Schon längst kannte man an dem kristallisirten Kalkspath, (dem sogenannten Islän- dischen Doppelspath) die Eigenschaft jeden Lichtstrahl der in denselben eindringt, in zwei Strahlen zu spalten. Der eine Theil des gebrochenen Strahls befolgt das allgemeine Bre- chungsgesetz, und diesen nennt man den gewöhnlich gebrochenen oder schlechthin den gewöhnlichen Strahl; der andere Theil, der ungewöhnliche Strahl folgt einem verwickel- teren Gesetz und erscheint aus der Richtung des gewöhnlichen Strahls ein wenig ab- wärts getrieben. - Diese eigenthümliche Art der Brechung erklärt die Entstehung der doppelten Bilder, welche der Kalkspath in gewissen Richtungen erscheinen läßt.
Neuere Beobachtungen haben gelehrt, daß die meisten natürlichen und künstlichen Kristallisationen, mehr oder weniger dieselbe Eigenschaft der doppel- ten Strahlenbrechung besitzen.
Arago hat die Verschiedenheit des, von glühenden, festen, oder flüssigen Kör- pern, und desHamel/Tiemann (Hg.) 1993, S. 177: "das". von verbrennenden Gasarten ausgehenden Lichtes untersucht, und gefunden, daß im ersteren Falle das Licht theilweise durch Refraction polarisirt wird, während dagegen die Strahlen des letzteren unter denselben Umständen kein Zeichen davon geben. - Diese Beobachtung ist wichtig für die Kenntniß des Zustandes der Weltkörper, und eine Bereicherung der physischen Astronomie da sie uns erkennen lehrt, ob das ausstrahlende Licht von einem gasförmi- gen oder festen Körper herrührt. Das Sonnenlicht erweist sich, wie das einer Lampe von Wasserstoffgas nicht polarisirt, und berechtigt uns zu der Annahme, daß es aus einer gasförmigen Umhüllung des festen, dunkeln Sonnenkörpers seinen Ursprung nehme.
entgehen kann.
Schon längst kannte man an dem kristallisirten Kalkspath, (dem sogenannten Islän- dischen Doppelspath) die Eigenschaft jeden Lichtstrahl der in denselben eindringt, in zwei Strahlen zu spalten. Der eine Theil des gebrochenen Strahls befolgt das allgemeine Bre- chungsgesetz, und diesen nennt man den gewöhnlich gebrochenen oder schlechthin den gewöhnlichen Strahl; der andere Theil, der ungewöhnliche Strahl folgt einem verwickel- teren Gesetz und erscheint aus der Richtung des gewöhnlichen Strahls ein wenig ab- wärts getrieben. – Diese eigenthümliche Art der Brechung erklärt die Entstehung der doppelten Bilder, welche der Kalkspath in gewissen Richtungen erscheinen läßt.
Neuere Beobachtungen haben gelehrt, daß die meisten natürlichen und künstlichen Kristallisationen, mehr oder weniger dieselbe Eigenschaft der doppel- ten Strahlenbrechung besitzen.
Arago hat die Verschiedenheit des, von glühenden, festen, oder flüssigen Kör- pern, und desHamel/Tiemann (Hg.) 1993, S. 177: "das". von verbrennenden Gasarten ausgehenden Lichtes untersucht, und gefunden, daß im ersteren Falle das Licht theilweise durch Refraction polarisirt wird, während dagegen die Strahlen des letzteren unter denselben Umständen kein Zeichen davon geben. – Diese Beobachtung ist wichtig für die Kenntniß des Zustandes der Weltkörper, und eine Bereicherung der physischen Astronomie da sie uns erkennen lehrt, ob das ausstrahlende Licht von einem gasförmi- gen oder festen Körper herrührt. Das Sonnenlicht erweist sich, wie das einer Lampe von Wasserstoffgas nicht polarisirt, und berechtigt uns zu der Annahme, daß es aus einer gasförmigen Umhüllung des festen, dunkeln Sonnenkörpers seinen Ursprung nehme.
<TEI><text><body><divtype="session"n="14"><p><pbfacs="#f0133"n="65r"/>
entgehen kann.</p><lb/><p>Schon längst kannte man an dem kristallisirten Kalkspath, (dem sogenannten Islän-<lb/>
dischen Doppelspath) die Eigenschaft jeden Lichtstrahl der in denselben eindringt, in zwei<lb/>
Strahlen zu spalten. Der eine Theil des gebrochenen Strahls befolgt das allgemeine Bre-<lb/>
chungsgesetz, und diesen nennt man den <hirendition="#aq">gewöhnlich</hi> gebrochenen <choice><abbr>od.</abbr><expanresp="#BF">oder</expan></choice> schlechthin den<lb/><hirendition="#aq">gewöhnlichen Strahl</hi>; der andere Theil, der <hirendition="#aq">ungewöhnliche Strahl</hi> folgt einem verwickel-<lb/>
teren Gesetz und erscheint aus der Richtung des gewöhnlichen Strahls ein wenig ab-<lb/>
wärts getrieben. – Diese eigenthümliche Art der Brechung erklärt die Entstehung<lb/>
der doppelten Bilder, welche der Kalkspath in gewissen Richtungen erscheinen läßt.</p><lb/><p>Neuere Beobachtungen haben gelehrt, daß die meisten natürlichen und<lb/>
künstlichen Kristallisationen, mehr oder weniger dieselbe Eigenschaft der doppel-<lb/>
ten Strahlenbrechung besitzen.</p><lb/><p><hirendition="#aq"><persNameref="http://www.deutschestextarchiv.de/kosmos/person#gnd-118847767 http://d-nb.info/gnd/118847767">Arago</persName></hi> hat die Verschiedenheit des, von glühenden, festen, oder flüssigen Kör-<lb/>
pern, und des<noteresp="#CT"type="editorial">Hamel/Tiemann (Hg.) 1993, S. 177: "das".</note> von verbrennenden Gasarten ausgehenden Lichtes untersucht, und<lb/>
gefunden, daß im ersteren Falle das Licht theilweise durch Refraction polarisirt<lb/>
wird, während dagegen die Strahlen des letzteren unter denselben Umständen<lb/>
kein Zeichen davon geben. – Diese Beobachtung ist wichtig für die Kenntniß des<lb/>
Zustandes der Weltkörper, und eine Bereicherung der physischen Astronomie<lb/>
da sie uns erkennen lehrt, ob das ausstrahlende Licht von einem gasförmi-<lb/>
gen <choice><abbr>od.</abbr><expanresp="#BF">oder</expan></choice> festen Körper herrührt. Das Sonnenlicht erweist sich, wie das<lb/>
einer Lampe von Wasserstoffgas <hirendition="#aq">nicht polarisirt</hi>, und berechtigt uns zu der<lb/>
Annahme, daß es aus einer gasförmigen Umhüllung des festen, dunkeln<lb/>
Sonnenkörpers seinen Ursprung nehme.</p><lb/></div></body></text></TEI>
[65r/0133]
entgehen kann.
Schon längst kannte man an dem kristallisirten Kalkspath, (dem sogenannten Islän-
dischen Doppelspath) die Eigenschaft jeden Lichtstrahl der in denselben eindringt, in zwei
Strahlen zu spalten. Der eine Theil des gebrochenen Strahls befolgt das allgemeine Bre-
chungsgesetz, und diesen nennt man den gewöhnlich gebrochenen od. schlechthin den
gewöhnlichen Strahl; der andere Theil, der ungewöhnliche Strahl folgt einem verwickel-
teren Gesetz und erscheint aus der Richtung des gewöhnlichen Strahls ein wenig ab-
wärts getrieben. – Diese eigenthümliche Art der Brechung erklärt die Entstehung
der doppelten Bilder, welche der Kalkspath in gewissen Richtungen erscheinen läßt.
Neuere Beobachtungen haben gelehrt, daß die meisten natürlichen und
künstlichen Kristallisationen, mehr oder weniger dieselbe Eigenschaft der doppel-
ten Strahlenbrechung besitzen.
Arago hat die Verschiedenheit des, von glühenden, festen, oder flüssigen Kör-
pern, und des von verbrennenden Gasarten ausgehenden Lichtes untersucht, und
gefunden, daß im ersteren Falle das Licht theilweise durch Refraction polarisirt
wird, während dagegen die Strahlen des letzteren unter denselben Umständen
kein Zeichen davon geben. – Diese Beobachtung ist wichtig für die Kenntniß des
Zustandes der Weltkörper, und eine Bereicherung der physischen Astronomie
da sie uns erkennen lehrt, ob das ausstrahlende Licht von einem gasförmi-
gen od. festen Körper herrührt. Das Sonnenlicht erweist sich, wie das
einer Lampe von Wasserstoffgas nicht polarisirt, und berechtigt uns zu der
Annahme, daß es aus einer gasförmigen Umhüllung des festen, dunkeln
Sonnenkörpers seinen Ursprung nehme.
Informationen zur CAB-Ansicht
Diese Ansicht bietet Ihnen die Darstellung des Textes in normalisierter Orthographie.
Diese Textvariante wird vollautomatisch erstellt und kann aufgrund dessen auch Fehler enthalten.
Alle veränderten Wortformen sind grau hinterlegt. Als fremdsprachliches Material erkannte
Textteile sind ausgegraut dargestellt.
Dieses Werk wurde auf der Grundlage der Transkription in
Hamel, Jürgen u. Klaus Harro Tiemann (Hg.) (1993): Alexander von Humboldt:
Über das Universum. Die Kosmosvorträge 1827/28 in der Berliner Singakademie.
Frankfurt a. M.: Insel.
anhand der Vorlage geprüft und korrigiert, nach XML/TEI P5 konvertiert und gemäß
dem DTA-Basisformat
kodiert.
Abweichungen dieser Druckedition von der Manuskriptvorlage werden im Text an
der entsprechenden Stelle in editorischen Kommentaren ausgewiesen.
[Kohlrausch, Henriette]: Physikalische Geographie. Vorgetragen von Alexander von Humboldt. [Berlin], [1828]. [= Nachschrift der ‚Kosmos-Vorträge‛ Alexander von Humboldts in der Sing-Akademie zu Berlin, 6.12.1827–27.3.1828.], S. 65r. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/nn_msgermqu2124_1827/133>, abgerufen am 25.09.2024.
Alle Inhalte dieser Seite unterstehen, soweit nicht anders gekennzeichnet, einer
Creative-Commons-Lizenz.
Die Rechte an den angezeigten Bilddigitalisaten, soweit nicht anders gekennzeichnet, liegen bei den besitzenden Bibliotheken.
Weitere Informationen finden Sie in den DTA-Nutzungsbedingungen.
Insbesondere im Hinblick auf die §§ 86a StGB und 130 StGB wird festgestellt, dass die auf
diesen Seiten abgebildeten Inhalte weder in irgendeiner Form propagandistischen Zwecken
dienen, oder Werbung für verbotene Organisationen oder Vereinigungen darstellen, oder
nationalsozialistische Verbrechen leugnen oder verharmlosen, noch zum Zwecke der
Herabwürdigung der Menschenwürde gezeigt werden.
Die auf diesen Seiten abgebildeten Inhalte (in Wort und Bild) dienen im Sinne des
§ 86 StGB Abs. 3 ausschließlich historischen, sozial- oder kulturwissenschaftlichen
Forschungszwecken. Ihre Veröffentlichung erfolgt in der Absicht, Wissen zur Anregung
der intellektuellen Selbstständigkeit und Verantwortungsbereitschaft des Staatsbürgers zu
vermitteln und damit der Förderung seiner Mündigkeit zu dienen.
Zitierempfehlung: Deutsches Textarchiv. Grundlage für ein Referenzkorpus der neuhochdeutschen Sprache. Herausgegeben von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Berlin 2024. URL: https://www.deutschestextarchiv.de/.