober. Die Wiener Geſchworenen haben geſtern den aus Bayern ſtammenden Luſtmörder Voigt, der im vorigen Jahre eine Näherin in der Bin- derau im Prater ermordet und die Leiche verſtümmelt hat, trotz der widerſprechenden Gutachten der Sachverſtändi- gen und der Wiener mediziniſchen Fakultät zum Tode durch den Strang verurteilt. Nach Verkündi- gung des Urteils rief der Angeklagte den Geſchworenen zu: „Ich bin damit zufrieden, obwohl ich Ihnen geſtehen muß, daß Sie einen Irrſinnigen verurteilt haben.“ Der Prozeß war durch die außerordentlich intelligente Ver- teidigung Voigts von beſonderem Intereſſe. Unfall infolge der Exploſion eines Schrapnells. Lublin, 22. Oktober. Im Nachbardorfe Switniki fan- den zwei Bauern auf dem Felde ein blindgegangenes Schrappnell, welches noch von den letzten Artillerieſchieß- übungen herrührte. Sie nahmen dasſelbe nach Hauſe und verſuchten es zu öffnen. Während der Manipulation, die ſie zu dieſem Zwecke vornahmen, ging das Geſchoß los, wobei einer von den Bauern beide Füße, der andere eine Hand verlor und beide außerdem noch eine Gehirner- ſchütterung davontrugen. Die Exploſion hatte endlich auch die Zerſtörung der Hütte der beiden Bauern zur Folge. Letztere wurden in hoffnungsloſem Zuſtande ins hieſige Krankenhaus gebracht. Von der Elektriſchen überfahren. Lemberg, 22. Oktober. Geſtern abends überfuhr ein Wagen der hieſigen elektriſchen Straßenbahn in der Gro- dekerſtraße eine ungefähr 35jährige, ſcheinbar dem Ar- beiterſtande angehörige Frau unbekannten Namens, welche unvorſichtigerweiſe das Geleiſe in dem Momente betrat, als ſich die Elektriſche bereits in ihrer unmittel- baren Nähe befand. Der Wagenführer J. Cap ſetzte zwar ſofort beide Bremſen in Tätigkeit, nichtsdeſtoweni- ger bewegte ſich der bergab fahrende Wagen noch unge- fähr 2 Meter vorwärts und ſchnitten die Räder desſelben der Unglücklichen beide Füße ab, wobei letztere ſofort das Bewußtſein verlor. Die herbeigeholte Rettungsgeſellſchaft verband zwar die Verunglückte, dieſelbe hauchte jedoch auf dem Wege ins Spital infolge des allzu großen Blut- verluſtes ihr Leben aus. Ein beſtialiſcher Fiaker. Lemberg, 22. Oktober. Geſtern um 6 Uhr abends verließ eine Frau die hieſige Gebäranſtalt, in welcher ſie kurz vorher einem Kind das Leben gegeben hatte, mietete hierauf den Fiaker Nr. 211 St. Skorobecki und er- teilte ihm den Auftrag, ſie nach der in der Nähe der hie- ſigen Univerſität gelegenen Wohnung zu führen. Der ent- menſchte Kutſcher führte aber ſeinen Fahrgaſt hinter den Lyczakower Schranken in das unweit davon gelegene Wäldchen, wo er die Unglückliche vergewaltigte. Mit Mühe gelang es derſelben endlich, ſich den Händen des Wüterichs zu entwinden und auf die Lyczakower Straße zu fliehen, wo ſie mit einer anderen Droſchke nach Hauſe fuhr. Skorobecki wurde bereits verhaftet, ſein Opfer hin- gegen liegt jetzt in faſt hoffnungsloſem Zuſtande dar- nieder.

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Zitationshilfe: Czernowitzer Allgemeine Zeitung. Nr. 2329, Czernowitz, 24.10.1911, S. 3. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/nn_czernowitzer2329_1911/3>, abgerufen am 18.09.2021.