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Mährisches Tagblatt. Nr. 119, Olmütz, 24.05.1895.

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[Spaltenumbruch] ragende Erfolge errungen hat und
daher die Unterstützung aller Deut-
schen ohne irgend eine Ausnahme in
Anspruch nehmen darf.

Gegenüber dieser beredten Sprache, welche
unsere Werke führen, können wir unbekümmert
darüber hinausgehen, daß uns immer wieder die
einander widersprechenden und durch unser Ver-
halten genügend widerlegten Vorwürfe begegnen,
daß wir einerseits im Dienste einer bestimmten
politischen Partei stehen und andererseits ein
gutes Einvernehmen mit den außerhalb dieser
Partei stehenden Volksgenossen zu erhalten be-
strebt sind.

Nicht oft genug kann es gesagt werden, daß
wir für unser Wirken Einmüthigkeit und
Eintracht unter uns Deutschen brauchen,
und daß wir daher jeden politischen Hader aus
unseren, nationalen Liebeswerken geweihten Hallen
zurückweisen müssen.

Im Sinne dieser unserer Haltung und
in dem Bewußtsein, jahraus, jahrein eine
patriotische Aufgabe in unserem Vaterlande
zu erfüllen, haben wir auch an der den
Deutschen des ganzen Weltalls gemeinsamen
Feier des 80. Geburtstages des deutschen
Reiches Altkanzlers theilgenommen, und
bei diesem Anlasse an den, um die Hebung des
deutschen Nationalgefühles so hochverdienten Für-
sten Bismarck eine Glückwunschadresse gerichtet.

Die Möglichkeit unserer andauernden Thätig-
keit im großen Style verdanken wir der Uner-
müdlichkeit und Opferwilligkeit der
überwiegenden Mehrzahl unserer
Ortsgruppen,
denen aufrichtiger Dank und
Anerkennung gebührt. Denselben zollen wir aber
vor Allem den zahlreichen in unseren Reihen
wirkenden deutschen Frauen und Mädchen. Ihre
Begeisterung für unsere Sache erhält dem Deut-
schen Schulvereine seinen idealen Character und
ist uns eine unausgesetzte Mahnung, denselben als
eine Stätte zu wahren, welche von unseren deut-
schen Frauen und Mädchen allezeit würdig zu
befinden ist, durch die Weihe ihrer Mitarbeiter-
schaft geziert zu werden.

Ein erfreuliches Zeichen nachhaltiger Theil-
nahme an unseren Bestrebungen bilden die nam-
haften, uns in dem abgelaufenen Jahre ange-
fallenen Erbschaften und Legate, darunter die
letzwilligen Zuwendungen der Herren und Frauen:
Emanuel Zeidler in Teplitz, Werth-


papiere im Betrage von rund .20.000 fl.
Adelheid Stampfl in Prag ..3 000 "
Ferd. Hänel in Bielitz-Saybusch500 "
Dr Alfred Königsberg in Wien500 "
Hans Schreiner in Graz ...500 "
Franz Bergmann in Wien ...500 "
Josef Schiffner in Dauba ...400 "
Dr. Schönberg in Klagenfurt ..200 "

u. s. w.

Diesen bis in den Tod treuen Freunden
unserer Sache wollen wir ein weihevolles An-
denken bewahren und dieß durch Erheben von den
Sitzen bekunden. (Geschieht.)

An dieser Stelle sei auch erwähnt, daß die,
nothleidenden Volksschullehrern deutscher Natio-
nalität in Wien gewidmete Therese Rigoni'sche
Stiftung von ursprünglich 50.000 fl, in dem mit
der Erledigung dieser Angelegenheit verbundenen
langen Zeitraum auf die Summe von 63.000 fl
angewachsen ist und zuversichtlich im Laufe dieses
Jahres ihrer Bestimmung wird zugeführt werden
können.

Wie alljährlich haben wir auch für zahl-
reiche, unseren Zwecken, sei es mittelbar oder
unmittelbar zugekommene Widmungen außer-
halb Oesterreich
und namentlich aus dem
deutschen Reiche zu danken. Dieselben erreichten
auch im Jahre 1894 die Summe von 60.000 Mk.

Ebenso haben wir für zahlreiche Bücher-
spenden Privater und deutscher Buchhändler zu
danken, die uns in den Stand setzten, einer
größeren Anzahl von Schul- und Volksbibliotheken
die erwünschte Bereicherung aus dem Schatze
der deutschen Wissenschaft und Poesie zuzuführen.

Nicht minder dankbar sind wir jenem Theile
der Presse, der in echt deutscher Opfer-
willigkeit uns in der nachhaltigsten
und uneigennützigsten Weise
seine
werthvolle Unterstützung angedeihen ließ.

Mit besonderer Befriedigung haben wir der
immer gleichbleibenden, verdienstvol-
len und überzeugungstrcuen Thätig-
[Spaltenumbruch] keit unserer Lehrer, Kindergärtue-
rinen und Beamten
mit aufrichtigem Danke
zu gedenken.

Leider habe ich auch in diesem Jahre schmerz-
volle Verluste aus unseren Reihen zu erwähnen,
die wir durch das Ableben unseres Ausschußcol-
legen Dr. Heilsberg und des Mitgliedes des
Aufsichtsrathes Sr. Excellenz Graf Christian
Kinsky
erlitten haben. Beide haben ihre besten
Kräfte in verschiedenen öffentlichen Stellungen
für das Wohl des deutschen Volkes eingesetzt und
trotz ihrer ausgebreiteten Thätigkeit doch die
Zeit gefunden, auch an unseren Arbeiten theil-
zunehmen. Ihre Namen werden in den Annalen
des Deutschen Schulvereines stets ehrenvoll ver-
zeichnet sein, und wollen wir ihnen unsere, bis
über das Grab hinausreichende Werthschätzung
durch Erheben von den Sitzen bezeugen. (Geschieht.)

Aehnliche Nachrufe nehmen nun schon seit
Jahren einen ständigen Platz in meinem Berichte
ein und mahnen Manche unter uns mit immer
größerem Nachdrucke auf einen jüngeren Nachwuchs
ernstlich bedacht zu sein. Dies hoffen wir insbe-
sondere durch die Bildung von Gauverbän-
den
zu erreichen, für welche wir mit Ihrer
Zustimmung in der heurigen Jahres-
versammlung eine gesetzliche Grund-
lage zu schaffen bemüht sind.

Für die frei gewordenen Stellen schlagen
wir Ihnen vor:

Für die Ausschußstelle den durch seine bis-
herige öffentliche Thätigkeit bewährten Dr. Rudolf
Proksch,
Hof- und Gerichtsadvocaten in Wien,
für die Aufsichtsrathsstelle Dr. Alexander
Eger,
k. k. Hofrath und Director der Nord-
westbahn, der unserem Vereine in früheren Jah-
ren als Ausschußmitglied und seither als Mit-
glied des Schiedsgerichtes angehörte; endlich für
die Stelle im Schiedsgerichte den, sich der Sym-
pathien der gesammten Bevölkerung von Wien
erfreuenden Dr. Raimund Grübl, bis vor
kurzem Bürgermeister von Wien.

So gerüstet treten wir die uns in dem lau-
fenden Jahre obliegenden Arbeiten mit Zuversicht
und frohem Muthe an.

Hiebei dient es uns namentlich zur Auf-
munterung, daß Sie in Ihrer überwiegenden
Mehrheit seit dem Anbeginn unserer Thätigkeit
und noch im letzten Jahre in Olmütz mit dem
Curse, in welchem unser Vereinsschiff gesteuert
wird, vollkommen einverstauden sind.

Ohne Ihnen untreu zu werden, dürfen wir
daher auch nicht daran denken, jene Grundsätze,
von welchen wir uns mit Ihrer Zustimmung bis-
her in der Führung des Vereines leiten ließen,
zu verleugnen und dadurch eine Schwächung un-
serer gutgefügten Organisation herbeizuführen.

Zum Schlusse rufe ich Ihnen, aber auch den
heute noch außerhalb des Deutschen Schulverei-
nes stehenden Deutschen Oesterreichs, zu:

Lassen wir unsere Blicke nicht durch Streit
über untergeordnete Fragen von dem ablenken,
was dem veutschen Volke in Oesterreich
noth thut, vereinigen wir uns vielmehr im Dienste
unseres herrlichen Volkes zu gemeinsamer
Arbeit, auf daß immerdar feststehe und treu die
Wacht in der deutschen Ostmark.
(Stür-
mischer nicht endenwollender Beifall.)

Der Rechenschaftsbericht des Zahl-
meisters Dr. Maresch.

Hierauf erstattete der zweite Zahlmeister
Dr. Rudolf Maresch den Bericht über
die Geldgebahrung im Jahre 1894
und erörterte eingehend die Thätigkeit der
matice skolska.

Redner sagt, nachdem er die von uns bereits
veröffentlichte financielle Gebahrung des
Deutschen Schulvereins dargelegt hatte,
Folgendes:

Wir sind leider genöthigt auszusprechen, daß
die erhoffte dauernde Festigung unserer Finanzen
noch nicht erreicht ist, daß daher eine unentwegte
Thätigkeit unserer Mitglieder in der Herbeischaf-
fung von Mitteln nicht entbehrt werden kann,
soll die Erhaltung unserer Schöpfungen gesichert
sein und uns ein Ueberschuß zur Entfaltung neuer
Thätigkeit verbleiben.

Besondere Aufmerksamkeit wäre seitens unserer
Ortsgruppen insbesondere der Pflege der ordent-
lichen Einnahmen zu widmen, der Aufrechthaltung
des Mitgliederstandes, durch Ersatz natürlichen
Abfalles mittels Werbung neuer Mitglieder und
[Spaltenumbruch] der regelmäßigen Veranstaltung einträglicher Unter-
nehmungen.

Die Ihnen heute vorliegenden Anträge wegen
Bildung von Gauverbänden zeigen einen
Weg, auf dem auch eine Stärkung unserer Finan-
zen möglich wird.

Die mit der Gauverbands-Thätigkeit ver-
bundene eingehendere Erkundung der Verhältnisse
an den Sprachgrenzen und in den bedrängten
Gebieten, wird auf das nationale Pflichtgefühl,
das, ferne vom Schusse, einzuschlummern droht,
belebend wirken und angesichts der drohenden
Gefahr den Weckruf zur Abwehr so laut schallen
lassen, daß darob die Schläfer erwachen, und unter
Verzicht auf Sonderbestrebungen sich alle Stammes-
genossen wieder die Hand reichen, darin wenig-
stens einig: dem gemeinsamen Feinde auch ge-
meinsam gegenüberzutreten. (Großer Beifall.)

Aus dem Berichte des ersten Ob-
mann-Stellvertreters Dr. Victor v.
Kraus.

Der erste Obmann-Stellvertreter Dr. Victor
von Kraus berichtet Namens der Schulver-
waltung u. A. Folgendes:

Auch in diesem Jahre rechtfertigte der Gang
der öffentlichen Dinge und die wachsende Gleich-
giltigkeit in allen den nationalen Besitzstand be-
rührenden Fragen, beides nicht ohne Einfluß auf
den um mehr als 9000 fl. verminderten Cassa-
erfolg, die weitgehendste Zurückhaltung und die
Scheu der Schulverwaltung, durch neue belastende
Unternehmungen die Sorgen unseres Zahlmeisters
zu vergrößern. Dem Stillstand im Centrum un-
seres Vereinslebens stand jedoch erfreulicherweise
ein unverkennbarer Aufschwung in den Gebieten
der demnächst zu bildenden Gauverbände gegen-
über. -- Eine vergleichende Uebersicht der Lei-
stungen des abgelaufenen und des vorangehenden
Verwaltungsjahres ergibt Folgendes: Die Zahl
der Vereinsschulen ist von 29 mit 69 Classen
auf 28 mit 67 Classen gesunken. Doch stellt dies
keine Verschlechterung unseres Standes dar. Die
Zahl der Vereinskindergärten -- 44 mit 50 Ab-
theilungen -- ist im Vergleich mit dem Vorjahre
dieselbe geblieben. Während der Kindergarten zu
Privos in Mähren durch Uebernahme von
Seite der Gemeinde aus den Vereinskindergärten
ausschied, wurde zu Tremoschna bei Pilsen ein
Kindergarten errichtet. Hiemit erscheint eine in
der Thätigkeitsübersicht geschehene Auslassung ver-
bessert. Den 47 subventionirten Schulen des
Vorjahres stehen heuer 42, u. zw. fortlaufende
Subventionen 30, neu erfolgte Bewilligungen
12 gegenüber.

Dagegegen ist die Zahl der Schulsubven-
tionen von 24 im Vorjahre auf 11 in diesem
Jahre, sowie ferner die Zahl der im Vereins-
eigenthum befindlichen Schulbauten von 31 im
Vorjahre auf 30 in diesem Jahre gefallen,
während die Zahl der für Schulzwecke erwor-
benen Realitäten -- circa 20 -- die gleiche blieb.

Zweifellos ist unserer Gebahrung die auf
weiter gesteckte Ziele gerichtete und angesichts
der wachsenden nationalen Gefahr zu steigernde
Spannkraft abhanden gekommen. Sie durch
Satzungsänderungen und derlei kleine, von dem
Berichterstatter persönlich übrigens gerne zuge-
standene Mittel neuerlich erlangen zu wollen,
verräth von geringer Einsicht in den Zusammen-
hang der Dinge. Das Uebel steckt viel tiefer.
Es wurzelt in der anationalen deutschen Denk-
weise, die sich einmal in dem unverhüllten Haß
unserer Stammesgenossen gegen unsere nationale
Arbeit, das anderemal in der unausrottbaren
Gleichgiltigkeit der großen Massen in Dingen
der nationalen Ehre, das drittemal in der Ab-
sonderlichkeit jener Freunde äußert, die uns statt
durch Mittragen der Last und Darreichung ma-
terieller Opfer durch oft unzeitgemäße, vor dem
nationalen Gegner bloßstellende und recht billige
Rathschläge zu helfen glauben. Wie wenig um-
gekehrt bei dem Slaven innerhalb des nationalen
Empfindens Raum bleibt für die aus den zahl-
reichen politischen und wirthschaftlichen Strömun-
gen sich ergebenden Gegensätzlichkeiten, das hat
der Obmann der Narodni Jednota Severo-
ceska
zu Pfingsten 1894 in Laun mit folgenden
Worten dargelegt: "In der Vertheidigung (der
bedrohten Brüder) werden wir nicht nachlassen,
weil sie die Vertheidigung unserer Nationalität ist.
In unseren Ortsgruppen finden alle Parteien Platz,
weil die Vertheidigung unserer Nationalität Sache

[Spaltenumbruch] ragende Erfolge errungen hat und
daher die Unterſtützung aller Deut-
ſchen ohne irgend eine Ausnahme in
Anſpruch nehmen darf.

Gegenüber dieſer beredten Sprache, welche
unſere Werke führen, können wir unbekümmert
darüber hinausgehen, daß uns immer wieder die
einander widerſprechenden und durch unſer Ver-
halten genügend widerlegten Vorwürfe begegnen,
daß wir einerſeits im Dienſte einer beſtimmten
politiſchen Partei ſtehen und andererſeits ein
gutes Einvernehmen mit den außerhalb dieſer
Partei ſtehenden Volksgenoſſen zu erhalten be-
ſtrebt ſind.

Nicht oft genug kann es geſagt werden, daß
wir für unſer Wirken Einmüthigkeit und
Eintracht unter uns Deutſchen brauchen,
und daß wir daher jeden politiſchen Hader aus
unſeren, nationalen Liebeswerken geweihten Hallen
zurückweiſen müſſen.

Im Sinne dieſer unſerer Haltung und
in dem Bewußtſein, jahraus, jahrein eine
patriotiſche Aufgabe in unſerem Vaterlande
zu erfüllen, haben wir auch an der den
Deutſchen des ganzen Weltalls gemeinſamen
Feier des 80. Geburtstages des deutſchen
Reiches Altkanzlers theilgenommen, und
bei dieſem Anlaſſe an den, um die Hebung des
deutſchen Nationalgefühles ſo hochverdienten Für-
ſten Bismarck eine Glückwunſchadreſſe gerichtet.

Die Möglichkeit unſerer andauernden Thätig-
keit im großen Style verdanken wir der Uner-
müdlichkeit und Opferwilligkeit der
überwiegenden Mehrzahl unſerer
Ortsgruppen,
denen aufrichtiger Dank und
Anerkennung gebührt. Denſelben zollen wir aber
vor Allem den zahlreichen in unſeren Reihen
wirkenden deutſchen Frauen und Mädchen. Ihre
Begeiſterung für unſere Sache erhält dem Deut-
ſchen Schulvereine ſeinen idealen Character und
iſt uns eine unausgeſetzte Mahnung, denſelben als
eine Stätte zu wahren, welche von unſeren deut-
ſchen Frauen und Mädchen allezeit würdig zu
befinden iſt, durch die Weihe ihrer Mitarbeiter-
ſchaft geziert zu werden.

Ein erfreuliches Zeichen nachhaltiger Theil-
nahme an unſeren Beſtrebungen bilden die nam-
haften, uns in dem abgelaufenen Jahre ange-
fallenen Erbſchaften und Legate, darunter die
letzwilligen Zuwendungen der Herren und Frauen:
Emanuel Zeidler in Teplitz, Werth-


papiere im Betrage von rund .20.000 fl.
Adelheid Stampfl in Prag ..3 000 „
Ferd. Hänel in Bielitz-Saybuſch500 „
Dr Alfred Königsberg in Wien500 „
Hans Schreiner in Graz ...500 „
Franz Bergmann in Wien ...500 „
Joſef Schiffner in Dauba ...400 „
Dr. Schönberg in Klagenfurt ..200 „

u. ſ. w.

Dieſen bis in den Tod treuen Freunden
unſerer Sache wollen wir ein weihevolles An-
denken bewahren und dieß durch Erheben von den
Sitzen bekunden. (Geſchieht.)

An dieſer Stelle ſei auch erwähnt, daß die,
nothleidenden Volksſchullehrern deutſcher Natio-
nalität in Wien gewidmete Thereſe Rigoni’ſche
Stiftung von urſprünglich 50.000 fl, in dem mit
der Erledigung dieſer Angelegenheit verbundenen
langen Zeitraum auf die Summe von 63.000 fl
angewachſen iſt und zuverſichtlich im Laufe dieſes
Jahres ihrer Beſtimmung wird zugeführt werden
können.

Wie alljährlich haben wir auch für zahl-
reiche, unſeren Zwecken, ſei es mittelbar oder
unmittelbar zugekommene Widmungen außer-
halb Oeſterreich
und namentlich aus dem
deutſchen Reiche zu danken. Dieſelben erreichten
auch im Jahre 1894 die Summe von 60.000 Mk.

Ebenſo haben wir für zahlreiche Bücher-
ſpenden Privater und deutſcher Buchhändler zu
danken, die uns in den Stand ſetzten, einer
größeren Anzahl von Schul- und Volksbibliotheken
die erwünſchte Bereicherung aus dem Schatze
der deutſchen Wiſſenſchaft und Poeſie zuzuführen.

Nicht minder dankbar ſind wir jenem Theile
der Preſſe, der in echt deutſcher Opfer-
willigkeit uns in der nachhaltigſten
und uneigennützigſten Weiſe
ſeine
werthvolle Unterſtützung angedeihen ließ.

Mit beſonderer Befriedigung haben wir der
immer gleichbleibenden, verdienſtvol-
len und überzeugungstrcuen Thätig-
[Spaltenumbruch] keit unſerer Lehrer, Kindergärtue-
rinen und Beamten
mit aufrichtigem Danke
zu gedenken.

Leider habe ich auch in dieſem Jahre ſchmerz-
volle Verluſte aus unſeren Reihen zu erwähnen,
die wir durch das Ableben unſeres Ausſchußcol-
legen Dr. Heilsberg und des Mitgliedes des
Aufſichtsrathes Sr. Excellenz Graf Chriſtian
Kinsky
erlitten haben. Beide haben ihre beſten
Kräfte in verſchiedenen öffentlichen Stellungen
für das Wohl des deutſchen Volkes eingeſetzt und
trotz ihrer ausgebreiteten Thätigkeit doch die
Zeit gefunden, auch an unſeren Arbeiten theil-
zunehmen. Ihre Namen werden in den Annalen
des Deutſchen Schulvereines ſtets ehrenvoll ver-
zeichnet ſein, und wollen wir ihnen unſere, bis
über das Grab hinausreichende Werthſchätzung
durch Erheben von den Sitzen bezeugen. (Geſchieht.)

Aehnliche Nachrufe nehmen nun ſchon ſeit
Jahren einen ſtändigen Platz in meinem Berichte
ein und mahnen Manche unter uns mit immer
größerem Nachdrucke auf einen jüngeren Nachwuchs
ernſtlich bedacht zu ſein. Dies hoffen wir insbe-
ſondere durch die Bildung von Gauverbän-
den
zu erreichen, für welche wir mit Ihrer
Zuſtimmung in der heurigen Jahres-
verſammlung eine geſetzliche Grund-
lage zu ſchaffen bemüht ſind.

Für die frei gewordenen Stellen ſchlagen
wir Ihnen vor:

Für die Ausſchußſtelle den durch ſeine bis-
herige öffentliche Thätigkeit bewährten Dr. Rudolf
Prokſch,
Hof- und Gerichtsadvocaten in Wien,
für die Aufſichtsrathsſtelle Dr. Alexander
Eger,
k. k. Hofrath und Director der Nord-
weſtbahn, der unſerem Vereine in früheren Jah-
ren als Ausſchußmitglied und ſeither als Mit-
glied des Schiedsgerichtes angehörte; endlich für
die Stelle im Schiedsgerichte den, ſich der Sym-
pathien der geſammten Bevölkerung von Wien
erfreuenden Dr. Raimund Grübl, bis vor
kurzem Bürgermeiſter von Wien.

So gerüſtet treten wir die uns in dem lau-
fenden Jahre obliegenden Arbeiten mit Zuverſicht
und frohem Muthe an.

Hiebei dient es uns namentlich zur Auf-
munterung, daß Sie in Ihrer überwiegenden
Mehrheit ſeit dem Anbeginn unſerer Thätigkeit
und noch im letzten Jahre in Olmütz mit dem
Curſe, in welchem unſer Vereinsſchiff geſteuert
wird, vollkommen einverſtauden ſind.

Ohne Ihnen untreu zu werden, dürfen wir
daher auch nicht daran denken, jene Grundſätze,
von welchen wir uns mit Ihrer Zuſtimmung bis-
her in der Führung des Vereines leiten ließen,
zu verleugnen und dadurch eine Schwächung un-
ſerer gutgefügten Organiſation herbeizuführen.

Zum Schluſſe rufe ich Ihnen, aber auch den
heute noch außerhalb des Deutſchen Schulverei-
nes ſtehenden Deutſchen Oeſterreichs, zu:

Laſſen wir unſere Blicke nicht durch Streit
über untergeordnete Fragen von dem ablenken,
was dem veutſchen Volke in Oeſterreich
noth thut, vereinigen wir uns vielmehr im Dienſte
unſeres herrlichen Volkes zu gemeinſamer
Arbeit, auf daß immerdar feſtſtehe und treu die
Wacht in der deutſchen Oſtmark.
(Stür-
miſcher nicht endenwollender Beifall.)

Der Rechenſchaftsbericht des Zahl-
meiſters Dr. Mareſch.

Hierauf erſtattete der zweite Zahlmeiſter
Dr. Rudolf Mareſch den Bericht über
die Geldgebahrung im Jahre 1894
und erörterte eingehend die Thätigkeit der
matice školska.

Redner ſagt, nachdem er die von uns bereits
veröffentlichte financielle Gebahrung des
Deutſchen Schulvereins dargelegt hatte,
Folgendes:

Wir ſind leider genöthigt auszuſprechen, daß
die erhoffte dauernde Feſtigung unſerer Finanzen
noch nicht erreicht iſt, daß daher eine unentwegte
Thätigkeit unſerer Mitglieder in der Herbeiſchaf-
fung von Mitteln nicht entbehrt werden kann,
ſoll die Erhaltung unſerer Schöpfungen geſichert
ſein und uns ein Ueberſchuß zur Entfaltung neuer
Thätigkeit verbleiben.

Beſondere Aufmerkſamkeit wäre ſeitens unſerer
Ortsgruppen insbeſondere der Pflege der ordent-
lichen Einnahmen zu widmen, der Aufrechthaltung
des Mitgliederſtandes, durch Erſatz natürlichen
Abfalles mittels Werbung neuer Mitglieder und
[Spaltenumbruch] der regelmäßigen Veranſtaltung einträglicher Unter-
nehmungen.

Die Ihnen heute vorliegenden Anträge wegen
Bildung von Gauverbänden zeigen einen
Weg, auf dem auch eine Stärkung unſerer Finan-
zen möglich wird.

Die mit der Gauverbands-Thätigkeit ver-
bundene eingehendere Erkundung der Verhältniſſe
an den Sprachgrenzen und in den bedrängten
Gebieten, wird auf das nationale Pflichtgefühl,
das, ferne vom Schuſſe, einzuſchlummern droht,
belebend wirken und angeſichts der drohenden
Gefahr den Weckruf zur Abwehr ſo laut ſchallen
laſſen, daß darob die Schläfer erwachen, und unter
Verzicht auf Sonderbeſtrebungen ſich alle Stammes-
genoſſen wieder die Hand reichen, darin wenig-
ſtens einig: dem gemeinſamen Feinde auch ge-
meinſam gegenüberzutreten. (Großer Beifall.)

Aus dem Berichte des erſten Ob-
mann-Stellvertreters Dr. Victor v.
Kraus.

Der erſte Obmann-Stellvertreter Dr. Victor
von Kraus berichtet Namens der Schulver-
waltung u. A. Folgendes:

Auch in dieſem Jahre rechtfertigte der Gang
der öffentlichen Dinge und die wachſende Gleich-
giltigkeit in allen den nationalen Beſitzſtand be-
rührenden Fragen, beides nicht ohne Einfluß auf
den um mehr als 9000 fl. verminderten Caſſa-
erfolg, die weitgehendſte Zurückhaltung und die
Scheu der Schulverwaltung, durch neue belaſtende
Unternehmungen die Sorgen unſeres Zahlmeiſters
zu vergrößern. Dem Stillſtand im Centrum un-
ſeres Vereinslebens ſtand jedoch erfreulicherweiſe
ein unverkennbarer Aufſchwung in den Gebieten
der demnächſt zu bildenden Gauverbände gegen-
über. — Eine vergleichende Ueberſicht der Lei-
ſtungen des abgelaufenen und des vorangehenden
Verwaltungsjahres ergibt Folgendes: Die Zahl
der Vereinsſchulen iſt von 29 mit 69 Claſſen
auf 28 mit 67 Claſſen geſunken. Doch ſtellt dies
keine Verſchlechterung unſeres Standes dar. Die
Zahl der Vereinskindergärten — 44 mit 50 Ab-
theilungen — iſt im Vergleich mit dem Vorjahre
dieſelbe geblieben. Während der Kindergarten zu
Přivos in Mähren durch Uebernahme von
Seite der Gemeinde aus den Vereinskindergärten
ausſchied, wurde zu Třemoſchna bei Pilſen ein
Kindergarten errichtet. Hiemit erſcheint eine in
der Thätigkeitsüberſicht geſchehene Auslaſſung ver-
beſſert. Den 47 ſubventionirten Schulen des
Vorjahres ſtehen heuer 42, u. zw. fortlaufende
Subventionen 30, neu erfolgte Bewilligungen
12 gegenüber.

Dagegegen iſt die Zahl der Schulſubven-
tionen von 24 im Vorjahre auf 11 in dieſem
Jahre, ſowie ferner die Zahl der im Vereins-
eigenthum befindlichen Schulbauten von 31 im
Vorjahre auf 30 in dieſem Jahre gefallen,
während die Zahl der für Schulzwecke erwor-
benen Realitäten — circa 20 — die gleiche blieb.

Zweifellos iſt unſerer Gebahrung die auf
weiter geſteckte Ziele gerichtete und angeſichts
der wachſenden nationalen Gefahr zu ſteigernde
Spannkraft abhanden gekommen. Sie durch
Satzungsänderungen und derlei kleine, von dem
Berichterſtatter perſönlich übrigens gerne zuge-
ſtandene Mittel neuerlich erlangen zu wollen,
verräth von geringer Einſicht in den Zuſammen-
hang der Dinge. Das Uebel ſteckt viel tiefer.
Es wurzelt in der anationalen deutſchen Denk-
weiſe, die ſich einmal in dem unverhüllten Haß
unſerer Stammesgenoſſen gegen unſere nationale
Arbeit, das anderemal in der unausrottbaren
Gleichgiltigkeit der großen Maſſen in Dingen
der nationalen Ehre, das drittemal in der Ab-
ſonderlichkeit jener Freunde äußert, die uns ſtatt
durch Mittragen der Laſt und Darreichung ma-
terieller Opfer durch oft unzeitgemäße, vor dem
nationalen Gegner bloßſtellende und recht billige
Rathſchläge zu helfen glauben. Wie wenig um-
gekehrt bei dem Slaven innerhalb des nationalen
Empfindens Raum bleibt für die aus den zahl-
reichen politiſchen und wirthſchaftlichen Strömun-
gen ſich ergebenden Gegenſätzlichkeiten, das hat
der Obmann der Národni Jednota Severo-
česka
zu Pfingſten 1894 in Laun mit folgenden
Worten dargelegt: „In der Vertheidigung (der
bedrohten Brüder) werden wir nicht nachlaſſen,
weil ſie die Vertheidigung unſerer Nationalität iſt.
In unſeren Ortsgruppen finden alle Parteien Platz,
weil die Vertheidigung unſerer Nationalität Sache

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[[2]/0002] ragende Erfolge errungen hat und daher die Unterſtützung aller Deut- ſchen ohne irgend eine Ausnahme in Anſpruch nehmen darf. Gegenüber dieſer beredten Sprache, welche unſere Werke führen, können wir unbekümmert darüber hinausgehen, daß uns immer wieder die einander widerſprechenden und durch unſer Ver- halten genügend widerlegten Vorwürfe begegnen, daß wir einerſeits im Dienſte einer beſtimmten politiſchen Partei ſtehen und andererſeits ein gutes Einvernehmen mit den außerhalb dieſer Partei ſtehenden Volksgenoſſen zu erhalten be- ſtrebt ſind. Nicht oft genug kann es geſagt werden, daß wir für unſer Wirken Einmüthigkeit und Eintracht unter uns Deutſchen brauchen, und daß wir daher jeden politiſchen Hader aus unſeren, nationalen Liebeswerken geweihten Hallen zurückweiſen müſſen. Im Sinne dieſer unſerer Haltung und in dem Bewußtſein, jahraus, jahrein eine patriotiſche Aufgabe in unſerem Vaterlande zu erfüllen, haben wir auch an der den Deutſchen des ganzen Weltalls gemeinſamen Feier des 80. Geburtstages des deutſchen Reiches Altkanzlers theilgenommen, und bei dieſem Anlaſſe an den, um die Hebung des deutſchen Nationalgefühles ſo hochverdienten Für- ſten Bismarck eine Glückwunſchadreſſe gerichtet. Die Möglichkeit unſerer andauernden Thätig- keit im großen Style verdanken wir der Uner- müdlichkeit und Opferwilligkeit der überwiegenden Mehrzahl unſerer Ortsgruppen, denen aufrichtiger Dank und Anerkennung gebührt. Denſelben zollen wir aber vor Allem den zahlreichen in unſeren Reihen wirkenden deutſchen Frauen und Mädchen. Ihre Begeiſterung für unſere Sache erhält dem Deut- ſchen Schulvereine ſeinen idealen Character und iſt uns eine unausgeſetzte Mahnung, denſelben als eine Stätte zu wahren, welche von unſeren deut- ſchen Frauen und Mädchen allezeit würdig zu befinden iſt, durch die Weihe ihrer Mitarbeiter- ſchaft geziert zu werden. Ein erfreuliches Zeichen nachhaltiger Theil- nahme an unſeren Beſtrebungen bilden die nam- haften, uns in dem abgelaufenen Jahre ange- fallenen Erbſchaften und Legate, darunter die letzwilligen Zuwendungen der Herren und Frauen: Emanuel Zeidler in Teplitz, Werth- papiere im Betrage von rund . 20.000 fl. Adelheid Stampfl in Prag .. 3 000 „ Ferd. Hänel in Bielitz-Saybuſch 500 „ Dr Alfred Königsberg in Wien 500 „ Hans Schreiner in Graz ... 500 „ Franz Bergmann in Wien ... 500 „ Joſef Schiffner in Dauba ... 400 „ Dr. Schönberg in Klagenfurt .. 200 „ u. ſ. w. Dieſen bis in den Tod treuen Freunden unſerer Sache wollen wir ein weihevolles An- denken bewahren und dieß durch Erheben von den Sitzen bekunden. (Geſchieht.) An dieſer Stelle ſei auch erwähnt, daß die, nothleidenden Volksſchullehrern deutſcher Natio- nalität in Wien gewidmete Thereſe Rigoni’ſche Stiftung von urſprünglich 50.000 fl, in dem mit der Erledigung dieſer Angelegenheit verbundenen langen Zeitraum auf die Summe von 63.000 fl angewachſen iſt und zuverſichtlich im Laufe dieſes Jahres ihrer Beſtimmung wird zugeführt werden können. Wie alljährlich haben wir auch für zahl- reiche, unſeren Zwecken, ſei es mittelbar oder unmittelbar zugekommene Widmungen außer- halb Oeſterreich und namentlich aus dem deutſchen Reiche zu danken. Dieſelben erreichten auch im Jahre 1894 die Summe von 60.000 Mk. Ebenſo haben wir für zahlreiche Bücher- ſpenden Privater und deutſcher Buchhändler zu danken, die uns in den Stand ſetzten, einer größeren Anzahl von Schul- und Volksbibliotheken die erwünſchte Bereicherung aus dem Schatze der deutſchen Wiſſenſchaft und Poeſie zuzuführen. Nicht minder dankbar ſind wir jenem Theile der Preſſe, der in echt deutſcher Opfer- willigkeit uns in der nachhaltigſten und uneigennützigſten Weiſe ſeine werthvolle Unterſtützung angedeihen ließ. Mit beſonderer Befriedigung haben wir der immer gleichbleibenden, verdienſtvol- len und überzeugungstrcuen Thätig- keit unſerer Lehrer, Kindergärtue- rinen und Beamten mit aufrichtigem Danke zu gedenken. Leider habe ich auch in dieſem Jahre ſchmerz- volle Verluſte aus unſeren Reihen zu erwähnen, die wir durch das Ableben unſeres Ausſchußcol- legen Dr. Heilsberg und des Mitgliedes des Aufſichtsrathes Sr. Excellenz Graf Chriſtian Kinsky erlitten haben. Beide haben ihre beſten Kräfte in verſchiedenen öffentlichen Stellungen für das Wohl des deutſchen Volkes eingeſetzt und trotz ihrer ausgebreiteten Thätigkeit doch die Zeit gefunden, auch an unſeren Arbeiten theil- zunehmen. Ihre Namen werden in den Annalen des Deutſchen Schulvereines ſtets ehrenvoll ver- zeichnet ſein, und wollen wir ihnen unſere, bis über das Grab hinausreichende Werthſchätzung durch Erheben von den Sitzen bezeugen. (Geſchieht.) Aehnliche Nachrufe nehmen nun ſchon ſeit Jahren einen ſtändigen Platz in meinem Berichte ein und mahnen Manche unter uns mit immer größerem Nachdrucke auf einen jüngeren Nachwuchs ernſtlich bedacht zu ſein. Dies hoffen wir insbe- ſondere durch die Bildung von Gauverbän- den zu erreichen, für welche wir mit Ihrer Zuſtimmung in der heurigen Jahres- verſammlung eine geſetzliche Grund- lage zu ſchaffen bemüht ſind. Für die frei gewordenen Stellen ſchlagen wir Ihnen vor: Für die Ausſchußſtelle den durch ſeine bis- herige öffentliche Thätigkeit bewährten Dr. Rudolf Prokſch, Hof- und Gerichtsadvocaten in Wien, für die Aufſichtsrathsſtelle Dr. Alexander Eger, k. k. Hofrath und Director der Nord- weſtbahn, der unſerem Vereine in früheren Jah- ren als Ausſchußmitglied und ſeither als Mit- glied des Schiedsgerichtes angehörte; endlich für die Stelle im Schiedsgerichte den, ſich der Sym- pathien der geſammten Bevölkerung von Wien erfreuenden Dr. Raimund Grübl, bis vor kurzem Bürgermeiſter von Wien. So gerüſtet treten wir die uns in dem lau- fenden Jahre obliegenden Arbeiten mit Zuverſicht und frohem Muthe an. Hiebei dient es uns namentlich zur Auf- munterung, daß Sie in Ihrer überwiegenden Mehrheit ſeit dem Anbeginn unſerer Thätigkeit und noch im letzten Jahre in Olmütz mit dem Curſe, in welchem unſer Vereinsſchiff geſteuert wird, vollkommen einverſtauden ſind. Ohne Ihnen untreu zu werden, dürfen wir daher auch nicht daran denken, jene Grundſätze, von welchen wir uns mit Ihrer Zuſtimmung bis- her in der Führung des Vereines leiten ließen, zu verleugnen und dadurch eine Schwächung un- ſerer gutgefügten Organiſation herbeizuführen. Zum Schluſſe rufe ich Ihnen, aber auch den heute noch außerhalb des Deutſchen Schulverei- nes ſtehenden Deutſchen Oeſterreichs, zu: Laſſen wir unſere Blicke nicht durch Streit über untergeordnete Fragen von dem ablenken, was dem veutſchen Volke in Oeſterreich noth thut, vereinigen wir uns vielmehr im Dienſte unſeres herrlichen Volkes zu gemeinſamer Arbeit, auf daß immerdar feſtſtehe und treu die Wacht in der deutſchen Oſtmark. (Stür- miſcher nicht endenwollender Beifall.) Der Rechenſchaftsbericht des Zahl- meiſters Dr. Mareſch. Hierauf erſtattete der zweite Zahlmeiſter Dr. Rudolf Mareſch den Bericht über die Geldgebahrung im Jahre 1894 und erörterte eingehend die Thätigkeit der matice školska. Redner ſagt, nachdem er die von uns bereits veröffentlichte financielle Gebahrung des Deutſchen Schulvereins dargelegt hatte, Folgendes: Wir ſind leider genöthigt auszuſprechen, daß die erhoffte dauernde Feſtigung unſerer Finanzen noch nicht erreicht iſt, daß daher eine unentwegte Thätigkeit unſerer Mitglieder in der Herbeiſchaf- fung von Mitteln nicht entbehrt werden kann, ſoll die Erhaltung unſerer Schöpfungen geſichert ſein und uns ein Ueberſchuß zur Entfaltung neuer Thätigkeit verbleiben. Beſondere Aufmerkſamkeit wäre ſeitens unſerer Ortsgruppen insbeſondere der Pflege der ordent- lichen Einnahmen zu widmen, der Aufrechthaltung des Mitgliederſtandes, durch Erſatz natürlichen Abfalles mittels Werbung neuer Mitglieder und der regelmäßigen Veranſtaltung einträglicher Unter- nehmungen. Die Ihnen heute vorliegenden Anträge wegen Bildung von Gauverbänden zeigen einen Weg, auf dem auch eine Stärkung unſerer Finan- zen möglich wird. Die mit der Gauverbands-Thätigkeit ver- bundene eingehendere Erkundung der Verhältniſſe an den Sprachgrenzen und in den bedrängten Gebieten, wird auf das nationale Pflichtgefühl, das, ferne vom Schuſſe, einzuſchlummern droht, belebend wirken und angeſichts der drohenden Gefahr den Weckruf zur Abwehr ſo laut ſchallen laſſen, daß darob die Schläfer erwachen, und unter Verzicht auf Sonderbeſtrebungen ſich alle Stammes- genoſſen wieder die Hand reichen, darin wenig- ſtens einig: dem gemeinſamen Feinde auch ge- meinſam gegenüberzutreten. (Großer Beifall.) Aus dem Berichte des erſten Ob- mann-Stellvertreters Dr. Victor v. Kraus. Der erſte Obmann-Stellvertreter Dr. Victor von Kraus berichtet Namens der Schulver- waltung u. A. Folgendes: Auch in dieſem Jahre rechtfertigte der Gang der öffentlichen Dinge und die wachſende Gleich- giltigkeit in allen den nationalen Beſitzſtand be- rührenden Fragen, beides nicht ohne Einfluß auf den um mehr als 9000 fl. verminderten Caſſa- erfolg, die weitgehendſte Zurückhaltung und die Scheu der Schulverwaltung, durch neue belaſtende Unternehmungen die Sorgen unſeres Zahlmeiſters zu vergrößern. Dem Stillſtand im Centrum un- ſeres Vereinslebens ſtand jedoch erfreulicherweiſe ein unverkennbarer Aufſchwung in den Gebieten der demnächſt zu bildenden Gauverbände gegen- über. — Eine vergleichende Ueberſicht der Lei- ſtungen des abgelaufenen und des vorangehenden Verwaltungsjahres ergibt Folgendes: Die Zahl der Vereinsſchulen iſt von 29 mit 69 Claſſen auf 28 mit 67 Claſſen geſunken. Doch ſtellt dies keine Verſchlechterung unſeres Standes dar. Die Zahl der Vereinskindergärten — 44 mit 50 Ab- theilungen — iſt im Vergleich mit dem Vorjahre dieſelbe geblieben. Während der Kindergarten zu Přivos in Mähren durch Uebernahme von Seite der Gemeinde aus den Vereinskindergärten ausſchied, wurde zu Třemoſchna bei Pilſen ein Kindergarten errichtet. Hiemit erſcheint eine in der Thätigkeitsüberſicht geſchehene Auslaſſung ver- beſſert. Den 47 ſubventionirten Schulen des Vorjahres ſtehen heuer 42, u. zw. fortlaufende Subventionen 30, neu erfolgte Bewilligungen 12 gegenüber. Dagegegen iſt die Zahl der Schulſubven- tionen von 24 im Vorjahre auf 11 in dieſem Jahre, ſowie ferner die Zahl der im Vereins- eigenthum befindlichen Schulbauten von 31 im Vorjahre auf 30 in dieſem Jahre gefallen, während die Zahl der für Schulzwecke erwor- benen Realitäten — circa 20 — die gleiche blieb. Zweifellos iſt unſerer Gebahrung die auf weiter geſteckte Ziele gerichtete und angeſichts der wachſenden nationalen Gefahr zu ſteigernde Spannkraft abhanden gekommen. Sie durch Satzungsänderungen und derlei kleine, von dem Berichterſtatter perſönlich übrigens gerne zuge- ſtandene Mittel neuerlich erlangen zu wollen, verräth von geringer Einſicht in den Zuſammen- hang der Dinge. Das Uebel ſteckt viel tiefer. Es wurzelt in der anationalen deutſchen Denk- weiſe, die ſich einmal in dem unverhüllten Haß unſerer Stammesgenoſſen gegen unſere nationale Arbeit, das anderemal in der unausrottbaren Gleichgiltigkeit der großen Maſſen in Dingen der nationalen Ehre, das drittemal in der Ab- ſonderlichkeit jener Freunde äußert, die uns ſtatt durch Mittragen der Laſt und Darreichung ma- terieller Opfer durch oft unzeitgemäße, vor dem nationalen Gegner bloßſtellende und recht billige Rathſchläge zu helfen glauben. Wie wenig um- gekehrt bei dem Slaven innerhalb des nationalen Empfindens Raum bleibt für die aus den zahl- reichen politiſchen und wirthſchaftlichen Strömun- gen ſich ergebenden Gegenſätzlichkeiten, das hat der Obmann der Národni Jednota Severo- česka zu Pfingſten 1894 in Laun mit folgenden Worten dargelegt: „In der Vertheidigung (der bedrohten Brüder) werden wir nicht nachlaſſen, weil ſie die Vertheidigung unſerer Nationalität iſt. In unſeren Ortsgruppen finden alle Parteien Platz, weil die Vertheidigung unſerer Nationalität Sache

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Zitationshilfe: Mährisches Tagblatt. Nr. 119, Olmütz, 24.05.1895, S. [2]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/nn_maehrisches119_1895/2>, abgerufen am 18.04.2024.