erwähnt, seit Herschel bereits 3000 am Himmel entdeckt sind.
Die unsere Begriffe fast übersteigende Entfernung dieser unendlich weit entlegenen Weltkörper, sind wir dennoch zu berechnen im Stande, seit- dem wir gelernt haben die Geschwindigkeit des Lichtes zu messen. Nicht unser Erdkörper bietet aber den Maasstab dazu dar; am Himmel selbst muß die Messung vorgenommen werden. Olof Römer, ein Däne, fand in der Ver- finsterung der Jupiters Trabanten, das Mittel dieses wichtige Problem zu lö- sen. Er hatte in den Jahren 1670/75 mit dem älteren Cassini auf der Sternwar- te viele Verfinsterungen der Jupiters Monde beobachtet, und gefunden, daß der erste Mond nicht immer zur berechneten Zeit aus dem Schatten trat, und daß der Austritt desselben sich immer mehr verspätete, je weiter sich die Erde vom Jupiter entfernte: wogegen der Eintritt früher erfolgte, jemehr sie sich demselben näherte, so daß der größte Unterschied 14 Minuten betrug. Römer schloß, daß diese Ungleichheit von dem Abstande der Erde und des Jupiters von einander abhange, und eine Folge der verschiedenen Zeit sey, welche das Licht brauche, um bei ungleicher Entfernung die Erde zu erreichen. - Genauere Berechnungen haben später gezeigt, daß das Licht in einer Sekunde 40,000 Meilen zurücklegt; es gelangt daher von der Sonne bis zu uns, in 8 Minuten 13 Sekunden. Dagegen braucht es vom Syrius 31 Jahr, und vom entferntesten Nebelfleck mindestens 24,000 Jahr. Dies giebt eine Entfernung von 33,000 Billionen Meilen. Es folgt daraus, daß das Weltgebäude ein Alter von wenigstens 24,000 Jahr hat, weil das Licht was wir heute sehen, schon vor so langer Zeit von dort ausgeflossen ist. Schwindel erregend! gleich der Betrachtung, daß die zerstörendsten Revolu-
tionen
erwähnt, seit Herschel bereits 3000 am Himmel entdeckt sind.
Die unsere Begriffe fast übersteigende Entfernung dieser unendlich weit entlegenen Weltkörper, sind wir dennoch zu berechnen im Stande, seit- dem wir gelernt haben die Geschwindigkeit des Lichtes zu messen. Nicht unser Erdkörper bietet aber den Maasstab dazu dar; am Himmel selbst muß die Messung vorgenommen werden. Olof Römer, ein Däne, fand in der Ver- finsterung der Jupiters Trabanten, das Mittel dieses wichtige Problem zu lö- sen. Er hatte in den Jahren 1670/75 mit dem älteren Cassini auf der Sternwar- te viele Verfinsterungen der Jupiters Monde beobachtet, und gefunden, daß der erste Mond nicht immer zur berechneten Zeit aus dem Schatten trat, und daß der Austritt desselben sich immer mehr verspätete, je weiter sich die Erde vom Jupiter entfernte: wogegen der Eintritt früher erfolgte, jemehr sie sich demselben näherte, so daß der größte Unterschied 14 Minuten betrug. Römer schloß, daß diese Ungleichheit von dem Abstande der Erde und des Jupiters von einander abhange, und eine Folge der verschiedenen Zeit sey, welche das Licht brauche, um bei ungleicher Entfernung die Erde zu erreichen. – Genauere Berechnungen haben später gezeigt, daß das Licht in einer Sekunde 40,000 Meilen zurücklegt; es gelangt daher von der Sonne bis zu uns, in 8 Minuten 13 Sekunden. Dagegen braucht es vom Syrius 31 Jahr, und vom entferntesten Nebelfleck mindestens 24,000 Jahr. Dies giebt eine Entfernung von 33,000 Billionen Meilen. Es folgt daraus, daß das Weltgebäude ein Alter von wenigstens 24,000 Jahr hat, weil das Licht was wir heute sehen, schon vor so langer Zeit von dort ausgeflossen ist. Schwindel erregend! gleich der Betrachtung, daß die zerstörendsten Revolu-
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erwähnt, seit Herschel bereits 3000 am Himmel entdeckt sind.
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weit entlegenen Weltkörper, sind wir dennoch zu berechnen im Stande, seit-
dem wir gelernt haben die Geschwindigkeit des Lichtes zu messen. Nicht unser
Erdkörper bietet aber den Maasstab dazu dar; am Himmel selbst muß die
Messung vorgenommen werden. Olof Römer, ein Däne, fand in der Ver-
finsterung der Jupiters Trabanten, das Mittel dieses wichtige Problem zu lö-
sen. Er hatte in den Jahren 1670/75 mit dem älteren Cassini auf der Sternwar-
te viele Verfinsterungen der Jupiters Monde beobachtet, und gefunden, daß
der erste Mond nicht immer zur berechneten Zeit aus dem Schatten trat, und
daß der Austritt desselben sich immer mehr verspätete, je weiter sich die Erde
vom Jupiter entfernte: wogegen der Eintritt früher erfolgte, jemehr sie sich
demselben näherte, so daß der größte Unterschied 14 Min. betrug. Römer schloß,
daß diese Ungleichheit von dem Abstande der Erde und des Jupiters von einander
abhange, und eine Folge der verschiedenen Zeit sey, welche das Licht brauche, um
bei ungleicher Entfernung die Erde zu erreichen. – Genauere Berechnungen
haben später gezeigt, daß das Licht in einer Sekunde 40,000 Meilen zurücklegt;
es gelangt daher von der Sonne bis zu uns, in 8 Min. 13 Sek. Dagegen braucht
es vom Syrius 31 Jahr, und vom entferntesten Nebelfleck mindestens 24,000
Jahr. Dies giebt eine Entfernung von 33,000 Billionen Meilen. Es folgt daraus,
daß das Weltgebäude ein Alter von wenigstens 24,000 Jahr hat, weil das
Licht was wir heute sehen, schon vor so langer Zeit von dort ausgeflossen ist.
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Dieses Werk wurde auf der Grundlage der Transkription in
Hamel, Jürgen u. Klaus Harro Tiemann (Hg.) (1993): Alexander von Humboldt:
Über das Universum. Die Kosmosvorträge 1827/28 in der Berliner Singakademie.
Frankfurt a. M.: Insel.
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[Kohlrausch, Henriette]: Physikalische Geographie. Vorgetragen von Alexander von Humboldt. [Berlin], [1828]. [= Nachschrift der ‚Kosmos-Vorträge‛ Alexander von Humboldts in der Sing-Akademie zu Berlin, 6.12.1827–27.3.1828.], S. 3v. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/nn_msgermqu2124_1827/10>, abgerufen am 25.09.2024.
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